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Die obskure Welt des Gewichtheber-Bosses Tamás Aján (III): Im langen Schatten der fünf Ringe

| 20.05.2013 | 1 Comment

16.31 Uhr: JW stellt mal die traurige, aber leider erwartbare News des Tages nachträglich voran:

Und weiter geht es mit Teil 3 der Recherche von Grit Hartmann:

* * *

Es kommt tatsächlich vor, dass der scheidende IOC-Präsident Jacques Rogge auch nach zwölfjähriger Amtszeit noch als „Visionär“ oder „Erneuerer“ gepriesen wird. Hierzulande geschieht das derzeit sogar häufig. Sportpolitische Berichterstatter, denen der Oberolympier einmal im Jahr ein Interview gewährt, integrieren solche Bewertungen in eine Erzähltaktik, die besagen soll: Hier Rogge, der Reformer des Ringezirkels nach Samaranch, dort Thomas Bach, der Kronprinz und Samaranch-Zögling.

IWF-Serie

Die obskure Welt des Tamás Aján, ein ganz normaler olympischer Weltverband:

Eigentlich dürfte, dass man mit dem deutschen IOC-Vize nicht auf Reformen spekulieren sollte, auch ohne solche Manöver klar sein, die der schrägen Vorstellung frönen, auf dem IOC-Thron wirke derzeit ein Erneuerer. Dafür müsste man schon Rogges Baby, die Olympischen Jugendspiele (2014 veranstaltet das IOC die Sause in Allianz mit den chinesischen Machthabern in Nanjing, das Versagen beim Pekinger Härtetest 2008 lässt grüßen), für einen genialen Coup halten und die Aufnahme von ein paar neuen Sportarten ins bzw. den vorläufigen Rausschmiss der Ringer aus dem olympischen Programm für originär bei der notwendigen Modernisierung der Spiele.

Längst hat Rogge, der einstige Olympia-Segler, sein Schiff in den Wind gedreht, der schon unter Samaranch wehte. Das erschließt sich spätestens, sobald ungelöste Dauerfragen aus der olympischen Unterhaltungsindustrie, etwa zu bezahlbaren Spielen oder zur WADA-Finanzierung, an Rogges Start gemessen werden. Das Programm nach seiner Wahl im Sommer 2001: „Für die Glaubwürdigkeit des Sports. Gegen Doping. Gegen Korruption. Gegen Gewalt.“ Damals meinte Rogge auch, der Sport habe nur dann eine Zukunft, wenn er „seine ethischen Werte wiederentdeckt“.

Wie hält es also die olympische Familie, wenn einer der Ihren in den Ethik-Fokus rückt?

Die detaillierte Beschwerde der Gewichtheber-Offiziellen zu den unter ihrem Präsidenten, dem IOC-Ehrenmitglied Tamás Aján mysteriös verschwundenen olympischen Millionen böte im Wirtschaftsleben reichlich Indizien, um den Staatsanwalt auf den Plan zu rufen.

Im IOC, das sich seinen Rechtsrahmen selber geben darf, dreht sich die Waschanlage drei Monate. Dann antwortet nicht Rogge. Seine Rechtsabteilung teilt mit, warum der Präsident gegen Ermittlungen der Ethik-Kommission entschieden hat:

IOC letter IWF

Für das formale Daumen-runter-Zeichen und die Feststellung, der Fall sei auf „Anwendung der IWF-Statuten“ bezogen, brauchte es wohl kaum die behauptete „seriöse Analyse“ diverser Unterlagen. Die tiefgekühlten sieben Zeilen sind eher ein Paradebeispiel dafür, was man im IOC unter Transparenz versteht: Sie lassen die Beschwerdeführer rätseln, welche Entlastungsbeweise die IWF vorgelegt haben könnte und warum Aján die dem eigenen Verband vorenthielt.

Und hatten die Kläger nicht angeboten, dem IOC-Präsidenten zur Verfügung zu stehen bei weiterem Klärungsbedarf?

Die IOC-Spitze ist gar nicht interessiert an dem, was die Heber vorzutragen haben. Dem erlauchten Kreis geht es nicht um Aufklärung, das ist das eine Problem. Zum anderen Problem sagt einer der Kläger:

Diese Absage war für uns ein echter Schock.

Zuerst deshalb, weil man sich auf einen Passus in der IOC-Anstandsfibel, im Ethik-Code berufen hat. „Die Olympischen Mittel der Olympischen Parteien“, heißt es scheinbar eindeutig in Abschnitt C, „sollen nur für Olympische Zwecke genutzt werden.“ Die Verwendung der Gelder sei außerdem „klar in der Buchführung“ auszuweisen. Auch tun sich gewisse Abgründe auf zwischen dem abschlägigen IOC-Bescheid und jener „Lebensart“ namens Olympismus, die ja, so lautet das erste der „fundamentalen Prinzipien“ der Olympischen Charta, „auf dem erzieherischen Wert des guten Beispiels“ aufbaut.

Antonio Urso, der Präsident des Europäischen Gewichtheber-Verbandes, und Marino Casadei, einer der IWF-Prüfer, wollen sich so einfach nicht abwimmeln lassen. Sie finden, Rogges Absage stehe im Widerspruch zu „den ethischen Werten des Olympismus“. So steht es in der Klage, die sie als Privatleute dem Internationalen Sportgerichtshof CAS vorlegen. Beklagter: das IOC und sein Präsident.

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Die obskure Welt des Gewichtheber-Bosses Tamás Aján (II): Das Rätsel um die verschwundenen Millionen

Tamás Ajan, IOC-Session Singapur, 2005

Es folgt die ergänzte, etwas anders gefasste und mit Dokumenten versehene Version eines Artikels, der in Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau unter dem Titel “In der Waschanlage” erschienen ist. Play the Game hat die Überschrift “IWF president under suspicion of financial mismanagement” gewählt.

„Finanzielle Misswirtschaft“ – das ist die juristisch korrekte Bezeichnung für den Vorgang, den einige Gewichtheber-Funktionäre bisher vergeblich versucht haben, vollständig aufzuklären. Er illustriert, welcher Geist noch immer weht in den olympischen Weltverbänden und warum es – angesichts oft jahrzehntelang gewachsener Abhängigkeiten – so schwer ist, dem etwas entgegen zu setzen.

* * *

Die Geschichte beginnt vor vier Jahren, beim letzten IWF-Wahlkongress in Madrid Ende März 2009.

Oberflächlich betrachtet, ist alles wie immer: Aján, der es liebt, sich mit den Mächtigen zu zeigen, gibt den galanten Gastgeber. Er begrüßt als Ehrengäste die spanische Infantin, den Sportminister, den Vize-Bürgermeister von Madrid. Er herzt den IOC-Kollegen Samaranch Junior und einen, gegen den gerade eine Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet hat, den Handball-Pharao Hasan Moustafa.

Es hagelt Grußadressen und Auszeichnungen.

