berlin 2000

Paradoxon Olympia 2032: Berlin ist draußen, NRW ist ein Kandidat, ohne zum Kandidaten gekürt worden zu sein.

Wer die Diskussion um die Olympischen Sommerspiele 2032 und einen Kandidaten Nordrhein-Westfalen verstehen will, muss umdenken und sollte die Chronik der Olympiavergaben seit 1991 studieren. Wir sind es gewöhnt, Olympiabewerbungen in jenen Kategorien und unter jenen Regeln zu betrachten, die das IOC Anfang der 1990er Jahre festgezurrt hatte. Viele dieser Grundsätze gelten aber nicht mehr.

Insofern ist NRW im Grunde schon ein Olympia-Kandidat, schlicht und einfach, weil sich dort ein Ministerpräsident (Armin Laschet/CDU), ein vorzüglich vernetzter Sportvermarkter (Michael Mronz/FDP) und 14 OberbürgermeisterInnen committed haben, wie es auf Neudeutsch heißt. Anfang des Jahres machten Laschet, Mronz und Veronika Rücker, die Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), dem IOC-Präsidenten Thomas Bach (FDP) in Lausanne ihre Aufwartung. Seitdem ist #NRW2032 quasi im Rennen, obwohl es noch keinen Grundsatzbeschluss des DOSB gegeben hat, der gemäß IOC-Grundgesetz (Olympische Charta) allein über eine Bewerbung entscheidet. Obwohl es einen solchen Beschluss wohl frühestens 2021 geben wird.

Dann allerdings, danach sieht derzeit vieles aus, könnten die Sommerspiele 2032 schon vergeben sein.

Zu kompliziert?

Ich sage doch, was man bisher über Olympiabewerbungen kannte und zu wissen glaubte, kann man beinahe vergessen. Heute ist (fast) alles anders und das will ich in einem länglichen Beitrag ansatzweise erklären.

Wir alle müssen dabei umdenken und alte Kategorien streichen.

Am Beispiel NRW vs Berlin heißt das:

NRW ist ein Kandidat, ohne vom DOSB gekürt worden zu sein.

Berlin ist nichts, ohne vom DOSB dazu gekürt worden zu sein.

Gegen die Wand: Deutschland und seine Olympiabewerbungen #NRW2032


Heute hat NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) gemeinsam mit dem Eventmanager Michael Mronz (FDP-Mitglied wie der IOC-Präsident) ein Sportstättenkonzept für die Olympiabewerbung 2032 vorgestellt. Die Papiere finde ich online noch nicht, doch ein Kollege hat mir freundlicher Weise die Presse-Aussendung der Mronz-Agentur MMP Event GmbH geschickt.

Die MMP ist hundertprozentige Tochterfirma der 7Sports, die wiederum zur ProSiebenSat1 Group gehört. Damit sind, neben dem Mronz’schen FDP-Netzwerk, schon mal etliche Interessierte an diesem Bewerbungs-Bohei zu einem albernen Zeitpunkt genannt. Der Zeitpunkt ist deshalb schräg, weil das IOC nun gerade einen historischen Entscheid über die Sommerspiele 2024 und 2028 getroffen hat und das Bewerbungsprocedere für 2032 umkrempeln muss – und überhaupt.

In der Schalker Fußball-Arena soll, zum Beispiel, geschwommen werden.

[caption id="attachment_29745" align="aligncenter" width="1024"] Presse-Aussendung MMP Event GmbH[/caption]

Kann man mal machen.

Bisher sehe ich nicht viel mehr als eine Aufstellung von Stadien und Hallen, denen mal eben eine Olympiasportart zugeordnet wird. Das ist Kinderkram, was es wirklich braucht, skizziere ich gleich und habe es tausend Mal in den vergangenen Jahrzehnten skizziert.

Wobei der Netzwerker Mronz allerlei interessante Firmen in der „Rhein Ruhr Olympic City-Initiative“ vereint.

Hier also die gesammelten Pamphlete:

Vor ein paar Tagen wurde in der WAZ ein „Pro und Contra“ zu den vor allem von Mronz, aber auch von verantwortlichen Politikern in NRW forcierten Olympiaplänen 2032 veröffentlicht (interessant sind die Kommentare). Mir wurde dabei die Rolle des „Contra“ zugedacht, der ehemalige Olympiaschwimmer und heutige ZDF-Experte Christian Keller übernahm das „Pro“. Ich mag derlei Titulierungen nicht. Wer meinen Text aufmerksam liest, wird unschwer erkennen, dass es nicht um ein „Contra“ geht, sondern dass ich schlicht Fakten benenne und zu beschreiben versuche, warum der erste und vielleicht auch zweite und dritte Schritt nötig ist – und nicht gleich der vierte oder fünfte. Was aus NRW regelmäßig vermeldet wird, ist größtenteils absurd, denn da versuchen Lokalgrößen und Landes-Parlamentarier gewissermaßen schon Sportstätten und olympische Trainingsstätten für 2032 zu verteilen.

