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Peking, Tag 18

veröffentlicht: 18. August 2008, 08:14 - zuletzt bearbeitet: 18. August 2008, 10:42 - 58 kommentare 

12.35: Chinas Hürdenstar Liu Xiang gibt wegen einer Achillessehnenverletzung auf. Volunteers im Schockzustand. Dramatische Pressekonferenz mit weinendem Trainer, der vor den Spielen gesagt hat, dass für die Sportherrscher hier nur eins zählt: Gold. Davon haben die Chinesen übrigens schon 35.

13.10: Zum Thema Sportjournalisten in China, um das es hier ja auch gehen soll (und wozu bereits so viele Anmerkungen gemacht wurden, dass ich die unmöglich alle verlinken kann), schreibt Wolfgang Hettfleisch, der Kollege H, der gestern leicht genervt und malariageplagt von der Ruderstrecke kam, in der Frankfurter Rundschau u. a.:

Ich will das alles nicht. Hatte ich das schon gesagt? Keine Journalisten mehr, die sich als Fans gerieren, oder Fans, die sich als Journalisten tarnen. Noch ist unklar, um welche der beiden Spezies es sich in den angeblich so streng kontrollierten Arbeitsbereichen für die Medien tatsächlich handelt. Keine Pressetribünen, auf denen die Landsleute der Sieger in Ekstase ausbrechen. Keinen spontanen Applaus in Pressekonferenzen. Keine Fragen wie diese an die ersten vier chinesischen Olympiasiegerinnen der Rudergeschichte: „Sie sind solche attraktiven jungen Frauen, interessieren Sie sich eigentlich für Mode?” Oder die: „Ich möchte Ihnen recht herzlich zu Ihrem Erfolg gratulieren und würde gerne wissen, wie lange sie glauben, China auf ihrem weiteren Weg noch dienen zu können?” (…) Alte Hasen hier sagen, solche Krisen seien wie Malaria. Sie gingen vorüber, könnten aber jederzeit wieder ausbrechen. 

16.15: Und schon wieder wird weiter unten das Hauptthema dieser Tage, dieser Jahre, dieses Metabolitensports, dieser Freakshow überhaupt diskutiert: Was können wir glauben? Können wir überhaupt etwas glauben? Was und wie soll man darüber berichten, ohne sich für das eigene Produkt schämen zu müssen? Darüber habe ich in den vergangenen Wochen schon viel geschrieben. Es wurde immer wieder diskutiert. Je offensichtlicher aber die Freakshow wird, desto härter prallen die Ansichten aufeinander. James Tobin argumentiert mit Journalisten-Lehrbüchern, die ich nicht kenne. Ich kenne dafür andere. Kürzliche habe ich für die Journalismus-Zeitschrift Message ein Werkstattheft zum Sportjournalismus veröffentlicht, u. a. mit Interviews und Beiträgen von und mit Thomas Kistner, Andrew Jennings, Jens Sejer Andersen, Erik Eggers, Freddie Röckenhaus, Jean-François Tanda und einigen anderen Kollegen. Dabei auch ein kleiner Text zur Dopingberichterstattung, ganz banal und bewusst einfach gehalten – inklusive einer minimalen Checkliste für aktuelle Berichterstattung. Dies stelle ich nachfolgend zur Diskussion. Viel mehr dazu, u. a. auch auf Sportjournalismus-Konferenz im Februar in Dortmund basierend, gibt es unter www.sportnetzwerk.eu.

Aus Message Werkstattheft Sportjournalismus, April 2008

Unter Kriminalwissenschaftlern gilt es als gesichert, dass mehr als 95 Prozent aller Korruptionsfälle unentdeckt bleiben. Diese Zahl ist gewissermaßen die Benchmark des Betrügens. Es gibt keinen Grund anzunehmen, diese Rate sei im Sport entscheidend niedriger. Ganz im Gegenteil, die Lüge ist eine olympische Konstante. Die übergroße Zahl der Doper bleibt unentdeckt.

Das beste Beispiel für diese These lieferten die Staatsdoper der verflossenen DDR: Obwohl nach wissenschaftlichen Studien etwa 10.000 Athleten ins Dopingsystem involviert waren, sind in zwei Dopingjahrzehnten lediglich zwei DDR-Sportler bei internationalen Wettkämpfen aufgeflogen – die Kugelstoßerin Ilona Slupianek und der Radfahrer Norbert Dürpisch.

Die Gründe dieser erschreckenden geringen Aufklärungsrate sind damals wie heute prinzipiell dieselben: Unter medizinischer Aufsicht wird meist geschickt an die Grenzwerte heran gedopt; oft werden interne Kontrollen ausgewertet, um die Gefahr des Entdeckens zu mildern; externen Kontrolleuren wird die Tätigkeit erschwert, wobei sich nicht selten Sportfunktionäre, Athleten und politische Instanzen miteinander verbünden. Es ist wie im richtigen Leben: Das Drogenkartell ist den Drogenjägern immer voraus. So ist letztlich auch den Resultaten der in den vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) akkreditierten Labors durchgeführten Blut- oder Urinanalysen nicht zu trauen. Bei spektakulären Dopingfällen der vergangenen Jahre – etwa dem der US-Amerikanerin Marion Jones – zeigte sich, dass Doper mitunter Dutzende unabhängige Kontrollen problemlos überstehen.

Es gibt also gute Gründe, die Aufnahme des Dopings und des Sportbetrugs ins Strafrecht zu diskutieren. Denn nur mit kriminalistischen Methoden und mit dem Instrumentarium der Strafverfolgungsbehörden ist der Dopingmafia beizukommen. Sportjournalisten haben als Einzelkämpfer da keine Chance. Sie müssen sich Verbündete suchen unter Kollegen, Funktionären, Kontrolleuren, Trainern, Politikern. Sie müssten eigentlich Forensiker sein. Selbst bei dauerhaft größten Anstrengungen werden sie tendenziell nie einen Doper enttarnen. Ein Scoop lässt sich nicht planen.