MUST READ!

Die obskure Welt des Tamás Aján, ein ganz normaler olympischer Weltverband:

Alles könnte so sein wie immer, wären da nicht die vielen lästigen Fragen zum Geld.

Wie immer hat Aján auf dünnen drei Seiten Einnahmen und Ausgaben der IWF aufgelistet. Wie immer haben die hauseigenen Prüfer keine Auffälligkeiten entdeckt, im Gegenteil: Sie haben sogar „gratuliert“ zum kleinen Überschuss, den die IWF erwirtschaftet hat.

Auch dass Aján ein wenig jammert bei der Vorstellung des Finanzberichts – mit dem er angeblich seiner Pflicht nachkommt, die Nationalverbände über die „tatsächliche Finanzlage“ zu informieren – ist nicht ungewöhnlich.

„Es war nie leicht“, behauptet er diesmal, „einen angemessenen finanziellen Hintergrund für unsere Aktivitäten zu sichern.“

Die Dokumente dazu:

In den Jahren zuvor klangen die Klagen des IWF-Bosses ähnlich: „Geld ist schwierig aufzutreiben“ (2000), „extrem schwierige internationale Umgebung“ (2002), „IWF ist nicht ausgenommen von globalen Krisen“ (2006) …

Inzwischen aber hören ein paar Funktionäre solche Sätze nicht mehr gern: Zwar wissen die wenigsten, dass Aján sich mit 300.000 Dollar im Jahr fürs Ehrenamt entschädigen lässt – aber kaum einem entgeht, dass die Kosten fürs Budapester Präsidenten-Büro, wo auch der Schwiegersohn als Wettkampfdirektor wirkt, ständig steigen.

  • Und nun fragt ein Delegierter, an wen denn die Hanteln gegangen sind, die als Ausgaben unter „IWF-Entwicklungsprogramm“ verbucht sind.
  • Ein afrikanischer Delegierter möchte Details zu den Zuschüssen für die fünf Kontinentalverbände, Posten Nr. 15 unter „Ausgaben“, mehr als 300.000 Dollar.
  • Und der Italiener Antonio Urso will wissen, warum die aktuelle Bilanz ohne Vermögen eröffnet, wo doch die vorherige mit 1,6 Millionen Dollar im Plus schloss.

Es gibt weitere Fragen.

So viele, dass dem IWF-Boss ein verräterischer Satz entschlüpft:

Den Überblick „über das gesamte Vermögen“ erhalte nur die Exekutive und das IWF-Prüfkomitee.

Das gesamte Vermögen?

Viele Funktionäre hören davon zum ersten Mal.

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Die obskure Welt des Gewichtheber-Bosses Tamás Aján (I): Geschäfte mit der Dopingkultur

IWF-Supremo Tamás Aján (c) IWF

Tamás Aján (c) IWF

Dies ist der Auftakt zu einem Mehrteiler, der das Innenleben in einem der olympischen Weltverbände nachzeichnet, die weniger im Fokus stehen als FIFA oder UCI: in der International Weightlifting Federation (IWF) unter Tamás Aján, 74. Der Ungar wirkt seit Anfang der 70er Jahre in der IWF-Spitze, zunächst als Vizepräsident, seit 1976 als Generalsekretär, seit 2000 ist er Präsident. Im selben Jahr rückte er ins IOC ein, noch auf Vorschlag des greisen Juan Antonio Samaranch.

Nicht nur biografisch ist Aján ein Sportkarrierist; er gehört auch mental zu dem Typus, den man gern in irgendeinem entfernten Reich der autokratischen Fossile verorten würde – wüsste man nicht, dass die so genannte olympische Familie noch immer dieses Reich ist. Kritikern hält Aján beispielsweise entgegen, es brauche schon „ein Buch“, um all die „revolutionären Verbesserungen“, die er fürs Gewichtheben erreicht habe, auch nur „aufzulisten“.

Das Zitat stammt aus einem internen Rundbrief – Teil eines Stapels von Dokumenten, die ich seit Dezember zur IWF recherchiert habe, ursprünglich, weil ich über ein Dopingthema schreiben wollte. Das führte dann weiter, dazu in den nächsten Tagen mehr.

IWF-Serie

Die obskure Welt des Tamás Aján, ein ganz normaler olympischer Weltverband:

Korruption in der IWF? Wo sind die IOC-Millionen?

Aktueller Anlass dieses Mehrteilers: Am Pfingstmontag (20. Mai 2013), beim Wahlkongress der IWF im Radisson Royal in Moskau, dem legendären ehemaligen Ukraina, erlebt die Heberszene ein historisches Ereignis. Erstmals in beinahe vier Jahrzehnten bekommt Aján, der natürlich wieder Präsident werden will, Gegenkandidaten.

Dass der Dauerherrscher die IWF wie ein Familienunternehmen betreibt, inklusive obskurer Geldgeschäfte, hat eine bemerkenswerte Opposition hervorgebracht, mit Ideen, die für die Internationalen Sportföderationen neu sind. Die gute Rolle, die dabei der Bundesverband Deutscher Gewichtheber (BVDG) spielt, wird in diesem ersten Teil thematisiert – und auch, wie die deutschen IOC-Granden Thomas Bach und Walther Tröger auf Querdenker in den eigenen Reihen reagieren.

Aján übrigens hat auf eine Anfrage, auch zum Umgang seines Weltverbandes mit der Dopingfrage, nicht geantwortet.

* * *

Ordensverleihungen dürfen bei Kongressen in der Welt des Sports, wo es oft zugeht wie auf kommunistischen Parteitagen, nicht fehlen. Auch Tamás Aján sieht das ganz sicher so: In der vergangenen Woche jedenfalls hat er auf den Zeremonienpart beim Wahlkonvent in Moskau eingestimmt: Per Mail schlug er sieben Funktionäre („distinguished persons“) als künftige Träger des IWF-Ordens in Gold und Silber vor. Die Reaktionen kennzeichnen die aktuelle Stimmungslage unter den Gewichtheber-Funktionären recht gut: Ein Mitglied des Executive Boards protestierte gegen Ajáns Alleingang und fragte nach, warum über diese Personalien nicht in der letzten Sitzung des Gremiums debattiert worden sei. Einer der Ordensträger in spe lehnte ab, er habe schon genug Auszeichnungen. Ein dritter Offizieller quittierte einen der Aján-Vorschläge mit Spott – seine grafische Fingerübung mailte er an die IWF-Mitglieder, die Nationalverbände:

Hassan Akkus

Die rekordverdächtigen zwei Dutzend Dopingfälle unter dem Verbandspräsidenten Hasan Akkus zeigen systematisches Doping beim türkischen Hebernachwuchs an: Der Großteil wurde im letzten Dezember, bei und nach den U23-Europameisterschaften detektiert, Stanozolol-Fälle allesamt. Zu den Hintergründen ist bis heute nichts bekannt. Der altgediente Funktionär Akkus ließ auch gar keine Aufklärungsabsichten erkennen, er trat lieber eilig mitsamt seinem Präsidium zurück. Kuriose Begründung: „Wo Doping ist, da sind wir nicht.“ Akkus, muss man hinzufügen, steht auch der Medizinischen Kommission der IWF vor. 2011 spielte er in Istanbul den Gastgeber für die so genannte „IWF-Welt-Antidoping-Konferenz“ – eine Veranstaltung, für die Aján 250.000 Dollar verausgabte, nach Auffassung seiner Gegner (die vergeblich protestierten) aber bloß eine Beruhigungspille fürs Publikum, weil der Präsident öffentlich unter Druck geraten war in der Dopingfrage.

