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Was vom Tage übrig bleibt (97): Erklärung europäischer Sportminister, gekürzter McLaren-Bericht, Tokio 2020, Isinbajewa #IOC, Bildungs-Zensur

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Einige Notizen und Leseempfehlungen, die nicht in Vergessenheit geraten sollten.

1) Sportminister aus 19 europäischen Nationen haben eine Erklärung verabschiedet, in der sie die strikte Einhaltung der UNESCO-Konvention und der WADA-Regeln zum Doping fordern. Russland wird darin nicht genannt, das IOC auch nicht. Interessant für mich auf den ersten Blick: Deutschland ist natürlich wieder nicht dabei. Hallo, BMI, halle Herr de Maizière? Mal wieder etwas verpasst?

Klar doch.

Ob es gegen Doping oder gegen Korruption geht: Deutschland gehört traditionell nie zu den Vorreitern, im Gegenteil, es zählt fast immer zu den Schlusslichtern. Daran ändert auch die Ausrichtung der MINEPS V Konferenz 2013 in Berlin nichts. Deutschland gehört zu den Blockierern, offenbar will man einem deutschen IOC-Präsidenten ohnehin nicht im Wege stehen, wenn der seine Putin-Nummer durchzieht.

Die Erklärung im Wortlaut, nicht sehr ergiebig, aber immerhin:

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Rio de Janeiro’s Olympic Gamble

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Juliana Barbassa hat ein großartiges Buch über die Cidade Maravilhosa, über Rio de Janeiro, über das brasilianische Leben, über Transformationsprozesse, über Versprechen und Realität, Schein und Sein und darüber geschrieben, was Mega-Events für eine Stadt, für ein Land und seine Bürger bedeuten: „Dancing with the Devil in the City of God – Rio de Janeiro and the Olympic Dream“. Sie schreibt hier über unerfüllte Versprechen und unvergleichliche Krisen – unmittelbar vor den Spielen der XXXI. Olympiade, die kommenden Mittwoch mit den ersten Vorrundenspielen im Fußball beginnen und am 5. August offiziell eröffnet werden, in einem Olympiastadion, das noch immer den Namen eines der größten Ganoven der olympischen Geschichte trägt: João Havelange.

When International Olympic Committee president Jacques Rogge held up the envelope with the five rings and pulled out the name of the host city for the 2016 Olympic Games, Rio de Janeiro residents exploded into celebration: fireworks and confetti lit up the sky, and thousands wearing yellow and green, Brazil’s national colors, danced along Copacabana Beach.

The glee of beach-goers on that October day in 2009 was an immediate reaction to the IOC’s vote, but it was fueled by a larger phenomenon – a momentous transformation of the country. Brazil was flourishing economically and it was politically stable, this was something worth celebrating.

But there was more: the deeply ingrained inequality that marked the country was diminishing. With Luiz Inácio Lula da Silva, a Workers Party (and working class) president in power, and the discovery of oil along Rio de Janeiro’s shore there seemed to be money and political will to address the historical deficits in education, health, and access to rights that hampered so many Brazilians, and hamstrung the country’s development.

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The story behind the story of Russia, Doping, WADA and the IOC

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Mail on Sunday, Juli 2013

Mail on Sunday, Juli 2013

Meine Kollegen Martha Kelner und Nick Harris haben im Juli 2013 in der „Mail on Sunday“ erstmals über die großflächige russische Doping-Verschwörung berichtet. Sie hatten die Aussagen von einem Dutzend russischer Whistleblower zusammen getragen. Doch bis zur ersten ARD-Dokumentation im Dezember 2014 passierte: nichts. IAAF? Totenstille. WADA? Totenstille. IOC? Büro-Mikado. Ich hatte eigentlich vor, die Geschichte dieser Enthüllung selbst aufzuschreiben, nun ist mir Nick zuvor gekommen, umso besser. Hier sein Beitrag:

The International Olympic Committee (IOC) was aware Russia ran a state-sponsored doping programme in which the head of that nation’s WADA-accredited lab was a central figure as long ago as the first week of July 2013.

I know this because I told them.

I told them on the phone and then I told them in writing.

They acknowledged this was new information to them and they asked for more, which was provided. This piece will include proof of that, in detail, in a moment.

The IOC then said they had ‘passed it on internally to the relevant people and we will get back to you as soon as we get a response.’

They never did get back to me. Apparently they did nothing at all with that information, some of which was utterly extraordinary. For example: we uncovered the fact that the head of the corrupted lab, Grigory Rodchenkov, had been arrested in 2011 for alleged involvement in a doping ring, along with his sister.

While in custody and terrified of shameful exposure, Rodchenkov made a grizzly suicide attempt and was committed by the Russian authorities to an asylum for more than two months.

>His performance-enhancing drug-dealing case was assigned to a secret court. Records of that case then ‘disappeared’. His sister was initially sent to prison, then released.

Rodchenkov was privately freed to go back to work at the Moscow lab to oversee the systematic doping corruption of major events including the 2014 Winter Olympics in Russia.

The IOC said they had no knowledge of Rodchenkov’s wrong-doing, arrest, asylum trauma or return to work for corrupt purposes when informed about it in July 2013 – or three years ago, in other words. But when they were given that information they chose to ignore it, apparently.

