[ Category journalismus]

Was vom Tage übrig bleibt (103): die Lügenwelt des ehrenwerten IAAF-Lords Sebastian Coe

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Ein großes Thema in den Medien des Vereinigten Königreiches in diesen Tagen: Hat IAAF-Präsident Lord Sebastian Coe, Olympiasieger und Cheforganisator der Olympischen Sommerspiele 2012, gewesener Ethikchef der FIFA, Life Peer des House of Lords etc pp, vor dem Culture, Media and Sport Committee des Unterhauses gelogen, als er im Dezember 2015 in einer Anhörung behauptete, er habe erst im Dezember 2014 nach Ausstrahlung einer ARD-Dokumentation vom Ausmaß der Doping-Korruption (Russland, Diack-Familie etc)in der IAAF erfahren?

Diese Frage wird seit langem debattiert und erhielt durch Veröffentlichungen des Kultur, Medien- und Sportkomitees, das sich seit 2011 auch oft den kriminellen Machenschaften im FIFA-Reich gewidmet hat, neue Nahrung.

Es gibt zum Beispiel diese Email des ehrenwerten Lords an den IAAF-Ethikchef Michael Beloff:

coe-email-beloff-2014-aug

Komiteechef Damian Collins erklärt das so:

Egal, welche Ausrede er hat, es ist klar, dass Lord Coe entschieden hat, nicht alle für unsere Untersuchung relevanten Informationen mit uns zu teilen. Der Ausschuss hat ihn nach seinem Wissen über das Doping in Russland und Korruption innerhalb der Sportart gefragt. In seinen Antworten hat er den Eindruck erweckt, dass er von konkreten Anschuldigungen nichts gewusst hat.”

Lord Coe sah sich nach den Veröffentlichungen der vergangenen Wochen und einer neuerlichen Anfrage des Komitees genötigt, Collins am 26. Januar 2017 diesen Brief zu schreiben und die Diskrepanzen zwischen seiner Email an Beloff und seiner Aussage vor dem parlamentarischen Komitee zu erklären versuchen:

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Was vom Tage übrig bleibt (101): das Freund-Feind-Syndrom – IOC-Bach und der Journalismus

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Sportkameraden Lamine Diack (unter Hausarrest), Scheich Ahmad (verklagt im Emirat Kuwait), Thomas Bach

Garantiert keine Freunde: die Sportkameraden Lamine Diack (unter Hausarrest), Scheich Ahmad (verklagt im Emirat Kuwait), Thomas Bach (Foto: ANOC)

Interessante Auseinandersetzung da auf der Webseite des Verbandes Deutscher Sportjournalisten (VDS). Günter Deister, ehemaliger Tennispartner von Thomas Bach und langjähriger Sportchef der Deutschen Presse-Agentur (dpa), kritisiert den seiner Meinung nach unfairen Umgang mit dem IOC-Präsidenten in deutschen Medien.

Deister schießt sich in dem Beitrag, der auch im Januar-Heft “Der Sportjournalist” erscheint, auf die Berichterstattung der “Süddeutschen Zeitung” ein. Inhaltlich bleibt das dünn. Deister echauffiert sich, wenn ich das richtig verstehe, vor allem über Kommentierungen und Titulierungen (“Putin-Freund Bach”). Der Text liest sich, sorry, in weiten Teilen so als hätte ihn die Propaganda-Abteilung des IOC verfasst, finisht allerdings mit diesen beiden Absätzen, die über die SZ-Kritik hinaus durchaus diskussionswürdige Anmerkungen enthalten:

Statt kontinuierlicher Berichterstattung Lücken- und Gelegenheitsjournalismus, oft ohne notwendiges Hintergrundwissen. Sessionen oder Sitzungen der IOC-Exekutive, früher noch regelmäßig besucht von einer größeren Gruppe deutscher Journalisten, werden nun fast ausschließlich aus der Entfernung wahrgenommen. Fernjournalismus als Zusammenklauben von Zweit- oder Drittquellen, dies zum Teil selektiv zur Verfestigung eines Vorurteils. Die meist gedruckten Beiträge zur Sportpolitik bestehen dann aus Meldungen wie dieser zu Thomas Bach: „Robert Harting: Ich verabscheue diesen Menschen mehr denn je.“

Lückenjournalismus statt kontinuierlicher Berichterstattung, Fernjournalismus. Das verstehe ich medienübergreifend. Das geht in Ordnung. Ärgert mich auch täglich.