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142 Mio CHF Schmiergeld: full list of ISL bribery payments to senior sport officials 1989-2001

| 28.04.2013

Der Worte sind genug gewechselt. Ich habe mit den Kollegen von Spiegel Online erstmals die komplette Liste zum von der ISL/ISMM-Gruppe geprägten größten Schmiergeldsystem der olympischen Sportgeschichte veröffentlicht.

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Mal sehen, ob sich via Crowdsourcing noch das eine ander andere Detail zu den zahlreichen Tarnfirmen und Stiftungen in Europa, Amerika und Asien finden lässt. Es bleibt noch viel zu tun, denn es ist so:

  • Die 142 Millionen CHF Schmiergeld für Sportfunktionäre sind nur ein Teil dessen, was die ISL-Gruppe gezahlt hat. Die tatsächliche Schmiergeldsumme dürfte ungleich höher sein. Unterlagen für die Zeit von 1982 bis 1989 existieren nicht mehr.
  • Von diesem 142 Millionen sind die Empfänger von mehr als 110 Millionen unbekannt. Nur der Schmiergeldbote Jean-Marie Weber, Freund von Havelange, Blatter und vielen anderen Top-Funktionären, kennt alle Empfänger. Er nimmt sein Geheimnis mit ins Grab. Er hat übrigens mehrfach in kleinem Kreis erklärt, um sein Leben zu fürchten.

Ich biete die Liste in Gänze an und auf die Jahre 1989 bis 2001 aufgeschlüsselt. Zu allen Tabellen werde ich im Laufe des Tages weitere Anmerkungen/Links liefern und weitere Dokumente veröffentlichen. Work in progress – immer mal wieder vorbei schauen.

Einige Dokumente, die ich heute zur Verfügung stelle, waren bislang ebenfalls unveröffentlicht. Wer tiefer eintauchen will in das ISL-Geflecht und die Geschichte, findet über den Button “related posts” am Ende des Artikels und im Archiv Dutzende originäre Blogbeiträge mit vielen hundert externen Links und Dokumenten.

Es gab in den vergangenen Jahren auch viele journalistische Dummköpfe, die plärrten, das ISL-System sei etwas für den History Channel. Wie dämlich. Die ISL-Gruppe wurde vom einstigen Adidas-Zampano Horst Dassler gegründet. Dasslers Erbe beeinflusst den Weltsport bis heute.

So sind einstige ISL-Größen und wichtige Gefährten von Horst Dassler noch in Amt und Würden und in Aktion: Ob nun Schmiergeldbote Jean-Marie Weber & Co. Ob der einstige ISL-Manager Sandro Rossell, Teixeira-Freund und Präsident des FC Barcelona. Ob der FIFA-Präsident, Dasslers Kumpel Sepp Blatter. Oder auch der künftige IOC-Präsident Thomas Bach, Dasslers einstiger Adlatus (1985-87), Adidas-Direktor und damals Mitglied der so genannten sportpolitischen Abteilung von Adidas (wie Jean-Marie Weber).

u.e.a.m.

Zudem haben sich in den Wirren des ISL-Konkurses ab 2001 Figuren auf teilweise obskure Weise in Positionen gebracht, die noch auf Jahre wichtige Positionen einnehmen werden: etwa FIFA-Generalsekretär und Serial Liar Jérôme Valcke, der einst als Vivendi-Manager für einen symbolischen Franken die ISL übernehmen wollte, oder sein heutiger Stellvertreter Markus Kattner und Blatters Neffe Philippe (Infront CEO), die beide über die reichlich undurchsichtigen Rettungsarbeiten von McKinsey im FIFA-Business aufschlugen.

Alles hat irgendwie mit dem ISL-Netzwerk und vielfältigen Lebenssachverhalten zu tun.

Wir reden über ein halbes Jahrhundert olympische Machtgeschichte.

Aufgeklärt ist fast nichts.

isl-system

Und, ja, Sepp Blatter steht nicht als Schmiergeldempfänger auf der Liste. Er ist gemäß Einstellungsverfügung aber Mitwisser gewesen.

Und viele Geschichten, etwa wie er die ISL/Kirch-Konkurrenz ausgebootet hat, als es um Milliardenverträge ging, erscheinen längst in einem anderen Licht – auch diese Geschichten müssten aufgeklärt werden.

Die ISL-Liste:

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Grünes Licht für Winterspiele 2022 in München: DOSB-Bosse beziehen Ruhpolding ein und entlasten Garmisch-Partenkirchen

| 23.04.2013 | 12 Comments

Es gibt Entwicklungen, die nichts mit Uli Hoeneß und Mario Götze zu tun haben.

Die Spitzen des Deutschen Olympischen Sport-Bundes (DOSB), Präsident Thomas Bach (FDP) und Generaldirektor Michael Vesper (Bündnis 90/Die Grünen), antichambrieren derzeit in Lima bei der IOC-Konferenz Sport for all. Für Bach hat der Wahlkampf um die IOC-Präsidentschaft längst begonnen – im September entscheidet die IOC-Vollversammlung in Buenos Aires. Vesper will dann kurze Zeit später Bachs Nachfolger als DOSB-Präsident werden – als bezahlter Präsident, versteht sich. Vergangene Woche hat das allmächtige Duo die Weichen für eine vernünftigere – und extrem aussichtsreiche – Olympiabewerbung Münchens für die Winterspiele 2022 gestellt.

Der DOSB rückt von seinem Zwei-Cluster-Prinzip ab, würde bei einer neuerlichen Bewerbung (über die angeblich im Herbst die Bürger abstimmen sollen) die Widerstands-Region Garmisch-Partenkirchen extrem entlasten und Wettbewerbe von GaPa nach München und vor allem nach Ruhpolding in die Biathlon-Hochburg verlegen.

Das ist vernünftig. Der Brief des DOSB wurde in der aktuellen Rathaus-Umschau der Landeshauptstadt München veröffentlicht:

Wobei Ralf in den Kommentaren natürlich längst darauf hingewiesen hat, dass der DOSB und die Olympiabewerbungsgesellschaft 2018 das vor zwei Jahren noch kolossal anders gesehen haben:

Im Folgenden setzen wir uns mit den 18 gebräuchlichsten Thesen gegen Olympische und Paralympische Winterspiele in München und Garmisch-Partenkirchen auseinander und geben Antworten darauf. Alle Belege, die wir vortragen, sind nachprüfbar.

