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Denis Trubetskoy: Ein Brief von der Krim an die Bundeskanzlerin und ihr Kabinett

| 06.03.2014 | 4 Comments

Denis Trubetskoy (20) ist ukrainischer Staatsbürger, ethnischer Russe und lebt in Sewastopol auf der Krim. Er studiert Journalistik an der Filiale der berühmten Moskauer Lomonossow-Universität (Московский государственный университет имени М. В. Ломоносова / МГУ) in Sewastopol. Er arbeitet bereits seit einigen Jahren als Journalist, hauptsächlich als Sport-, aber in den letzten zwei Jahren auch als Politikjournalist. Hauptsächlich ist Denis Trubetskoy für UA-Football und iSport.ua tätig. Er schreibt über Fußball, Radsport, Wintersport, aber auch über sportpolitische Themen.

Heute allerdings hat Denis Trubetskoy an Angela Merkel geschrieben und mir gestattet, seinen Brief zu veröffentlichen:

An Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel
An Bundesaußenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
Sehr geehrter Herr Bundesaußenminister,
Sehr geehrte Minister der Bundesregierung,
Sehr geehrte Mitarbeiter der Bundesregierung,

es ist mir bewusst, dass dies nicht der Brief ist, den Ihr ernst nehmt. Angesichts der Lage auf der Krim habe ich mich trotzdem entschieden, diesen Brief doch noch zu schreiben. Ich hoffe auf eine Antwort, auch wenn es mir bekannt ist, dass meine Erfolgsaussichten eher gering aussehen.

Ich heiße Denis Trubetskoy, arbeite als Sport- und Politikjournalist und wohne in Sewastopol. Obwohl ich ethnischer Russe bin, habe ich niemals gefühlt, dass meine Rechte in der Ukraine in Gefahr sind. Genau das Gegenteil: ich habe mich in die Ukraine verliebt und fühle mich fest als Ukrainer.

Russisch ist zwar meine Muttersprache, aber genau das ist mein größtes Problem. Der russische Präsident Wladimir Putin denkt, dass ich nicht mehr Russisch sprechen darf. Er hat sich entschieden, mich zu schützen. Seitdem habe ich keine Ruhe mehr. Ich weiß gar nicht, was mit uns morgen oder übermorgen passiert. Das ist für mich wie eine Katastrophe.

Als Vertreter der deutschsprachigen Bevölkerung der Krim (Deutsch kann ich schon ein bisschen besser als Ukrainisch) möchte ich die Bundesregierung offiziell um Schutz bitten. Ich will wieder meine Ruhe haben. Hoffentlich kann man mir helfen.

Mit freundlichen Grüßen,
Denis Trubetskoy

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Jung & Naiv, Digitales Quartett #Sochi2014

| 11.02.2014 | 2 Comments

Man kann ja in dieses Internet nicht nur hineinschreiben, sondern sogar hineinsprechen bzw heraussprechen und herausgucken – das kann mitunter schmerzhaft sein. Egal, bevor ich wieder abtauche und versuche, einigermaßen ungestört ein Werk zu beenden, sollen zwei Auftritte vor einem Millionenpublikum nicht verborgen bleiben.

Ich durfte gestern zu Gast sein im Digitalen Quartett …

… und vergangenen Mittwoch bereits bei Jung & Naiv …

Lustig: Am Mittwoch habe ich die Rücklagen der Olympic Foundation des IOC noch korrekt mit 904 Millionen Dollar beziffert. Am Freitag waren es dann schon 932 Millionen – der neueste Stand per 31. Dezember 2013.

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IOC-Countdown (12 Tage): eine Bitte an alle Diskutanten, stille Leser, Besucher, Neugierige, Freunde, Feinde … #crowdsourcing

| 29.08.2013 | 6 Comments

Liebe Leute, es wird bis zum 10. September zahlreiche Interviews, Beiträge, Huldigungen, Porträts etc pp über den Noch-IOC-Präsidentschaftskandidaten Thomas Bach von der FDP geben. Was in meinen Stream gelangt, also vor allem Twitter, Google Alerts etc pp, das werde ich kaum verpassen. Allerdings kann es bei Abrufen aus dem Ausland immer mal Rechte-Probleme etwa in öffentlich-rechtlichen Mediatheken geben. Und so flink ist das Internet unterwegs meist nicht.