Es geht nicht um Verdachtsberichterstattung, sondern um Wahrhaftigkeit in der täglichen Arbeit. Es wäre viel erreicht, wenn mehr Sportjournalisten die Augen öffnen und sauber beschreiben, was sie sehen. Denn sportliche Leistungen, zumal in den absoluten Dopingsportarten wie Radfahren, Leichtathletik oder Schwimmen, müssen zwingend in ihrem Zusammenhang betrachtet werden.

Das Showbusiness Sport aber feiert den Moment, die Sensation, das vermeintliche Wunder. Es ist oft nicht leicht, sich diesem Sog zu entziehen. Zumal Hierarchen der Medienfirmen, etwa Chefredakteure oder Intendanten, oft mitfeiern wollen und bezahlte Skeptiker aus dem eigenen Haus gern in die Schranken weisen. Das passiert auch in so genannten Qualitätsmedien. Derartige Widerstände muss man aushalten.

Es lassen sich viele Parameter einer sportlichen Leistung überprüfen. Meist reicht schon der gesunde Menschenverstand, um Betrügern auf die Schliche zu kommen. Dass beispielsweise der ominöse griechische Sprinter Kostas Kenteris nur ein Doper sein konnte, war schon bei seinem sensationellen Olympiasieg im Jahr 2000 in Sydney klar. Er war vorher kaum aufgetaucht, steigerte seine Bestzeit allerdings exorbitant um eine halbe Sekunde. Das Verhalten seines engsten Umfeldes sprach Bände. Wer Augen und Ohren hatte und ein Gespür für Zusammenhänge, musste zu einem Ergebnis kommen – nur durfte niemand schreiben: Kenteris gedopt! Denn er ist ja nicht positiv getestet wurden.

Was also tun in der Not der aktuellen Berichterstattung? Ich habe Kenteris bei seinen wenigen großen Sieger-Pressekonferenzen nach seinen Dopingkontrollen gefragt. Das war einfach, manche mögen es als einfallslos bezeichnen, aber es erwies sich als durchaus wirkungsvoll, weil sich daraufhin immer ein wunderbares Schauspiel ergab: Meistens antwortete sein Trainer Christos Tsekos, obwohl er gar nicht gefragt war. Tsekos kam auch mal mit zwei Schwerathleten vorbei und drohte mir öffentlich Prügel an. Ich habe mir einen Spaß daraus gemacht, diese absurden Situationen zu beschreiben. So wie ich bei Olympischen Spielen die Medaillengewinner der superschweren Gewichtheber regelmäßig bitte, mir ihre Antidopingpässe vorzulegen. In der Regel tun die Sportkameraden dann so, als würden sie die einfache Frage nicht verstehen. Wiederholt man die Frage, verlassen sie gern den Raum. So läuft das meistens. Auch das kann Dopingberichterstattung sein. Ein Tagesgeschäft im Rahmen des Möglichen, um Enthüllungen geht es nur selten.

Kenteris hatte sich natürlich jahrelang Dopingkontrollen entzogen. Im August 2004 nahm sein Spuk ein Ende, als IOC-Präsident Jacques Rogge kurz vor den Sommerspielen in Athen anordnete, Kenteris sofort zu überprüfen. Kenteris flüchtete spektakulär, verstrickte sich in weitere Lügen – und wurde am Ende gesperrt.

Checkliste/11 Tipps für die Dopingberichterstattung

Dopingberichterstattung ist nichts als Handwerk und heißt vor allem: Informationen sammeln und gewichten, Umstände und Entwicklungen von sportlichen Leistungen möglichst exakt beschreiben. Dazu braucht es keine paradiesischen Arbeitsbedingungen, es reicht schon, das ABC des Journalismus zu beherzigen. Eine Checkliste für alle Ebenen des Leistungssports, von nationalen Jugendmeisterschaften bis zu Olympischen Spielen:

