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Tokio, was vom Tage übrig bleibt (29. Juli 21): die rassistische Kehrtwende

URAYASU. Ich weiß nicht, ob es Kameltreiber auf Fidschi gibt. Mir ist egal, welchen rassistischen Spruch ein dummer deutscher Radsportfunktionär möglicherweise für die Rugby-Olympiasieger aus dem Pazifik parat hätte. Doch diese Banknote zu Ehren der Flying Fijians wollte ich Ihnen nicht vorenthalten, vielleicht wird der Schein nach dem zweiten Olympiasieg neu aufgelegt – oder die Reserve Bank of Fiji macht gleich eine Serie draus.

Reserve Bank of Fiji

Eine Sieben-Dollar-Münze wurde nach dem ersten Erfolg in Rio de Janeiro auch herausgegeben.

Und diese Nationalhymne erst!

Schweigen, lächeln, genießen.

Es wird kaum schöner werden bei diesen Olympischen Corona Spielen:

Systemversagen des deutschen Verbandssports

Der deutsche Sport steht vor gewaltigen Herausforderungen. Wer glaubt, die Wogen würden sich glätten, nur weil Alfons Hörmann (CSU) vor einigen Wochen unter Druck angekündigt hat, bei den anvisierten Neuwahlen im Dezember 2021 nicht wieder als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) zu kandidieren, der irrt gewaltig und hat die Dimension des Problems nicht begriffen.

Aufstand im deutschen Sport? Abschied von DOSB-Präsident Alfons Hörmann (CSU)

PyeongChang 2018

Na endlich. Es hat viel zu lange gedauert. Nun handeln offenbar einige Mitarbeiter*innen aus der DOSB-Zentrale in Frankfurt am Main und erklären in einem Offenen Brief, warum der DOSB einen neuen Präsidenten braucht. (Nachrangig: Ich benutze keine Sternchen, im Brief stehen Sternchen.)

Die Absender des Papiers bleiben anonym. Der Inhalt des Schreibens klingt sehr nach DOSB und offenbart Insiderwissen.

Der DOSB behauptet inzwischen, das Schreiben sei von einem „Fake-Mail-Account“ verschickt worden. Was immer man darunter verstehen mag. Diese Mitteilung des DOSB wurde bundesweit zitiert:

„Wir bestätigen den Eingang einer anonymen Mail, die von einem Fake-Mail-Account versandt wurde. Von den im Adressatenkreis angesprochenen Mitgliedern des Präsidiums und des Vorstands haben nur einige dieses anonyme Schreiben erhalten. Wir werden die Hintergründe prüfen.“

Korrekt wäre: gesendet von einem Account eines Anbieters, der sichere und vertrauliche Emails offeriert – es ist logisch, dass derlei Schreiben nicht von offiziellen DOSB-Postfächern verschickt werden. Den Anbieter Mailfence kenne ich nicht aus praktischer Erfahrung, sehe bislang nur, dass Mailfence ziemlich gute Bewertung in Sachen Sicherheit und Privatsphäre bekommt – und genau darauf kommt es in solchen Fällen besonders an.

Zur Debatte um den DOSB und Alfons Hörmann habe ich in den vergangenen Monaten einiges beigetragen – und recherchiert. Wer nachlesen möchte:

Manche Recherchen wurden von Drohungen der von Hörmann/DOSB beauftragten Anwaltskanzlei begleitet. Und siehe, einige Details, etwa der (angebliche) Umgang mit jungen weiblichen Mitarbeitern in der Zentrale, werden in dem Papier thematisiert.

Hier der (anonyme) Offene Brief, der heute Vormittag verschickt wurde:


Warum wir eine/n neue/n Präsident*in brauchen: Offener Brief aus der Mitarbeiterschaft des Deutschen Olympischen Sportbundes

An das Präsidium des DOSB
An den Vorstand des DOSB
in Kopie: an den Betriebsrat des DOSB

Sehr geehrte Mitglieder des DOSB-Präsidiums, sehr geehrte Mitglieder des DOSB-Vorstands,

als Dachverband des deutschen Sports stehen wir für sportliche Höchstleistungen. Noch mehr stehen wir jedoch für Werte. Sport ist mehr als Gewinnen. Und so arbeiten wir Mitarbeiter*innen täglich hart daran, daß wir diesen Wertekompass in Sportdeutschland mit Leben füllen. Allen voran steht dabei: Respekt und Fairplay. Ohne dies geht es im Sport nicht.

Und genau dies, Respekt und Fairplay, vermissen wir jeden Tag in unseren Führungsgremien, vor allem bei unserem Präsidenten Alfons Hörmann. Bei uns Mitarbeiter*innen hat eine schier endlose Reihe von zweifelhaften Verhaltensweisen, geprägt von einem uns gegenüber herablassenden Auftreten, dazu geführt, daß wir unsere Stimme hörbar machen wollen.