In doing so, they allowed the Sochi Olympics – the Olympics of which they are guardians – to be corrupted, despite further specific warnings in a series of national newspaper articles that Russia would corrupt the Sochi Games. The IOC let state-sponsored doping flourish.

Extremely belatedly, after two investigations by the world anti-doping agency (WADA) showed Russian state-sponsored doping to be a fact (something WADA were told about in 2012, and again in 2013, at the same time as the IAAF, the world governing body of athletics, details also to follow below), the IOC had a decision to make over whether to let tainted Russia take part part in second Olympics with the IOC’s full knowledge of the problem.

Yesterday the IOC said Russia was good to go, in effect. Fit for Rio. Despite a mountain of hard evidence about a long-standing, wide-ranging endemic doping problem across Russian sport, the IOC decided not to put a blanket ban on Russia at Rio 2016.

This is not an opinion piece.

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Thomas Bach: die vielfältigen Lebenssachverhalte des unpolitischsten deutschen IOC-Präsidenten

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Youth Olympic Games 2014 (Foto: IOC Media)

Youth Olympic Games 2014 (Foto: IOC Media)

Wer ist dieser Mann, der die bislang mutigste und wichtigste Whistleblowerin in der Geschichte des olympischen Sports nicht zu den Sommerspielen in Rio de Janeiro zulässt, weil Stepanowa, die ihr Leben aufs Spiel setzte, angeblich nicht „die ethischen Anforderungen“ erfülle, „um an den Olympischen Spielen teilzunehmen“?

Wer ist dieser Mann, der Entscheidungen organisiert, die in weiten Teilen des Planeten blankes Entsetzen auslösen? (Außer in Russland, China, Aserbaidschan, Turkmenistan, Weißrussland, Katar und anderen olympischen, spezialdemokratischen Mächten.)

Wer ist dieser Mann, der Wladimir Putins nachweislich totalkorrupten Propagandaspiele in Sotschi als großen Erfolg und als „Spiele der Athleten“ bezeichnete?

Wer ist dieser Mann, der die Aufklärung des russischen Staatsdopingssystems, über das Nick Harris und Martha Kelner bereits im Juli 2013 exklusiv und großflächig berichteten (und alle wichtigen Institutionen informierten), gemeinsam mit vielen anderen führenden Funktionären aus der großen olympischen Sportfamilie (WADA, IAAF, IOC, FINA, ANOC, EOC, IJF, UWW, IIHF, ASOIF etc pp), von denen viele tief im Sumpf stecken, letztlich bis 2016 routiniert verzögerte? (Für Droh-Anwälte: Das Verb „verzögern“ sollte es doch mindestens treffen, oder?)

Wer ist dieser Mann, der sicher stellt, dass Russlands NOK, per se im Zentrum des Staatsdopingssystems und per se nicht konform mit der Olympischen Charta (weil Funktionäre von der Politik benannt und abberufen werden, weil Funktionäre die ihnen zugedachte Rolle ausführen), nicht suspendiert wird, so wie das Olympische Grundgesetz es in zahlreichen Artikeln vorsieht?

Wer ist dieser Mann, der sicher stellt, dass die russische Flagge in Rio de Janeiro weht und damit seinen Sportkameraden Wladimir Putin, Ehrenpräsident zweier Sport-Weltverbände (Judo und Sambo) und mächtigste Figur des letzten Jahrzehnts im olympischen Weltsport, zufrieden stellt?

Foto: President of Russia

Foto: President of Russia

Wer ist dieser Mann, der das Glück hatte, als Präsident eines Monopol-Unternehmen seit 2013 gigantische Marketingverträge (TV und Sponsoring) im Wert von mehr als 13 Milliarden Dollar, teilweise bis 2030 datiert, zu unterschrieben, der aber gleichzeitig hauptverantwortlich dafür ist, dass das Image des supranationalen Sportkonzerns IOC auf Null gesunken ist?

Wer ist dieser Mann – und das vor allem -, der gegen den Willen tausender Elitesportler aus aller Welt agiert, gegen die verzweifelten Aufrufe und Initiativen der Athletensprecher von WADA und IOC, gegen die auf Fakten basierende Argumentation wichtiger und vergleichsweise halbwegs unbelasteter nationaler Antidoping-Agenturen, ja am Ende sogar gegen die Deklaration der flink gewendeten WADA?

Wer ist dieser Mann, der verantworten muss, dass die Atmosphäre dieser ohnehin von Organisationschaos und Korruption überschatteten Rio-Spiele durch die Lex Russland extrem vergiftet wird?

Diesen Brief hat Thomas Bach übrigens an seine olympische Familie geschrieben:

Wer ist dieser Mann, dessen alte Mitstreiter, Freunde, Helfer und fürstlich entlohnte Propagandisten behaupten, er stehe gar nicht so gut mit Freund Wladimir, das sei alles nur eine Erfindung der Medien?

Wer ist dieser Mann, von dem ausgerechnet sein Leib- und Magenblatt FAZ, ihm Jahrzehnte wohl gesonnen, nun sagt, er falle vor „den Verrätern der olympischen Idee auf die Knie“?