Herrgottnochmal. Begreifen es diese Leute eigentlich nie?

Deutschland braucht dringend ein nationales Sportkonzept, das auf breiter Basis diskutiert worden wäre, nicht nur in den Hinterzimmern von DOSB und BMI. Deutschland braucht als Bestandteil dieses Konzepts eben auch ein Konzept für Großveranstaltungen. Andere Länder, die vergleichsweise demokratisch strukturiert sind, haben das seit Jahrzehnten. Kanada zum Beispiel. Derlei Fragen habe ich ausführlich schon vor Jahren im IOC-Ebook „Macht, Moneten, Marionetten“ diskutiert und mit zahlreichen Dokumenten und originären Statistiken wie dem Olympic Power Index belegt.

[caption id="attachment_29729" align="aligncenter" width="864"] WAZ, 4. Juli 2017[/caption]

In diesem Textlein habe ich mich kurz und knapp auf die Frage eines bundesweiten Konzepts und das typische deutsche olympische Gegendiewandfahren konzentriert. Minimal überarbeitet:

Olympiabewerbung Berlin (2000): „Unkultur im Umgang mit öffentlichen Mitteln“

Berlins Sport- und Politikfürsten biedern sich beim DOSB an, schalten Anzeigen in Berliner Tageszeitungen, beugen sich einem skandalös-intransparenten Verfahren, machen mit öffentlichen Mitteln Stimmung für die angeblich repräsentative Umfrage in der kommenden Woche und sind auch sonst sehr kreatief darin, zum Beispiel Olympiakosten zu verschleiern.

Da ich dem ulkigen Glauben anhänge, olympische Gegenwart und Zukunft habe etwas mit olympischer Vergangenheit zu tun, werde ich in den nächsten Tagen und Wochen immer mal ein süßes Dokument aus dem Fundus vergangener deutscher Olympiabewerbungen posten.

Beginnen möchte ich mit einem meiner Lieblingspapiere überhaupt, mit dem Bericht des Landesrechnungshofes Berlin zu Verschleuderung von öffentlichen Mitteln während der Berliner Olympiabewerbung 2000. Es wurden weitgehend unkontrolliert 51.305.684,12 DM verpulvert:

  • 40,3 Millionen aus dem Berliner Haushalt und
  • weitere elf Millionen vom Bund.

Niemand wurde zur Verantwortung gezogen.​ Diese gemäß Rechnungshof „Unkultur im Umgang mit öffentlichen Mitteln“ wurde auch während der Leipziger Olympiabewerbung 2012 von Buchprüfern gerügt.

Lesen. Staunen. Wundern. Begreifen.

Begreifen?

152 Seiten aus dem prallen olympischen Leben.

In Kurzfassung einige Kernaussagen aus dem Bericht, der sich liest wie eine Kopie des Leipziger Prüfungsberichts vom November 2003 bzw. umgekehrt:

Vancouver, Tag 5: Olympia mit Christian, Björn und Heidi

VANCOUVER. Mag sein, dass ich gestern nicht meinen besten Tag hatte und nicht ganz auf der Höhe war. Der Aussage von Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, wonach es in München seit dem Olympia-Attentat 1972 keinen dramatischen Zwischenfall mehr gegeben habe, hatte ich keine große Bedeutung beigemessen. Ein anderer schon. Und die Olympiabewerber wohl auch. Denn noch in der kanadischen Nacht wurde eine Stellungnahme veröffentlicht.

OB Ude bedauert Missverständnis

(16.2.2010) Auf der gestrigen Pressekonferenz der Olympia-Bewerberstädte in Vancouver gab eine Aussage von Oberbürgermeister Christian Ude Anlass zu einem Missverständnis.

Wie der Sport-Informationsdienst (sid) und die AZ berichten, hatte OB Ude in der auf englisch abgehaltenen Pressekonferenz erklärt, auf dem Oktoberfest hätte es noch keinen „major security incident“ gegeben.