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Mir geht es vor allem um Töne und Videos. Ich bitte darum, so viel wie möglich mitzuschneiden (oder sonst irgendwie zur Verfügung zu stellen), hochzuladen, zu verlinken und mir zu schicken. Alles kann natürlich hier in den Kommentaren abgeladen werden. Sollte die Dateien zu groß sein, dann vielleicht Dropbox oder Yousendit oder andere Tools Eurer/Ihrer Wahl. Am besten immer gleich mp3 oder mp4. Vielen Dank!

Ich weiß, dass eine solche Bitte für manche vermessen klingt. Allerdings nicht für, nun ja, nennen wir sie Digital Natives oder wie auch immer. Viele Leute spielen virtuos die Klaviatur dessen, worum ich da bitte. Ich erinnere mich, zum Beispiel, an die wunderbaren Situation während der Olympischen Spiele in London.

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IOC-Countdown (23 Tage): Achtung, Interviewritis. Vorsicht, PR!

| 18.08.2013 | 5 Comments

Der denkende aufgeklärte Teil der Menschheit muss jetzt sehr sehr tapfer sein. Eine Welle von großflächigen Interviews beginnt die Altmedien zu überschwemmen. Der scheidende IOC-Präsident Jacques Rogge erklärt seine herausragenden Leistungen der vergangenen zwölf Jahre (basically: Reformen weiter geführt, die sein Vorbild und ehemalige Gönner, der Oberreformer und vermutlich gewesene KGB-Mann Juan Antonio Samaranch eingeleitet hat), der kommende IOC-Präsident bzw Noch-Präsidentschaftsfavorit Thomas Bach erläutert, nur gelegentlich von eingestreuten Kritik-Sprengseln unterbrochen, wie er sich das so vorstellt als Chef des Olympiakonzerns.

Kurzum:

Wenig davon ist ernst zu nehmen.

Interviewritis.

Als Journalismus getarnte PR.

Nonsens statt Recherche.

Heute zum Beispiel macht in der altbackenen und noch immer dominierenden PR-Wortfetzenverwertungsmaschinerie absterbender Medien folgende Titelstory bzw das dazugehörige Interview mit dem IOC-Präsidenten aus der Berliner Zeitung Der Tagesspiegel die Runde:

Tagesspiegel, S.1 18. August 2013

Tagesspiegel, S.1, 18. August 2013

Huch. Da sind Wladimir Putin und seinesgleichen bestimmt ganz aufgeregt, wenn der “IOC-Chef” etwas “fordert”.

(Wenigstens steht in der Zeitung, dass Rogges “Forderungen” bei den chinesischen KP-Bonzen und KP-Milliardären vor fünf Jahren nicht ganz so erfolgreich waren.)

Dementsprechend hat Putins Sportminister und langjähriger Intimus Witali Mutko, FIFA-Exkomitglied, ein Mann aus Putins ersten Jahren als Politiker in St. Petersburg, nach der KGB-Karriere, heute auf der Abschlusspressekonferenz der Leichtathletik-WM klein bei gegeben und die Forderungen erhört.

#justkidding

Ich erspare mir Romane. Dem Thema Medien widme ich mich ausführlich im Buch “Macht, Moneten, Marionetten”.

Lesen wir kurz, was der homophobe Hardliner Mutko heute gesagt hat:

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Was vom Tage übrig bleibt (83): Gespräch zur Dopingstudie auf detektor.fm

Ich habe dieser Tage einige Interviews zum Durcheinander und den Schlagzeilen über die Dopingstudie gegeben. Hier mein Gespräch auf detektor.fm.

Ich glaube, da ist zwei, vielleicht drei Mal geschnitten worden. Am Ende scheint es mir meine Antwort etwas zu entstellen, oder ich war so wirr und habe meine Schachtelsätze nicht mehr schließen können. Zu Beginn korrigiere ich den Moderator gleich zwei Mal, das mag nun etwas erstaunen, weil in der Sendevariante das, was ich aus meiner Sicht korrigieren musste, nicht mehr zu hören ist. Diese Anmerkung ist den Leipziger Internetradiomachern gegenüber nicht böse gemeint, ich glaube nur, das ist zur Erklärung nötig. Ich schätze Detektor.fm sehr.

Ich verlinke in letzter Zeit kaum noch zu Interviews, die jemand mit mir führt. Weil mir aber immer noch vieles überdreht erscheint und sich die inhaltlichen Zweifel an der Studie mehren, will ich gern meine Bedenken akustisch teilen.

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Doping in Deutschland: die Berichte zum Forschungsprojekt

Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) hat gerade wortlos sechs pdf-Dateien zum vielbesprochenen Dopingforschungsprojekt “Doping in Deutschland von 1950 bis heute aus historisch-soziologischer Sicht im Kontext ethischer Legitimation” online gestellt.