Wer ist dieser Mann, dessen Macht im IOC und in der olympischen Bewegung, ja, sie nennen es: Bewegung, zu großen Teilen auf Deals mit dubiosen Figuren basiert – etwa Scheich Ahmad Al-Fahad Al-Sabah aus Kuwait; Patrick Hickey aus Irland; Julio Maglione aus Uruguay; Lamine Diack aus dem Senegal; Witali Smirnow, Schamil Tarpischtschew aus Russland, die beiden KGB-Spione; René Fasel aus der Schweiz, um nur einige zu nennen?

Sportkameraden Lamine Diack (unter Hausarrest), Scheich Ahmad (verklagt im Emirat Kuwait), Thomas Bach

Sportkameraden Lamine Diack (unter Hausarrest), Scheich Ahmad (verklagt im Emirat Kuwait), Thomas Bach (Foto: ANOC)

Wer ist dieser Mann, der im Laufe seiner Karriere meist im Graubereich zwischen Sport, Wirtschaft und Politik lavierte, meist in bester Deckung? Gern in traumhaft entlohnten Lobbyisten-Rollen, die eines aber gewiss nicht waren: eine Verquickung von Job und Ehrenamt, darauf legte Dr. Bach Wert, wann immer einer dieser Verträge öffentlich wurde, ob nun Holzmann oder Siemens?

Wer ist dieser Mann, der auch in der Russland-Doping-Frage zuletzt wieder das ganze propagandistische Arsenal aufgefahren hat, das man seit den frühen 1990er Jahren von ihm kennt?

Wer ist dieser Thomas Bach, der trotz seiner vermeintlichen Reform-Agenda 2020 die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2022 nach Peking und damit Gigantismus und Verletzung von Menschenrechten verantworten muss?

Wer ist dieser Fecht-Olympiasieger von 1976, Franke, glühendes FDP-Mitglied, ehemaliger Adlatus des Adidas-Zampanos Horst Dassler?

Wer ist dieser 62-Jährige, den die Nähe zu den Mächtigen schon immer faszinierte?

Wer ist Thomas Bach?

Ziemlich viele Fragen. Ich könnte mehr davon stellen. Berechtigte Fragen. Fragen dieses Tages, dieser Wochen, dieser Stunden.

Screenshot ARD

Screenshot ARD

Ich möchte Ihnen einige Optionen für Antworten offerieren. Ich werde weder den großen Bach-Versteher geben, noch einen vernichtenden Text anbieten. Ich denke, die Ereignisse der vergangenen Wochen sprechen, wie vieles andere aus den vergangenen Jahrzehnten, durchaus für sich. Wenn ich Ihnen noch einige Hintergründe, Erklärungen, Beobachtungen, Fakten liefern kann, geht das in Ordnung. Es ist ein sehr langer Text. Ergänzend dazu gibt es in diesem Blog gewiss mehr als 100 Beiträge, vielleicht sogar 200, die sich im weitesten Sinne mit dem Leben und Wirken des neunten IOC-Präsidenten befassen. Kürzlich habe ich etliche dazu verlinkt, unter der von Bach geprägten Formulierung der „vielfältigen Lebenssachverhalte“, die er immer dann wählte, wenn es in Deutschland für ihn etwas brenzlig wurde. Sollten Sie mit dem Begriff der Lebenssachverhalte – die virtous zwischen persönlichen, geschäftlichen, nationalen, supranationalen, olympischen und universalen Lebenssachverhalten changieren und sich jeder Situation anpassen – noch nicht so vertraut sein, nehmen Sie sich doch bitte einen Tag Zeit und überfliegen diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und jenen und weitere Texte, lesen dieses Ebook, folgen den Links in all diesen Textangeboten und studieren die Dokumente.

Willkommen in der Spezialdemokratie des Tauberbischofsheimer Fechtmeisters, wo man ein Faible dafür hat, Kausalitäten und sonstige Zusammenhänge (etwa im russischen Staat und in der russischen Sportdopingpolitik) als eine Aneinanderreihung von Zufällen zu betrachten.

Inzwischen ist er ja HON-Circle-Weltenbürger, verkehrt als Boss einer Parallelgesellschaft fast nur noch mit den Großen des Planeten und verschaffte dem IOC endgültig Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen.

Nennen wir dieses bescheidene Angebot also: eine total unvollständige Collage, die sich vor allem mit den Wurzeln des Thomas Bach und seinem Aufstieg befasst, die zu großen Teilen auf meinem IOC-Ebook „Macht, Moneten, Marionetten“ beruht, letztlich aber auf einem Vierteljahrhundert (herrjeh) in diesem Business, oft genug im wahrsten Sinne des Wortes auf den Spuren und auf der Fährte des heutigen IOC-Präsidenten, wie etwa 1996 in einem Luxushotel in Cancun, als er tatsächlich vor Thomas Kistner und mir wegrannte und flink noch in den Fahrstuhl schlüpfte – unvergessen. Eine kleine Collage darüber also, wo er herkommt und warum er sich wie an der Spitze des Ringe-Konzerns bewegt, wie er routiniert Mehrheiten organisiert und die Bewegung lenkt und die vielen Gremien und Kommissionen (alte und neue, die ständig gegründet und handverlesen besetzt werden, wenn ein Problem dräut, dass auszusitzen und dem gewünschten Ergebnis zuzuführen ist, ob nun früher beim DOSB oder nun beim IOC), das kann ohnehin gerade jeder ausgiebig beobachten.

Auf gehts.