Wobei ich mich unweigerlich an die Berichterstattungen von Deisters Agentur zu zahlreichen Sportskandalen und Kriminalfällen erinnere, die mit dem Begriff Lückenjournalismus ziemlich passend umschrieben wären.

Jedenfalls, Thomas Bach konnte sich selten beschweren. Jahrzehntelang erschien es mir als eine Art dpa-Naturgesetz, dass kein sportpolitischer Beitrag über den Ticker gehen durfte, der nicht im ersten Absatz mit einem Zitat des deutschen Ober-Olympiers versehen war. In der FAZ war das ähnlich.

Bach wusste das Entgegenkommen der Journalisten, in diesen und anderen Leitmedien, stets für seine Propaganda zu nutzen. Auch das zieht sich durch die Jahrzehnte, kürzlich habe ich an eine dieser Finten erinnert. Beispiele sind Legion und können jederzeit hervorgekramt und belegt werden.

Für die “Süddeutsche Zeitung” hält nun Claudio Catuogno dagegen, der stellvertretende Sport-Ressortleiter. Seine Replik auf Deister steht zunächst online und wird erst im kommenden Monat gedruckt erscheinen.

Catuogno schreibt u.a.:

Es ist gerade sehr in Mode, Fakten zu ignorieren und stattdessen einfach zu behaupten, dass man auf der richtigen Seite steht. Nur „die Medien“ hätten es halt noch nicht kapiert. Dem als Sportredaktion erstens eine fundierte Recherche entgegenzusetzen, zweitens aber auch – auf der Basis dieser Recherche! – eine klare Wortwahl in der Kommentierung, ist keine „Grenzüberschreitung“, wie Günter Deister das unterstellt. Sondern Ausdruck von Unabhängigkeit und, ja, vielleicht, Haltung.

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Tommys Welt

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Foto: IOC Media via Flickr

Foto: IOC Media via Flickr

Kann man mal machen, so eine Neujahrsbotschaft senden wie der IOC-Präsident Thomas Bach. Lesen und genießen.

In welchem Paralleluniversum lebt der eigentlich?

Anyway, schaun mer mal, was sich (auch) in diesem Jahr widerlegen lässt.

Es geht weiter, immer weiter.

Happy new year!

Wir werden viel Spaß haben in diesem Theater.

SPORT: AN ANCHOR OF STABILITY IN A FRAGILE WORLD

As this Olympic Year 2016 comes to a close, we see that sport is one of the few things with the power to unite all people in an increasingly fragile world. Sport is an anchor of stability for so many people, regardless of background, nationality or belief. For me, this is the underlying reason that explains the success of the Olympic Games Rio 2016. Like no other event in 2016, it brought the entire international community together in celebration, with athletes from all 206 National Olympic Committees as well as the first-ever Refugee Olympic Team. It was a rare moment of unity and solidarity for all humankind. We saw new records, great emotions, fair-play and sportsmanship. The participation of the Refugee Olympic Team sent a strong signal of hope to the millions of refugees in the world. The world’s best athletes set a powerful example that it is possible to engage in peaceful competition. For all these reasons, the Olympic Games Rio 2016 will be remembered as the marvellous Games in the Marvellous City.

This unique power of sport to unite all of humanity is one of the most important things that the Olympic Games can give us in our troubled times. In a world where mistrust and uncertainty are on the rise, sport is a source of joy and inspiration for so many people, giving us hope that our shared humanity is stronger than the forces that want to divide us.

Half the world’s population tuned into Games coverage, making Rio 2016 the most-consumed Olympic Games in history, when one takes into account broadcast and social media. The explosion of social media platforms in recent years meant that more people than ever followed these Olympic Games via social media, with 7.2 billion views of official video content. An international survey has found that these Olympic Games are strongly associated with positive attributes such as “excellence”, “friendship” and “respect”, among many others.

With this global visibility comes responsibility for the world of sport. Because of the unifying power of sport, there are high hopes and even higher expectations for sports organisations from the general public – and rightly so. The role of sport in society is more relevant today than ever before. Consequently, sports organisations everywhere, need to justify the trust that people have placed in sport.

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Epochal: der DOSB, die “Spitzensportreform” und das erhoffte Millionen-Weihnachtsgeschenk vom BMI

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Wir werden erleben, dass alle Versuche, das Vakuum zu füllen, auf der DOSB-Vollversammlung nicht erfolgreich sein werden.”