  1. Misstrauen ist die wichtigste Regel: Nicht blenden und täuschen lassen. Es gibt keine Wunder. Jeder wundersame sportliche Auftritt lässt sich früher oder später erklären.
  2. Einordnen: Leistungssteigerungen immer anhand von Bestenlisten und anderen Statistiken kontrollieren. Das geht mit effizientem Technikeinsatz (Bookmarks, Downloads, eigene Statistiken, die hohe Schule: Nutzung von CAR) auch unter großem Zeitdruck. Handelt es sich um eine kontinuierliche Entwicklung oder krasse Leistungssprünge?
  3. Beobachten: Sind bei Sportlern binnen kurzer Zeit auffällige körperliche Veränderungen wahrzunehmen? Extremer Muskelzuwachs, Ake oder ausgeprägtes Wachstum bestimmter Körperteile (Gliedmaßen und Gesichtspartien) weisen noch immer auf Anabolikadoping und/oder Doping mit Wachstumshormonen hin.
  4. Überprüfen: Mit welchen Trainern, Medizinern, Managern und Athleten arbeitet der Sportler? Welche Personen aus seinem Umfeld haben eine Dopingvergangenheit? Auch das muss exakt beschrieben werden. Doper sind chronische Wiederholungstäter.
  5. Verstehen: Was bedeuten die gängigen Euphemismen, die Scheinargumente der Dopingbefürworter? Es gilt zu verstehen, was Mediziner meinen, wenn sie über „Substitution”, „bessere Regeneration” oder „nicht erwiesene Nebenwirkungen” schwadronieren. Die versteckten Freigabe-Argumente (neuerdings: „Dopingkontrollen sind ein Verstoß gegen Menschenwürde und Bürgerrechte der Sportler”) sollte man ebenfalls erkennen und mit wirksamen Argumenten begegnen.
  6. Nachfragen: Wie viele unangemeldete Trainingskontrollen kann der Athlet in einem bestimmten Zeitraum unter welchen Umständen nachweisen? Diese und andere Fragen können an Sportler, Trainer, Verein, den jeweiligen Nationalverband, den internationalen Fachverband, den nationalen Dachverband, an das IOC, die nationalen und die Welt-Antidopingagentur (Wada) gerichtet werden. Optimal wären wiederholte Rückfragen an alle Parteien. Nie Behauptungen akzeptieren, immer Dokumente verlangen. Schon die Analyse der Antworten ist manchmal für eine erhellende Geschichte gut.
  7. Handeln: Manche mutmaßlichen Doper sieht man nur einmal im Leben. Man sollte deshalb sogar Pressekonferenzen nutzen, um die wichtigsten Fragen nach Dopingkontrollen und Umfeld zu stellen. Wunderdinge darf niemand erwarten, aber die Reaktionen sind meist erstaunlich und lassen Rückschlüsse zu, denn bis heute sind viele Athleten derartige Fragen nicht gewöhnt.
  8. Zuhören: Versuchen Sie regelmäßig mit Trainingskollegen der Athleten, Kontrahenten, Trainern, Kontrolleuren, Funktionären, Juristen und Wissenschaftlern zu sprechen.
  9. Protokollieren: Notizen und Dokumente in jeder Form sind wichtig. Multimediales Arbeiten empfiehlt sich: Text, Foto, Audio, Video. Jeder muss sich sein passendes Notiz- und Archivsystem aufbauen. Es wird sich lohnen.
  10. Studieren: Erstklassige sportpolitische Kenntnisse über Struktur des Hochleistungssportsystems und Geschichte der Dopingbekämpfung sind unentbehrlich, um die täglichen Lügen der Doper und die Propaganda der Sportpolitiker zu durchschauen. Es gibt hervorragende Antidopingbücher, tausende erstklassiger Dokumente und zahlreiche Gerichtsurteile – machen Sie Ihre Hausaufgaben! Medizinische und juristische Fachkenntnisse sind hilfreich. Optimal wäre eine kriminalistische Grundausbildung.
  11. Dranbleiben ist die zweitwichtigste Regel: Denn Dopingberichterstattung ist kein Sprint, sondern ein Hindernis-Marathon. 
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58 kommentare zu “Peking, Tag 18”

    1. Dominik S am 18. August 2008 - 09:18 -

      Grad heute morgen eine aktuelle Geschichte zum Triathlon geschnitten, und wenn wir jetzt schon dabei sind: Die Silbermedaille geht mal wieder an eine Zahnspange, Vanessa Fernandes aus Portugal.

      Nicht falsch verstehen, Zahnspangen mit 22 sind keine Seltenheit. Aber ich wette jetzt mal, wenn man sich die Siegerfotos der letzten paar Spiele ansieht, dann kann man einen eindrucksvollen Trend zur Zahnkorrektur entdecken.

      Und was in diesem Fall für Fernandes spricht: Die ist seit Jahren auf Topniveau, keine Leistungsexplosion.

    2. Dominik S am 18. August 2008 - 09:20 -

      Irre, ich bin ja heute der erste?! Schwächeln am Wettkampftag 18 schon die Kommentatoren?

    3. axel am 18. August 2008 - 09:37 -

      @JW
      Sind Sie heute 19:30 Uhr (Ihrer Zeit) beim Tischtennis? Timo gegen China? Der ausländische Superstar im großen Land gegen die Nationalhelden?
      Oder bleibt es beim Vogelnest, Freaks gucken?
      Es gibt jedenfalls kaum eine Veranstaltung auf die ich mich mehr gefreut habe, bei diesen Spielen.
      Zu Liu Xiang: Das ZDF hat professionell reagiert und mit nur knapp einer Stunde Verspätung berichtet. Übrigens wieder ohen dem Zuschauer klar zu machen daß es sich eben nicht um live-Bilder handelt. Das konnte man nur am Schnitt erkennen, wenn man es denn drauf anlegt.
      Eurosport war live drauf und zeigte auch die Fassungslosigkeit hinter den Kulissen als sich geschätzte 15 Betreuer um den am Boden kauernden Mann beugten. Dazu der Kommentar von Sigi Heinrich (nur aus dem Gedächtnis): “Der Trainer mußte den Eltern damals versprechen daß neben seiner sportlichen, auch seine geistige Ausbildung weiter vorangetrieben wird. Da kann er sich glücklich schätzen, vielleicht braucht er ja jetzt ein neues Standbein”.
      Wie ist denn der aktuelle Hysteriegrad in Peking?

    4. James Tobin am 18. August 2008 - 09:59 -

      Die Zahnspange als Verdachtsmoment für Doping ist in meinen Augen ein wenig schwach.

      Ein grunsätzliches Wort zum Journalismus:
      ” Nicht von vorgewassten Meinungen ausgehen. Vorurteile verführen zu Einseitigkeit und Fehlschlüssen. Der Journalist sollte sich stets bewusst sein dass er weder Inquisitor noch Ricter. Er steht im Dienst seiner Leser und ist ein Anwalt der Wahrheit.* Da könnten sich Journalisten in der Heldenrolle wähnen. Als Manager des Nachrichtenflusses sind sie allerdings oft nur Lautsprecher, verbreiten Botschaften, die von PR Spezialisten für die Medien aufbereiet wurden, leiten Grobheiten weiter, mit denen Parteien ihr Profil schärfen und Gegner attackieren. Fakten? Jedenfalls stimmen die Zitate. Die in ihnen veborgene Wirkungsabsicht aber wird nicht enthüllt. (Sri)

      Die journalistischen Mittel, um eine Hetzmasse (vgl. E.Cannetti in Masse und Macht) entstehen zu lassen, sind einfach: Emotionlisieren, zuspitzen,anklagen, Vorurteile bedienen. Es reicht unter Umständen schon, wenn eine These – eine öffentlich geäusserte Behauptung, ein Verdacht, eine Bermutung – nicht überprüft, differenziert, relativiert wird, wenn nur so getan wird, als ob im Rahmen einer Recherche eine solche Überprüfung erfolge; wenn also nur Fakten, Aussagen und Argumente gesammelt werden welche die Ausgangstehese bestätigen. (Sri)

      * H.Schlapp: Einstieg in den Journalimus

      Mich persönlich nerven die STÄNDIGEN Dopingspekulationen insbesondere der deutschen Medien bei Olympia. Hat jemand bei der Fussball-EM ernsthaft gefragt wie M.Ballack so schnell wieder fit wurde oder warum T.Frings trotz Rippenbruch spielen konnte?

