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live von der IOC-Krönungsmesse

„Good morning, good evening, good afternoon“, hat er gerade gesagt, der IOC-Präsident Thomas Bach (FDP, UDIOCP). Das IOC habe die gesellschaftliche Relevanz des Sports für die gesamte Welt gestärkt, sagt er. Mindestens. Die internationale Gemeinschaft stehe geschlossen hinter dem IOC und dem Sport und der gewaltigen Rolle, die dem Sport bei der Bekämpfung der Pandemie zukomme – und natürlich für den Weltfrieden. „The G20 leaders expressed in their final declaration their strong support for Tokyo 2020 and for the Olympic Winter Games 2022.“

Merken Sie etwas? Bach hat die skandalösen Winterspiele bei den KZ-Betreibern in China gleich inkludiert. Propaganda. Das IOC steht geschlossen hinter „our Chinese partners and friends“.

Willkommen in der olympischen Familie.

Da ich der 137. IOC-Session sowieso folge, kann ich auch gleich wieder eine kleine live-Berichterstattung anbieten, wie so oft.

Viel Vergnügen.

Seine Olympische Heiligkeit: Thomas Bach (FDP)

Nationalstadion, Tokio, November 2020. (Foto: Greg Martin/IOC)

Natürlich werden die IOC-Mitglieder ihrem Großen Vorsitzenden am Mittwoch wieder huldigen. Auf der virtuellen 137. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) werden sie Lobeshymnen singen auf Thomas Bach (FDP/UDIOCP), 67, den sie für eine zweite vierjährige Amtszeit bestätigen – ohne Gegenkandidaten. Wer sich einen Eindruck verschaffen will von den Usancen im IOC, kann sich auf YouTube die 136. Session vom Juli 2020 anschauen, als Bach, IOC-Präsident seit 2013, seinem Wahlvolk mitgeteilt hatte, dass er weiter zur Verfügung steht.

Hier gibt es nochmal die Kurzfassungen und Einordnungen dazu:

Es sollte alles so spontan wirken, und war doch inszeniert, wie immer bei Bach. Ein Drittel der IOC-Mitglieder setzte zum spontanen Jubel an, viele lasen die Hymnen von Zetteln oder Bildschirmen ab. „Führer“ war das am meisten benutzte Wort. Gepriesen wurden Bachs „Weisheit“, seine „Visionen“, seine „fantastischen“ Reden und Qualitäten, seine „Integrität, Transparenz und Menschlichkeit“. Er sei der einzige „Kapitän“, der das IOC durch schwere Wasser führen könne.

Stellungnahme(n) für den Sportausschuss zur Nationalen Strategie Sportgroßveranstaltungen

Gewesene und munter weiter tagträumende Olympiabewerber Mronz (FDP), Rücker (DOSB), Laschet (CDU) – IOC-Gottheit (FDP), einst in Lausanne. (Foto: IOC/Greg Martin)

Lektüre. Umfangreiche Lektüre. Dieser Beitrag wird durch Original-Dokumente ergänzt. Für den Abend Dienstagabend hatten BMI und DOSB flink noch ein sogenanntes Hintergrundgespräch angesetzt, es geht halt um die Kommunikationsherrschaft, die man längst verloren hat. Aber schaun mer mal – und lassen Dokumente sprechen.

Für das Hintergrundgespräch waren natürlich einige Journalisten, die derlei Themen beackern, das sind ja nicht viele, nicht geladen. Wie das so ist. Zitieren dürfen soll man auch nicht. Sagen wir es deshalb zunächst so: Es hat sich zusätzlich einiges bestätigt, was ich in meinem Papier skizziert habe. Es ist teilweise viel schlimmer. Der parlamentarische Ausschuss tagt – aber diejenigen, die kontrolliert und gezügelt werden sollten, haben sich längst geeinigt.

Immerhin, das Papier wurde gut gelesen. Vertreter von BMI und DOSB haben mehrfach zitiert und sind sogar bis zum Ende meiner Stellungnahme gekommen.

