[ Schlagwort organisierte kriminalität]

Der Garcia-Report

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Wer es noch nicht gesehen haben sollte: Der Garcia-Report ist öffentlich. So richtig aber auch nicht, denn außer diesen 434 Seiten hat die FIFA tausende dazugehörige Dokumente nicht online gestellt.

Anyway, knapp drei Jahre nach seiner Fertigstellung konnte nur jemand Sensationen erwarten, der einige Jahre auf dem Mond verbracht oder das Denken eingestellt hat. Es handelt sich um interne Ermittlungen, die damals das von Joseph Blatter gewünschte Ergebnis erbrachten: Freibrief für Russland und Katar.

Natürlich enthält der dreiteilige Bericht viele interessante Details, die auch mich amüsieren und immer mal wieder zitiert werden, die vielleicht sogar zu weiteren Recherchen anregen. Doch in Sachen Hard Facts wird nahezu nichts geboten. Wer harten Tobak will, muss sich schon durch die Anklageschriften und andere Dokumente des DOJ kämpfen.

Zunächst die drei Teile des Berichts, dann meine erste Analyse dazu.

Der Hauptteil. 359 Seiten:

Meine erste Einschätzung, kleiner Kompass durch den Schlagzeilen-Dschungel:

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live aus Rio (22): † João Havelange und der Wert von Recherchejournalismus

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Foto: Nationaal Archief Fotocollectie Anefo, CC BY-SA 3.0 nl

Foto: Nationaal Archief Fotocollectie / Anefo, CC BY-SA 3.0 nl

RIO DE JANEIRO. Es klingt pietätlos, dennoch: Der Tod des letzten Dinosauriers ist exakt getimt. Die Spiele der XXXI. Olympiade hier in Rio sollten eigentlich ein Freudenfest zu seinem 100. Geburtstag werden. Nun wird es einen Trauer-Gottesdienst und vielleicht noch während der Spiele die Beerdigung geben für Jean-Marie Faustin Goedefroid de Havelange, kurz João, der gestern Nacht im Hospital Samaritano gestorben. Havelange war einer der prägendsten Figuren in der Geschichte des Weltsports. Er war der Chef eines Kartells, der Boss einer global operierenden mafiosen Vereinigung.

Havelange hat Zeit seines Lebens viele Gesetze ausgehebelt. Den Gesetzen der Natur aber konnte er nicht ewig trotzen.

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Was vom Tage übrig bleibt (96): Infantino, Samoura, Stepanowa, DOSB und unethische Olympialasten

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Startliste 2. Vorlauf 800 m Frauen bei der EM in Amsterdam am 6. Juli 2016

Startliste 2. Vorlauf 800 m Frauen bei der EM in Amsterdam am 6. Juli 2016

Damit es nicht untergeht im Euro-Rauschen, einige Links, Docs und Lektüre-Hinweise.

1) Am Wochenende veröffentlichten Tages-Anzeiger/Sonntagzeitung ein internes Schriftstück aus der FIFA, aus dem seit Ende Mai zitiert wird (etwa in der FAZ) – und in dem Gianni Infantino so einiges vorgeworfen wird. „Wer den FIFA-Chef kritisiert, fliegt raus“, titelt Arthur Rutishauser. Es geht, wie seit etlichen Wochen debattiert, um die Kosten für Flüge (Alischer Usmanow zeigt sich sehr spendabel), Matratzen, Fitnessgeräte, Blumen, Luxus-Limousinen, teure Berater (u.a. Luís Figo), Reinigungen und andere Spesen – und natürlich um Infantinos Millionen-Gehalt, das er als „beleidigend“ empfindet.

Hier das Papier:

Dazu gab es bereits einige Beiträge mit weiterführenden Links und dem Mitschnitt der FIFA-Councilsitzung im Mai:

:

Im Übrigen nimmt die von Infantino betriebene Säuberungswelle in der FIFA-Administration kein Ende, die nächsten beiden Manager wurden gefeuert: Severin Podolak, Chef der FIFA Travel GmbH, und Christoph Schmidt, Bürochef des Generalsekretariats, das bis vor kurzem von Markus Kattner geführt wurde, der ja nun auch gefeuert wurde. Dabei ist Infantino nach den neuen FIFA-Statuten doch gar nicht mehr fürs Tagesgeschäft verantwortlich, sondern quasi außenpolitisch tätig. Doch halt, hat er nicht in einem seiner vielen Alleingänge als CEO und Generalsekretärin die Senegalesin Fatma Samoura, installiert, die gerade bei Elfmeterschießen gegen Italien in Bordeaux dem CDU-DFB-Präsidenten Reinhard Grindel um den Hals gefallen ist?