Die gestrengen Urteile der FIFA-Ethiker zu Beckenbauer, Schmidt und Zwanziger #Sommermärchen

Es wird immer lustiger. Erst die olympische Pleite für NRW 2032, nun drei Schriftstücke der putzigen FIFA-Ethikkommission zu Franz Beckenbauer, Horst R. Schmidt und Theo Zwanziger in der Sommermärchen-Affäre.

Viel Vergnügen bei der Lektüre, bin gespannt auf Eure/Ihre Beobachtungen und gehe am Abend auf einige Punkte ein. Bitte ganz nach unten scrollen …

Franz Beckenbauer:

ac-1-2020-02-02-2021-franz-beckenbauer

Jung stirbt, wen die Götter lieben? Studie zur Mortalität deutscher Olympiateilnehmer

Deutsche Olympiateilnehmer (#Sportdeutschland) sterben früher als der Durchschnitt der Bevölkerung. Deutsche Olympiasieger sterben früher als Sportler, die bei den Spielen keine Medaillen gewinnen. Unter Olympiateilnehmern haben Frauen eine höhere Überlebenschance als Männer. Das sind Ergebnisse einer Studie von Lutz Thieme, die die Mortalitätsrate aller 6.066 Deutschen bei den Olympischen Spielen 1956 bis 2016 untersucht und ins Verhältnis zur jeweiligen Gesamtbevölkerung setzt. 

Eine derartige Untersuchung gab es hierzulande noch nicht. Überraschend dabei: Die Sterblichkeitsrate unter Olympiateilnehmern aus dem Westen des Landes ist größer als unter jenen aus dem Osten. Wobei Olympiasieger aus dem Osten wiederum eine deutlich geringere Überlebenswahrscheinlichkeit als westdeutsche Olympiasieger haben.

Strandkongresse und Strafprozesse – das Olympiajahr 2020

Es ist ein olympisches Jahr. Es wird ein spannendes Jahr. Olympischer Showsport, Kongresse, Kriminalität und globale Sportpolitik – eine kleine Vorschau:

Fussball-WM mit 48 Teams: Sieg für João Sepp Infantino

[caption id="attachment_29422" align="aligncenter" width="1024"]Foto: President of Russia Foto: President of Russia[/caption]

Der Fußball-Weltverband FIFA steht vor der bislang schlagzeilenträchtigsten Entscheidung unter dem Präsidenten Gianni Infantino. Der 46jährige Schweizer ist seit 26. Februar 2016 im Amt. Am Dienstag tagt ab 9 Uhr der FIFA-Vorstand, neuerdings Council genannt. Das Council wird Infantino nicht nur mit großer Mehrheit, sondern wohl sogar einstimmig unterstützen: Ab 2026 wird das Finalturnier der Männer-WM, wahrscheinlich in den USA, mit 48 Mannschaften gespielt.

Infantino schreibt Sportgeschichte.

Er bewegt sich damit in der Tradition eines seiner Vorgängers, des schwer korrupten Brasilianers João Havelange. Dieser hatte sich 1974 unter anderem mit dem Versprechen zum FIFA-Präsidenten wählen lassen, die Endrunde von 16 auf 24 Teams auszuweiten. Ein 24er Turnier wurde von 1982 bis 1994 gespielt. Als sich Havelange nach 20 Jahren gegen einen Putschversuch seines damaligen Generalsekretärs Joseph Blatter wehren musste, rettete er sich in seine letzte vierjährige Amtszeit, in dem er das WM-Turnier ab 1998 mit 32 Mannschaften austragen ließ.

An derlei Usancen der Stimmenbeschaffung knüpfte Infantino an, als er im Herbst 2015, damals noch Generalsekretär der Europäischen Fußball-Union UEFA, seine Kandidatur für den FIFA-Vorsitz eröffnete. Infantino kannte das Spiel: Denn in der UEFA war die Endrunde ebenfalls ausgeweitet worden, von 16 auf 24 Mannschaften, weil der damalige Präsident Michel Platini sein Wahlvolk bedienen musste. Infantino hatte diesen Beschluss durchzusetzen.

Als die UEFA später Schwierigkeiten hatte, Bewerber für das kontinentale Mammut-Turnier zu finden, zauberten Platini und Infantino die Lösung aus dem Hut, die Euro 2020 in dreizehn Ländern auszutragen. Die EM 2024 wird dann wohl wieder von einer Nation ausgerichtet. Die größten Chancen hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit seiner Bewerbung. Und diese Offerte ist untrennbar mit dem Beschluss des FIFA-Councils am Dienstag in Zürich verbunden.

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[caption id="attachment_29425" align="aligncenter" width="724"]Zirkularschreiben 1572 an die 211 FIFA-Nationalverbände, S. 1 Zirkularschreiben 1572 an die 211 FIFA-Nationalverbände, S. 1[/caption]

[caption id="attachment_29427" align="aligncenter" width="724"]Zirkularschreiben 1572 an die 211 FIFA-Nationalverbände, S. 2 Zirkularschreiben 1572 an die 211 FIFA-Nationalverbände, S. 2[/caption]

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Es läuft auf die von Infantino favorisierte Variante mit 4 Teams in 16 Dreiergruppen hinaus.

