dokumentation

Eckpunkte zu Corona-Überbrückungshilfen für Profisportvereine

Ende Juni hatte ich mich ausführlich mit den Corona-Überbrückungshilfen für Profisport-Unternehmen befasst: Es wurden schließlich 200 Millionen Euro in den Etat des für Spitzensport zuständigen Bundesinnenministeriums (BMI) verlagert. In aller Stille hat das BMI nun die Eckpunkte für diese Hilfsleistungen veröffentlicht, die im Grunde alle Vereine jenseits der 1. und 2. Fußball-Bundesliga der Männer beantragen können. Antragstellung und Auszahlung erfolgt über das Bundesverwaltungsamt – klingt schon mal besser als befürchtet.

Es geht um Hilfen für entgangene Zuschauereinnahmen bei Liga- und Pokalveranstaltungen – retrospektiv und für die nächsten Monate. Es heißt darin, das „Verbot größerer Veranstaltungen mit Zuschauern“ werde „voraussichtlich noch für viele Monate andauern“. Anträge können ab einem nachgewiesenen Einnahmeausfall von 2.500€ in Höhe von bis zu 80 % der Netto-Ticketeinnahmen aus dem Jahr 2019 gestellt werden.

Die Antragstellung erfolgt ausschließlich über „Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwalt oder vereidigten Buchprüfer“. Eine „Überkompensation“ sei ggf. zurückzuzahlen.

Die Antragsteller werden darauf hingewiesen, dass es sich bei der Auskunft um subventionserhebliche Tatsachen handelt und dass falsche Angaben zu einer Strafbarkeit führen können. Das Bundesverwaltungsamt trifft angemessene und effektive Vorkehrungen zur Verhinderung von Missbrauch. Das Bundesverwaltungsamt wird zudem stichprobenhafte Kontrollen durchführen. Die Prüfrechte des Bundesrechnungshofs bleiben unangetastet.“

Pro Verein/Unternehmen sind die Coronahilfen auf maximal 800.000€ begrenzt, wobei andere Beihilfen aus Bundes- und Länderkassen dazu zählen sollen. Auch da gibt es Ausnahmen:

Personenkult im IOC: The one and only Great Leader Dr. Thomas Bach

Das ist alles, was man zur virtuellen IOC-Session wissen muss, die gerade noch läuft. Nicht etwa Tokio 2020/2021 stand im Mittelpunkt dieser olympisch-kommunistischen Propagandasession, sondern der Große Führer Thomas Bach.

„If you, the IOC Members want, I am ready to run for a second term as IOC President and to continue to serve you and this Olympic Movement, which we all love so much for another four years.“

Im Amt ist der Große IOC-Führer seit September 2013. Im Frühjahr 2021, so Corona es erlaubt, erhält er auf der in Athen geplanten Session die maximalen vier Jahre Nachschlag.

Es folgte heute Mittag eine Parade der Clacqueure. Ich glaube nicht, dass ich jemanden vergessen habe. Viele lasen die vorbereiteten Statements vom Blatt ab. Womöglich hatte Lausanne manchen Wortlaut vorgegeben.

Überbrückungshilfen: 150 Millionen Euro für Profisportvereine jenseits der Fußball-Bundesliga

Der organisierte Sport erwartet den nächsten großen Zahltag. Im aktuellen Konjunkturpaket, das in diesen Tagen hektisch finalisiert wird, sollen 150 Millionen Euro für Vereine und Unternehmen der professionellen und semi-professionellen Ligen zur Verfügung stehen. (Nun sind es sogar 200 Millionen geworden, wie teilweise im Text vom 23. Juni skizziert – siehe Nachtrag am Ende.) Für einige dieser Vereine könnte diese Förderung existenzsichernd sein. Sportpolitiker und Lobbyisten wollen dieses Paket sogar vom Bundeswirtschaftsministerium ins Bundesinnenministerium verschieben. Darüber wird noch verhandelt.

