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Überbrückungshilfen: 150 Millionen Euro für Profisportvereine jenseits der Fußball-Bundesliga

Der organisierte Sport erwartet den nächsten großen Zahltag. Im aktuellen Konjunkturpaket, das in diesen Tagen hektisch finalisiert wird, sollen 150 Millionen Euro für Vereine und Unternehmen der professionellen und semi-professionellen Ligen zur Verfügung stehen. (Nun sind es sogar 200 Millionen geworden, wie teilweise im Text vom 23. Juni skizziert – siehe Nachtrag am Ende.) Für einige dieser Vereine könnte diese Förderung existenzsichernd sein. Sportpolitiker und Lobbyisten wollen dieses Paket sogar vom Bundeswirtschaftsministerium ins Bundesinnenministerium verschieben. Darüber wird noch verhandelt.

Im neuen Konjunkturpaket könnten nach einer Kalkulation der Lobby-Organisation Teamsport Deutschland insgesamt 287 Vereine in diesen Ligen in den Genuss der Überbrückungshilfen kommen: 

  • Fußball: Frauen-Bundesliga, 3. Liga Männer
  • Handball: 1. und 2. Bundesliga Frauen und Männer
  • Eishockey: Männer DEL und DEL 2
  • Basketball: Frauen (DBBL) und Männer (BBL) 1. und 2. Bundesliga
  • Volleyball: Männer und Frauen 1. und 2. Bundesliga (VBL)

Die Doppelmoral-Falle des Helmut Digel

Helmut Digel galt einst als ein Vordenker des deutschen Sports. Als Ruheständler blickt er gewissermaßen auf die Trümmer seiner Funktionärslaufbahn: Den Makel der langjährigen engen Zusammenarbeit mit dem kriminellen Diack-Clan wird er nicht los. Das schmerzt. In wirren Elaboraten, die seine Universität Wissenschaft nennt, wettert Digel gegen Sportler, Politiker, Funktionäre, Journalisten – und fordert „Solidarität mit IOC-Präsident Dr. Thomas Bach“. Faktentreue muss sich der Freizeitturner dabei nicht nachsagen lassen. Aus Anlass des Prozesses gegen Lamine Diack et al. in Paris: Eine Textkritik – ein aktualisierter Beitrag aus dem Magazin Sport & Politics.

Jung stirbt, wen die Götter lieben? Studie zur Mortalität deutscher Olympiateilnehmer

Deutsche Olympiateilnehmer (#Sportdeutschland) sterben früher als der Durchschnitt der Bevölkerung. Deutsche Olympiasieger sterben früher als Sportler, die bei den Spielen keine Medaillen gewinnen. Unter Olympiateilnehmern haben Frauen eine höhere Überlebenschance als Männer. Das sind Ergebnisse einer Studie von Lutz Thieme, die die Mortalitätsrate aller 6.066 Deutschen bei den Olympischen Spielen 1956 bis 2016 untersucht und ins Verhältnis zur jeweiligen Gesamtbevölkerung setzt. 

Eine derartige Untersuchung gab es hierzulande noch nicht. Überraschend dabei: Die Sterblichkeitsrate unter Olympiateilnehmern aus dem Westen des Landes ist größer als unter jenen aus dem Osten. Wobei Olympiasieger aus dem Osten wiederum eine deutlich geringere Überlebenswahrscheinlichkeit als westdeutsche Olympiasieger haben.

Tokio 2021 und Thomas Bach: wer zu spät kommt, den bestrafen die Sportler

Die Olympischen Spiele und die Paralympics in Tokio werden also 2021 ausgetragen. Wenn die Entwicklung der Corona-Pandemie das im nächsten Jahr zulassen sollte – dieser Zusatz ist zwingend.

Es geht nicht darum, einen Alleinschuldigen für die beschämenden Vorgänge um diese späte Olympia-Verschiebung zu suchen. Thomas Bach aber hat die volle Verantwortung zu übernehmen. Die undemokratischen, intransparenten Usancen in der olympischen Familie, die er noch befördert hat mit seinem diktatorischen Gehabe, erschwerten eine Lösung. Das wird bleiben. Und es wird die Debatten der kommenden Monate bestimmen. Das olympische System wird sich erneuern müssen.