Olympia 2018, die Ausgangslage: Pyeongchang vor Pyeongchang vor Pyeongchang

Das ist doch mal eine knackige Umfrage, die anderthalb Jahre läuft und im Laufe der Jahre, bis zum 6. Juli 2011, lässig den Umständen angepasst werden kann:

[poll id=“7″]

Stammgäste mag verwundern, dass ich Jack Warner und JMW diesmal nicht als Antwortoptionen angeführt habe. Mal sehen, welche Entwicklungen die Sportpolitik noch bereit hält. Ich denke, Jack ist bis Dezember 2010 zunächst mit den Geschäften um die Fußball-Weltmeisterschaften 2010, 2018 und 2022 voll ausgelastet.

Nun ganz sachlich:

Heute Morgen gibt das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Bewerberstädte für die Olympischen Winterspiele 2018 bekannt. (Nachtrag: Ich habe mich im Tag geirrt. Korrekt: Heute ist Bewerbungsschluss. Morgen Bekanntgabe und gleich auch PR-Party in München mit Vorstellung des Logos.) Da man eher nicht davon ausgehen sollte, dass ernst gemeinte Bewerbungen – es geht schließlich um Milliardenprojekte – in der letzten Minute in Lausanne abgegeben werden, wird es dabei bleiben, was ich seit Monaten erzähle: Seit drei Jahrzehnten hat es nicht so ein geringes Interesse an Winterspielen gegeben. Daraus erwachsen schon rein rechnerisch größere Chancen für alle ernsthaften und halbwegs ernsthaften Bewerber, also: Pyeongchang (Südkorea), München und Satellitengemeinden (Bayern) und Annecy (Frankreich).

Sollte nun tatsächlich noch eine Stadt wie etwa Almaty auf der Liste der Bittsteller auftauchen, darf man das getrost unter dem Faktor Folklore verbuchen. Die ehemaligen Sowjetrepubliken, allesamt Totaldemokratien, wie wir wissen, haben sich schon immer gern um Olympische Spiele beworben – oder haben so getan, als würden sie sich bewerben. Taschkent, Baku, Almaty oder einst St. Petersburg – es ging meistens darum, wie es ein schwedischer Staatsanwalt einst so hübsch formulierte: „Geld rein, Geld raus, und alles unter dem Deckmäntelchen Olympia.“

Die üblichen beiden Phasen einer Olympiabewerbung werden in diesem Fall verschmelzen:

Zeitplan Olympiabewerbung 2018
Phase 1 15.10.2009 Bewerbungsschluss beim IOC. DOSB hat München angemeldet
01.11.2009 Unterschrift des Candidature Acceptance Procedure
01.11.2009 Zahlung der Bewerbergebühr (Candidature Acceptance Fee) von 150.000 US-Dollar
2.-5.12.2009 IOC Seminar für Applicant Cities
12.-28.02.2010 Teilnahme der Bewerber am Olympic Games Observer’s Programme des IOC bei den Winterspielen in Vancouver
15.03.2010 Abgabe der Bewerbungsunterlagen und der Garantien beim IOC
bis Juni 2010 Prüfung der Unterlagen durch das IOC
7.-10.06.2010 Debriefing Vancouver 2010 in Sotschi, Teilnahme der Bewerber für 2018
Phase 2 Ende Juni 2010 IOC-Exekutive wollte über die Finalrunde entscheiden und aus Applicant Cities die Candidate Cities machen – das ist angesichts des geringen Interesses Formsache
11.01.2011 Abgabe des Bewerbungsbuches beim IOC
Frühjahr 2011 Besuche der IOC-Evaluierungskommission bei den Candidate Cities
Frühsommer 2011 Bericht der IOC Evaluierungskommission
06.07.2011 Wahl der Olympiastadt 2018 auf der 123. IOC-Session in Durban

Aus dem geringen Interesse an den Winterspielen 2018 sollte man nicht zu viel ableiten. Zum einen rekrutierte und dezimierte sich das Feld auf ganz unterschiedliche Weise, der Faktor Zufall spielte ebenso eine Rolle. Zum anderen sind es, wie der Name schon sagt: nur Winterspiele. In weiten Teilen des Planeten interessiert sich niemand dafür. Winterspiele sind, anders als der Gigantenwettstreit um die Sommerspiele 2016, den wir gerade in Kopenhagen erlebten, nun mal ein Minderheitenprogramm. Wo außerhalb Deutschlands und des deutschen Sprachraums interessiert man sich schon für Übungen wie Biathlon, Rodeln, Bobfahren? Hierzulande werden diese Disziplinen allerdings mit soldatischem Eifer von einer Hundertschaft Bundespolizisten und Sportsoldaten betrieben, übertragen öffentlich-rechtliche TV-Stationen tagelang x-beliebige Weltcupveranstaltungen, werden so viele umweltschädliche und die Umwelt verschandelnde Kunsteisbahnen unterhalten wie sonst nirgends auf der Welt, neuerdings wurde mit Steuermitteln in Oberhof gar eine Skilanglaufhalle errichtet. Ziemlich irre, das. Die Sinnfrage sollte man eher nicht stellen.