    5. James Tobin am 18. August 2008 - 10:04 -

      Mir ist auch aufgefallen, dass viele Entscheidungen im ZDF nicht wirklich live sind, obwohl dies dem Zuschauer (wegen der Quote) oft suggeriert wird.
      Übrings wenn die ARD Olympia überträgt, sind die besseren Kommentare und Kommentatoren beim ZDF Info- bzw. Dokukanal.

    6. JW am 18. August 2008 - 10:14 -

      @ axel: kein tischtennis. ohne mich. bin wieder bei der leichtathletik. sportartenauswahl und themen habe ich – auch auf wunsch – schon ausführlich begründet.
      @ james tobin: tolles lehrbuch. das hier ist praxis. niemand sagt, dass er das feld beherrscht. ich glaube, dass ich dazu gleich nochmal einen beitrag reinstelle.

    7. axel am 18. August 2008 - 10:16 -

      Kann es sein daß eine emotionale Reaktion auch durch derat abstruse Leistungen ausgelöst werden kann?
      Wenn ein Mensch (Phelps, Bolt) der gesamten Restmenschheit vom Leistungsstand derart weit entrückt ist, wie soll die Reaktion ausfallen?
      Nüchtern? Analyselos?
      Ich erkenne beim besten Willen noch nicht mal die Spekulation, die Sie beschrieben, denn wie Dominik ausführt: “Die ist seit Jahren auf Topniveau, keine Leistungsexplosion.”
      Ich empfinde mich, bis jetzt jedenfalls, noch nicht als Teil einer Hetzmasse und denke daß es den meisten Kommentatoren und dem Autor da ähnlich geht.

    8. Franz am 18. August 2008 - 10:17 -

      Naja, die deutschen Sportmoderatoren haben auch so ihre Fragen und Sprüche drauf. Rudi Cerne z.B. gegenüber einer Athletin “ob es denn ihr erstes Mal in der großen, weiten Welt” sei”. Ächz!

      Gestern hat einer der Kommentatoren den spanischen Turner als “Paradiesvogel” bezeichnet, weil er Tätowierungen hat. Michael Antwerpes (glaub ich) macht aus dem Vogelnest permanent das Storchennest.

      Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Ausserdem halte ich die Fernsehmoderatoren für vollkommen unfähig, große Momente des Sports angemessen zu begleiten.

      Auch deshalb empfinde ich dieses Blog als Wohltat!

    9. Kli am 18. August 2008 - 10:17 -

      Ja, und nach dem Einstieg in den Journalismus kommt irgendwann die Berufserfahrung. Und wer, nur um ein Beispiel zu nennen, die Glorifizierung einer Marion Jones erlebt hat (“größte Leichtathletin aller Zeiten”, Olympia vor 8 Jahren) und dann ihre Tränen vor dem Richter, der weiß, dass er auch “Anwalt der Wahrheit” – großes Pathos – sein kann, wenn er sich seine Skepsis bewahrt und die auch äußert.

      Und deshalb: Und Zahnspangen bei erwachsenen Höchstleistungssportlern müssen im Zeitalter des kaum zu entdeckenden Wachstumshormondopings zumindest erwähnt (!) werden. Alles andere würde bedeuten, nur die halbe Wahrheit des Spitzensports zu erzählen.

    10. Dominik S am 18. August 2008 - 10:28 -

      @Tobin: Na immer langsam, bitte. Hier hat niemand von einem Dopingverdacht in einem konkreten Fall, in einer konkreten Sportart oder auf eine konkrete Person bezogen gesprochen.

      Aber in den letzten Tagen hat sich hier eine erkleckliche Sammlung an Beobachtungen ergeben. Und da darf man doch wohl mal ein Schippchen dazu beitragen. Nein, ich leite keinen Dopingverdacht aus einer Zahnspange ab. Im Gegenteil, ich hab sogar noch ein Argument FÜR ihre Sauberkeit angeführt, das im umgekehrten Fall dagegen verwendet wird (Siehe gestern, 100m-Finale der Frauen: http://jensweinreich.de/?p=786 ).

      Ich wollte ja viel eher auf eine quantitative Frage hinaus, nämlich: Dass sich über den Nachweis eines (eben bewiesenen statt nur hypostasierten) sprunghaften Anstiegs der Zahnspangenträger und -innen die Dopingthese durchaus untermauern ließe. Rückschlüsse auf den Einzelfall sind dabei natürlich mau, aber auch nicht im Sinne des Erfinders gewesen.

      Nette Zitate, though.

    11. Dominik S am 18. August 2008 - 10:42 -

      Jens, da ein anderer vorgezeigt hat, dass man so eher Antworten auf Anfragen an dich kriegt, muss ich leider nachziehen:

      Ich hab vor einiger Zeit per Mail nachgefragt bez. Podiumsdiskussion im Oktober, aber leider noch keine Antwort erhalten – wäre nur gut da bald was zu hören, damit wir uns gg.falls um andere Leute kümmern können!

      mlgd

    12. Jens Weinreich am 18. August 2008 - 10:46 -

      keine ahnung, was gemeint ist. in meinem outlook gibt es keine derartige anfrage. was nicht heißt, dass sie vielleicht im spam-ordner gelandet oder versehentlich von mit gelöscht worden ist oder auf dem weg von wien nach berlin krepiert. wenn ich wieder zu hause bin, können wir drüber reden.