Auf meine Bitte, er möge doch einmal aufschreiben, warum er glaube, der richtige IOC-Präsident zu sein, hat Thomas Bach 2013 kurz vor seiner Wahl in Buenos Aires für die Leser dieses Blogs übrigens notiert:

Thomas Bach: I would be the right IOC president because... I think that I have good experience on the one hand and good ideas for the future of the IOC on the other.

If you are interested in genuine coverage, if you’d like to read more stories like this (The IOC, the olympic family and the absolutely impeccable reputation of KGB/FSB agents), consider to support investigative journalism, freelance journalism, when booking the Rio 2016 coverage ticket or an Annual ticket for my blog „Sport and Politics:

Neu: Olympia-Pass buchen! Recherche finanzieren.

In diesem Theater bekommen Sie auch heute wieder erstklassige Informationen, orientiert an Dokumenten, verbunden mit Analyse. Dieser Beitrag ist wie die Texte der vergangenen Tage, regelmäßig mit Exklusivmaterial versehen, bereits Teil meiner vorolympischen Berichterstattung. Einige Beiträge und Supplements werden hinter einer bescheidenen Paywall verschwinden.

Ich werde vom 1. bis 21. August, in hoffentlich alter Frische und bester Tradition, nahe an 24/7 aus Rio de Janeiro bloggen – wie zu anderen Großereignissen und während vieler anderer Reisen.

Das ist gerade die richtige, schwer durchschaubare Krisen-Atmosphäre für so ein Projekt. Für die sogenannte olympische Bewegung geht es ums Überleben.

An Ideen und Lust mangelt es nicht, ich bin in einem magischen olympischen Dreieck zwischen IOC, Deutschem Haus und Olympiapark in Barra da Tijuca einquartiert, erlebe meine 25. IOC-Session, wenn ich richtig zähle, habe als einer von nur wenigen Dutzend Journalisten weltweit Zugang zum IOC-Hotel, werde die Olympia-Bosse beobachten, interviewen, debattieren, werde recherchieren und Ihnen/Euch darüber aus erster Hand berichten. Ich freue mich sogar auf das traditionelle Live-Blog von der Eröffnungsfeier im João-Havelange-Stadion und den Kollegen G neben mir. Ob die Kraft reicht, muss der olympische Geist entscheiden.

Sagen Sie es gern weiter.

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live-Blog: IOC lässt das russische Staatsdoping-NOK für Rio zu, sperrt aber die Whistleblowerin Julia Stepanowa

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Photo: President of Russia

Photo: President of Russia

Erste russische Medien meldeten bereits vor einer dreiviertel Stunde die Erlösung, den Olympiasieg: Russisches Team in Rio de Janeiro, russisches NOK (ROC) nicht suspendiert.

Ich kann das derzeit nicht verifizieren, meine Vögelchen sind noch stumm. Aber in wenigen Minuten wissen wir mehr. Um 16.00 ist Telefonkonferenz mit Putins Kumpel UDIOCP Thomas Bach. Ich werde aus der Telefonschalte live bloggen und auch danach hier aktiv sein, mit kleineren Unterbrechungen bis tief in die Nacht.

Bis dahin empfehle ich:

Viel Vergnügen – und im besten Fall auch einen kleinen Erkenntnisgewinn!

TBC

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Ich werde vom 1. bis 21. August, in hoffentlich alter Frische und bester Tradition, nahe an 24/7 aus Rio de Janeiro bloggen – wie zu anderen Großereignissen und während vieler anderer Reisen.

Das ist gerade die richtige, schwer durchschaubare Krisen-Atmosphäre für so ein Projekt. Für die sogenannte olympische Bewegung geht es ums Überleben.

An Ideen und Lust mangelt es nicht, ich bin in einem magischen olympischen Dreieck zwischen IOC, Deutschem Haus und Olympiapark in Barra da Tijuca einquartiert, erlebe meine 25. IOC-Session, wenn ich richtig zähle, habe als einer von nur wenigen Dutzend Journalisten weltweit Zugang zum IOC-Hotel, werde die Olympia-Bosse beobachten, interviewen, debattieren, werde recherchieren und Ihnen/Euch darüber aus erster Hand berichten. Ich freue mich sogar auf das traditionelle Live-Blog von der Eröffnungsfeier im João-Havelange-Stadion und den Kollegen G neben mir. Ob die Kraft reicht, muss der olympische Geist entscheiden.

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The IOC, the olympic family and the absolutely impeccable reputation of KGB/FSB agents

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vlad-vitaly

KGB agents: Vladimir Putin and IOC honorary member Vitaly Smirnov – chair of a new „anti-doping commission“ and architect of the Soviet sports empire  (Photo: President of Russia)

There are still astonishing deep links at the heart of the Olympic movement, the International Olympic Committee (IOC) and the secret services of the Soviet Union (KGB) and Russia (FSB). Even senior IOC members have told me repeatedly: the answers to many thrilling Olympic questions will be found in the Lubyanka archives. Additionally my Russian friends are telling me: it is all in the KGB files.

Will we ever get to know?

Recently we heard a lot about the major role of the Russian Federal Security Service (FSB) in the state-orchestrated doping scheme. According to Richard McLaren’s stunning report, the FSB agents responsible for the state-sponsored doping conspiracy were called „the magicians“.