Na klar.

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The Organized Crime Syndicate called FIFA

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Habt Spaß, liebe Leute.

Die Aufarbeitung des kriminellen, weltumspannenden FIFA-Systems ist immer noch am Anfang, auch wenn in diesen Minuten Jeffrey Webb verurteilt wird (Quatsch, heute morgen kam die Meldung, dass sein Urteilsspruch auf November vertagt wurde). Soeben ein Befreiungsschlag (AUCH um Infantino aus der Schusslinie zu nehmen) aus dem Home of FIFA, wo man bislang ja immer behauptet hat, die FIFA sei alles, nur keine RICO, also keine von Gangstern dominierte vollkorrupte Organisation.

Ooops, vielleicht muss die Kanzlei Quinn Emanuel Urquart & Sullivan, die mindestens zehn Mio CHF monatlich am Klienten FIFA (und neuerdings auch am CONMEBOL et al) kassiert, diese Einschätzung revidieren. Das, was die QEUS-Anwälte William Burck und Thomas Wehrlen vor wenigen Minuten ausgewählten Journalisten auf einer Telefonkonferenz präsentierten, lässt keinen anderen Schluss zu:

Für Joseph Blatter, Jérôme Valcke und Markus Kattner (und andere) war diese FIFA ein Selbstbedienungsladen. Blatter, Valcke und Kattner haben allein zwischen 2011 und 2015 mindestens 79 Millionen Schweizer Franken kassiert. Da kann noch einiges hinzukommen. Das Department of Justice und die Bundesanwaltschaft, die gestern mal wieder im Home of FIFA und besonders in Kattners ehemaligem Büro zu Gast war, werden die neuen Infos in Strafermittlungen einfließen lassen.

Nur mal kurz die WM-Prämien, die sie sich meist selbst zuschanzten, angeblich unter Umgehung der juristischen Abteilung (Marco Villiger, ist das zu glauben?)

wc boni blatter valcke kattner

Ich begleite das Treiben heute bei Spiegel Online und auch ein bisschen hier. Ich werde diesen Eintrag bis spätabends ergänzen.

Zunächst die Dokumente, macht Euch doch selbst ein Bild:

Contract Overview Chart1

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Arrivederci, Gianni! Uff wiederluege, Herr Infantino!

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Und es geht weiter. Ticktack, ticktack, ticktack … die Zeit des Gianni Infantino als FIFA-Präsident, der sich eben noch superstolz mit Papst Franziskus und Vlad Putin getroffen hat, dürfte bald abgelaufen sein.

Im Schnitt waren acht FIFA-Präsidenten seit 1904 je vierzehn Jahre im Amt. Kann sein, dass Infantino nicht mal vier Monate schafft.

Wollte heute Abend entspannt meine harmlosen Zusammenfassungen der vergangenen Tage bloggen und einige Links empfehlen, da beginnt die Uhr für den lieben Gianni, der offensichtlich nicht der Smarteste ist, ganz heftig zu ticken.

Zusammengefasst:

  1. Erst schmiedet er erfolgreich einen Komplott, um Domenico Scala aus den Ämtern zu drängen.
  2. Dann beauftragt er offenbar den Rechtsdirektor (und nunmehrigen stellvertretenden Generalsekretär) Marco Villiger damit, die Audio-Datei des Council-Meetings in Mexiko löschen zu lassen.
  3. Gleichzeitig ergeht Auftrag, dass die sonstigen Protokollschreiber nichts machen sollen, sondern ein treuer Diener aus dem Präsidentenbüro offenbar gefälschte Minutes erstellt, die mit der Wirklichkeit nicht mehr viel zu tun haben.
  4. Zwei Millionen Gehalt sind ihm übrigens zu wenig – ein solches Angebot (von Scala festgesetzt und eigentlich nicht verhandelbar) bezeichnete er im Exko/neu: Council als „Beleidigung“.
  5. Das alles garniert mit ungezählten Wahrheitsbeugungen und perfider Propaganda aus dem Home of FIFA, wo die Propaganda-Abteilung seit dem 27. Mai 2015 fast verstummt war (und das war auch gut so), jetzt aber zu neuem Leben erwachte – in unsäglicher Tradition.
  6. (Dazu noch viele Altlasten aus der UEFA, dubiose Netzwerke und Personen, die Panama Papers, die Behinderung und Verhinderung früherer FIFA-Reformen, die Beleidigungen in Richtung Theo Zwanziger und und und und …)

Das alles mag strafrechtlich nicht relevant sein. Nach der kriminellen Vorgeschichte der FIFA und ihrer Funktionäre/Kontinentalverbände dürfte das aber für einen gepflegten Rücktritt oder gar Rausschmiss reichen.