“München plus 4 (Ruhpolding, Inzell, Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen) wäre das ökologisch bessere Modell gewesen, das man hätte unterstützen können.”

Das ist falsch. Im Gegenteil, dieses Modell würde

  • mehr Verkehr auf längeren Wegen auslösen,
  • mehr Flächenverbrauch durch zusätzliche Infrastruktureinrichtungen bedeuten und
  • mehr Eingriffe in Natur und Landschaft notwendig machen.

So müssten bei der Nutzung weiterer Austragungsorte zwangsläufig auch weitere Olympische Dörfer, Medienzentren und Funktionsbauten (Telekommunikation, Organisation etc.) errichtet werden. Darüber hinaus entstünde ein stark erhöhtes Verkehrsaufkommen von München bzw. Garmisch-Partenkirchen zu und innerhalb aller Austragungsorte durch Zuschauer, Verantwortliche und Medienvertreter, das mit dem bestehenden Verkehrsnetz nicht zu bewältigen wäre. Es wäre daher ein erheblicher Aufwand für den Ausbau von Straßen erforderlich, zumal entsprechende Bahnlinien nicht zur Verfügung stehen. Dieser Ausbau würde abgesehen von den enormen finanziellen Belastungen zu erheblichen Umwelteingriffen führen und wäre für das nach-olympische Verkehrsaufkommen nicht nachhaltig.

Zudem würde eine solche Ausweitung Münchens Chancen im internationalen Wettbewerb massiv beeinträchtigen, denn der Grundgedanke Olympischer Spiele ist es, Sportler/innen aus allen Kontinenten und aus den unterschiedlichsten Sportarten zusammenzubringen, um die internationale Verständigung zu fördern. Olympische Spiele sind eben nicht eine Addition von Weltmeisterschaften, sondern haben einen ausgesprochen integrativen Charakter. Sie ziehen ihre Faszination gerade aus der einzigartigen Verbindung ganz unterschiedlicher Nationalitäten und Sportarten an möglichst einem Ort. (…)

Bewerbungsfolklore.

Belege? Nachprüfbar?

Geschenkt.

Im Münchhausen-Test sind Bach & Co wieder einmal durchgefallen.

Hatte der DOSB-Boss doch 2010 im sid-Interview gesagt:

sid: Gerade hat Ruhpolding wieder seinen ausgezeichneten Ruf als Biathlon-Hochburg unter Beweis gestellt. Warum passen die Chiemgauer dennoch nicht in das Konzept für München 2018?

Bach: “Weil es dann keine Olympischen Spiele in Deutschland geben würde. Mit einer Flickenteppich-Bewerbung hätten wir keine Chance. In Ruhpolding müsste unter anderem ein zusätzliches olympisches Dorf errichtet werden, ein solches Subzentrum mit kostenintensiven Verkehrswegen ist nicht zu rechtfertigen.”

Nachtrag, 14.12 Uhr: Das Fragezeichen habe ich flink mal aus der Überschrift getilgt.

Denn das ist wohl der Auftakt der deutschen Olympiabewerbung 2022.

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Twitter-Wahrheitsdroge für @SeppBlatter, doch Rücktritte nur von Jack the Ripper und Alexandra Wrage

It was decided that the president Sepp Blatter is to step down due to corruption charges …

… meldete die FIFA?

Kurze Aufregung am Montagabend. Gegen 18.30 Uhr MESZ (habe die genaue Zeit leider nicht notiert) wurde über einen FIFA-Account auf Twitter der Rücktritt des ewigen Präsidenten Joseph Blatter mitgeteilt. @SeppBlatter hat seinen Rücktritt gleich mal retweetet und weitere lustige Tweets abgesetzt, die den Eindruck erwecken konnten, er sei auf Wahrheitsdroge gesetzt worden.

So what if I took money from Qatari prince? I am the family’s bread earner …

Die Nachfolger-Frage wurde geklärt …

I have recommended his excellency prince Ali Bin Al Hussein of Jordan as my successor …

… und die WM 2030 nach Jordanien vergeben …

The royal family has done much for FIFA, I am sure Jordan will make an excellent host for 2030

So sah das aus:

Screenshot Twitter @SeppBlatter, 22. April 2013, 20.09 Uhr MESZ

Screenshot Twitter @SeppBlatter, 22. April 2013, 20.09 Uhr MESZ

Etwas detaillierter:

Screenshot Twitter @SeppBlatter, 22. April 2013, 20.09 Uhr MESZ

Screenshot Twitter @SeppBlatter, 22. April 2013, 20.11 Uhr MESZ

Die Tweets wurden binnen weniger Minuten tausende Male verbreitet. Die MedienPropagandaabteilung der FIFA teilte dazu mit:

Dear media representatives,

We can confirm that some of FIFA’s twitter accounts, including the account of the FIFA President and @fifaworldcup, have been hacked today. We are looking at this issue at the moment. In the meantime, to avoid any doubt, we kindly ask you to verify and check any statements that you see on a FIFA twitter account with the FIFA Media department (media@fifa.org).

Many thanks and best regards,

FIFA Media department

22 April 2013

Die Hacker-Attacke kam von der so genannten Syrian Electronic Army (@Official_SEA6), gemäß SPON eine Gruppe von Assad-Anhängern, die schon etliche andere Accounts geknackt hat, u.a. CBS, Al Jazeera, Qatar Foundation.

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Der CONCACAF-Bericht zu den Millionengaunern und FIFA-Ehrenmännern Chuck Blazer und Jack Warner

| 20.04.2013 | 7 Comments


Das Integrity Committee der nordamerikanischen und karibischen Fußballkonföderation CONCACAF hat seinen Bericht zu einigen Verfehlungen der Ganoven Jack Warner (Präsident von 1990-2011) und Chuck Blazer (Generalsekretär von 1990-2011) vorgelegt.

Lesebefehl!

Wenn ich richtig informiert bin, dann gelten die Millionenbetrüger noch als FIFA-Ehrenmänner und erhalten eine fürstliche Pension aus Zürich.

Wer sich nur die Zusammenfassung antun möchte. Auch die ist lesenswert, natürlich:

The Confederation of North, Central American and Caribbean Association Football (“CONCACAF”)

INTEGRITY COMMITTEE

REPORT OF INVESTIGATION
EXECTUIVE SUMMARY

Presented to the Executive Committee of CONCACAF, April 18, 2013

EXECUTIVE SUMMARY

This investigation was conducted by the Integrity Committee (the “Committee”) of the Confederation of North, Central American and Caribbean Association Football (“CONCACAF”) at the request of the Executive Committee of CONCACAF. The Executive Committee requested the investigation because public allegations and other information raised serious questions about the integrity of the former leadership of CONCACAF and threatened to undermine public confidence in CONCACAF.