Einfältige Gemüter leiten nun aber gerade aus dieser Schwäche der Deutschen für derlei deutsche Übungen (etwa Schießen und Weglaufen, vulgo: Biathlon) exorbitante Olympiachancen ab. Einfältige Geister haben auch aus einer eher mangelhaft organisierten und schlecht besuchten Biathlon-WM vergangenen Winter in Pyeongchang abgeleitet, dass Münchens Olympiachancen gestiegen seien. Nun ja, derartige Gedankensprünge sind nicht ganz richtig, aber im Grunde doch grundfalsch. Will sagen: Wir bewegen uns auf dem Feld der internationalen Sportpolitik. Es empfiehlt sich, eher nicht von auf Sachargumenten basierenden Entscheidungen auszugehen.

Von Sachargumenten geleitet und mit sachdienlichen Informationen gespickt sollte allerdings in einem demokratischen Gemeinwesen eine Olympiabewerbung immer sein. Ich verweise gern noch einmal darauf, dass deutsche Bewerbungen dagegen seit Jahrzehnten an Intransparenz laborieren, an chronischer Intransparenz, wenn es um Finanzierungsfragen geht. Die Basis-Lüge war stets: eine Bewerbung würde „privat finanziert“. An den Beispielen Berlin 2000 und Leipzig 2012, zuvor auch Berchtesgaden, hat man gesehen, dass es sich tatsächlich immer etwas anders verhielt. Der „private“ Anteil an den Bewerbungskosten war verschwindend gering, wurde teilweise in Sachleistungen erbracht, hat den so genannten Sponsoren oft mehr direkte Aufträge eingebracht, als ins „Sponsoring“ investiert werden musste. Vor allem: Die wahren Kosten wurden den Steuerzahlern stets verschleiert, verheimlicht, Einblicke in Unterlagen verwehrt – und wenn es kritisch wurde, Staatsanwaltschaften vorsichtig „ermittelten“, sich Rechnungshöfe interessierten und parlamentarische „Untersuchungskommissionen“ notgedrungen aktiv werden mussten (nach journalistischen Recherchen), dann arbeiteten die Reißwölfe auf Hochtouren. Reißwölfe und Aktenschredder füttern – auch das ist eine olympische Disziplin. Ich empfehle das Buch: „Operation 2012, Leipzigs deutscher Olympiatrip„.

Und, ja, all die Unterlagen, die interessant sind aus den letzten Jahren (Berchtesgaden, Berlin, Leipzig), werde ich bis zur Entscheidung des IOC im Sommer 2011 in Durban hier selbstverständlich aufbereiten. Ich meine, wozu habe ich das Zeug denn gesammelt und so lange aufbewahrt. Wir wollen doch alle Spaß daran haben und etwas genauer erfahren, wie so etwas läuft.

  • An alle, die noch Informationen aus Berchtesgaden, Berlin und Leipzig haben, an alle, die Informationen über die Olympiabewerbung Münchens los werden wollen: Jede Zuschrift wird selbstverständlich vertraulich behandelt. Jedes Dokument wird sorgfältig geprüft und vor einer eventuellen Veröffentlichung so bearbeitet, dass keine Rückschlüsse auf den Informanten/Whistleblower möglich sind.

Ich darf das mal in eigener Sache sagen, bin ja hier der Hausherr: Tiefensee & Co würden noch heute viel dafür geben, dürften sie erfahren, wer meine Informanten waren, die mich während der Leipziger Olympiabewerbung 2003/2004 in die Lage versetzten, mit etlichen Exklusivgeschichten das Tempo zu bestimmen, phasenweise Transparenz herzustellen und die Bewerbung dadurch fast zu stoppen. Ja, noch so eine deutsche Konstante: Transparenz ist keine olympische Disziplin.