Gemäß Meldungen von Tim Röhn in der Welt und Mario Stäuble im Tages-Anzeiger steht eine Suspendierung des FIFA-Präsidenten durch die Ethikkommission unmittelbar bevor. Selbst wenn es dazu (noch) nicht kommen sollte. Der Email-Verkehr lässt kaum Fragen offen. Allenfalls die nach dem Geisteszustand von Infantino. Obwohl: als sonderlich smart ist er nie beschrieben worden.

Gegenüber der Welt gab die FIFA-Propagandaabteilung bis zur Erstveröffentlichung keine Stellungnahme ab. Gegenüber dem Tages-Anzeiger erklärte man, es habe sich lediglich um eine Kopie der Audio-Datei gehandelt.

Nun ja.

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live-Blog aus Zürich: und der neue FIFA-Präsident heißt Gianni Infantino

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ZÜRICH. Ehrlich gesagt kann ich nicht versprechen, dass ich noch weiß, wie dieses Bloggen geht. Aber ich versuche es einfach mal, einverstanden? Und deshalb mache ich diesen Thread auf, fülle vielleicht noch heute Nacht einiges auf – so richtig dann ab Freitagmorgen, wenn in Zürich ab 9.30 Uhr der außerordentliche FIFA-Kongress tagt, um zumindest eine Überlebensfrage zu entscheiden, die der Reformen/Statutenänderungen (geht souverän durch), um mit einer anderen wichtigen Abstimmung, der Wahl des neuen und neunten FIFA-Präsidenten (wenn man den Interims-Schmiergeldempfänger Issa Hayatou nicht zählt), gleich wieder gegenzulenken – sollte nämlich Scheich Salman aus Bahrain gewählt werden.

Die Lage habe ich gegen Mittag mal für SpOn sondiert („Der Scheich und seine Königsmacher“), keine Ahnung was diese letzte Nacht bringt. Warum sollten ausgerechnet jetzt noch einige Funktionäre und Strippenzieher von Moral-Attacken geplagt werden, die dazu führen könnten, doch nicht für Scheich Salman das Kreuzchen zu machen?

Keine Frage, ich fände es fantastisch und nur konsequent, wenn der Menschenschinder aus dem bahrainischen Königshaus den Weltkonzern FIFA übernähme. Da halte ich es mit James Dorsey, der seit Monaten sagt: mit Salman würde der Karren gegen die Wand rasen. Das wäre das Ende der FIFA.

Wäre bestimmt lustig zu beobachten.

Schaun mer mal.

Was man wissen soll zum heutigen Tag, stellt die FIFA so dar:

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Nachrichten aus Absurdistan: Russlands Sportminister Witali Mutko reagiert auf den WADA-Bericht

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Einfach mal anschauen und versuchen zuzuhören. Dubiose Typen wie Witali Mutko zählen zu den mächtigsten Figuren des olympischen Weltsports (und den wichtigsten Unterstützern des amtierenden IOC-Präsidenten). So also reagiert Russlands Sportminister, auch FIFA-Exekutivmitglied, auf kriminelle Doping-Fakten:

Wenn ich mich recht erinnere, dann hat sein alter Kumpel (aus St. Petersburger Zeiten) und Ewig-Boss Wladimir Putin kürzlich auf einer IOC-nahen Veranstaltung in Moskau im Beisein des IOC-Präsidenten Thomas Bach (UDIOCP) die Erweiterung einer UN-Resolution angeregt:

We consistently support the idea that sport is outside politics.“

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Black Monday (II): WADA-Bericht zu kriminellen Aktivitäten der Diacks und Russlands Staatsdoping

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Auch das wird ein live-Blog (neben den DFB-Notizen). 15.00 Uhr geht es los in Genf. Und da sage noch einer, harte journalistische Arbeit habe im Sport keine Folgen:

Die Vorgeschichte (1):
Auch das wird ein live-Blog (neben den DFB-Notizen). 15.00 Uhr geht es los in Genf. Und da sage noch einer, harte journalistische Arbeit habe im Sport keine Folgen:

Die Vorgeschichte (1):

Die Vorgeschichte (2):

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live aus Zürich: Vorstandssitzung des Crime Syndicates FIFA

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ZÜRICH. Grüezi. Es wird wieder ein heißer Tag in Zürich – wie seit Wochen nun schon. Ich werde rund um die außerordentliche Sitzung des FIFA-Exekutivkomitees den ganzen Tag über live bloggen. Notizen, Beobachtungen, Erklärungen, Links, schräges und dummes Zeug, hoffentlich einige Einordnungen – und bestenfalls sogar hilfreiche Gedanken. Twitter ist wie immer inklusive.

Viel Vergnügen.

Crime Syndicate steht in der Überschrift. Hart aber angemessen.

Interessant wird schon mal sein, wer aus dem Exekutivkomitee auf die Reise nach Zürich verzichtet, eventuell aus Sorge, von der Polizei festgenommen zu werden. Wolfgang Niersbach, der oberste Opportunist des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der sich dieser Tage zahlreicher relativ flacher und mitunter hymnischer Würdigungen in deutschen Medien erfreut, wird im Home of FIFA zugegen sein, davon gehe ich aus.

Die Tagesordnung ist überschaubar:

AGENDA of the extraordinary meeting of the FIFA EXECUTIVE COMMITTEE at the Home of FIFA, Zurich

TOP I: Welcome by the President…, gez. Valcke, Serienlügner Secretary General

Joseph Blatter hat also weiter das Kommando, trotz angekündigten Beiseitetretens auf einem außerordentlichen Wahlkongress, der gemäß Traktandenordnung heute einberufen werden soll. Schaun mer mal.

Für 10.30 Uhr haben SKINS Chairman Jaimie Fuller und #NewFIFAnow gemeinsam mit dem Internationalen Gewerkschaftsbund (IGB/ITUC), dem Kampagnen-Netzwerk Avaaz („Rote Karte für Sepp Blatter“) und Transparency International (TI) zur Pressekonferenz ins nahe gelegene Sorrell Hotel Zürichberg geladen – dort hatten Ende November/Anfang Dezember 2010 die australischen WM-Bewerber für 2022 logiert, die vom FIFA-Exekutivkomitee mit einer lausigen Stimme abserviert worden sind.

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Neues Ungemach für das Crime Syndicate FIFA: Coca-Cola fordert eine unabhängige Führung

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Anders als beim ewigen FIFA-Partner Adidas, der treu zu Joseph Blatter, zur FIFA und zum DFB hält, regt sich bei amerikanischen Sponsoren erster ernstzunehmender Widerstand. Ende Juni hatte es sich bereits angedeutet, dass Coca-Cola vorpreschen würde. Am 9. Juli hat die Coca-Cola Company in einem Brief an die FIFA-Führung verlangt, den so genannten Reformprozess von einem wirklich unabhängigen Komitee kontrollieren zu lassen – das wäre dann auch das Ende der Regentschaft Blatter, denn der ewige Sepp regiert ja trotz seines angekündigten Rückzugs (dem inzwischen etliche Headlines über angebliche Rückzüge vom Rückzug folgten) noch immer im Home of FIFA auf dem Zürichberg.

Die Nachricht von der Coca-Cola-Initiative, die natürlich viel zu spät kommt, aber immerhin, geht gerade um die Welt. Owen Gibson hat sich im Guardian ausführlich dazu geäußert:

Dies wurde heute, drei Tage vor der Sitzung des FIFA-Exekutivkomitees am Montag in Zürich, in einem Brief von Coke-Direktor Brent Wilson bestätigt. Wilson schrieb an Sharan Burrow, die Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB/ITUC).

On July 9th, 2015, The Coca-Cola Company formally requested FIFA leadership to support an independent, third-party commission overseen by one or more eminent, impartial leaders to manage the efforts necessary to help reform FIFA’s governance and its human rights requirements. We believe that establishing this independent commission will be the most credible way for FIFA to approach its reform process and is necessary to build back the trust it has lost.“

Was ist „unabhängig“? Das bleibt eine der Kernfragen. Die FIFA hat schon etliche Kommissionen und Komitees „unabhängig genannt.