Was vom Tage übrig bleibt (106): Götterdämmerung im IOC

Ich habe in den vergangenen verrückt-besorgniserregenden Tagen vor allem für den SPIEGEL gedichtet und extensiv getwittert. Habe mich selten so gut informiert gefühlt und nahe am Geschehen. Mein Dank gilt den vielen Vögelchen im Hintergrund aus IOC und Weltverbänden, mit denen der Austausch vertrauensvoll, kontrovers und produktiv läuft – sehr spannend. Dazu einige Tweets und THREADS sowie die Links zu den jeweiligen Artikeln. Weiter unten das Rohmaterial der Texte.

Bleiben Sie gesund!

Das Coronavirus, die EURO 2021 und Tokio 2022

Die Corona-Pandemie gefährdet die größten Sportereignisse des Jahres: die Fußball-Europameisterschaft (geplant vom 12. Juni bis 12. Juli) sowie die Olympischen Sommerspiele in Tokio (geplant vom 24. Juli bis 9. August) inklusive der Paralympics. Bislang haben sich die Hauptveranstalter der EURO und der Sommerspiele, die UEFA und das IOC, kaum substanziell zu den Mega-Events geäußert.

Die UEFA konzentrierte sich zunächst auf die Klubwettbewerbe, stoppte Champions League und Europa League. Das IOC spielt auf Zeit und hofft darauf, dass sich die Lage bis Ende Mai entscheidend bessert. IOC-Präsident Thomas Bach und Japans Ministerpräsident Shinzo Abe wiederholen gebetsmühlenartig:

Die Sommerspiele finden wie geplant statt!

WADA suspendiert das Land, das vier Jahre nicht Russland genannt werden soll

Die Entscheidung fiel schneller als erwartet. Und sie fiel angeblich einstimmig vor wenigen Minuten im Royal Savoy Hotel zu Lausanne, wo das Exekutivkomitee der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) tagte.

Russland wird für vier Jahre gesperrt. So die Headline. Nun warten wir mal auf die Details.

live aus FFM: DOSB-Mitgliederversammlung

FRANKFURT AM MAIN. Wenn ich schon mal hier sitze in der vierten Etage des Kongresshauses Kap Europa, dann kann es auch ein bescheidenes Live-Blog sein.

Also, 16. Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) unter dem Möchtegern-Landrat Alfons Hörmann (CSU). Viel Vergnügen.

Paradoxon Olympia 2032: Berlin ist draußen, NRW ist ein Kandidat, ohne zum Kandidaten gekürt worden zu sein.

Wer die Diskussion um die Olympischen Sommerspiele 2032 und einen Kandidaten Nordrhein-Westfalen verstehen will, muss umdenken und sollte die Chronik der Olympiavergaben seit 1991 studieren. Wir sind es gewöhnt, Olympiabewerbungen in jenen Kategorien und unter jenen Regeln zu betrachten, die das IOC Anfang der 1990er Jahre festgezurrt hatte. Viele dieser Grundsätze gelten aber nicht mehr.

Insofern ist NRW im Grunde schon ein Olympia-Kandidat, schlicht und einfach, weil sich dort ein Ministerpräsident (Armin Laschet/CDU), ein vorzüglich vernetzter Sportvermarkter (Michael Mronz/FDP) und 14 OberbürgermeisterInnen committed haben, wie es auf Neudeutsch heißt. Anfang des Jahres machten Laschet, Mronz und Veronika Rücker, die Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), dem IOC-Präsidenten Thomas Bach (FDP) in Lausanne ihre Aufwartung. Seitdem ist #NRW2032 quasi im Rennen, obwohl es noch keinen Grundsatzbeschluss des DOSB gegeben hat, der gemäß IOC-Grundgesetz (Olympische Charta) allein über eine Bewerbung entscheidet. Obwohl es einen solchen Beschluss wohl frühestens 2021 geben wird.

Dann allerdings, danach sieht derzeit vieles aus, könnten die Sommerspiele 2032 schon vergeben sein.

Zu kompliziert?

Ich sage doch, was man bisher über Olympiabewerbungen kannte und zu wissen glaubte, kann man beinahe vergessen. Heute ist (fast) alles anders und das will ich in einem länglichen Beitrag ansatzweise erklären.

Wir alle müssen dabei umdenken und alte Kategorien streichen.

Am Beispiel NRW vs Berlin heißt das:

NRW ist ein Kandidat, ohne vom DOSB gekürt worden zu sein.

Berlin ist nichts, ohne vom DOSB dazu gekürt worden zu sein.