Hier zunächst meine eigene Stellungnahme als Einzelsachverständiger zur öffentlichen [sic] Anhörung im Sportausschuss des Bundestages am Mittwoch, 3. März 2021. Dazu, zum Vergleich, die Stellungnahme des DOSB – darunter einige Dokumente, die in meiner Ausarbeitung erwähnt sind, machen Sie sich selbst ein Bild. Eben kam als letztes Papier gerade noch die Stellungnahme des BMI rein. Noch so ein komisches Detail. Auf die merkwürdigen Usancen bin ich ausführlich eingegangen und werde das in den nächsten Tagen noch ausführlicher tun.

Die Anhörung findet am Mittwoch um 14.00 Uhr statt und wird im Bundestags-TV live übertragen. Nebenan beim Sportausschuss finden sich weitere Stellungnahmen.

Stay tuned.

Stellungnahme JW zum Dauer-Scheitern von deutschen Olympiabewerbungen und zur Nationalen Strategie Sportgroßveranstaltungen (die noch unter Sperrfrist ist):

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Der verzweifelte Versuch von DOSB und BMI, die Kommunikationsherrschaft zu erlangen

Das kann man mal so stehen lassen. Hier das gerade vom DOSB bereitgestellte Dokument zu einem weiteren bizarren Termin in Sachen Olympiabewerbung 2032 – eine Antwort auf die Herren Laschet und Mronz.

Olympia in NRW? „Wir sind zu jedem Tag bereit“, sagt Armin Laschet

Ich empfehle sehr diese knappe Stunde Pressetermin mit den Herren Laschet (CDU) und Mronz (FDP). Es geht um die vorerst gescheiterte Olympiabewerbung NRW 2032, die weiter geführt werden soll. Mindestens für 2036, für die dreißiger Jahre, wie Laschet sagt, der ja bald Kanzler sein will. Oder schon für 2024, wie Mronz scherzt, ein Scherz, der einem in diesem Zusammenhang erstarren lässt: „Eigentlich könnten wir auch 2024 die Spiele ausrichten.“

Gegen die Wand (2): Brisbane und #NRW2032

November 2020, Tokio: John Coates, Thomas Bach, Premier Scott Morrison, Botschafterin Jan Adams (Foto: IOC/Greg Martin)

Ich liebe und hasse Queensland. Ich hatte das Glück, dort 2019 zehn Tage an der Gold Coast zu verbringen, zum Weltsportgipfel SportAccord. Einfach grandios. Atemraubend. Jeden Morgen stundenlange Spaziergänge am Strand. Und es gibt dort viele Kilometer Strand. Andererseits sind da einige verdammt ekelhafte Sportfunktionäre aus Queensland, die meiner Freundin und Kollegin Bonita Mersiades, einer verdienten FIFA-Whistleblowerin, das Leben zur Hölle gemacht haben und sie vernichten wollten. Hier geht es zu den Texten, die ich gemeinsam mit James Corbett dazu veröffentlicht habe.

SportAccord war damals, ein Jahr nach den Commonwealth Games, eine wichtige Station auf dem Weg zu den Olympischen Sommerspielen 2032, die nun so nah sind – für Brisbane und Queensland, nicht aber für NRW. Das sportpolitische Thema dieser Tage. Das Scheitern, das neuerliche Scheitern, hatte ich im Grunde bereits zum Auftakt der NRW-Kampagne vorhergesagt, in diesem Text: Gegen die Wand.


Die jüngere Geschichte deutscher Olympiabewerbungen ist eine unwürdige Ansammlung von Skandalen, der Verschwendung von Steuermitteln und allerlei anderen traurigen Konstanten. Sechsmal in Folge waren deutsche Bewerbungen seit 1986 erfolglos gewesen und scheiterten zuletzt zweimal am Bürgerwillen (München 2022, Hamburg 2024). Nun muss die Offerte von Nordrhein-Westfalen für die Sommerspiele 2032 eingestellt werden, selbst wenn sich Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Dienstag absurder Weise noch zuversichtlich zu den hochfliegenden Plänen geäußert hatte. Am Mittwochabend bestätigte das Internationale Olympische Komitee (IOC), dass die Spiele 2032 höchstwahrscheinlich in Brisbane stattfinden, im australischen Bundesstaat Queensland. 

Deutschlands Möchtegern-Olympiabewerber wurden auf allerlei Ebenen brutalst überrascht. Es ist ein neuer Tiefpunkt in den Jahrzehnten der Bewerbungs-Peinlichkeiten.