So muss das sein.

Ich fasse diese Dokumente an dieser Stelle kurz zusammen. 804 Seiten sind es nicht. Was da zur Verfügung gestellt wurde und was weshalb nicht, wird noch zu klären sein. Work in progress.

Viel Erfolg und Erkenntnisgewinn schon mal bei der Lektüre.

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    BRD-Doping oder: “Schutz des diskreten Anabolismus” über ein halbes Jahrhundert

    Vor 22 Jahren hat eine offenbar ziemlich weise Autorin einen “Goldenen Zehn-Punkte Plan zum Schutz des diskreten Anabolismus” in Deutschland veröffentlicht. Wer mag, kann Sportverbände, Jahreszahlen, politische Ämter, Disziplinen ergänzen und/oder austauschen. Es kommt schon hin. Es stimmt in jedem abgeänderten Punkt.

    Denn Brigitte Berendonk hat mit dem Buch “Doping Dokumente. Von der Forschung zum Betrug” 1991 einen wahrhaft historischen Band vorgelegt.

    Rund zwei Drittel des Textes (Anhang ausgenommen) befasste sich mit dem Dopingsystem in der DDR, über das sie gemeinsam mit ihrem Mann Werner Franke auf abenteuerlichen Wegen exklusiv “wissenschaftliche” Arbeiten der Doping-Nomenklatura gesichert und veröffentlicht hatte, ein Drittel thematisierte – und das wird im Osten stets vergessen – Doping in der (alten) Bundesrepublik Deutschland.

    Hier also Berendonks “Goldener Zehn-Punkte Plan zum Schutz des diskreten Anabolismus”:

    1. Aussitzen.
    2. Ruhe, Gelassenheit, keine Emotionen. Es sei denn gegen Störenfriede, Selbstbezichtiger, Nestbeschmutzer, Wahrheitsfanatiker und Moralisten – d. h. Doping-Gegner.
    3. Gründung vertraulicher Kommissionen, die außer allgemeinen Feststellungen und Pressemeldungen schon nichts zustande bringen werden, das Staats- und Sportsräson gefährden könnte.
    4. Hearings vor dem Sportausschuss des Bundestages, möglichst als geschlossene Gesellschaft von Duldern und stillen Teilhabern des Dopings.
    5. Viele Anti-Doping-Grundsatzerklärungen (grundsätzlich unverbindlich) von NOK, DSB, den Sportverbänden bis zum Sportärztebund; noch besser ist eine Charte (natürlich Magna), das bringt wieder Ruhe ins Volk, genau wie 1977.
    6. Tägliche Pressemeldungen über viele negative Dopingkontrollen.
    7. Bundesverdienstkreuze, silberne Lorbeerblätter und anderes staatliches Suppengewürz für verdiente Mitglieder der geheimen Dopingfamilie.
    8. Öffentliche Gruppenbilder – mit oder ohne Dope-Damen: der Bundespräsident stellt sich vor die gedopten Sportler, NOK-Präsident Daume hinter die dopenden Ärzte.
    9. Verwirrspiele mit Sportgerichtsverfahren, seit 1977 besonders bewährt.
    10. Die Sportjournalisten wählen eine über 21-Meter-Kugelstoßerin zur (ungedopten) Sportlerin des Jahres – wie 1977, und die Kameraleute des Fernsehens werden instruiert, bei Nahaufnahmen von Spitzensportlerinnen verräterische Steroid-Akne zu vermeiden.

    Warum dieser Exkurs zum Berendonk-Buch in die wilden 1990er Jahre?

    Weil mich die, sagen wir: ahistorische und nur auf die Schlagzeile fixierte Berichterstattung in vielen Medien nervt. Gerade an diesem Wochenende.

    Das betrifft nicht weniger die Süddeutsche Zeitung, die am Samstag einige Notizen zur mit Steuermitteln finanzierten Dopingstudie der Humboldt-Universität veröffentlicht hat, um das flink klarzustellen. Da ließe sich allenfalls ein Fachdisput darüber führen, ob es sich in der Bundesrepublik um “systematisches” oder doch eher “systemisches” Doping handelte.

    Für manch einen mag das eine überflüssige Debatte sein. Die Historiker hatten dafür 2011, bei der zweiten Präsentation von Zwischenergebnissen (in Berlin, die erste Präsentation fand 2010 in Leipzig statt), aus guten Gründen das Adjektiv “systemisch” gewählt.