    13. Dominik S am 18. August 2008 - 10:52 -

      hm. nugut, ich schick gleich nochmal was los! halt von einer anderen adresse, falls du meine schon (was ich nicht verdenken könnte ;) ) automatisch in den spamordner forwarden lässt!

    14. probek am 18. August 2008 - 10:53 -

      Was ist CAR?

    15. Philipp am 18. August 2008 - 10:54 -

      Mir gefällt Ihr Satz in der Zeitschrift Message: “…die Lüge ist eine olympische Konstante…”. All die entlarvten Dopingsünder haben vor der positiven Probe alles, aber auch alles abgestritten. Oft wird sogar nach dem bewiesenen Betrug weiter abgestritten.
      Ich bin kein Sportjournalist und habe demzufolge keine Lehrbücher gelesen. Aber ich bin sportbegeistert seit über 25 Jahren und beschäftige mich auch mit Doping seit Ben Johnson – dem guten alten Ben, den ich als Pubertierender seinerzeit meine Nachtruhe geopfert hatte. Mittlerweile bin ich Arzt – und immer noch sportbegeistert. Nüchtern betrachtet, wissenschaftlich gesehen und pharmazeutisch gut erklärbar sowie oft beschrieben (auch von Sportjournalisten) sind nahezu alle Spitzenleistungen hinterfragbar.
      Es erscheint mir also nicht besonders schlau zu sein, sich gewisse Einzelsportler herauszugreifen und als “krankhaft” zu bezeichnen, handkehrum im gleichen Atemzug Lobeshymnen über “saubere” Sportler anzufertigen. Sowenig es schlau zu sein scheint, über DIE Sportjournalisten im Allgemeinen zu schreiben.
      Alles in allem bleibt der Bericht in “Message” sehr lesenswert.

    16. Jens Weinreich am 18. August 2008 - 10:57 -

      @ probek. Sorry, CAR = Computer Assisted Reporting. Eine Methode, die in Deutschland unterentwickelt ist. Ganz anders als in den USA, wo es große CAR-Reporterpools gibt, oder in Skandinavien. Aber dort hat investigativer Journalismus ja eine ganz andere Stellung als in D-Land. Dort gibt es auch Informationsfreiheitsgesetze, die den Namen wirklich verdienen.

    17. Jens Weinreich am 18. August 2008 - 11:01 -

      @ James Tobin: Die Ballack-Frage und die Fußball-Doping-Fragen bitte nicht an mich, sondern an so genannte Football Writer richten, von denen es in Deutschland ja viele Hundert gibt. Ich weiß nur, dass Thomas Kistner für eine Betrachtung zum Doping im Fußball den Theodor-Wollf-Preis erhält. Aber er ist ja auch kein Football Writer, sondern nur ein Fußballspieler und ein Sportpolitiker, der sich auch mit Fußball befasst, da wo es weht tut.

    18. probek am 18. August 2008 - 11:08 -

      Um mal meine selbst gestellte Frage zu beantworten: Computer Assisted Reporting, die englische Wikipedia klärt die Abkürzung auf. Und das Sportnetzwerk bzw. Poynter.org bieten weitere Hinweise.

    19. probek am 18. August 2008 - 11:11 -

      Und während der Fragesteller noch sucht, hat der Autor schon längst geantwortet. Danke!

    20. Arnulf am 18. August 2008 - 11:48 -

      Nette Checkliste. Die lässt sich (wenn man ein paar Worte austauscht) auch prima auf andere, häufig zu unkritische Spielarten des Journalismus übertragen – von der Politikberichterstattung bis zum Medizinjournalismus.

    21. Linksaussen am 18. August 2008 - 12:16 -

      täuscht eigentlich mein eindruck, daß es nur eine handvoll von kritischen sportjournalisten gibt? ich lese in solchen zusammenhängen immer die gleichen namen: weinreich, kistner, hahn, jennings, grit hartmann, eggers (v.a. magdeburg/hildebrand), röckenhaus (bvb) usw…

      mag sein, daß das an meiner mangelnden medienpalette liegt (mehr als ein zeitungsabo würde meine zeit auffressen). mag aber auch sein, daß das die traurige wirklichkeit ist. wobei natürlich die hoffentlich zahlreichen schreiber nicht vergessen sein sollen, die sich auf lokaler ebene um das journalistische im sport bemühen.

      und die blogger natürlich.

    22. Dominik S am 18. August 2008 - 12:55 -

      Naja, soweit ich das aus dem südlichen Nachbarland beurteilen kann, würde ich einmal sagen:

      Die Namen liest du wohl hauptsächlich deshalb immer, weil die auch auf dieser Seite am häufigsten vorkommen ;). In Deutschland kann man auf jeden Fall noch den Hajo Seppelt ergänzen (-> Im Reich der Mittel http://daserste.ndr.de/reportageunddokumentation/olympia232.html ). Und vielleicht den Michael Reinsch (aber FAZ les ich seltenst) und Ronny Blaschke (aber bei anderen Themen als Doping).

      Was ich aber auf jeden Fall sagen kann: Im Vergleich zu Österreich seid ihr da in Deutschland exzellent aufgestellt. Im Fernsehen gibt es keinen mit Hajo Seppelt vergleichbaren Reporter; im Printbereich beschränkt sich das (ernstzunehmende) kritische Potential auf den “Kurier” und manchmal den Standard (aber die haben oft nur eine Sportseite und neben den Ergebnissen nicht viel Platz). Das war es dann schonmal. Das “Profil”, am ehesten mit dem Spiegel vergleichbar, hat nicht einmal ein eigenes Sportressort.

    23. mb am 18. August 2008 - 13:45 -

      Klar, kritischer Sportjournalismus ist absolut notwendig und ist auch ein Wert an sich. Aber: Die “harten Fakten” in der Dopingbekämpfung sind nur duch staatsanwaltschaftliche Ermittlungen (Springstein, Ullrich, Freiburg, Sinkewitz, DDR-Doping, Turin, Balco) oder aber ggf. durch ergänzenden Scheckbuchournalismus (Spiegel usw.) ans Licht gekommen. Gegenmeinung?