The IP investigation has identified a role played by FSB Blokhin and two other unidentified persons from the FSB in the operations of both the Moscow and the Sochi laboratories. The FSB role is not interference and control, like that of the Deputy Minister of Sport, but assistance in arranging and operating the State sponsored system of sample swapping that occurred in connection with: the 2013 University Games and IAAF Championships, the Sochi laboratory and in the lead up to the WADA seizure of samples in December 2014.“

There have been more (and there are more) magicians.

Vladimir Putin is the most famous (former) KGB agent in the world and the (former) head of the KGB’s successor, FSB (1998-1999). Mr Putin was rightly described as the most powerful man in the Olympic world over the last decade. This has probably changed but he is still a major factor in the Olympic business. On Friday, Mr Putin announced a „proposal to the Russian Olympic Committee“

… on establishing an independent – this is very important – public commission that would include both Russian and foreign experts in medicine and law, as well as respected public and sports activists and experts. The commission’s key task would be to quickly develop a national anti-doping plan that involves strict oversight of its implementation.“

As we all know and according to the Olympic Charter, which is absolutely respected in Russia, the Russian Olympic Committee (ROC) is totally independent from politics. The ROC will now have a critical look at Mr Putin’s proposal and will, probably, take up the idea (I would never wish to say ‚the order‘, the ‚ukase‘, the ‚instruction‘, the ‚decree‘).

Mr Putin – Honorary President of International Judo Federation (IJF); Honorary President of the European Judo Union (EJU); Honorary President of the International Federation of Sambo (FIAS), a sport developed in the Red Army and the KGB in the Soviet Union; holder of the black belt in karate; holder of the 8th dan of judo; Master of Sports in judo; honorary doctorate in judo from Yong In university; and Master of Sports in Sambo (among other titles) – made a second, for want of a better word, recommendation:

The question is of course who would be at the head of the commission. Clearly, the answer is a person with an absolutely impeccable reputation, somebody who has credibility and the respect of the Olympic family. We have a person like this in our country. It is Vitaly Smirnov, Russia’s representative in the International Olympic Committee, a member since 1971. I think we should ask him to head up the commission. I hope that he will accept as a person who has devoted so many years to the Olympic movement and the development of sports in our country.“

Well now…

The 81 years old Vitaly Smirnov, IOC member from 1971-2015, is one of the architects of the Soviet sports system. He is now an honorary member of the IOC. According to historians he was a KGB spy. He was, of course, involved in several olympic corruption scandals.

One could conclude: a former KGB agent and head of FSB „suggests“ that another former KGB agent and architect of the Soviet sports system acts as chair of an „independent commission“ with the task to develop a national anti-doping plan.

Got that?

There are the details …

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Brief an IOC-Boss Bach: 14 NADAs fordern Russlands Olympia-Ausschluss. CAS-Entscheid pro IAAF

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Es ist ein kraftvoller und klug argumentierender Brief, den 14 NADAs gestern an IOC-Präsident Thomas Bach geschrieben haben. Die Agenturchefs aus Österreich, Kanada, Dänemark, Neuseeland, Ägypten, Norwegen, Finnland, Spanien, Deutschland, Schweden, Japan, der Schweiz, den Niederlanden und den USA argumentieren streng an der Olympischen Charta, die eindeutige Regelungen vorsieht und dem IOC-Exekutivkomitee alle Entscheidungsbefugnis einräumt, und sie messen Bach an seinen eigenen Worten, wenn sie fordern:

In light of the strength of the IP Report which the IOC, WADA and the Olympic Movement have fully accepted, and given the short amount of time remaining before the Rio Olympic Games, we believe it is appropriate and necessary for the IOC to take decisive action to uphold the Olympic Charter and the integrity of the Rio Olympic Games. This is a responsibility that cannot and should not be delegated by the IOC. As a consequence, we call upon the IOC to exercise its leadership authority under the Olympic Charter and take the following steps in response to the IP Report to protect the Rio Olympic Games:

  1. Suspend the Russian Olympic Committee (ROC) and exclude it from the Rio Olympic Games;
  2. nadas1

  3. As a consequence of the suspension of the ROC, provisionally deny entry to all Russian athletes nominated by the ROC to participate in the Rio Olympic Games; and
  4. Establish a task force consisting of the members of the currently existing WADA –IOC Pre‐Games Testing Task Force to apply a uniform set of criteria to determine whether individual Russian athletes should be permitted to participate in the Rio Olympic Games under a neutral flag; thereby striking a fair balance between your stated concerns between “collective responsibility and individual justice” so that no truly clean elite Russian athlete is barred from the Rio Olympic Games.

Anything less than these three (3) outcomes is not a reasonable and proportionate measure to protect the value of the Olympic promise given the circumstances caused by the state run doping program that corrupted the Olympic Games and this action would certainly would fall well short of the “toughest sanctions available” to the IOC Executive Board. If these actions are taken, the world will know that you and the IOC Executive Board have the resolve to protect the integrity of the Olympic Games and the rights of ALL athletes including Russian athletes from the abuse of state‐run doping programs. Accordingly, we urge you and the IOC Executive Board to promptly implement the foregoing measures.

Ein nicht unwesentliches Detail, kommt immer gut an in der Bewegung: die 14 Agenturen kommen aus allen fünf NOK-Kontinentalverbänden: Asien, Ozeanien, Amerika, Europa, Afrika. Dieses Detail ist sogar extrem wichtig.