The CONCACAF Executive Committee established the Integrity Committee by resolution, dated June 26, 2012, to investigate and report to the Executive Committee “on the facts surrounding several allegations in relation to specific issues involving CONCACAF.”

The allegations concerned the following issues:

  • (i) ownership of the Centre of Excellence (the “COE”);
  • (ii) an apartment at Trump Tower and the application of CONCACAF’s funds in relation to the apartment;
  • (iii) the whereabouts of funds generated by a contract between CONCACAF and Umbro International;
  • (vi) the circumstances surrounding the purchase of two apartments in Miami and a Hummer vehicle;
  • (v) the employment contract of the former General Secretary of CONCACAF, and in particular, the provisions of the contract relating to the payment of commissions and its expiration;
  • (vi) CONCACAF’s failure to pay taxes and to file tax returns;
  • (vii) the application or otherwise of CONCACAF’s funds over the past five years; and
  • (viii) the completeness and accuracy of CONCACAF’s financial statements and audits for the past five years.

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Jérôme Champagne: “Which FIFA for the twenty-first century?” (III)

| 11.03.2013 | 10 Comments

Manch eine/r wird mir PR vorwerfen. Ist mir wurscht. Auch diesmal stelle ich den kompletten Text jenes Briefes zur Diskussion, den der langjährige FIFA-Manager und Blatter-Getreue Jérôme Champagne soeben an alle 209 nationalen Fußballverbände im FIFA-Reich geschickt hat. Es geht um die sachgerechte Verwendung von hunderten Millionen Euro so genannter Entwicklungshilfe, um orangene Karten und Zeitstrafen im Profifußball (ähnlich dem Eishockey), um technische Hilfsmittel, die weit über die Torlinientechnologie hinaus gehen, um die Struktur der FIFA, die Mitbestimmung der Nationalverbände, Klubs und Spieler … und letztlich auch um die FIFA-Präsidentschaft.

Dem südafrikanischen Magazin “Inside Sport Africa” hat Champagne kürzlich ein Interview gegeben, in dem es u.a. heißt:

If an overwhelming majority of people requested you to stand for President of FIFA, will you?

Oh la la, what a question? More seriously, the elections are scheduled in 2015 only and this is not the topic of the day. however, I have not decided that I would run, nor have I decided that I will not run. I only decided to present and defend my ideas but I do not exclude anything.

Once upon a time, in FIFA uniform: Robben Island, December 2009

Once upon a time, in FIFA uniform: Robben Island, December 2009

Die vorherigen offenen Briefe von Champagne:

Any thoughts?

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Winterspiele 2022: die Entscheidung in Graubünden. Münchens Chancen. Demokratie/Transparenz vs Heimlichtuerei. Olympiafinanzen. Journalismus vs Propaganda

| 03.03.2013 | 63 Comments

[Hier entsteht ein sehr langer Beitrag, der ständig ergänzt wird - bitte immer mal an das Ende durchkämpfen und die Aktualisierungen beachten!]

Das Volk hat das Wort! In der Schweiz gehören plebiszitäre Elemente, wie auch eine erstaunliche Transparenz in der Verwaltung, gewissermaßen zur DNA der Demokratie. Anders als in Deutschland, diesem Entwicklungsland in Sachen Transparenz und Bürgerbeteiligung. Im Kanton Graubünden entscheidet sich in diesen Momenten die Zukunft der Olympiabewerbung 2022 – und ich werde den Nachmittag aus der Ferne etwas begleiten.

GRAUBÜNDEN 2022

Zur Orientierung:

Ich war auch in den vergangenen Wochen oft vor Ort, habe über die Bewerbung berichtet, habe einige Interviews gegeben (über eines wird gleich noch zu reden sein) und durfte in Chur einen Vortrag zu Olympiabewerbungen, deren Finanzierung und zum IOC halten. Ich habe wieder einiges gelernt über die Schweiz, und bei einigem Kopfschütteln (etwa über die Propaganda von Politikern und deren Helfershelfern) bleibt doch ein Erstaunen, wie selbstbewusst sie dort mit ihrem Grundrecht auf Mitbestimmung umgehen. Chapeau! Das wünschte ich mir in Deutschland, oft genug habe ich beschrieben und argumentiert, dass vor einem Mega-Projekt wie einer Olympiabewerbung doch diejenigen befragt werden sollten, die die Zeche in jedem Fall zahlen müssen: die Bürger.

Ungleich transparenter als im Heimlichtuerland Deutschland war schon die Vorbereitung dieser Bewerbung “Graubünden 2022″ im Schweizer Sport, über das Verteidigungsministerium, im Kanton etc pp – bei allen Problemen, die ich kurz noch anreiße – bzw die im Blog schon angerissen worden sind.

Doch zunächst zur Lage, die David Sieber, Chefredakteur der Südostschweiz gerade so beschreibt:

Das ist die Frage, die die Bürger Graubündens zumeist längst schriftlich beantwortet haben – derzeit werden die letzten Stimmen ausgezählt:

(Ich habe die Erläuterungen zu den anderen beiden Abstimmungen mal aus diesem pdf gelöscht. Es geht hier im Blog nur um die Olympiafrage.)

Und das ist der Stand, 12.45 Uhr:

  • Nach Auszählung von 149 von 158 Gemeinden gibt es 25.362 Ja-Stimmen und 27.987 Nein-Stimmen. Wobei die olympischen Kernorte St. Moritz und Davos noch offen sind. Es kann also alles passieren. Mir hat gerade ein führender Olympiapromotor gesagt, er rechne mit einer Niederlage – aber das muss nicht sein.

Zum Einlesen das Rohmanuskript meines Beitrags vom vergangenen Wochenende in der SonntagsZeitung, Zürich (auch dieser Text wird in den kommenden Stunden ergänzt und verlinkt):

Für Schweizer Verhältnisse wurde die Diskussion über das Olympiaprojekt Graubünden 2022 durchaus erbittert geführt. Im internationalen Vergleich jedoch blieb die nationale Debatte gesittet und harmlos. Es hat keine gewalttätigen Proteste gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC) gegeben wie etwa vor Jahren in Amsterdam oder Berlin. Und selbst die wie üblich geschönten Hochrechnungen der Olympiapromotoren hielten sich im Rahmen. Anders als etwa beim im Nachhinein so gelobten London, Olympiagastgeber 2012: Als London im Juli 2005 vom IOC zur Olympiastadt gekürt wurde, hatte die britische Regierung ein Dossier unter Verschluss gehalten, wonach die tatsächlichen Olympiakosten ein Mehrfaches dessen betragen würden, als in den Bewerbungsdokumenten angegeben worden war.