Wie die Leichtathletik-WM nach Berlin kam

[caption id="attachment_4652" align="aligncenter" width="544"]Jubel bei Schily, Wowi & Co. Happy End in Helsinki, Dezember 2004 — WM-Sieg für Berlin![/caption]

So war das damals, am 4. Dezember 2004, als das IAAF-Council die Leichtathletik-WM 2009 an Berlin vergab. Da freuten sich Otto Schily, Clemens Prokop, Klaus Wowereit, Klaus Böger, Dagmar Freitag und einige andere der üblichen Verdächtigen.

Der Weg zur WM war steinig und lang. Er war, nicht nur gelegentlich, kurios. Und oft genug auch aufregend. Ich habe mal eine kleine Chronik zusammengestellt, wie Berlin an diese WM kam. Es ist wirklich nur eine Andeutung der vielen Geschichten. Aus Zeitgründen kann ich kaum etwas verlinken. Ich habe selbst viel dazu in der Berliner Zeitung geschrieben, etliche Textpassagen finden sich in der Chronik.

Bundestag zu München 2018: “demokratiewidriger Striptease”?

Hoppala, eine neue Website taucht auf. Die der Olympiabewerbung von München und Satelliten für die Winterspiele 2018. Na ja, noch nicht ganz, aber ganz bestimmt bald wird das eine richtige Anlaufstelle für alle Informationshungrigen. Bestimmt finden sich dann dort auch sämtliche Finanzpläne, Hochrechnungen und etliche andere Dokumente. Gewiss.

[caption id="attachment_4075" align="aligncenter" width="299"]Screenshot muenchen2018.org www.muenchen2018.org[/caption]

Kurz vor dem Ende der Legislaturperiode soll übrigens im Bundestag noch flink ein Antrag zur Unterstützung der Münchner Olympiabewerbung durchgebracht werden. Die Drucksache 16/13481, eingebracht von den Fraktionen SPD, CDU/CSU und FDP, wird am Mittwoch vom Sportausschuss abgesegnet und gelangt einen Tag später ins Parlament. Im ersten von acht Unterpunkten des Antrages heißt es: Die Olympiabewerbung sei eine nationale Aufgabe. Im zweiten Punkt kommt es zum Kern: „Der Bundestag fordert die Bundesregierung auf, die Olympiabewerbung weiterhin zu fördern und zu unterstützen.“

Ten years after: IOC-Krisensession im März 1999

Vor vielen Worten zunächst zwei Dokumente.

Es jährt sich zum zehnten Mal eine IOC-Session, die als die schwierigste in der Geschichte des Internationalen Olympischen Komitees gilt. Am 17./18. März 1999 ging es ums Überleben. Das IOC war schwer gezeichnet von der Bestechungskrise um die Winterspiele in Salt Lake City. Es traf sich außerplanmäßig in Lausanne zu seiner 108. Vollversammlung. Die Sitzung im Palais de Beaulieu wurde den Medienvertretern im Kinosaal live übertragen – das war neu. So sah man einen tief getroffenen IOC-Präsidenten Juan Antonio Samaranch, der sich entschuldigte: bei den Sportlern, den Einwohnern von Salt Lake City und bei den, wie er sagte, Millionen Fans weltweit. Erstmals stellte ein IOC-Präsident die Vertrauensfrage. 86 Mitglieder hielten ihm die Treue, eines enthielt sich der Stimme, zwei stimmten gegen ihn. Der Spanier war gerettet.

Die Krise, die im Dezember 1998 (Link zu einem Kapitel aus „Der olympische Sumpf“) mit Enthüllungen über die Bestechungspraktiken der Olympiabewerber von Salt Lake City begann, hatte nicht nur Samaranchs Amt erschüttert. Zeitweise wurde über eine Auflösung des olympischen Dachgremiums diskutiert. Samaranch, der die Kultur des Geben und Nehmen im IOC kultiviert und die strukturellen Fehlentwicklungen zu verantworten hatte, verlor die Handlungshoheit. In diesen Monaten rettete der Kanadier Richard Pound das IOC. Pound war Chef der hausinternen Prüfungskommission, die sich mit den Akten von Salt Lake City befasste. Zu diesen Privatdetektiven gehörten auch der heutige IOC-Präsident Jacques Rogge und sein heutiger Vizepräsident (UDIOCM), der 1995 die Evaluierungskommission zu Salt Lake City geleitet und nichts von Bestechungen mitbekommen hatte.