Ein Schreiben, das die Agenturen schon vergangene Woche vorbereitet hatten, war von Bachs Prätorianern wie Pat Hickey et al ja als unfaire, politisch motivierte Attacke und als angebliche Entwertung des McLaren-Reports propagandistisch fehlinterpretiert worden. Dabei ist das Papier, das nun vorliegt, doch so klar an Regeln und Fakten orientiert – und gleichzeitig ein Aufschrei.

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Ich werde vom 1. bis 21. August, in hoffentlich alter Frische und bester Tradition, nahe an 24/7 aus Rio de Janeiro bloggen – wie zu vielen anderen Großereignissen und während vieler anderer Reisen.

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An Ideen und Lust mangelt es nicht, ich bin in einem magischen olympischen Dreieck zwischen IOC, Deutschem Haus und Olympiapark in Barra da Tijuca einquartiert, erlebe meine 25. IOC-Session, wenn ich richtig zähle, habe als einer von nur wenigen Dutzend Journalisten weltweit Zugang zum IOC-Hotel, werde die Olympia-Bosse beobachten, interviewen, debattieren, werde recherchieren und Ihnen/Euch darüber aus erster Hand berichten. Ich freue mich sogar auf das traditionelle Live-Blog von der Eröffnungsfeier im João-Havelange-Stadion und den Kollegen G neben mir. Ob die Kraft reicht, muss der olympische Geist entscheiden.

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Es ist eine historische Situation. In diesen Tagen kann das gesamte System der sogenannten Dopingbekämpfung explodieren. Sehr bald wird das auch Folgen haben für das Geschäftsprinzip der Olympischen Spiele. IOC-Bach mag intern damit argumentieren, dass er doch seit 2013 TV- und Sponsorenverträge von rund 13 Milliarden Dollar (wahrscheinlich schon mehr, müsste mal wieder nachrechnen) unterschrieben hat, doch die Erosion schreitet unaufhaltsam voran. Darüber wird in den nächsten Tagen und Wochen ausführlich zu reden sein. Hier zunächst der Brief des Tages:

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Übersetzungshilfe zur Erklärung des IOC-Exekutivkomitees

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Dieser Beitrag enthält u.a. ein bislang unveröffentlichtes Dokument, das wegweisend für die Sperren russischer Athleten in Rio sein kann: Das Urteil das CAS vom Januar 2016, in dem der Einspruch des bulgarischen Gewichtheber-Verbandes gegen die Kollektivstrafe abgeschmettert wurde.
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Der unvergleichliche, freidemokratischste und unpolitischste IOC-Präsident der Welt, Thomas Bach, hat dem Planeten Erde gestern Nachmittag eine echte Denksportaufgabe erteilt. Die Erklärung des IOC-Exekutivkomitees, nach einer Telefonkonferenz am Tag nach Veröffentlichung des McLaren-Reports, ist ein Meisterwerk des Bach’schen Propaganda-Arsenals. Routinierte Verschleierungstaktik habe ich das in meinem ersten Kommentar auf Spiegel Online genannt: „Olympia-Ausschluss Russlands: da fließt noch viel Wasser den Bach runter“. Thomas Bach hat, so wie man das von ihm kennt und nicht anders erwartet, wieder einmal vielfältige Lebenssachverhalte kreiert.

Sollten Sie mit dem Begriff der Lebenssachverhalte – die flink zwischen persönlichen, geschäftlichen, nationalen, supranationalen, olympischen und universalen Lebenssachverhalten changieren und sich jeder Situation anpassen – noch nicht so vertraut sein, nehmen Sie sich doch bitte einen Tag Zeit und überfliegen diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und diesen und jenen und weitere Texte, lesen dieses Ebook, folgen den Links in all diesen Textangeboten und studieren die Dokumente.

Willkommen in der Spezialdemokratie des Tauberbischofsheimer Fechtmeisters, wo man ein Faible dafür hat, Kausalitäten und sonstige Zusammenhänge (etwa im russischen Staat und in der russischen Sportdopingpolitik) als eine Aneinanderreihung von Zufällen zu betrachten.

Doch immerhin, es heißt, im 15-köpfigen Exekutivkomitee sei im Vergleich zur Sitzung Anfang Juni die Erkenntnis gereift, es brauche tatsächlich einschneidende Maßnahmen gegen Russland. Vielleicht wurde WADA-Präsident und IOC-Vize Craig Reedie, gewiss kein Revoluzzer, sondern vielmehr lange Zeit ein Kollaborateur der Russen und Bach-Paladin, deshalb für befangen erklärt. Für ihn galt jedenfalls ein sogenannter Interessenkonflikt oder anders formuliert: vielfältige Lebenssachverhalte konnte Reedie nicht für sich reklamieren. Hätte er mit seinem WADA-Vorstand eben keinen gut begründeten Olympia-Bann der Russen fordern sollen – selbst Schuld, wenn er auf seine alten Tage ausschert.

Das neue IOC-Papierchen bietet alles, was man von anderen Gelegenheiten von Thomas Bach kennt: da werden Kommissionen gegründet, Nebelkerzen gezündet, juristische Bedenken überhöht, wo es keine Bedenken braucht, da wird die Wahrheit ein wenig gebeugt, da werden die politisch und sportpolitisch Verantwortlichen für das russische Staatsdopingsystem weiter geschont … usw usf … dem Kernproblem weicht Bach natürlich aus:

Gemäß Olympischer Charta, Grundgesetz des IOC und aller olympischer Verbände und Institutionen, letztlich sogar aller vom IOC via ihrer NOK anerkannten Nationen, ist eine Suspendierung des russischen NOK (Russian Olympic Committee) unumgänglich und problemlos möglich.