Mit derlei kolossalen Lügen beginnen die meisten Bewerbungen. Dagegen ist, trotz aller Wahrheitsbeugungen und kühner Finanztricks der Promotoren, als etwa kürzlich 376 Millionen Franken aus dem Budget verschwanden, die Botschaft des Bundesrates vom November 2012 geradezu ein Dokument der Transparenz. Und nicht zu vergessen: In dieser Botschaft wird eigentlich unmissverständlich formuliert, was selbst nach einem Ja für Olympia bei der Volksabstimmung am 3. März in Graubünden noch passieren könnte: „Sollte sich im Rahmen der Ausarbeitung des Bewerbungsbuches zeigen, dass der Bundesbeitrag nicht ausreicht, sind die Kandidaturbemühungen abzubrechen.“

Der Bund hat über verschiedene Kanäle die Olympiaofferte bereits mit Millionensummen alimentiert und unterstützte auch tatkräftig die unvergleichliche Roadshow der vergangenen Wochen im Engadin, um am 3. März ein positives Votum zu organisieren. Sollten die Bürger sich dafür entscheiden, würde quasi ein erster Verpflichtungskredit von 30 Millionen Franken für die offizielle Bewerbungsphase ausgelöst, bis zur Entscheidung der IOC-Vollversammlung im Juli 2015 in Kuala Lumpur. Einen weit größeren Verpflichtungskredit von einer Milliarde Franken für den olympischen Organisationsetat hat der Bundesrat versprochen, wenngleich das Parlament das letzte Wort hat. Eine weitere Milliarde soll für Infrastrukturmaßnahmen freigesetzt werden.

Doch dabei wird es kaum bleiben. Denn die olympische Geschichte beweist, dass beide Etats zusammen – der Organisationsetat (OCOG-Budget) und der Infrastrukturetat (Non-OCOG-Budget) – immer überzogen werden. Niemand sollte sich davon täuschen lassen, dass OCOG-Etats zuletzt immer positiv abgeschlossen wurden. Die olympische Arithmetik ist trickreich und pure Propaganda: Wenn alles, was kostet, ausgelagert wird, lässt sich ein „Gewinn“, der meistens in eine Sportstiftung gesteckt wird, problemlos organisieren. Das bedeutet gar nichts.

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Dopingsystem am Universitätsklinikum Freiburg: Stellungnahmen zum Arbeitsauftrag der Gutachterkommission

| 01.03.2013 | 5 Comments

Freiburg, Freiburg, Doping, Doping und kein Ende. Während ein Medium im süddeutschen Raum stets beflissen an der Seite der Uniklinik-Verantwortlichen werkelt und den Eindruck erweckt, als hätten die Gutachterkommission und ihre Chefin schlecht gearbeitet, stellt sich die Lage doch etwas anders dar. Ich kann es niemandem ersparen, der sich dafür interessiert und nicht eine Zweitverwertung, sondern Originale bevorzugt, sich durch die nächsten 62 Seiten zu kämpfen.

Die Vorgeschichte und die dazugehörigen Dokumente finden sich hier:

Hier das Dokument von heute Nachmittag, so überschrieben:

Unabhängige Gutachterkommission zur Evaluierung der Abteilung Rehabilitative und Präventive Sportmedizin des Universitätsklinikums Freiburg

Prof. Dr. Letizia Paoli Kommissionsvorsitzende

Stellungnahmen von Gründungsmitgliedern. Rektor Prof. Dr. Wolfgang Jägers Vorstellung des Arbeitsauftrages und dessen durch Kommissionsmitglieder geforderte Erweiterung zu Beginn der konstituierenden Sitzung am 14. August 2007

Leuven, 1. März 2013 

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Online-Sittenlehre für Spezialethiker der FIFA-Parallelgesellschaft

| 27.02.2013 | 1 Comment

Damit auch das nicht untergeht: Vor einigen Tagen hat der Fußball-Weltverband FIFA sein brandneues Ethik-Tool veröffentlicht.

Wow …

… werden jetzt die Millionenbetrüger und Großganoven Chuck Blazer, Julio Grondona, Worawi Makudi und einige andere Gesellen um den moralisch korrupten Vereinschef Joseph Blatter sagen.

Wow!

Und sie werden herzhaft lachen.

Der schwer korrupte Thailänder Makudi beispielsweise, ein großer Freund von Mohamed Bin Hammam, hat gerade seine Kandidatur für die Präsidentschaft in der asiatischen Konföderation AFC bekannt gegeben. James Dorsey fasst einige der Verstrickungen von Makudi & Co noch einmal zusammen:

Mr. Makdudi has repeatedly been investigated for fraud and corruption. He denied last September fraud allegations made by a South Korean firm related to the cancelation of a multi-million-dollar broadcast rights deal. Earlier, he was accused by former English Football Association chairman Lord David Triesman of involvement in an alleged scheme to buy votes for England’s failed 2018 World Cup bid. Makdudi was cleared in 2011 of accusations that funds meant for the Thai soccer association to build facilities were instead spent on building assets on land he owned in Bangkok. Most recently, the Thai parliament investigated FIFA’s refusal to approve a newly futsal facility by his association.

Wie auch immer. Have fun, hier ist das ETHIK-TOOL:

Wer unsaubere Vorgänge im Fußball melden möchte, kann gern auch hier klicken …

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Sportförderung zunehmend fraglicher: “Dysfunktionen des Spitzensports: Doping, Match-Fixing und Gesundheitsgefährdungen …”

| 22.02.2013 | 7 Comments

Es gibt etliche hochinteressante Dokumente aus den vergangenen Tagen nachzutragen. Ich finde, es diskutiert sich doch besser am Original. Hier also flink die Studie

  • “Dysfunktionen des Spitzensports: Doping, Match-Fixing und Gesundheitsgefährdungen aus Sicht von Bevölkerung und Athleten”

von Kirstin Hallmann und Christoph Breuer, erstellt im Auftrag der Stiftung Deutsche Sporthilfe.

Die Deutsche Sporthochschule Köln erklärt dazu:

Gefahren für die Werte des Spitzensports – Wissenschaftliche Studie in Berlin vorgestellt  

Gesundheitsgefährdungen und illegale Wettkampfabsprachen beeinflussen Bereitschaft der Bevölkerung zur Spitzensportförderung  

Köln, 21. Februar 2013 – Wie nimmt die Bevölkerung in Deutschland den Spitzensport wahr? Überwiegen die positiven Aspekte oder stehen die Schattenseiten, wie Doping oder Wettbetrug, im Vordergrund? Wie hoch ist in diesem Zusammenhang die Bereitschaft, den Spitzensport finanziell zu fördern? Erstmals stellt eine wissenschaftliche Studie die Dysfunktionen des Spitzensports in Deutschland aus Bevölkerungs- und aus Athletensicht dar. Untersucht wurde zum einen die Wahrnehmung der Bevölkerung zur Einnahme verbotener Substanzen und Gesundheitsgefährdungen durch den Athleten/die Athletin, zum anderen das Handeln und die Einstellung der Athleten und Athletinnen in diesem Kontext.