Im neuen Konjunkturpaket könnten nach einer Kalkulation der Lobby-Organisation Teamsport Deutschland insgesamt 287 Vereine in diesen Ligen in den Genuss der Überbrückungshilfen kommen: 

  • Fußball: Frauen-Bundesliga, 3. Liga Männer
  • Handball: 1. und 2. Bundesliga Frauen und Männer
  • Eishockey: Männer DEL und DEL 2
  • Basketball: Frauen (DBBL) und Männer (BBL) 1. und 2. Bundesliga
  • Volleyball: Männer und Frauen 1. und 2. Bundesliga (VBL)

Die Doppelmoral-Falle des Helmut Digel

Helmut Digel galt einst als ein Vordenker des deutschen Sports. Als Ruheständler blickt er gewissermaßen auf die Trümmer seiner Funktionärslaufbahn: Den Makel der langjährigen engen Zusammenarbeit mit dem kriminellen Diack-Clan wird er nicht los. Das schmerzt. In wirren Elaboraten, die seine Universität Wissenschaft nennt, wettert Digel gegen Sportler, Politiker, Funktionäre, Journalisten – und fordert „Solidarität mit IOC-Präsident Dr. Thomas Bach“. Faktentreue muss sich der Freizeitturner dabei nicht nachsagen lassen. Aus Anlass des Prozesses gegen Lamine Diack et al. in Paris: Eine Textkritik – ein aktualisierter Beitrag aus dem Magazin Sport & Politics.

Olympiakriminalität: Im Reich des Bargelds

Duzbrüder: IOC-Präsident Thomas Bach, IWF-Ganove Tamás Aján, langjähriges IOC-Mitglied – beim Treffen im IOC-Hauptquartier nach der gekauften Wiederwahl Ajáns 2017. (Foto: IWF)

Der Gewichtheber-Weltverband IWF ist seit einem halben Jahrhundert ein Hort der Korruption auf allen Ebenen. Zu diesem Ergebnis kommt der kanadische Jurist Richard McLaren, der mit seinem Team in den vergangenen Monaten die Machenschaften unter dem langjährigen IWF-Präsidenten Tamás Aján (Ungarn) beleuchtet hat. Der 122 Seiten umfassende Bericht wurde heute veröffentlicht.

Im Zeitraum von 2009 bis 2019, nur darauf konzentriert sich die Untersuchung, hat Aján 27,8 Millionen Dollar von IWF-Konten abgehoben oder Barsummen in Empfang genommen: Von Doping-Nationen, die sich damit freikauften, von Nationalverbänden für Beiträge und Lizenzen, sogar von Sponsoren. Der Verbleib von 10,4 Millionen Dollar ist ungeklärt. Die Verwendung der restlichen 17,4 Millionen ebenso skandalös.

Jung stirbt, wen die Götter lieben? Studie zur Mortalität deutscher Olympiateilnehmer

Deutsche Olympiateilnehmer (#Sportdeutschland) sterben früher als der Durchschnitt der Bevölkerung. Deutsche Olympiasieger sterben früher als Sportler, die bei den Spielen keine Medaillen gewinnen. Unter Olympiateilnehmern haben Frauen eine höhere Überlebenschance als Männer. Das sind Ergebnisse einer Studie von Lutz Thieme, die die Mortalitätsrate aller 6.066 Deutschen bei den Olympischen Spielen 1956 bis 2016 untersucht und ins Verhältnis zur jeweiligen Gesamtbevölkerung setzt. 

Eine derartige Untersuchung gab es hierzulande noch nicht. Überraschend dabei: Die Sterblichkeitsrate unter Olympiateilnehmern aus dem Westen des Landes ist größer als unter jenen aus dem Osten. Wobei Olympiasieger aus dem Osten wiederum eine deutlich geringere Überlebenswahrscheinlichkeit als westdeutsche Olympiasieger haben.

Was vom Tage übrig bleibt (106): Götterdämmerung im IOC

Ich habe in den vergangenen verrückt-besorgniserregenden Tagen vor allem für den SPIEGEL gedichtet und extensiv getwittert. Habe mich selten so gut informiert gefühlt und nahe am Geschehen. Mein Dank gilt den vielen Vögelchen im Hintergrund aus IOC und Weltverbänden, mit denen der Austausch vertrauensvoll, kontrovers und produktiv läuft – sehr spannend. Dazu einige Tweets und THREADS sowie die Links zu den jeweiligen Artikeln. Weiter unten das Rohmaterial der Texte.

Bleiben Sie gesund!

Strandkongresse und Strafprozesse – das Olympiajahr 2020

Es ist ein olympisches Jahr. Es wird ein spannendes Jahr. Olympischer Showsport, Kongresse, Kriminalität und globale Sportpolitik – eine kleine Vorschau:

Thomas Bach, Fleisch gewordene Interessenkonflikte und ‚the innocent new generation of clean Russian athletes‘

Wenn du glaubst, es geht nicht schlimmer, kommt Thomas Bach mit einem weiteren seiner dubiosen Olympic Summits daher.