    24. Joern am 18. August 2008 - 14:17 -

      @mb
      Was genau meinst Du mit “Scheckbuchjournalismus (Spiegel usw.)”?
      Hierzu ganz interessant: http://www.message-online.com/83/ludwig.htm

    25. Jens Weinreich am 18. August 2008 - 14:22 -

      mb: staatsanwaltschaft, okay. scheckbuchjournalismus, okay. aber du weißt ja auch, dass sich nur mit diesen wenigen schlagzeilen nichts bewegt hätte. bewegt hat sich nur ein bisschen, das muss ich ja leider auch sagen, weil doch einige journalisten über viele jahre ausdauernd und gegen tausend widerstände – im so genannten journalismus, in ihren medien, im sport, unter funktionären, unter rezipienten – angearbeitet haben. das ist ein prozess von mehreren jahrzehnten. vor allem deshalb hat sich im öffentlichen bewusstsein doch einiges geändert, die spektakulären fälle waren das sahnehäubchen.

    26. fred am 18. August 2008 - 14:51 -

      jens, elf jahre sind eine lange zeit!
      acht aber auch …. ;-)

    27. ha am 18. August 2008 - 14:54 -

      @bjoern
      Zu A gehört B
      http://www.message-online.com/83/krueger.htm
      Auch ganz interessant.

    28. Albert Knechtel am 18. August 2008 - 14:56 -

      Nur mal eine Frage an die Berichterstatter: wenn das alles so schlimm ist in China, warum seid Ihr dann noch dort? Wäre es nicht besser die “Freakshow” totzuschweigen?

    29. Jens Weinreich am 18. August 2008 - 14:58 -

      @ fred: ich weißt nicht, was du mit elf und acht jahren meinst. ich denke, dass im westen, zumindest in einigen medien, 1988 bei einigen ein umdenken eingesetzt hat. die aufarbeitung des ostsports hat das befördert. und das sind dann im nächsten jahr 20 jahre. aber scheiß egal. an jahrenzahlen sollte man das nicht festmachen. das ist oft so absurd, wenn man feststellt, dass man vor einem jahrzehnt dieselben texte geschrieben hat, deshlab habe ich ja vorgestern (oder vielleichgt vorvorgestern) mal den text aus sevilla über michael johnson reingestellt.

    30. B.Schuss am 18. August 2008 - 15:02 -

      checkliste hin oder her, so lange alle Beteiligten in der Form vom Doping profitieren wie das aktuell der Fall ist, werden die einen Teufel tun, und an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen.
      Wie Jens es schon schreibt, Sport ist mittlerweile Teil des Showbusiness, und alle verdienen daran. Sportler, Funktionäre, Sponsoren, und ja, auch die Presse.
      Mit Sport hat das IOC jedenfalls immer weniger zu tun. Da gehts nur noch um Vermarktung.

      Noch eine Frage, Jens. Was meinst du mit “..Informationsfreiheitsgesetze, die ihren Namen wirklich verdienen..” ?
      Hast du das Gefühl, die Informationsfreiheit wird in Deutschland zu stark eingeschränkt ?

    31. Jens Weinreich am 18. August 2008 - 15:03 -

      ach albert. weil wir uns kennen: was soll denn der unsinn? könnte ja sagen: weil nicht umzubuchen ist und ich nicht früher zurückfliegen kann. sage ich aber nicht. ich sage allerdings auch nicht so einen nonsens: weil es sehr wichtig ist, dass gerade ich darüber schreibe. wir sind auf dem raumschiff olympia, das irgendwo gelandet ist, wo, das ist eigentlich ganz egal. die probleme bleiben. hast du schlecht geschlafen?

    32. Jens Weinreich am 18. August 2008 - 15:17 -

      @ b.schuss: das ist für mich nicht wirklich ein IFG, das den namen verdienen würde. sieh mal hier nach, da ist ein hübsches protokoll einer ifg-recherche von timo rieg verlinkt.

    33. Joern am 18. August 2008 - 15:19 -

      @ha
      Ja, da hast Du recht.
      Wir ging’s aber nicht darum, eine best. Position in dieser Sache einzunehmen.
      Nur: Ob’s beim diesem Spiegel-Artikel Ungereimtheiten gibt oder nicht, ist erstmal nicht vom evtl. verwendeten Scheckbuch abhängig.
      Bei A wird darauf hingewiesen, wer den Spiegel-Autoren hier das Schild “Scheckbuchjournalismus” umgehängt hat, und warum.

    34. B.Schuss am 18. August 2008 - 15:34 -

      @Jens: bin ich nur völlig blind, oder fehlt da die Verlinkung ? ^^

      meintest du das hier ?: http://www.sportjournalismus.org/images/downloads/IFG%20Protokoll%20Rieg%202007.pdf

    35. nabab am 18. August 2008 - 15:41 -

      danke für den kurzen text und die sehr erhellende checkliste. unglaublich, was man hier so komprimiert vermittelt bekommt.

    36. Dominik S am 18. August 2008 - 15:52 -

      Apropos Jens, für dein Seelenheil: Am Kollegen Hahn dürfte der Schlafentzug durch die Spiele auch schon heftig nagen. Hat heute in der SZ geschrieben, dass Kim Collins aus “St. Kids & Nevis” wäre … von wegen nur JW macht Fehler!

    37. mb am 18. August 2008 - 15:58 -

      @joern: meine Beispiele für Scheckbuchjournalismus: ARD-Beckmann mit Bert Dietz, April 2007 Spiegel mit Jeff dHont und später auch im Focus (dort weitgehend ohne Resonnanz). Dietz und dHont wirkten doch in der Öffentlichkeit als Panzerknacker! Sinkewitz und Jaksche (im Spiegel? im Stern?). Soll nicht missachtet werden: Zusätzlich war es auch gute journalistische Arbeit mindestens im Sinne von langjähriger Recherche (Spiegel – Udo Ludwig).

