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Olympia-Orden für Alexander Lukaschenko

veröffentlicht: 2. Dezember 2008, 11:55 - zuletzt bearbeitet: 2. Dezember 2008, 12:34 - 12 kommentare 

Zu meinen vielen unangenehmen Angewohnheiten zählt die Lektüre der Publikationen von Kommunikationsherrschern und anderen Totaldemokraten. Ich kann einfach nicht anders. Auf einer meiner Lieblings-Webseiten (The official internet-portal of the President of the Republic of Belarus) habe ich kürzlich das Dankesschreiben von Alexander Lukaschenko an Patrick Hickey gefunden. Lukaschenko ist seit vielen Jahren unangefochtener Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) von Weißrussland. Pat Hickey aus Irland, ist nicht nur ein unglaublicher Opportunist und Strippenzieher, sondern auch IOC-Mitglied und Präsident der Association of the European Olympic Committees (EOC).

Das EOC und Pat Hickey haben Lukaschenko – Sponsor einer total vertrauenswürdigen Regional Agency der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada; anerkannter Bekämpfer des Drogen-, Schwermetall- und Waffenhandels; heimlicher Anhänger von Transparency International u. v. a. m. – “for his outstanding contribution to the Olympic Movement” vor zehn Tagen in Istanbul mit einem Orden geehrt.

Ich wundere mich und lasse das einfach mal so stehen. Denn wie sagte der olympische Ordensträger Hu Jintao, Lukaschenkos Bruder im Geiste? “Don’t mix politics with games!”

(Zu den Ordenslisten von Lukaschenko und anderer Großsportler geht’s übrigens hier entlang. Und hier flink noch Verweise auf Amnesty International und die jüngsten Folterberichte, Human Rights Watch und den Verein für Menschenrechte in Weißrussland.)

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12 kommentare zu “Olympia-Orden für Alexander Lukaschenko”

    1. cf am 2. Dezember 2008 - 12:29 -

      ist das jetzt schon das erste kalendertürchen und von nun an gibt es jeden tag einen neuen orden für einen besonders verdienten funktionär helden des organisierten sports? und am 24. dann den friedensnobelpreis (den hat doch sogar noch keiner, oder?) für …?!

      (der vermeintliche link zu den ordenslisten führt momentan übrigens zu “some elements of an answer”… und am ersten satz sollte auch noch ein bisschen geschraubt werden – eigenschaften und lektüre und so)

    2. Jens Weinreich am 2. Dezember 2008 - 12:37 -

      Jetzt ist’s besser (Link, Sprache).
      Die Idee hat Charme, wenngleich es schon zu viele Weihnachtskalender gibt – und jetzt ist’s ja auch schon zu spät.

    3. Ralf am 2. Dezember 2008 - 13:09 -

      Sehr schön formuliert! Der “UNGLAUBLICHE Opportunist” und der “heimliche Anhänger” haben mir am besten gefallen…

    4. ha am 2. Dezember 2008 - 13:19 -

      @jw
      Frage wegen des Fast-Ausschlusses des Irak von den Peking-Spielen: Welche IOC-Regeln gibt es eigentlich zur Gewährleistung der Unabhängigkeit der NOK? Naiv gefragt: Dürfen die (China oder Weißrussland) denn das – die NOK durch Regierungen besetzen?

    5. Jens Weinreich am 2. Dezember 2008 - 13:22 -

      Die Antwort ist: Die dürfen das immer, so lange die jeweiligen Welt-Organisationen (IOC, Fifa etc. pp.) einverstanden sind. Nur wenn sie nicht einverstanden sind, gibt es Geschrei. War das verständlich? Soll heißen: Die Deutungshoheit über die Regeln in der Parallelwelt haben immer noch wir – mischt Euch nicht ein!

    6. ha am 2. Dezember 2008 - 13:38 -

      Ja. Irgendwie schon. Du sprichst vom Vorhandensein Dutzender Dottores dem. int.
      (int. = Interessen). Hatte einen Paragrafen der Charta erwartet, aber der wäre eh Illustration.

    7. Jens Weinreich am 2. Dezember 2008 - 13:43 -

      Da muss ich gar nicht nachsehen, das wird schon drin stehen in der Olympischen Charta. Und wird dennoch nach Belieben interpretiert von den Dottores dem. dem. int. hc. mit ihren vielfältigen Lebenssachverhalten.

    8. sternburg am 4. Dezember 2008 - 03:29 -

      Die Frage ist aber nicht uninteressant. In der Parallelrealität des Fussballs wird auf jede offiziele Einflussnahme von Seiten der nationalen Exekutive ja sehr harsch reagiert (wie gerade ebend in Polen).

      Sind das verschiedene Regeln, verschiedene Fälle oder nur verschiedene, naja, du weisst schon, was ich meine.. ?

    9. Herr Holle am 4. Dezember 2008 - 10:44 -

      - oder in Peru: da ist gerade die Nationalmannschaft gesperrt und ein kontinentales Nachwuchsturnier wurde dem Land entzogen, weil (O-Ton vom Blatter Sepp): “Das Problem in Peru ist, dass es eine Einmischung der Politik in den Fußball gibt”

    10. ricci am 6. Dezember 2008 - 18:33 -

      Den Friedensnobelpreis hat dieses Jahr übrigens NICHT Lukashenko und auch NICHT Blatter bekommen, sondern:
      http://de.wikipedia.org/wiki/Martti_Ahtisaari

    11. Ralf am 13. Dezember 2008 - 22:32 -

      SZ: Medaillen auf Umwegen

      Nun kommen dem olympisch geadelten Menschenfreund Lukaschenko seine Hammer-Sünder in die Quere, was auch insofern peinlich ist, als der Autokrat in Minsk neben Regierung und NOK auch das Büro einer so genannten Rado (Regional Antidoping Organization) der Wada betreibt. [...] Der Diktator als oberster Betrugsbekämpfer, das hilft wohl zu erklären, warum es so lange dauerte, seine zwei Olympiahelden dingfest zu machen.

    12. Lost in Moscow: Vulkanausbrüche und Geschäftemacher : jens weinreich am 17. April 2010 - 12:09 -

      [...] Präsidenten gesagt, er solle es bei Lukaschenko persönlich versuchen, der ist schließlich auch hochdekorierter Sportfunktionär und somit ein Kollege. An dieser Stelle war unsere Plauderei kurzzeitig eingefroren. Aber das wird [...]

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