Als Aperçu der Brief von Coca-Cola an den IGB …

Dieses Blog gibt es nun auch im Abonnement – bei LaterPay (Optionen weiter unten) und im Shop. Erste Archivbeiträge sind nur noch gegen einen kleinen Obolus zu haben.

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Hearing in Washington: FIFA as a „mafia style crime syndicate“

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What has been revealed so far is a (FIFA) mafia-style crime syndicate in charge of the sport. my only hesitation in using that term is … it is almost insulting to the mafia.“

Senator Richard Blumenthal (D-CT)

Wer es gestern Abend verpasst haben sollte, sich aber für den Fortgang des FIFA-Krimis interessiert, sollte sich Popcorn holen und dann zwei Stunden in diesem Filmtheater genießen. Die Anhörung vor dem US-Senatsausschuss für Handel, Wissenschaft und Transport zum Thema „Examining the Governance and Integrity of International Soccer“.

In den Hauptrollen:

  • Andrew Jennings (seine Texte hier im Blog)
  • Dan Flynn (CEO US Soccer)
  • Sunjeev Bery (Amnesty International)
  • Michael Hershman (Fairfax Group, ICSS/Katar, ehemals Reformkomitee der FIFA)
  • Senator Richard Blumenthal (D-CT)
  • Senator Jerry Moran (R-KS, seine einleitende Rede)

Das Video-Protokoll:

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Match-Fixing und der Sport: Dämonen in Schlüsselpositionen

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In der Diskussion über den Sport und die Wettmafia werden die Korruption und Verbrechen begünstigenden Strukturprobleme der Sportbranche und ihrer Funktionäre vernachlässigt.

[Ich habe für die Themenseite im Politikteil der Basler Zeitung eine Betrachtung zum Sportgeschäft und dem Wettbetrug geschrieben. Habe nicht zum ersten Mal darauf hingewiesen, dass mit der mediale Aufschrei immer etwas zu laut ist und es mir an Analyse fehlt, wenn über den Zugriff der Wettmafia berichtet wird. Denn das Sportgeschäft ist in weiten Teilen quasi mitschuldig an der Situation, weil die intransparenten, teils vorsintflutlichen Strukturen jedwede unsauberen Machenschaften begünstigen. Gewiss gibt es da beträchtliche Unterschiede etwa zwischen den herkömmlich als Verein notierten Weltverbänden und moderneren Unternehmen, wie etwa der DFL. Selbst zwischen DFL und DFB. Derlei Unterschiede müssten sauberer heraus gearbeitet werden – ich konzentriere mich mit ein paar Gedanken wie immer mehr auf den olympischen Sport, also das IOC und die 35 olympischen Weltverbände. Habe noch nicht mal die vielen hochrangigen Funktionäre erwähnt, die selbst im Glücksspiel- und Sportwettengeschäft tätig sind. Es ist eine Anregung, kann man alles besser ausarbeiten, wie immer, aber gewiss genug Stoff für eine sinnvolle Diskussion.]

Die Aufregung war groß, als die Europäische Kriminalbehörde Europol vorvergangene Woche alarmierende Zahlen zum globalen Wettbetrug im Fußballbusiness präsentierte. Von 680 verschobenen Spielen weltweit, 425 verdächtigen Spielern, Schiedsrichtern und Funktionären und vom „größten Betrug aller Zeiten“ war die Rede. Dabei hatte Europol-Direktor Rob Wainwright, der stets Kameras und Blitzlichter sucht, doch munter alte und neue Zahlen, aufgeklärte und unaufgeklärte Fälle vermengt – und Ermittler in aller Welt damit verärgert. Der Sinn dieser PR-Nummer erschloss sich nicht vollends. Die Sinnhaftigkeit eines koordinierten Kampfes gegen die Wettmafia ist aber gegeben, und zwar auf allen Ebenen.

Ja, die Wettpaten – ob nun aus Singapur, Thailand, China oder Südosteuropa –, sind eine Gefahr. Ja, die Welt ist klein geworden, moderne Kommunikationsmittel erleichtern Großganoven das Abkassieren. Nur: Das alles ist nicht neu. Das weiß man seit vielen Jahren. Das weiß man aus zahlreichen Prozessen, ob nun in Bochum oder im vergangenen Jahr in Bellinzona. Jenseits der Aufgeregtheiten des Tagesgeschäfts empfiehlt sich deshalb eine Analyse der Lage. Und die sollte mit zwei grundsätzlichen Beobachtungen beginnen.

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