    38. radoteur am 18. August 2008 - 16:05 -

      @jw:
      hier ist schon viel lob für diesen blog gefallen, aber ich will das nochmal bekräftigen: viele spannende und gutaufbereitete infos (danke!) und vor allem intensive kontroverse debatten – i.d.r. ohne unter die gürtellinie zu gehen. respekt allen beteiligten dafür.

      eine frage hab ich aber auch noch, deren beantwortung aber nicht eilt: ;-)
      du schreibst “ich denke, dass im westen, zumindest in einigen medien, 1988 bei einigen ein umdenken eingesetzt hat.”
      wie war das denn bei den ddr-medien?
      ich erinner mich, dass doping vorher eigentlich gar kein thema war, bzw. wenn, dann mit dem tenor ‘das sind begleiterscheinungen des menschenverahctenden kapitalisrtischen profisports – und da es den bei uns nicht gibt, gibts auch kein doping.’ Ende der 80er begann doch auch hier eine ganz zaghafte und keineswegs selbstkritische Öffnung zu dieser Thematik (so erinner ich es wenigstens). wie sah das denn hinter den medialen kulissen aus?

    39. Trebor am 18. August 2008 - 16:08 -

      jens, dein ioc-buddy gosper schaut bei der siegerehrung im tischtennis aber grimmig drein und verweigert christian süß beinahe den handschlag. wild. welcher böse deutsche hat dem aussie da denn in der vergangenheit in die karriere-suppe gespuckt? ;)

      naja, sein vizedasein im ioc scheint beendet. hoffentlich.

    40. Jens Weinreich am 18. August 2008 - 16:34 -

      @ radoteur: soweit ich es als volontär und student mitbekommen habe: da war nichts hinter den kulissen. wenn jemand aus dem journalismus etwas ahnte und/oder etwas gehört hat, hielt er den mund. ist ja kein wunder, dass viele, fast alle (oder gar alle?), die damals schon von den erfolgen im ausland berichtet haben, bis heute kaum ein kritisches wort verloren haben.

      @ b.schuss: wusste gar nicht, dass man die seite aufrufen kann, habe ich ja schon ewig nichts mehr gemacht. aber ja, das ist das richtige dokument.
      hier ist der link, den ich eigentlich setzen wollte, da findet sich auch noch anderes interessantes:
      http://sportnetzwerk.eu/?page_id=31

    41. James Tobin am 18. August 2008 - 16:35 -

      Checkliste geht in Ordnung.

      Journalismus ist ein Handwerk. Vieles kann man lernen. Aber wie jedes Handwerk ist Journalismus mehr als nur ein Handwerk. Eine Redaktion ist eine Manufaktur – oder sollte eine sein, und kein Industriebetrieb mit standardisierten, automatisierten Produktionsabläufen. Fehler können vermieden werden, wenn an Texten gefeilt wird, wenn sie vor der Publikation gründlich durchdacht, besprochenund gegengelesen werden. Jedes Handwert erfordert eine Grunhaltung.
      “Nichts glauben, aber alles für mögliche halten”, empfiehlt Hermann Schlaupp*. (Sri)

      *Hermann Schlapp (2003): Einstieg in den Journalismus – Ein Leitfaden zum Handwerk.

      Während vermutlich Jens Weinreich mit einige Repression und unangenehmen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, präsentiert sich Thomas Bach rethorisch stark. Siehe FAZ
      http://www.faz.net/s/Rub03D44147D5D54FEFBD86D6A02159E792/Doc~E3E47EC0884614F12A1A13FFBE9C8375D~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    42. Jens Weinreich am 18. August 2008 - 16:36 -

      @ trebor: da siehst du mal, dass meine gosper-beschreibungen, was seinen sympathiegrad angeht, nicht ganz daneben liegen, oder?

    43. Tobias am 18. August 2008 - 16:57 -

      ich fände es schade, wenn sich die letzten kritischen sportjournalisten nach kritik und selbstzerfleischung zurück zögen. auseinandersetzung mit den “hofberichterstattern” müssen dennoch sein. gerne lese ich die diskussionen und hoffe eure lust an der kritischen beobachtung lässt nicht nach. zu der knappen liste würde ich noch die sportredaktion des dlf hinzufügen.

    44. ha am 18. August 2008 - 17:50 -

      @joern
      d’accord.
      Dazu: Gegen Scheckbuchjournalismus ist überhaupt nichts einzuwenden. Schön, wenn demnächst noch mehr Schecks so effektiv abgehen. Siehe Heredia. Sonst: Schwierig mit der unabhängigen Justiz, auch in diesem Land, also mit dem segenreichen staatsanwaltschaftlichen Wirken. Manchmal wird sie etwas unabhängiger, wenn ihr Journalisten auf den Senkel gehen – und manchmal können die sogar etwas addieren. Würde deshalb einen Vorfeldtipp hinzufügen, gerade für Sport: Recherche ist nicht Arbeit im Glauben, dass etwas gut ausgeht, dann verliert man. Sondern eher mit dem Glauben, dass es sinnvoll ist, etwas zu tun – egal wie es ausgeht. Kenne eine Menge, die sich das erhalten haben.

    45. Janni am 18. August 2008 - 20:17 -

      Dank diesem Blog ist “Zahnspange” ein absolutes Buzz-Word geworden, vielen Dank. Sonst wäre es mir [url=http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,572821,00.html]hier[/url] gar nicht aufgefallen…

    46. Sebastian am 18. August 2008 - 21:05 -

      Buzz-Word bedeutet im Übrigen “Modewort”, für alle mitlesenden Deutschen. Ach und dem Dativ habe ich auch nicht übersehen.