Die Studie, die 2012 im Auftrag der Stiftung Deutsche Sporthilfe von Univ.-Prof. Dr. Christoph Breuer und Dr. Kirstin Hallmann (Institut für Sportökonomie und Sportmanagement) durchgeführt und am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde, zeigt als zentrales Ergebnis sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten aus Bevölkerungs- bzw. Athletensicht. Statistisch signifikant konnte nachgewiesen werden, dass die Bereitschaft in der Bevölkerung zur finanziellen Unterstützung des Spitzensports mit der wahrgenommenen Verbreitung illegaler Spielabsprachen sinkt, und mit dem Ausmaß gesundheitlicher Risiken, die die Athleten in Kauf nehmen, steigt. Andere Dysfunktionen, wie z.B. die Einnahme verbotener Substanzen, haben aktuell noch keine signifikante Auswirkung auf die Förderbereitschaft.

Die Wahrnehmung der einzelnen Dysfunktionen variiert stark. So glaubt die deutsche Bevölkerung, dass 29% der deutschen Spitzensportler regelmäßig zu Dopingmitteln greifen und etwa die Hälfte (49%) regelmäßig Schmerzmittel nimmt. 45,4% der Athleten nehmen, nach öffentlicher Wahrnehmung, in Zusammenhang mit ihrem Sport gesundheitliche Risiken bewusst in Kauf, 14% der Athleten sind bereits an illegalen Absprachen beteiligt gewesen.

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Match-Fixing und der Sport: Dämonen in Schlüsselpositionen

| 18.02.2013 | 19 Comments

In der Diskussion über den Sport und die Wettmafia werden die Korruption und Verbrechen begünstigenden Strukturprobleme der Sportbranche und ihrer Funktionäre vernachlässigt.

[Ich habe für die Themenseite im Politikteil der Basler Zeitung eine Betrachtung zum Sportgeschäft und dem Wettbetrug geschrieben. Habe nicht zum ersten Mal darauf hingewiesen, dass mit der mediale Aufschrei immer etwas zu laut ist und es mir an Analyse fehlt, wenn über den Zugriff der Wettmafia berichtet wird. Denn das Sportgeschäft ist in weiten Teilen quasi mitschuldig an der Situation, weil die intransparenten, teils vorsintflutlichen Strukturen jedwede unsauberen Machenschaften begünstigen. Gewiss gibt es da beträchtliche Unterschiede etwa zwischen den herkömmlich als Verein notierten Weltverbänden und moderneren Unternehmen, wie etwa der DFL. Selbst zwischen DFL und DFB. Derlei Unterschiede müssten sauberer heraus gearbeitet werden - ich konzentriere mich mit ein paar Gedanken wie immer mehr auf den olympischen Sport, also das IOC und die 35 olympischen Weltverbände. Habe noch nicht mal die vielen hochrangigen Funktionäre erwähnt, die selbst im Glücksspiel- und Sportwettengeschäft tätig sind. Es ist eine Anregung, kann man alles besser ausarbeiten, wie immer, aber gewiss genug Stoff für eine sinnvolle Diskussion.]

Die Aufregung war groß, als die Europäische Kriminalbehörde Europol vorvergangene Woche alarmierende Zahlen zum globalen Wettbetrug im Fußballbusiness präsentierte. Von 680 verschobenen Spielen weltweit, 425 verdächtigen Spielern, Schiedsrichtern und Funktionären und vom „größten Betrug aller Zeiten“ war die Rede. Dabei hatte Europol-Direktor Rob Wainwright, der stets Kameras und Blitzlichter sucht, doch munter alte und neue Zahlen, aufgeklärte und unaufgeklärte Fälle vermengt – und Ermittler in aller Welt damit verärgert. Der Sinn dieser PR-Nummer erschloss sich nicht vollends. Die Sinnhaftigkeit eines koordinierten Kampfes gegen die Wettmafia ist aber gegeben, und zwar auf allen Ebenen.

[youtube DH82kw3jJoo nolink]

Ja, die Wettpaten – ob nun aus Singapur, Thailand, China oder Südosteuropa –, sind eine Gefahr. Ja, die Welt ist klein geworden, moderne Kommunikationsmittel erleichtern Großganoven das Abkassieren. Nur: Das alles ist nicht neu. Das weiß man seit vielen Jahren. Das weiß man aus zahlreichen Prozessen, ob nun in Bochum oder im vergangenen Jahr in Bellinzona. Jenseits der Aufgeregtheiten des Tagesgeschäfts empfiehlt sich deshalb eine Analyse der Lage. Und die sollte mit zwei grundsätzlichen Beobachtungen beginnen.

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Dopingsystem am Universitätsklinikum Freiburg: Aufarbeitung behindert, Arbeitsauftrag manipuliert

| 06.02.2013 | 38 Comments

Hat es eine Aufarbeitung des systematischen Dopings am Universitätsklinikum nie gegeben? War alles ein gigantischer Fake – zumindest von der Leitung des Klinikums der Universität? Die Verantwortlichen hatten offenbar nie vor, die dreckige Vergangenheit aufzuklären. Sie haben vertuscht und behindert und sogar den Arbeitsauftrag für zwei Kommissionen (Schäfer-Kommission, Paoli-Kommission) manipuliert? Das sagen die Mitglieder der [...]

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Doprah oder: The Yes Man

| 18.01.2013 | 54 Comments

You had oxygen boosting drugs that were incredible beneficial for endurance sports. And that is all I needed. My cocktail was EPO, but not a lot, transfusions. And testosterone, which in a weird way I almost justified because of my history [suffering cancer and losing a testicle], running low. It was like saying we have [...]

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Olympia 2022 in Graubünden: Paradies für Geber und Nehmer

| 04.01.2013 | 44 Comments

Ich habe für einen Olympia-Schwerpunkt der Tageswoche (Basel) einen Text zu den Olympiachancen der Bewerbung von Graubünden 2022 gedichtet:

Man muss kein Olympiafan sein, um die Frage nach den Chancen der Bewerbung Graubündens für die Olympischen Winterspiele 2022 optimistisch zu beantworten: Die Aussichten sind hervorragend.

Diese Einschätzung ergibt sich allein schon aus der Konkurrenz-Situation. Außer einem Interesse in der Ukraine und relativ vage Überlegungen in München und Oslo, die aus verschiedenen Gründen meilenweit hinter der Offerte von Davos und St. Moritz respektive der Sport-Dachorganisation Swiss Olympic hinterherhinken, steht derzeit kein Konkurrent bereit. Wenn also die Bündener im März bei der Volksabstimmung für Olympia votieren und im Sommer der Bundesrat das Projekt absegnen sollte, wäre Graubünden mit der Host City St. Moritz Favorit. Die Winterspiele könnten nach 1928 und 1948 zum dritten Mal in der Eidgenossenschaft ausgetragen werden. Die Entscheidung darüber fällt schlussendlich die Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am 31. Juli 2015 in Kuala Lumpur.