Alfons Hörmann, noch DOSB-Präsident

MAGDEBURG. Moin, moin. Bin der erste im Saal, wo in wenigen Stunden die sogenannte Spitzensportreform verabschiedet wird. Mitgliederversammlung des DOSB im Maritim Hotel zu Magdeburg. In der alten Heimat, aber der Umstand, dass ich des Machdeburchischen mächtig bin, nützt hier und heute gar nichts.

Die Weihnachtsmänner stehen bereit. Und ich grüble weiter darüber, ob ein Freund (wieder mal) recht hatte, der schon vor Monaten, als die ersten Papierchen der Reform mit diesem irren PotAs öffentlich wurden, erklärt hat, dass das alles ein Etikettenschwindel sei, um an signifikant mehr Steuer-Millionen aus allen möglichen Töpfen zu kommen.


“Signifikant”. Dieses Wort spielte gestern eine wichtige Rolle auf zahlreichen Gremiensitzungen hier in Magdeburg.

Andreas Silbersack, Präsident des Landessportbundes Sachsen-Anhalt, formulierte gestern Abend auf dem Empfang in der Festung Mark:

Wir entscheiden am Samstag über epochale Entwicklungen selbst.”

Epochal also.

Ich blogge diese 13. Mitgliederversammlung des DOSB unter der Führung des schwer tragbaren (aus Mangel an Alternativen machen sie weiter, immer weiter) Duos Alfons Hörmann und Michi Vesper mit.

Viel Vergnügen.

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WM 2006: Skandalverband DFB “hinterfragt die Zuständigkeit des Deutschen Bundestages kritisch”

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ZÜRICH. Eigentlich kümmere ich mich hier um die FIFA. Aber FIFA-Skandale sind ja auch DFB-Skandale und sind UEFA-Skandale.

Aus Deutschland kommt also die Kunde, dass der DFB seine Teilnahme an einer Sitzung des Sportausschusses des Bundestags abgesagt hat. Im Dezember sollte einmal mehr über die Aufarbeitung der bislang ungeklärten Millionen-Zahlungen, Wahrheitsbeugungen und Lügen, Millionenhonorare für einen Ehrenamtler usw usf geredet werden.

Doch der DFB mag nicht.

Der DFB zweifelt die Zuständigkeit des Sportausschusses bzw “des Deutschen Bundestages” an.

Lesen Sie das Schreiben des DFB-Generalsekretärs Friedrich Curtius an die Vorsitzende des Sportausschusses, die SPD- und DLV-Vertreterin Dagmar Freitag:

fullsizerender

Dazu sollte man wissen, dass der amtierende DFB-Präsident Reinhard Grindel (CDU), der nach den SPIEGEL-Enthüllungen und dem dadurch erzwungenen Rücktritt von Wolfgang-ich-kann-mich-nicht-erinnern-Niersbach ins Amt kam und Niersbach nun auch in UEFA und FIFA-Vorständen beerben will, dass dieser Grindel also selbst Mitglied des Deutschen Bundestages und des Sportausschusses war.

Okay, kein vorbildliches Mitglied vielleicht, aber Mitglied.

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Was vom Tage übrig bleibt (99): UEFA-Krönung von Ceferin, weitere Millionen für Beckenbauer

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Er hat es wenigstens versucht:

Natürlich wollte mir Aleksander Ceferin, der gleich neuer UEFA-Präsident wird, vergangene Woche in Kopenhagen nicht so einen Aufsager machen wie Michael van Praag. Auch das unterscheidet die beiden.

Der 12. Außerordentliche UEFA-Kongress, der Wahlkongress, hat soeben in einem Resort nahe der griechischen Hauptstadt Athen begonnen – mit einer Rede des wegen korruptionsverdächtiger Millionenzahlungen gesperrten ehemaligen UEFA-Präsidenten Michel Platini.

Unfassbar.