Ich hatte es angekündigt und in der vergangenen Woche mehrfach vor der sogenannten Declaration des Bach-Gipfels gewarnt, im SPIEGEL, in der Berliner Zeitung und hier im Blog.

The real costs of the Youth Olympic Games 2018 in Buenos Aires: 1,15 billion USD. At least.

In October 2018, shortly before the opening party of the Youth Olympic Games in Buenos Aires, IOC president Thomas Bach claimed the budget of USD 200mio „will be about 40 percent less“ than expected.

The organizers told him so, said Bach.

40 percent less than USD 231mio?

This is the stunning story of the real costs of YOG 2018 in Argentina, investigated by a team of journalists. Tragically, their team leader Ernesto Rodríguez died on September 12, 2019, on a heart attack.

The team can prove real costs for YOG 2018 of more than USD 1.150.000.000 – based on thousands of documents and hundreds of contracts.

1,15 billion: mostly paid by public money in troubled Argentina.

And the investigation is ongoing. There will be more documents. The overall costs of the alleged sustainable Youth Olympic Games will be even higher.

Kronzeugenregelung und Schutz von Whistleblowern im deutschen Anti-Doping-Gesetz

DOHA. Am kommenden Mittwoch tagt der Sportausschuss im Bundestag ausnahmsweise öffentlich. Nur deshalb stelle ich nach langer Zeit mal wieder Dokumente zur Diskussion – die Stellungnahmen der Sachverständigen zur Evaluierung des Anti-Doping-Gesetzes, das am 10. Dezember 2015 erlassen wurde. Die Sachverständigen und Organisationen (DOSB, NADA, Athleten Deutschland, Thomas Weikert, Oberstaatsanwalt Kai Gräber, Deutscher Anwaltverein) sind sich darin einig, dass das Gesetz verbessert werden muss. Es bedarf, so im trockenen Juristendeutsch, beispielsweise und vor allem „der Einführung einer gesonderten Kronzeugenregelung“ inklusive eines besseren Schutzes für Whistleblower.

Nachgetragen wurde die Stellungnahme des Sportrechtlers Rainer Cherkeh aus Hannover.

Geschäftsgeheimnis: Wie viele Millionen bekommt der DOSB vom IOC?

Dies ist eine ganz einfache, faktenbasierte Erzählung, die belegt, wie schwer sich der DOSB noch im Jahr 2018 tut, transparent zu agieren. Jener DOSB, der unter Verbänden, Ministerien und Institutionen, die mit der Leistungssportreform befasst sind, im Grunde als einzige Partei unkontrolliert vor sich her wurstelt.

In anderen Ländern, in den USA oder im skandinavischen Raum, ist die Antwort auf die Frage, wie viel die NOK aus dem weltweiten Vermarktungsprogramm des IOC erhalten, kein Geheimnis. Da geht man halt online, als Bürger und Journalist, schaut sich die Bilanzen an, beim United States Olympic Committee (USOC) gern zusätzlich das Steuerformular 990, und hat die Daten parat. Auch die Vorstandsgehälter übrigens.

Wie viel der DOSB aus Lausanne erhält, weiß man nicht. Das ist, warum auch immer, Herrschaftswissen. Man verweist gern auf vermeintliche Geschäftsgeheimnisse. In Deutschland werden traditionell nur minimale Daten in den Jahresrechnungen und Wirtschaftsplänen genannt. Was unter „olympischer Vermarktung“ vom IOC kommt, was die vom DOSB zwischengeschaltete GmbH Deutsche Sport Marketing (DSM) selbst für den nationalen Bereich generiert, wie das alles zusammenhängt, wann was überwiesen wird, ob und wenn ja warum die DSM Provisionen auf die IOC-Überweisungen kassiert, dazu gibt es keinerlei Informationen.

Sollte der DOSB, dessen Verbände zu großen Teilen aus öffentlichen Kassen alimentiert werden, der sich als Dachverband und Serviceeinrichtung des Sports versteht, nicht gläsern agieren? Mir haben sogar DOSB-Vorstandsmitglieder berichtet, dass sie es nicht wissen und Anfragen nur ungenügend beantwortet werden. Das ist vor dem Hintergrund lang währender Debatten über die Transparenz der Sportförderung, nach Gerichtsentscheiden und Rechnungshofberichten, im Grunde ein Skandal.