    In Teilen aber, und das haben im Jahr 2000 bereits Gerhard Treutlein und Andreas Singler in ihrem Werk “Doping im Spitzensport” festgestellt, war das Doping in der (alten) Bundesrepublik sowohl flächendeckend als auch systematisch. Treutlein/Singler schrieben damals:

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    IOC-Buch, update 2: ein neuer Bookshop und ein neuer Newsletter

    Moin. Bin noch etwas durcheinander, die Einrichtung eines eigenen Bookshops und eines Newslettersystems hat den Techniker in mir in den vergangenen Tagen und Nächten doch fast überfordert. Es wird, gerade in Bezug auf den Newsletter, gewiss einige Kinderkrankheiten und Beschwerden geben, doch die lassen sich hoffentlich mit allen Beteiligten friedlich regeln.

    Kurz und schmerzlos:

    1) Mein eigener Bookshop

    Nachdem die erste Phase der Finanzierung des IOC-Buchprojektes auf Krautreporter.de so wunderbar gelaufen ist, vermarkte ich das Projekt in der zweiten Phase selbst – in einem eigenen Shop unter der Adresse:

    Das sieht dort so aus:

    Und so, der Warenkorb:

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    Was vom Tage übrig bleibt (76): #journalism, “The twisted reality of an Italian freelancer in Syria” by Francesca Borri

    Mir stockt der Atem. Selten ein so brutalst ehrliches Stück über die Medien-Realität und Journalismus im dritten Jahrtausend gelesen.

    Die Italienerin Francesca Borri beschreibt für die Columbia Journalism Review ihre Erfahrungen als (freelance) Kriegsreporterin in Syrien:

    Lesebefehl!

    Hammerhart auch viele Kommentare unter dem Stück.

    Einige Passagen:

    People have this romantic image of the freelancer as a journalist who’s exchanged the certainty of a regular salary for the freedom to cover the stories she is most fascinated by. But we aren’t free at all; it’s just the opposite. The truth is that the only job opportunity I have today is staying in Syria, where nobody else wants to stay. And it’s not even Aleppo, to be precise; it’s the frontline. Because the editors back in Italy only ask us for the blood, the bang-bang.

    But whether you’re writing from Aleppo or Gaza or Rome, the editors see no difference. You are paid the same: $70 per piece. Even in places like Syria, where prices triple because of rampant speculation. So, for example, sleeping in this rebel base, under mortar fire, on a mattress on the ground, with yellow water that gave me typhoid, costs $50 per night; a car costs $250 per day. So you end up maximizing, rather than minimizing, the risks. Not only can you not afford insurance—it’s almost $1,000 a month—but you cannot afford a fixer or a translator. You find yourself alone in the unknown. The editors are well aware that $70 a piece pushes you to save on everything. They know, too, that if you happen to be seriously wounded, there is a temptation to hope not to survive, because you cannot afford to be wounded. But they buy your article anyway, even if they would never buy the Nike soccer ball handmade by a Pakistani child.

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    #crowdfunding update 1: Es wird ein Buch

    “Machen Sie es wie Sepp Blatter, und es wird ein Buch”, habe ich in meinem Pitch zum Crowdfunding-Projekt gesagt.

    Am 10. Juni um 10 Uhr ist das Projekt mit dem Video auf Krautreporter online gegangen. 16 Tage, fünf Stunden und acht Updates (dort, nicht hier) später war die Projektsumme von 10.000 Euro finanziert.

    Das klingt gut.

    Auch wenn Sepp Blatter das Ebook noch nicht gekauft hat, er hat im Moment andere Sorgen. Ich werde ihn kommende Woche in Lausanne daran erinnern.

    Es wird also im September ein Ebook über den Kampf um den wichtigsten Posten im Weltsport, die IOC-Präsidentschaft, über die Strippenzieher im Milliarden-Monopoly, über Thomas Bach und über die Usancen in der olympischen Parallelgesellschaft geben.

    Dafür bin ich dankbar – und darauf habe ich große Lust.

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    Investigativ

    von Jens Weinreich

    Wer ist wirklich der mächtigste Mann des Weltsports? Das Buch zur Wahl des IOC-Präsidenten: Wie Scheichs und Oligarchen die Strippen ziehen.

    • 0 Tage

      08.07.2013

    • 15.690 €

      finanziert

    • 157 %

      erreicht

    Manch einer bezeichnet Crowdfunding noch immer als eine andere Form von Spenden.

    Es ist aber (meistens) etwas anders gelagert.