      Dein Kommentar macht kaum Sense Janni… ich verstehe jedenfalls nicht, wieso “Zahnspange” jetzt Modewort sein soll. Was wollten Sie denn ausdrücken?

    47. Martin Sommerfeld am 18. August 2008 - 21:56 -

      Tobias: “ich fände es schade, wenn sich die letzten kritischen sportjournalisten nach kritik und selbstzerfleischung zurück zögen.”

      Wieso die letzten – die ersten! “Früher war alles besser” passt ja nun beim Sportjournalismus nicht so wirklich. ;-)))

    48. Saarlänner am 18. August 2008 - 22:56 -

      @jens weinreich:
      Vielen Dank für Ihren extrem unterhaltsamen und interessanten Blog. Das gleiche Lob geht übrigens auch an locker 66% der Kommentatoren hier. Echt jetzt!
      Olympia, dieses “doping-geschwängerte Massenveralberungshehumpse auf Kosten der allgemeinen Lebenshaltungskosten” ging an mir bislang völlig vorbei. Bis auf diesen Blog hier. Den lese ich seit “Tag 1″ und bin fast jedem Link (auch denen der Kommentatoren) gefolgt. War stets ein Aha-Erlebnis. Und bin immer mehr davon überzeugt: ich brauch kein Olympia nimmer nicht.

      Euch allen: vielen Dank! Weiter so.
      Nochmal an Jens Weinreich: durchhalten… alles wird gut…!

    49. Janni am 18. August 2008 - 23:33 -

      @Sebastian: Übersetze Buzzword einfach mit Schlagwort und es macht viel mehr Sense. ;)

    50. Peking, Tag 19 : jens weinreich am 19. August 2008 - 06:39 -

      [...] Eine kluge Freundin schrieb mir vergangene Nacht: “Mein Gott, ist der Blog heute theorielastig. Klingt ja wie Kommunikationswissenschaft 1. Semester. Sind wohl alle schwer ins Grübeln gekommen. [...]

    51. B.Schuss am 19. August 2008 - 08:54 -

      jens, wegen der Defizite es IFG, was genau soll das denn nun mit der Arbeit eines Sportjournalisten zu tun haben, bzw. diese einschränken oder behindern ?
      Beim IFG gehts doch bloss um die Informationspflicht von staatlichen Behörden gegenüber den Bürgern ( einschl. Journalisten ).

      Das sollte doch eigentlich deinen Bereich kaum betreffen. Oder bezog sich deine Bemerkung auf investigativen Journalismus allgemein ?

    52. Jens Weinreich am 19. August 2008 - 09:03 -

      das war ganz allgemein gemeint. und auf journalismus überhaupt bezogen, nicht mal auf investigativen journalismus. es war sogar noch allgemeiner gehalten: für mich geht es um grundrechte bzw. nicht gewährte grundrechte der bürger, wenn informationen so geblockt werden wie in deutschland.

    53. Tobias am 19. August 2008 - 09:18 -

      @jens
      nun hast du (berliner zeitung) und viele andere über die nationale katastrophe xang geschrieben. jedoch ist mir nicht wirklich klar geworden, ob es sich um echte trauer oder um ein kollektiv dirigiertes entsetzen handelt? was hat es mit den scheinbar manipulierten bildern, der winkende xang, aus dem aufwärmraum auf sich?
      auf der anderen seite: bei all den außerirdischen, es gibt auf einmal so viele, ist das versagen des körpers nicht auch ein sehr irdisches Signal?

      @Martin Sommerfeld
      stimmt, hier muss ich mich wirklich bemühen keine ungenauigkeiten zu zu lassen.

    54. B.Schuss am 19. August 2008 - 09:49 -

      @Jens: als Journalist kann ich deine Verärgerung natürlich nachvollziehen. Journalisten wollen immer alles wissen, und im Zweifelsfall alles veröffentlichen. Das liegt an der Natur der Sache. Aber würdest du nicht zustimmen, dass es Informationen gibt, oder geben kann, die im Interesse der nationalen Sicherheit (o.ä.) nicht veröffentlicht werden sollten ?

      Und wenn ja, wer glaubst du sollte die Entscheidung darüber treffen, was veröffentlicht werden darf, und was nicht ?

      Wo endet deiner Ansicht nach das Grundrecht auf Information ?

    55. Sebastian Heinisch am 22. August 2008 - 15:56 -

      Vielen Dank für die Erwähnung von Message. :-) Lese weiterhin gespannt mit; nicht täglich, aber doch regelmäßig und genieße diese andere, eben blogtypisch ganz persönliche Sicht – die wie zu erwarten angenehm kritisch-sarkastisch aus- und auffällt – auf die Spiele als Erweiterung des Horizonts!

    56. Dr. Theo Zwanziger ./. Weinreich : jens weinreich am 22. Oktober 2008 - 15:20 -

      [...] dass ich irgendjemanden in eine rechte Ecke gerückt habe. Dennoch erhielt ich am 18. August, da war ich gerade in Peking, Fax von einem Anwalt des DFB-Präsidenten. Er behauptete, die Formulierung “unglaublicher [...]

    57. Sebastian Bayer oder: “Have a good time!” : jens weinreich am 9. März 2009 - 21:28 -

      [...] Die Kollegen, die aus Turin berichten, sind nicht zu beneiden. Doch letztlich haben wir es mit Fragen zu tun, die seit zwei Jahrzehnten Hauptthema der Sportberichterstattung und Sportbetrachtung sind: Was können wir glauben? Wem können wir glauben? Was nicht? Wem nicht? Warum doch? Warum nicht? Diskutiert wird das hier schon längst. (Checkliste Dopingberichterstattung) [...]

    58. Doping und die Medien : jens weinreich am 10. Juli 2009 - 11:18 -

      [...] Visser sagt …“, aber auch schon früher, das ist ein durchaus selbstreferenzielles Dauerthema), will ich gern mit zwei universitären Abschlussarbeiten bereichern. Die Fragen sind nicht neu, [...]

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