Offiziell gibt es weiterhin nur eine sogenannte Privatinitiative Rhein-Ruhr, geführt von Michael Mronz (FDP), Sportvermarkter und Mitinhaber der nicht unumstrittenen PR-Agentur Storymachine.

Auch IOC-Präsident Thomas Bach ist FDP-Mitglied.

So war vieles an den NRW-Hirngespinsten mit der unausgesprochen Hoffnung verbunden, der Große deutsche IOC-Vorsitzende werde es irgendwie schon richten.

Eine absurde Fehleinschätzung.

RIP, Walther Tröger

Walther Tröger (†) auf der IOC-Session 2011 in Durban bei seiner Rede für die Münchener Olympiabewerbung. (Foto: IOC/Richard Juilliart)

Kurz vor Vollendung seines 92. Lebensjahres starb gestern Walther Tröger.

Walther Tröger hat den deutschen Sport ein halbes Jahrhundert lang geprägt. Auf Tröger’sche Art, wie sonst, mit allen Höhen und Tiefen. Er war NOK-Generalsekretär, NOK-Präsident, IOC-Sportdirektor (wirklich ehrenamtlich) und IOC-Mitglied. Gewiss, der liebe Walther war kein Visionär, sondern eher ein Verwalter. So habe ich es oft genug beschrieben – doch zwischen diesen Titulierungen liegen reichlich Grautöne. Vor allem: Es brauchte stets einen wie ihn.

Man muss sich das bewusst machen: Tröger hat mehrere Epochen mitgestaltet. Zu Beginn seiner NOK-Tätigkeit organisierte er gemeinsame deutsche Olympiamannschaften, mitten im Kalten Krieg. Als das IOC das ostdeutsche NOK voll anerkannte, reagierten Willi Daume & Co, dazu gehörte eben auch Tröger, mit dem Plan München 1972. Während dieser Spiele war Tröger Bürgermeister des Olympischen Dorfes. Dann organisierte er weitere zwei Jahrzehnte die (west)deutschen olympischen Belange und diente in der Phase der kommerziellen Umgestaltung Olympias (inklusive der Modernisierung und Öffnung des Programms für Profis) als IOC-Sportdirektor. Der Kalte Krieg tobte noch immer.

Die Mauer fiel – und Tröger organisierte 1992 halt wieder gemeinsame, nun die gesamtdeutschen Olympiamannschaften. Weiter, immer weiter, mit all den Problemen, die der Vereinigungsprozess mit sich brachte.

Eine atemraubende Vita. Von der Nachkriegsära bis ins dritte Jahrtausend.

Walther Tröger war, bei allen gestalterischen Schwächen in der Spätphase, ein großer Olympier.

Er war ein feiner Mensch. Stets korrekt, was im olympischen Umfeld keine Selbstverständlichkeit ist.

Meinen Respekt hat er vor vielen Jahren auch deshalb gewonnen, weil er denjenigen gegenüber, die ihm große Schmerzen zugefügt haben, geradezu erbittert loyal geblieben ist. Er hat, soweit es mir bekannt ist, eben keine belastenden Dokumente und Stories durchgesteckt. Einerseits missfiel mir das, besonders in meinen jungen und wilden journalistischen Jahren, andererseits wusste ich es mit der Zeit zu schätzen.

So war er halt. Ein Gentleman.

Personenkult im IOC: Ministrant Bach in der Tradition des Supernumerariers Samaranch

Es ist keine Überraschung, dass Thomas Bach seine Präsidentschaft im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) vier Jahre verlängert. Überraschend ist allein, dass Bach nicht bereits am Freitag, auf der virtuellen 136. IOC-Vollversammlung, per Akklamation bis 2025 im Amt bestätigt wurde. Dieser formale Akt, die Krönungsmesse, soll stattdessen im Frühjahr 2021 in Athen erfolgen, so es das Coronavirus erlaubt.

Virtuelle IOC-Session, 17. Juli 2020. (Screenshot Youtube, IOC Media Channel)

Wahlkongress sollte man diese 137. IOC-Session in Griechenland nicht nennen. Denn die nunmehr 104 Mitglieder haben ihre Entscheidung längst getroffen. Ein Drittel aller Olympier feierten den Großen Vorsitzenden auf der von technischen Pannen geprägten Video-Session unterwürfig. Die wichtigsten Zitate finden sich hier im gestrigen Beitrag.