    Ich sage halbwegs selbstbewusst, dass ich ein passables Produkt verkaufe, das so (weltweit) nur wenige Journalisten schreiben können. Ein Buch, das teilweise öffentlich entsteht, in einem Diskussionsprozess mit der Crowd; ein Buch, in das in vielen Jahren erarbeitetes Hintergrundwissen einfließt; ein Buch, das von einer Dauer-Berichterstattung hier im Blog in den nächsten drei Monaten begleitet wird.

    Ein Buch, das Analyse und Reportage bieten soll und in das ich letztlich schon viele Jahre viel Zeit, Arbeit und Geld investiert habe.

    Es ist also einerseits eine Geschäftsbeziehung, die Käufer mit mir eingehen.

    Andererseits ist der Kauf in dieser Phase bewusst eine Unterstützung und gleichzeitig etwas Symbolhaftes: die Finanzierung von Recherchejournalismus, der sich auf dem freien Markt so eben nicht mehr finanzieren lässt. (Und den manche Medien, die es eigentlich könnten, auch gar nicht finanzieren wollen – ganz allgemein formuliert.)

    Es gibt keinen Grund, in Jubel auszubrechen, aber die letzten zweieinhalb Wochen machen Mut. Ich weiß, dass viele Journalisten, etliche Sportfunktionäre und manche Medienmanager passiv beobachten, was mit diesem Projekt und anderen auf dieser (Krautreporter) und anderen Crowdfunding-Plattformen passiert. Hatte darüber kürzlich in Lausanne ein Gespräch mit dem Präsidenten des Weltverbandes der Sportjournalisten, der mir Glück wünschte, aber auch meinte, so ein Crowdfunding sei ein Zeichen von Schwäche.

    Kann schon sein. Aber schwach ist doch derzeit ein großer Teil der Branche, oder?

    Wie geht es jetzt weiter?

    Diskutiert wird über meine Machwerke bereits.

    • 1) Die Finanzierungsphase läuft planmäßig bis zum 8. Juli ausschließlich auf der Krautreporter-Webseite.

    Ich hoffe natürlich, dass das Buch weiter gekauft, die Prämien gebucht werden und das Projekt damit unterstützt wird. Andere Projekte wie die “Freienbibel” des Journalistenvereins Freischreiber oder Tilo Jungs wunderbare Video-Interviews “Jung und naiv” wurden mit mehr als 200 Prozent finanziert.

    • 2) Nach dem 8. Juli erhalte ich den finanzierten Betrag, abzüglich der Provisionen für Krautreporter und das Bezahlsystem Paypal. (Ich weiß, das ist ein leidiges Thema, manche mögen das nicht, aber ich finde das völlig in Ordnung.)

    Die Projektsumme war knapp kalkuliert. Einerseits aus der Angst zu scheitern, da wählt man lieber eine niedrigere Summe. Gleichzeitig aus der Überlegung heraus, nicht als gierig bezeichnet werden zu wollen, wenn ich etwa 15.000 Euro oder mehr angegeben hätte.

    Es ist ziemlich einfach: Je mehr Leute jetzt schon kaufen, desto besser kann ich mich in den kommenden Wochen und Monaten auf die Arbeit konzentrieren: auf Recherche, aufs Bloggen und Schreiben und aufs organisatorische Drumherum.

    Ich behaupte mal: Je besser das Projekt finanziert ist, desto besser wird das Produkt. Habe das selten so überzeugt formuliert. Ich arbeite jetzt gewissermaßen unter öffentlicher Kontrolle derjenigen, die Vertrauen und Geld vorschießen.

    • 3) Ab dem 9. Juli werde ich das Buch und die Prämien in meinem Blog anbieten.
    • 4) Einige Unterstützer werden erste Prämien schon in den kommenden Wochen erhalten. Das Dossier zur IOC-Wahl gibt es dann zur IOC-Session in Buenos Aires (im pdf-Format).
    • 5) Das Ebook erscheint nach der Session (Mitte/Ende September), wie angekündigt, und es wird all jenen, die es jetzt schon gekauft haben, selbstverständlich sofort in einem Format ihrer Wahl zugestellt.

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    The Times: Exklusive Qatar-Dream-Football-League-Geschichte war exklusiv erfunden

    (c) Les cahiers du football

    (c) Les cahiers du football

    The Times hat am Sonntagabend eingeräumt, dass die dreiseitige vermeintliche “Exklusivgeschichte” über die Dream Football League in Katar exklusiver Nonsens gewesen ist.