WM 2006: Skandalverband DFB „hinterfragt die Zuständigkeit des Deutschen Bundestages kritisch“

ZÜRICH. Eigentlich kümmere ich mich hier um die FIFA. Aber FIFA-Skandale sind ja auch DFB-Skandale und sind UEFA-Skandale.

Aus Deutschland kommt also die Kunde, dass der DFB seine Teilnahme an einer Sitzung des Sportausschusses des Bundestags abgesagt hat. Im Dezember sollte einmal mehr über die Aufarbeitung der bislang ungeklärten Millionen-Zahlungen, Wahrheitsbeugungen und Lügen, Millionenhonorare für einen Ehrenamtler usw usf geredet werden.

Doch der DFB mag nicht.

Der DFB zweifelt die Zuständigkeit des Sportausschusses bzw „des Deutschen Bundestages“ an.

Lesen Sie das Schreiben des DFB-Generalsekretärs Friedrich Curtius an die Vorsitzende des Sportausschusses, die SPD- und DLV-Vertreterin Dagmar Freitag:

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Dazu sollte man wissen, dass der amtierende DFB-Präsident Reinhard Grindel (CDU), der nach den SPIEGEL-Enthüllungen und dem dadurch erzwungenen Rücktritt von Wolfgang-ich-kann-mich-nicht-erinnern-Niersbach ins Amt kam und Niersbach nun auch in UEFA und FIFA-Vorständen beerben will, dass dieser Grindel also selbst Mitglied des Deutschen Bundestages und des Sportausschusses war.

Okay, kein vorbildliches Mitglied vielleicht, aber Mitglied.

Was vom Tage übrig bleibt (99): UEFA-Krönung von Ceferin, weitere Millionen für Beckenbauer

Er hat es wenigstens versucht:

Natürlich wollte mir Aleksander Ceferin, der gleich neuer UEFA-Präsident wird, vergangene Woche in Kopenhagen nicht so einen Aufsager machen wie Michael van Praag. Auch das unterscheidet die beiden.

Der 12. Außerordentliche UEFA-Kongress, der Wahlkongress, hat soeben in einem Resort nahe der griechischen Hauptstadt Athen begonnen – mit einer Rede des wegen korruptionsverdächtiger Millionenzahlungen gesperrten ehemaligen UEFA-Präsidenten Michel Platini.

Unfassbar.

Dies wird ein kleines live-Blog, den UEFA-Kongress, gerade wird die Anwesenheit der 55 Nationen überprüft, verfolge ich im Internet und in ständigem Austausch mit meinen Vögelchen dort unten in Griechenland. Muss mich gerade um wichtigere fußballerische Belange kümmern – um das deutsche Ehrenamt zum Beispiel, das Sommermärchen-Team des SPIEGEL meldet sich mit einer kleinen Enthüllung, die Schlagzeilen macht:

live aus Kopenhagen, Kampf um die UEFA-Präsidentschaft: Aleksander Ceferin vs Michael van Praag

KOPENHAGEN. In der Nacht wurden in Rio die Paralympics eröffnet, ohne den deutschen IOC-Präsidenten, was man durchaus als skandalös bezeichnen kann, wie Thomas Bach seit einem Monat dem IPC und damit auch den Paralympischen Spielen die kalte Schulter zeigt. Dazu dieser Tage mehr. Heute aber melde ich mich aus dem Hilton Hotel am Flughafen Kastrup in Kopenhagen: Dort präsentieren sich die verbliebenen beiden Kandidaten für die Präsidentschaft in der Europäischen Fußball-Union UEFA den nordischen Fußballverbänden und einigen Journalisten:

Der Holländer Michael van Praag und der Slowene Aleksander Čeferin.

Der dubiose Interims-Präsident und FIFA-Vize Ángel María Villar Llona ist vorgestern Abend von der Kandidatur zurückgetreten. Warum? Wer steht hinter van Praag, wer hinter Čeferin? Was haben die Kandidaten zu sagen? Welche Machtspielchen und Deals laufen im Hintergrund? Was haben die Kandidaten zu bieten?

Dazu heute mein Live-Blog von einem außergewöhnlichen kleinen aber feinen Event in Kopenhagen – aus erster Hand.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Franz Beckenbauer et al …

… und man möchte fragen: Erst jetzt? Dass es diese Ermittlungen u.a. wegen des Verdachts auf Geldwäsche und ungetreue Geschäftsbesorgung geben müsse, erzähle ich seit knapp einem Jahr. Das war seit Veröffentlichung unserer ersten SPIEGEL-Titelgeschichte im Oktober 2015 klar. Damals löste schon der Fragenkatalog, den wir an Wolfgang Niersbach (seinerzeit noch DFB-Präsident, noch FIFA- und UEFA-Exekutivmitglied) und zahlreiche andere Funktionäre geschickt hatten, nichts als Panik aus.

Und tatsächlich wurde das Verfahren bereits am 6. November 2015 eröffnet.

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