Kronzeugenregelung und Schutz von Whistleblowern im deutschen Anti-Doping-Gesetz

DOHA. Am kommenden Mittwoch tagt der Sportausschuss im Bundestag ausnahmsweise öffentlich. Nur deshalb stelle ich nach langer Zeit mal wieder Dokumente zur Diskussion – die Stellungnahmen der Sachverständigen zur Evaluierung des Anti-Doping-Gesetzes, das am 10. Dezember 2015 erlassen wurde. Die Sachverständigen und Organisationen (DOSB, NADA, Athleten Deutschland, Thomas Weikert, Oberstaatsanwalt Kai Gräber, Deutscher Anwaltverein) sind sich darin einig, dass das Gesetz verbessert werden muss. Es bedarf, so im trockenen Juristendeutsch, beispielsweise und vor allem „der Einführung einer gesonderten Kronzeugenregelung“ inklusive eines besseren Schutzes für Whistleblower.

Nachgetragen wurde die Stellungnahme des Sportrechtlers Rainer Cherkeh aus Hannover.

Geschäftsgeheimnis: Wie viele Millionen bekommt der DOSB vom IOC?

Dies ist eine ganz einfache, faktenbasierte Erzählung, die belegt, wie schwer sich der DOSB noch im Jahr 2018 tut, transparent zu agieren. Jener DOSB, der unter Verbänden, Ministerien und Institutionen, die mit der Leistungssportreform befasst sind, im Grunde als einzige Partei unkontrolliert vor sich her wurstelt.

In anderen Ländern, in den USA oder im skandinavischen Raum, ist die Antwort auf die Frage, wie viel die NOK aus dem weltweiten Vermarktungsprogramm des IOC erhalten, kein Geheimnis. Da geht man halt online, als Bürger und Journalist, schaut sich die Bilanzen an, beim United States Olympic Committee (USOC) gern zusätzlich das Steuerformular 990, und hat die Daten parat. Auch die Vorstandsgehälter übrigens.

Wie viel der DOSB aus Lausanne erhält, weiß man nicht. Das ist, warum auch immer, Herrschaftswissen. Man verweist gern auf vermeintliche Geschäftsgeheimnisse. In Deutschland werden traditionell nur minimale Daten in den Jahresrechnungen und Wirtschaftsplänen genannt. Was unter „olympischer Vermarktung“ vom IOC kommt, was die vom DOSB zwischengeschaltete GmbH Deutsche Sport Marketing (DSM) selbst für den nationalen Bereich generiert, wie das alles zusammenhängt, wann was überwiesen wird, ob und wenn ja warum die DSM Provisionen auf die IOC-Überweisungen kassiert, dazu gibt es keinerlei Informationen.

Sollte der DOSB, dessen Verbände zu großen Teilen aus öffentlichen Kassen alimentiert werden, der sich als Dachverband und Serviceeinrichtung des Sports versteht, nicht gläsern agieren? Mir haben sogar DOSB-Vorstandsmitglieder berichtet, dass sie es nicht wissen und Anfragen nur ungenügend beantwortet werden. Das ist vor dem Hintergrund lang währender Debatten über die Transparenz der Sportförderung, nach Gerichtsentscheiden und Rechnungshofberichten, im Grunde ein Skandal.

Der mehrbedürftige DOSB und seine CSU-Kameraden

Der Sport ist bedürftig. Der organisierte Sport ist sogar sehr bedürftig und meldet immer größere Geldwünsche an. Der DOSB schickt seine Aufstellungen über die Mehrbedarfe an das BMI. Mehrbedarfe – ich habe ein neues Wort gelernt. Der DOSB-Präsident Alfons Hörmann (CSU) spielt parallel seine landsmannschaftlichen und Parteiverbindungen zu den CSU-Kameraden Horst Seehofer (noch Bundesinnenminister) und Stephan Mayer (Parlamentarischer Staatssekretär) aus – und schon klappt das mit den Mehrbedarfen.

Das Motto der 2016 verabschiedeten sogenannten Leistungssportreform hat sich ohnehin verselbständigt bzw umgekehrt. Einst hieß es erst Reform, dann Geld. Nun heißt es im Grunde: zahlt mal schön die Millionen, dann schauen wir, wie wir vorankommen mit unseren, nun ja, Reformen.

So läuft das im real existierenden Sportdeutschland, wie Alfons H. dieses Land nennt.

Und so sieht die jüngste, im September finalisierte Mehrbedarfe-Aufstellung des DOSB aus.

Viel Vergnügen bei der Lektüre:

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