    When we are wrong, we will hold our hands up. It’s the right thing to do. (…)

    The Dream Football League (DFL) would turn into a journalistic nightmare.

    Tony Evans, Fußballchef The Times

    Wie es dazu kommen konnte?

    So ziemlich alle Fragen bleiben in der Kolumne von Tony Evans unbeantwortet.

    [Der Text war zunächst hinter der Paywall, sollte aber am Montag frei zur Verfügung stehen.]

    Evans fabuliert stattdessen munter weiter über Katars Pläne, die vermeintliche Klasse seines Geschichtenerzählers Oliver Kay, benutzt die Vokabel “Entschuldigung” nur einmal auf Twitter, nicht aber in der Zeitung …

    … und bezeichnet diejenigen, die in modernen Medien Aufklärung herbei geschrieben haben, später als Trolle:

    Ein eher typischer Vorgang im real existierenden (Fußball)journalismus also.

    Die Arroganz bleibt ungebrochen.

    Vier Tage hat es gedauert. Es brauchte einen kleinen Shitstorm auf Twitter und wenige hartnäckige Blogger, um die vermeintliche Exklusivgeschichte der Londoner Times als das zu entlarven, was sie ist: Bullshit. Eklatantes Versagen von Journalismus.

    Die Kurzfassung geht so (mit einigen wenigen Tweets und Links, viele weitere Links finden sich in meiner ersten Zusammenfassung):

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    “Sheikhs shake world game”: Katar traut man auch eine Dream Football League zu – nur stimmt die Geschichte überhaupt?

    Hat die Londoner Times einen Gag des französischen Magazins “Les cahiers du football” zu einer “Exklusivstory” aufgebauscht?

    Das ist hier die Frage, die gewiss im Laufe des Tages beantwortet wird.

    Denn die dreiseitige Geschichte von Times-Fußballschreiber Oliver Kay macht weltweit Schlagzeilen. (Ich kenne bisher nur diesen Anreißer, habe kein Times Abo. #paywall)

    Demnach plant die Familie des katarischen Emirs Hamad ab 2015 im Sommer (!) alle zwei Jahre ein Großturnier der 24 besten Klubs der Welt. Preisgeld: 2 Milliarden Euro. In sechs Golfstaaten.

    So stand es vor drei Tagen in “Les cahiers du football”:

    (c) Les cahiers du football

    (c) Les cahiers du football – doch lustigerweise erschien die kleine Grafik auch in der Times (exklusiv?)

    So steht es heute in der Times (längst auch anderswo) und wurde gestern Nacht via Twitter angekündigt:

    Da man den Kataris, dem Emir und den Seinen, die sich schon die WM 2022 und etliche andere Spielzeuge aus der Welt des großen Fußballs gekauft haben, alles zutraut, machte diese Times-Story geschwind die Runde.

    Medien meldeten. Wissenschaftler kommentierten (manche verdienen schon jetzt gut an und in Katar). Die Branche hyperventilierte.

    Desert storm. Dream football League. Konkurrenz zur Champions League. Sheikhs shake world game …

    Undsoweiterundsofort.

    Vor drei Stunden meldeten sich die Franzosen:

    Seither gab es einige Wortwechsel zwischen ihnen und Oliver Kay …

    … und die ersten – vorsichtig formuliert – Nachfragen, etwa auf Eurosport:

    Qualitätsblättern wie dem Independent ist das relativ egal. Dort wird getitelt:

    So kann man das natürlich auch sehen. Weil man, noch einmal, den Kataris halt alles zutraut.

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    Winterspiele 2022: die Entscheidung in Graubünden. Münchens Chancen. Demokratie/Transparenz vs Heimlichtuerei. Olympiafinanzen. Journalismus vs Propaganda

    [Hier entsteht ein sehr langer Beitrag, der ständig ergänzt wird - bitte immer mal an das Ende durchkämpfen und die Aktualisierungen beachten!]

    Das Volk hat das Wort! In der Schweiz gehören plebiszitäre Elemente, wie auch eine erstaunliche Transparenz in der Verwaltung, gewissermaßen zur DNA der Demokratie. Anders als in Deutschland, diesem Entwicklungsland in Sachen Transparenz und Bürgerbeteiligung. Im Kanton Graubünden entscheidet sich in diesen Momenten die Zukunft der Olympiabewerbung 2022 – und ich werde den Nachmittag aus der Ferne etwas begleiten.