Pound heuerte, gemeinsam mit IOC-Generaldirektor Francois Carrard und Marketingchef Michael Payne, eine der weltweit führenden PR-Agenturen an: Hill & Knowlton, Weißwäscher vom Dienst, skandalumwobene Experten im Krisenmanagement. Für viele Millionen Dollar erarbeitete Hill & Knowlton einen Rettungsplan. Liest man zehn Jahre später die Bücher von Pound, Payne und anderen, wird klar, wie sie die Krise seinerzeit betrachteten: Als PR-Schlacht um das Überleben. Es ging darum, die öffentliche Meinung zu beeinflussen – und die Geldgeber bei der Stange zu halten. Sogar der treueste IOC-Sponsor, Coca-Cola, hatte eine Trennung erwogen: Payne düste im Privatjet nach Atlanta in die Firmenzentrale des Brausebrauers, der seit 1928 Olympia-Sponsor ist, und klärte die brenzlige Situation.

München 2018: Was das BMI zur Finanzierung der Olympiabewerbung sagt

Kann schon sein, dass hier heute einige Einträge zu viel erscheinen. Aber ich finde, die Themen haben es verdient, nicht in einem meterlangen Grundsatzartikel vermengt zu werden. Nächste Notiz also: Die Frage der Finanzierung des olympischen Abenteuers 2018. Diese Frage interessiert mich immer, ich kann mich noch recht gut an einige verbale Auseinandersetzungen mit dem unfehlbaren und cholerisch veranlagten stets ausgeglichenen Herrn Bundesminister des Innern Otto Schily (SPD) erinnern. Einmal habe ich ihn nach einer Aufsichtsratssitzung gefragt, ob er denn sagen könne, was der Spaß – also die Austragung Olympischer Spiele in Leipzig – tatsächlich die Steuerzahler kosten würde. Schily antwortete zusehends und hörbar genervt: Eine Kostenanalyse sei „im gegenwärtigen Stadium nicht notwendig“ (das war acht Monate nachdem sich das deutsche NOK für Leipzig entschieden hatte). Dann sagte er: „Die wirtschaftlichen Vorteile werden in angemessener Form der Bevölkerung mitgeteilt werden.“ Über die wirtschaftlichen Belastungen sprach er nicht. Hier dazu ein Grundsatzbeitrag aus jenen Tagen, in dem ich auch die für Olympiabewerbungen wichtigen Fragen des OCOG und Non-OCOG-Budgets streife: „Was kosten die Spiele?“

Aus Schilys Ministerium und aus der sächsischen Staatskanzlei kannte ich damals die Hochrechnungen der Beamten: Sie kalkulierten zwischen 9 und 14 Milliarden Euro Kosten für den Fall, dass Leipzig den olympischen Zuschlag erhielte. Es kam dann glücklicherweise so, dass Leipzig im Mai 2004 im Staus der Applicant City hängen blieb und vom IOC nicht für die Finalrunde der Candidate Cities zugelassen wurde.

Ja, die Finanzfrage wird uns in den nächsten Monaten und vielleicht sogar Jahren beschäftigen. Bislang weiß man nur, dass man nichts weiß, dass es irgendwie billig sein soll – die Austragung der Spiele, also beispielsweise nicht so teuer wie in Peking oder Sotschi :) – und dass die veranschlagten 30 Millionen für die Bewerbungsphase allein aus der Privatwirtschaft aufgebracht werden sollen. Dies allerdings, und das als erste Lehre aus den vergangenen deutschen Olympiabewerbungen, wurde immer versprochen – aber nie gehalten. Die Bewerbungen von Berchtesgaden (Winter 1992), Berlin (Sommer 2000) und Leipzig (Sommer 2012) wurden zum überwiegenden Teil aus Steuermitteln finanziert. Alle Bewerbungen brachten kolossal weniger private Mittel ein, als großspurig versprochen worden war. Stets rügten Rechnungsprüfer katastrophale Versäumnisse im Umgang mit öffentlichen Geldern (und keine Sorge: die entsprechenden Originaldokumente werden hier bald auch veröffentlicht). Wie viele Steuermillionen oder gar Milliarden die Ausrichtung der Winterspiele in Bayern verschlingen würde, bleibt weiter unklar. Bislang existiert kein belastbares Finanzierungskonzept. Albert Speer & Partner, die bereits die Machbarkeitsstudie erstellt haben, werkeln zwar an den Inhalten des Bewerbungsbuches, klammern die Finanzfrage aber vollends aus. Ein entsprechendes Projekt wird erst ausgeschrieben.