Das IOC-Exekutivkomitee hat alle Macht der olympischen Welt, dazu braucht es nicht einmal eine IOC-Vollversammlung.

Kapitel 6, Regel 59.1.4, Seite 102 der Charta.

Aber der Florett-Mannschaftsolympiasieger Bach bevorzugt natürlich die Finten.

charter

Ich schnappe mir nun die komplette IOC-Mitteilung und erläutere Ihnen einige Punkte, so weit ich das im Moment vermag. Da fällt dann einiges wie ein Kartenhaus zusammen oder: einige Finten und Verschleierungen lassen sich enttarnen. Bisschen holprig gerade, aber es kommt auf die Inhalte an. Würde mich über jede Ergänzung von Ihnen/Euch freuen – dazu gibt es die Kommentarspalte. Wenn möglich, ergänze ich im Laufe des Tages einiges, da fällt mir und Ihnen bestimmt was ein.

Auf geht’s:

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Dieser Beitrag, der gestrige Live-Blog und der vorherige Text mit Exklusivmaterial sind bereits Teil meiner vorolympischen Berichterstattung. Einige Beiträge und Supplements werden nun wieder hinter einer bescheidenen Paywall verschwinden.

Ich werde vom 1. bis 21. August, in hoffentlich alter Frische und bester Tradition, in diesem Theater nahe an 24/7 aus Rio de Janeiro bloggen – wie zu vielen anderen Großereignissen und während vieler anderer Reisen.

Ich finde, das ist gerade die richtige, schwer durchschaubare Krisen-Atmosphäre für so ein Projekt.

An Ideen und Lust mangelt es nicht, ich bin in einem magischen olympischen Dreieck zwischen IOC-Hotel, Deutschem Haus und Olympiapark in Barra da Tijuca einquartiert, werde dort viel Rad fahren, die Olympia-Bosse beobachten und freue mich sogar auf das traditionelle Live-Blog von der Eröffnungsfeier im João-Havelange-Stadion und den Kollegen G neben mir. Ob die Kraft reicht, muss der olympische Geist entscheiden.

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Statement of the Executive Board of the International Olympic Committee on the WADA Independent Person Report

  • Soweit korrekt. Da gibt es nichts zu beanstanden.

The International Olympic Committee (IOC) received yesterday the World Anti-Doping Agency’s “Independent Person Report”.

  • Korrekt. Oder: wer weiß das schon. Denn Craig Reedie, oben erwähnt, bekam den Bericht ja am vergangenen Freitag. Und er ist gleichzeitig IOC-Vizepräsident. Ob das also mehr ist als eine semantische Frage?

“The findings of the report show a shocking and unprecedented attack on the integrity of sports and on the Olympic Games. Therefore, the IOC will not hesitate to take the toughest sanctions available against any individual or organisation implicated,” IOC President Thomas Bach said.

  • Wenn Thomas Bach das so gesagt hat, dann hat er das bestimmt auch so gesagt. „Shocking and unprecedented attack on the integrity of sports and on the Olympic Games“ und „not hesitate to take the toughest sanctions available against any individual or organisation implicated“ wird nicht zum ersten Mal unter seinem Namen verbreitet. Indes es fehlen die Konsequenzen. Wie bereits ausgeführt und wie noch mehrfach auszuführen/zu erwähnen: Was vorliegt, reicht längst, um das ROC zu suspendieren. Die Charta verlangt das im Grunde auch von den Gralshütern des Olympismus.

Today, the IOC Executive Board (EB) expressed its appreciation of the work of the “Independent Person” (IP), Mr Richard McLaren. The IOC fully supports his request to continue and finalise his work, in particular since so far the “compressed timeline of the IP investigation did not permit compilation of data to establish an anti-doping rule violation” (IP Report page 4).

  • Das ist positiv. McLaren hat mehrfach erklärt, dass nur ein Bruchteil der Vorgänge ansatzweise aufgearbeitet ist. Es ist ein gigantischer Kriminalfall. Das IOC hat genug Geld und Druckmittel (gegenüber IF, NOC und allen anderen Mitgliedern der sogenannten olympischen Familie), um McLarens Ermittlungen zu unterstützen. Es müsste sich nur an die eigenen Regeln halten und das auch von den russischen (und anderen) Familienmitgliedern verlangen.

The International Sports Organisations will now have to evaluate the IP Report and then take the appropriate measures, according to their respective rules.

  • Formal korrekt. Sagt das IOC immer wieder. Doch ein entscheidender Einwand: Das IOC muss die Verantwortung nicht delegieren. Die Charta ist klar. Das IOC kann handeln als höchste Instanz und hätte entscheiden müssen. Ein weiterer Punkt: letztlich behindert das IOC sogar Entscheidungen einzelner Verbände. Am Beispiel der IWF (Gewichtheben) lässt sich das relativ gut belegen. Der IWF-Vorstand hatte im Juni auf Grundlage der Doping-Nachtests von Peking 2008 und London 2012 u.a. die Sperre des russischen Verbandes und die Streichung der Quotenplätze verfügt – Voraussetzung dafür sollte der Abschluss der Disziplinarmaßnahmen durch das IOC-Exekutivkomitee sein. Zwei Wochen vor Beginn der Rio-Spiele und zwei Tage nach Meldeschluss durch die Fachverbände stehen Entscheidungen des IOC zu den drei russischen gedopten „Medaillengewinnern“ aber noch aus. Der Teufel liegt also im Detail, um nicht zu sagen: blöde vielfältige Lebenssachverhalte.