    GRAUBÜNDEN 2022

    Zur Orientierung:

    Ich war auch in den vergangenen Wochen oft vor Ort, habe über die Bewerbung berichtet, habe einige Interviews gegeben (über eines wird gleich noch zu reden sein) und durfte in Chur einen Vortrag zu Olympiabewerbungen, deren Finanzierung und zum IOC halten. Ich habe wieder einiges gelernt über die Schweiz, und bei einigem Kopfschütteln (etwa über die Propaganda von Politikern und deren Helfershelfern) bleibt doch ein Erstaunen, wie selbstbewusst sie dort mit ihrem Grundrecht auf Mitbestimmung umgehen. Chapeau! Das wünschte ich mir in Deutschland, oft genug habe ich beschrieben und argumentiert, dass vor einem Mega-Projekt wie einer Olympiabewerbung doch diejenigen befragt werden sollten, die die Zeche in jedem Fall zahlen müssen: die Bürger.

    Ungleich transparenter als im Heimlichtuerland Deutschland war schon die Vorbereitung dieser Bewerbung “Graubünden 2022″ im Schweizer Sport, über das Verteidigungsministerium, im Kanton etc pp – bei allen Problemen, die ich kurz noch anreiße – bzw die im Blog schon angerissen worden sind.

    Doch zunächst zur Lage, die David Sieber, Chefredakteur der Südostschweiz gerade so beschreibt:

    Das ist die Frage, die die Bürger Graubündens zumeist längst schriftlich beantwortet haben – derzeit werden die letzten Stimmen ausgezählt:

    (Ich habe die Erläuterungen zu den anderen beiden Abstimmungen mal aus diesem pdf gelöscht. Es geht hier im Blog nur um die Olympiafrage.)

    Und das ist der Stand, 12.45 Uhr:

    • Nach Auszählung von 149 von 158 Gemeinden gibt es 25.362 Ja-Stimmen und 27.987 Nein-Stimmen. Wobei die olympischen Kernorte St. Moritz und Davos noch offen sind. Es kann also alles passieren. Mir hat gerade ein führender Olympiapromotor gesagt, er rechne mit einer Niederlage – aber das muss nicht sein.

    Zum Einlesen das Rohmanuskript meines Beitrags vom vergangenen Wochenende in der SonntagsZeitung, Zürich (auch dieser Text wird in den kommenden Stunden ergänzt und verlinkt):

    Für Schweizer Verhältnisse wurde die Diskussion über das Olympiaprojekt Graubünden 2022 durchaus erbittert geführt. Im internationalen Vergleich jedoch blieb die nationale Debatte gesittet und harmlos. Es hat keine gewalttätigen Proteste gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC) gegeben wie etwa vor Jahren in Amsterdam oder Berlin. Und selbst die wie üblich geschönten Hochrechnungen der Olympiapromotoren hielten sich im Rahmen. Anders als etwa beim im Nachhinein so gelobten London, Olympiagastgeber 2012: Als London im Juli 2005 vom IOC zur Olympiastadt gekürt wurde, hatte die britische Regierung ein Dossier unter Verschluss gehalten, wonach die tatsächlichen Olympiakosten ein Mehrfaches dessen betragen würden, als in den Bewerbungsdokumenten angegeben worden war.

    Mit derlei kolossalen Lügen beginnen die meisten Bewerbungen. Dagegen ist, trotz aller Wahrheitsbeugungen und kühner Finanztricks der Promotoren, als etwa kürzlich 376 Millionen Franken aus dem Budget verschwanden, die Botschaft des Bundesrates vom November 2012 geradezu ein Dokument der Transparenz. Und nicht zu vergessen: In dieser Botschaft wird eigentlich unmissverständlich formuliert, was selbst nach einem Ja für Olympia bei der Volksabstimmung am 3. März in Graubünden noch passieren könnte: „Sollte sich im Rahmen der Ausarbeitung des Bewerbungsbuches zeigen, dass der Bundesbeitrag nicht ausreicht, sind die Kandidaturbemühungen abzubrechen.“

    Der Bund hat über verschiedene Kanäle die Olympiaofferte bereits mit Millionensummen alimentiert und unterstützte auch tatkräftig die unvergleichliche Roadshow der vergangenen Wochen im Engadin, um am 3. März ein positives Votum zu organisieren. Sollten die Bürger sich dafür entscheiden, würde quasi ein erster Verpflichtungskredit von 30 Millionen Franken für die offizielle Bewerbungsphase ausgelöst, bis zur Entscheidung der IOC-Vollversammlung im Juli 2015 in Kuala Lumpur. Einen weit größeren Verpflichtungskredit von einer Milliarde Franken für den olympischen Organisationsetat hat der Bundesrat versprochen, wenngleich das Parlament das letzte Wort hat. Eine weitere Milliarde soll für Infrastrukturmaßnahmen freigesetzt werden.