Führer war das am meisten benutzte Wort. Gepriesen wurden Bachs Weisheit, seine Visionen, seine durchweg fantastischen Reden und Qualitäten, seine Integrität, Transparenz und Menschlichkeit. Er sei der einzige Kapitän, der das IOC durch schwere Wasser führen könne. Etliche Mitglieder lasen ihre Jubelarien von Papieren oder Bildschirmen ab – was verwunderte, denn Bachs Regie hatte doch den Eindruck erwecken wollen, es sei alles so wahnsinnig spontan geschehen.

Personenkult im IOC: The one and only Great Leader Dr. Thomas Bach

Das ist alles, was man zur virtuellen IOC-Session wissen muss, die gerade noch läuft. Nicht etwa Tokio 2020/2021 stand im Mittelpunkt dieser olympisch-kommunistischen Propagandasession, sondern der Große Führer Thomas Bach.

„If you, the IOC Members want, I am ready to run for a second term as IOC President and to continue to serve you and this Olympic Movement, which we all love so much for another four years.“

Im Amt ist der Große IOC-Führer seit September 2013. Im Frühjahr 2021, so Corona es erlaubt, erhält er auf der in Athen geplanten Session die maximalen vier Jahre Nachschlag.

Es folgte heute Mittag eine Parade der Clacqueure. Ich glaube nicht, dass ich jemanden vergessen habe. Viele lasen die vorbereiteten Statements vom Blatt ab. Womöglich hatte Lausanne manchen Wortlaut vorgegeben.

Die Doppelmoral-Falle des Helmut Digel

Helmut Digel galt einst als ein Vordenker des deutschen Sports. Als Ruheständler blickt er gewissermaßen auf die Trümmer seiner Funktionärslaufbahn: Den Makel der langjährigen engen Zusammenarbeit mit dem kriminellen Diack-Clan wird er nicht los. Das schmerzt. In wirren Elaboraten, die seine Universität Wissenschaft nennt, wettert Digel gegen Sportler, Politiker, Funktionäre, Journalisten – und fordert „Solidarität mit IOC-Präsident Dr. Thomas Bach“. Faktentreue muss sich der Freizeitturner dabei nicht nachsagen lassen. Aus Anlass des Prozesses gegen Lamine Diack et al. in Paris: Eine Textkritik – ein aktualisierter Beitrag aus dem Magazin Sport & Politics.

Olympiakriminalität: Im Reich des Bargelds

Duzbrüder: IOC-Präsident Thomas Bach, IWF-Ganove Tamás Aján, langjähriges IOC-Mitglied – beim Treffen im IOC-Hauptquartier nach der gekauften Wiederwahl Ajáns 2017. (Foto: IWF)

Der Gewichtheber-Weltverband IWF ist seit einem halben Jahrhundert ein Hort der Korruption auf allen Ebenen. Zu diesem Ergebnis kommt der kanadische Jurist Richard McLaren, der mit seinem Team in den vergangenen Monaten die Machenschaften unter dem langjährigen IWF-Präsidenten Tamás Aján (Ungarn) beleuchtet hat. Der 122 Seiten umfassende Bericht wurde heute veröffentlicht.

Im Zeitraum von 2009 bis 2019, nur darauf konzentriert sich die Untersuchung, hat Aján 27,8 Millionen Dollar von IWF-Konten abgehoben oder Barsummen in Empfang genommen: Von Doping-Nationen, die sich damit freikauften, von Nationalverbänden für Beiträge und Lizenzen, sogar von Sponsoren. Der Verbleib von 10,4 Millionen Dollar ist ungeklärt. Die Verwendung der restlichen 17,4 Millionen ebenso skandalös.

Exclusive: A leaked list discloses how much cash the IOC has paid for the 2016 Olympics in Rio

SPORT & POLITICS, Heft 2

For the first time it can be revealed in detail how much cash the IOC paid to an Olympic host. Investigative journalist Jens Weinreich publishes the list of 117 payments to Rio 2016 in a worldwide exclusive in his magazine SPORT & POLITICS. The revelation helps to understand one of the most fundamental questions around the Olympic movement these days:

What kind of contribution can Tokyo 2020 really expect from the IOC?