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Propagandamaschine: das IOC und Putin und die Einheit von Sport und Politik

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Sport hat nichts mit Politik zu tun. Nicht in Russland. (Fotoquelle: President of Russia)

Sport hat nichts mit Politik zu tun. Nicht in Russland. (Fotoquelle: President of Russia)

Die Namen der beiden politisch Hauptverantwortlichen für das gigantische, kriminelle Dopingbetrugssystem des russischen Sports (inklusive des Betruges an vielen tausend Athleten aus aller Welt) tauchen insgesamt nur drei Mal im eher vorläufigen Untersuchungsbericht von Richard McLaren auf.

Wladimir Putin und Dmitri Medwedew.

Präsident und Ministerpräsident.

In jener Zeit, da das nun zusammengebrochene System ersonnen und in Auftrag gegeben wurde, war – Rollentausch – der eine Ministerpräsident und der andere Präsident. Macht es einen Unterschied?

Putin und Medwedew also. Jene Männer, die seit gestern Entlassungen „der Verantwortlichen“ versprechen und vornehmen und die Justiz beauftragen. Die jüngste „Meldung“ dazu: Medwedew sagt, Sportminister Witali Mutko werde im Amt bleiben.

Der Reihe nach.

2007 hatte Putin in Guatemala unter höchst dubiosen Umständen auf der IOC-Session die Winterspiele 2014 nach Sotschi geholt. Damals war Putin Präsident.

Im Jahr 2008, das wird im McLaren-Bericht erwähnt, machte Medwedew, nun russischer Präsident, auf Putins Geheiß, obwohl der formal nur Ministerpräsident war, dessen St. Petersburger Gefolgsmann Mutko zum Sportminister.

Im Frühjahr 2010, nach dem für Russland desaströsen Abschneiden bei den Winterspielen in Vancouver, wurde NOK-Präsident Leonid Tjagatschow (KGB-Agent IM Elbrus) entlassen. Medwedew und Putin setzten Alexander Schukow aus der Putin-Partei als NOK-Chef ein – Schukow ist seit 2013 auch IOC-Mitglied. Außerdem wurden fast die kompletten Verbandsführungen ersetzt, an die Spitze der Fachverbände gelangten fast durchweg Putin-treue Oligarchen und Politiker. Medwedew schwor die Knechte in der Sportführung, NOK und Verbände und Ministerium, auf die neue Linie ein. Wenn Sie den hier gesetzten Links folgen, gelangen Sie zu zahlreichen Reden, Dokumenten, Videos und können sich gern ein Bild davon machen.

Medwedew dekretierte den versammelten Sportführern zum Beispiel im März 2010 in Sotschi:

The level of medical, biological and scientific support for the teams plays a crucial part in this respect but we only began using this comprehensive approach in our team’s training last year, and we may as well not hide the fact that it is not yet implemented in full. The task therefore is to dramatically change this situation drawing on the most advanced international experience in this area.

Mission accomplished.

Vier Jahre später gab es Medaillen und Orden.

Foto: President of Russia

Foto: President of Russia

Diese Vorgänge im Jahr 2010 werden im McLaren-Report nicht erwähnt. Da McLaren keinen politischen Bericht geschrieben hat, ist das okay, diese Details sind aber wichtig für den Gesamtzusammenhang.

McLaren hält allerdings fest, dass Putin nach den Vancouver-Spielen per Dekret Juri Nagornich als Stellvertreter des Sportministers Mutko einsetzte. Jenen Nagornich, der die Dopingmaßnahmen koordinierte und nun von Medwedew suspendiert wurde. Nagornich war (und ist es bis heute) natürlich Mitglied des NOK (ROC) Exekutivkomitees.

Müßig zu erwähnen, dass sich Putin gestern wieder über die Vermischung von Sport und Politik beklagte?

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live-Blog: der McLaren-Report zum russischen Dopingsystem #Sochi2014

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Auf geht’s. Was haben der kanadische Jurist Professor Richard McLaren und sein Investigator Mathieu Holz (ehemals Interpol) zu bieten in Sachen staatlich orchestriertes Doping in Russland und Großbetrug im Dopingkontroll-Labor der Winterspiele 2014 in Sotschi? Werden die Forderungen nach einer Suspendierung des vom IOC-Mitglied und Duma-Mann Alexander Schukow geführten russischen NOK (ROC) lauter?

Es ist soweit. In Toronto tritt McLaren 15.00 MESZ vor die Medien.

In Vorbereitung habe ich in diesem Beitrag Material zusammengetragen und die erbitterten Diskussionen des Wochenendes zusammengefasst:

Einen Livestream gibt es zumindest beim Guardian. Wer andere/bessere Angebote findet, bitte in die Kommentare stellen.

Ich bette RT ein, Achtung:

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