Dies ist die rein sportpolitische Einschätzung, die andere Parameter für einen Moment vernachlässigt: Etwa die zurecht hart geführte Diskussion über ausufernde Kosten, olympische Intransparenz, Gigantismus und Nachhaltigkeit eines solchen Mega Events. (…)

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Strafbarkeit des Eigendopings der Athleten? Doch nicht in Deutschland!

| 28.11.2012 | 59 Comments

Zu einem beinahe existenziell zu nennenden Topthema des Hochleistungssports – der Dopinggesetzgebung – tagt der Sportausschuss im Bundestag heute natürlich wieder hinter verschlosenen Türen. Ernst zu nehmen ist das nicht. Das Ergebnis der geschlossenen Veranstaltung steht ja ohnehin schon fest: Die Koalition jubelt gemeinsam mit dem BMI und dem DOSB, dem intransparent-undemokratischen sportpolitischen Komplex, über eine angeblich wirksame Antidopinggesetzgebung.

Unsinn. Irreführung. Propaganda.

Den Bericht der Bundesregierung zur Evaluation des Gesetzes zur Bekämpfung des Dopings im Sport hatte ich unlängst schon in einem Beitrag von Grit Hartmann veröffentlicht. Grit Hartmann hat, ergänzend, heute in der Frankfurter Rundschau (Gott hab sie selig) einen wichtigen, hochinteressanten Bericht über eine viel wirksamere (oder besser: tatsächlich wirksame) Dopinggesetzgebung veröffentlicht – die in Italien:

Römisches Recht
Da heißt es u.a.:

(…) Vesper hat Gründe, die Wirklichkeit ein wenig zu verbiegen, damit nicht allzu viele Fragen aufkommen zur Gesetzeslage hierzulande. Die wird am heutigen Mittwoch im Bundestags-Sportausschuss diskutiert. Laut einem Prüfbericht der Bundesregierung mischt das Arzneimittelgesetz, seit es vor fünf Jahren verschärft wurde, die Dopingszene auf. Beleg? 2011 wurden fast 1600 Dopingverfahren eingeleitet. Die Frage, ob die Gesetzgebung Zugriff auf den Spitzensport ermöglicht, passt der Regierung jedoch so wenig ins Konzept wie dem DOSB, weshalb der Bericht eines gar nicht erst erwähnt: Ermittelt wird in der Bodybuilder-Szene. Nicht eines der Verfahren führte zu Elite-Athleten. (…)

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Die Bankrotterklärung (II): “Doping in Deutschland”

| 08.11.2012 | 49 Comments

FRANKFURT (ODER). Habe die Überschrift des vorgestrigen Beitrages übernommen und nummeriert. Sitze im Senatssaal der Viadrina im Frankfurt an der polnischen Grenze.

Erster Vortrag von RA Prof. Dr. Johannes Weberling, Leiter der Arbeitsgruppe Aufarbeitung und Recht, Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder):

Rechtsprobleme gesamtdeutscher Aufarbeitung

Sehr kompliziert und ohne Schriftsatz nicht adäquat wiederzugeben. Doch sein Fazit zum Thema Datenschutz/Persönlichkeitsrecht etc. ist klar:

Die rechtlichen Grundlagen für eine Aufarbeitung sind jedenfalls vorhanden, im Gegensatz zu anderen Informationen. Wer sie nicht zur Kenntnis nimmt oder nicht nutzt, muss sich die Frage gefallen lassen, ob er an einer umfassenden Aufarbeitung interessiert ist.

Das geht an Bisp, BMI, DOSP, Sportverbände etc pp

Die erste Viertelstunde, die ich hier verfolge, ist bereits gehaltvoller als die fünf Stunden vorgestern in Berlin.

Prof. Gerhard Treutlein fragt als ehemaliges Mitglied des wissenschaftlichen Beirates (ergänzt) der Freiburger Kommission nach der Personalakte des Großdopers Josef Keul:

Zu Keuls Personalakte sagt Weberling:

Es gibt zehn Jahre nach seinem Tod absolut keinen Grund, die Herausgabe von Keuls Personalakte zu verweigern.

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Die Bankrotterklärung (I): “Doping in Deutschland”

| 06.11.2012 | 36 Comments

BERLIN. Grüß Gott zum live-Blog aus dem “Presse- und Informationsamt der Bundesregierung”. Offiziöser hätte der Ort der Verkündung kaum gewählt werden können. In der Einladung zur Veranstaltung, die seit 10 Uhr läuft und bis 15 Uhr angesetzt ist, steht:

Ergebnispräsentation: Doping in Deutschland von 1950 bis heute aus historisch-soziologischer Sicht im Kontext ethischer Legitimation
Dabei weiß man natürlich längst, dass das Projekt geplatzt ist, denn Vertreter der Humboldt-Universität sind heute nicht anwesend. Es referieren allein vier Vertreter der Universität Münster.

Ich versuche, total sachlich zu bleiben, wie immer, auch wenn mir die Wiedergabe von Zeitungsberichten aus den neunziger Jahren, auf denen die ersten beiden Vorträge basieren, schon jetzt ziemlich zum Halse raushängt. Was daran Wissenschaft ist und warum das unter diesem großspurigen Label läuft, erschließt sich mir auch im Jahr fünf des 2008 initiierten Projektes nicht. (Wer ein Archiv mit Texten aus Spiegel, FAZ, SZ und Bild (!) hat, der weiß auch, was die “Forscher” da verkünden. Kann jeder selbst nachlesen. Das Wort “Forscher” setze ich ab jetzt konsequent in Gänsefüsschen.)

Vorträge kann ich online leider nicht anbieten. Es liegt hier nur ein Ausdruck vor, der kaum mehr enthält als das Programm des Tages und eine grobe Zusammenfassung des Projekts. Sehr unprofessionell.

Die Arbeitsbedingungen sind ebenso unprofessionell katastrophal. Keine Arbeitstische. Wenigstens WLAN. Sitze auf der Erde und notiere ein bisschen.

Zum Ablauf und der relativ schwer zu durchschauenden Lage des Projekts empfehle ich das WAZ-Rechercheblog, in dem Daniel Drepper in einem länglichen Artikel versucht hat, alles aufzudröseln:

Verhinderte Doping-Aufklärung: 500.000 Euro-Projekt versinkt im Chaos

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Antidopingberichte 2011: Alles paletti! “Ohne Hinweise entlastet”!

| 05.11.2012 | 3 Comments

Nichts als Routine im Sportausschuss des Deutsches Bundestages: die Antidopingberichte der Sportverbände stehen auf der Agenda. Wie schon im letzten Jahr (wie eigentlich immer) hat das zuständige Bundesverwaltungsamt dem Sport auch für den Prüfungszeitraum 2011 einen Persilschein ausgestellt: Demnach habe kein einziger Verband so gegen die Antidoping-Auflagen verstoßen, dass die Rückforderung von Steuermitteln gerechtfertigt wäre. [...]

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