    Doch dabei wird es kaum bleiben. Denn die olympische Geschichte beweist, dass beide Etats zusammen – der Organisationsetat (OCOG-Budget) und der Infrastrukturetat (Non-OCOG-Budget) – immer überzogen werden. Niemand sollte sich davon täuschen lassen, dass OCOG-Etats zuletzt immer positiv abgeschlossen wurden. Die olympische Arithmetik ist trickreich und pure Propaganda: Wenn alles, was kostet, ausgelagert wird, lässt sich ein „Gewinn“, der meistens in eine Sportstiftung gesteckt wird, problemlos organisieren. Das bedeutet gar nichts.

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    Doprah oder: The Yes Man

    You had oxygen boosting drugs that were incredible beneficial for endurance sports. And that is all I needed. My cocktail was EPO, but not a lot, transfusions. And testosterone, which in a weird way I almost justified because of my history [suffering cancer and losing a testicle], running low. It was like saying we have […]

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    Attack on freedom of press: Singapore court orders journalist to reveal sources #FIFAcorruption

    A Singapore court has ordered veteran journalist and scholar James M. Dorsey to reveal his sources for his reporting on an audit of suspended world soccer body FIFA vice president and Asian Football Confederation (AFC) president Mohammed Bin Hammam’s management of AFC’s finances and agreement with a Singapore-based company on the group’s marketing rights. The […]

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    Was vom Tage übrig bleibt (71): ZDF-Sportstudio im Google+ Hangout

    | 17.09.2012 | 2 Comments

    Im Vergleich der öffentlich-rechtlichen Fußball-Berichterstattung hat das ZDF zuletzt (EM, WM-Quali/Färöer) gegenüber der ARD (EM, WM-Quali Österreich) die weit schlechteren Kritiken kassiert. Zurecht, wie ich finde. Das ZDF hat ordentlich einstecken müssen. Ganz erstaunlich (erfreulich, wenn es zur Regel werden sollte) finde ich, was der Sender nun zwei Mal nach Mitternacht nach Sportstudios angeboten hat: Öffentliche […]

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    Was vom Tage übrig bleibt (70): Medienradio, Besser Online

    | 16.09.2012 | 7 Comments

    Zwei teilweise selbstreferenzielle Hinweise: 1) Ich war am Freitag im tollen Studio von Philip Banse zu Gast in seinem Medienradio. Es geht um Sportjournalismus, Sportblogger, Sportpolitik, Sportförderung, Korruption, die ISL, den Bundestag, die Zielvereinbarungen, Doping im Fußball und im Radbusiness und etliches mehr. Es hat Spaß gemacht, wir sind richtig ins Reden gekommen und haben […]

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    Was vom Tage übrig bleibt (69) und das Bloggen verändert …

    Quelle Internet beenden! Wir fordern Einführung eines #Leistungschutzrechts für Tweets & Facebookbeiträge bit.ly/Rqo2MQ #lsr — DigitaleGesellschaft (@digiges) August 30, 2012 Das darf ich noch, wenn ich es recht verstanden habe: Den Elektrischen Reporter verlinken, der Anfängern erklärt, worum es beim so genannten Leistungsschutzrecht (LSR) geht, das heute Thema ist im Bundeskabinett: Verlinken, eine Grundidee und […]

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    betr: “E13″ (kleine Störung des Redaktionsfriedens)

    Pssst. Hhmmm. Sorry. Ähhh. Tschuldigung! Ich will jetzt wirklich nicht den Redaktionsfrieden stören. Ich möchte bloß flink an einige Fakten erinnern. Darf ich? Ich las gerade auf der Internetseite des DLF einen Beitrag über die FIFA und die Korruption, der ähnlich in der ARD-Sportschau lief und heute Abend noch in Sport Inside, und der auch […]

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    #London2012: “How The Times made Olympic history”

    | 17.08.2012 | 5 Comments

    Noch ein London-Nachdreher, ein journalistischer. Ich habe kürzlich auf ein Cover der Times verwiesen. Selten so grandiose Titel bzw Einschlagseiten und Poster gesehen – in Deutschland kann ich mich an nichts annähernd Attraktives erinnern, auch nicht bei der Fußball-WM 2006. Unfassbar gut. Und die Macher plaudern darüber: So sind Zeitungen sehr sehr sexy.

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