Dies wird ein kleines live-Blog, den UEFA-Kongress, gerade wird die Anwesenheit der 55 Nationen überprüft, verfolge ich im Internet und in ständigem Austausch mit meinen Vögelchen dort unten in Griechenland. Muss mich gerade um wichtigere fußballerische Belange kümmern – um das deutsche Ehrenamt zum Beispiel, das Sommermärchen-Team des SPIEGEL meldet sich mit einer kleinen Enthüllung, die Schlagzeilen macht:

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CAS bestätigt die Suspendierung Russlands für die Paralympics

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CAS Media Release: RPC ./. IPC

“CAS dismisses the appeal filed by the Russian Paralympic Committee”

Ab heute wird sich der Druck des IOC-Imperiums von Thomas Bach auf das Internationale Paralympische Komitee (IPC) und dessen Präsidenten Sir Phil Craven wieder verstärken. Denn der Weltsportgerichtshof CAS hat die Entscheidung des IPC bestätigt, das russische paralympische Komitee zu sperren und damit von den Paralympics im September in Rio auszuschließen.

Nun sollte man den CAS nicht überschätzen, im Grunde bleibe ich bei meiner Haltung, dass der CAS jederzeit Entscheidungen fällen kann, die von der IOC-Führung erwünscht sind. Hier aber wurde die Haltung des IPC gestärkt. Das ist, natürlich, eine Ohrfeige für die Whistleblower-Feinde und Putin-Freunde und Vasallen um IOC-Präsident Thomas Bach (FDP).

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live aus Rio (8): Gold für Russland und den IJF-Ehrenpräsidenten Wladimir Putin #Stepanowa

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IJF-Präsident Marius Vizer und sein Ehrenpräsident Wladimir Putin während der Judo-Wettbewerbe in London. Am ersten Tag der Spiele von Rio holt Russland Gold im Judo. (Foto: President of Russia)

IJF-Präsident Marius Vizer und sein Ehrenpräsident Wladimir Putin während der Judo-Wettbewerbe in London. Am ersten Tag der Spiele von Rio holt Russland Gold im Judo. (Foto: President of Russia)

BARRA DA TIJUCA. Moin, moin. Ist spät heute. Allerlei Vorbereitungen mussten getroffen werden, damit hier in den kommenden Tagen feine Geschichten stehen. Wollte eigentlich heute Abend Phelps Watching betreiben, aber das hat sich wegen eines interessanteren Termins gerade zerschlagen. Stay tuned.

Einige Fundstücke.

Owen Gibson schreibt im Guardian, das International Paralympic Committee (IPC) wolle Russland von den Paralympischen Spielen in September ausschließen:

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live aus Rio (6), Nacht der Schande: 271 Russen bei Olympia – aber Sperre für Stepanowa

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We admitted not everything is in order maybe in Russian sport, but this is our internal problem.

And we really don’t like when somebody else sticks their nose into our business.

Alexander Popow, Russland, IOC-Mitglied

Foto: President of Russia

Foto: President of Russia

BARRA DA TIJUCA. In diesen Minuten putzen sich das IOC, die Olympia-Organisatoren, die olympischen Weltverbandspräsidenten, die wichtigsten Vertreter der mehr als NOK zum President’s Dinner von Thomas Bach heraus.

Es ist eine Nacht der Schande.

Die Folgen dieser schmählichen Entscheidung sind nicht abzuschätzen. Eines der dunkelsten Kapitel in der olympischen Geschichte. Vor zwei Wochen hatte ich in einem Interview 250 russische Sportler in Rio getippt. Später nochmal 250 bis 300. Nun, es sind 271 geworden, teilte das IOC soeben mit.

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live aus Rio (5): Der die Fahne trägt, IOC-Wahlen & more

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BARRA DA TIJUCA. Die volle Dröhnung Olympia-Folklore heute. Verkündung des deutschen Fahnenträgers für die Eröffnungsfeier am Freitag. Stets ein staatstragender Akt. Diesmal mit einem ausgeklügelten Wahlmodus verbunden.

Danach wieder IOC, Termin mit Thomas Bach, eventuell WADA. All that jazz.

Robert Harting wird es nicht sein. Der ist noch in Deutschland. Und stand nicht zur Wahl.

Eine nette Info habe ich gestern Abend noch bekommen: Habe ein Ticket mit Arbeitsplatz für die Eröffnung im Maracana – neben meinem Lieblingseröffnungsfeierpartner @Gertz68, der hier seit vielen Jahren als Herr G firmiert. Das wird ein Spaß – live-Blog aus der Arena ist also garantiert.

9.04 Uhr: Alfons Hörmann ist gerade eingeflogen.

Er kommt aus der stark deutschen Wahrnehmung der medialen Darstellung, sagt er. Will uns ein paar grundsätzliche Gedanken darstellen. Er will den deutschen Weg hinter dem Fahnenträger skizzieren.

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