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Sportschurkenstaat Katar vs Theo Zwanziger (II): die Klageerwiderung

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Seit Juni 2015 geht der Sportschurkenstaat Katar, hier in Gestalt der Qatar Football Association (QFA), vertreten durch die Münchner Kanzlei Bub Gauweiler & Partner, juristisch gegen den ehemaligen DFB-Präsidenten und Blog-Stammgast Theo Zwanziger vor. Die QFA verlangt eine Unterlassungserklärung von Zwanziger, der die Expansionsportpolitik Katars mehrfach mit einem Krebsgeschwür verglichen hat.

Zwanziger lehnt diese Erklärung ab.

Am 2. Februar trifft man sich vor dem Landgericht Düsseldorf zur mündlichen Verhandlung, zu der Zwanziger eine Reihe von Prominenten als Zeugen einvernehmen lassen möchte: den FIFA-Präsidenten Joseph Blatter, den UEFA-Präsidenten und FIFA-Vize Michel Platini und seinen besonderen Freund, den DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach, Nachfolger von Zwanziger in den Exekutivkomitees von FIFA und UEFA.

Ich steige kurz wieder auf aus dem Arbeitskeller, in dem noch immer FIFA-Bücher geschrieben werden, habe für Spiegel Online („Zwanziger kontert Klage aus Katar“) eine Summary der Klageerwiderung von Zwanzigers Anwalt Hans-Jörg Metz verfasst und stelle die hier gern zur Diskussion.

Das Papier, in dem auch zwei Päpste auftauchen, Benedikt XVI. und Franziskus, einer der beiden (Franziskus) hat auch mal etwas mit einem Krebsgeschwür verglichen – den Konsumismus:

Einige Kernaussagen:

  • Klage sei als unbegründet abzuweisen
  • QFA sei für das Verfahren nicht aktivlegitimiert, könne also gar keine Klage einreichen
  • der Begriff Krebsgeschwür sei stets als Umschreibung eines Systems benutzt worden, „zu keinem Zeitpunkt“ seien „einzelne Personen oder Institutionen angesprochen“ worden
  • Grenzen der Meinungsfreiheit wurden nie überschritten
  • keine Schmähkritik, sondern vielmehr Machtkritik, die einem besonderen Schutzbedürfnis unterliege
  • das Verhalten von Michel Platini in der Causa Katar, sein Votum vom 2. Dezember 2010 sei „verwerflich“, weder „sauber“ noch „neutral“
  • Michel d’Hooghe müsste eigentlich zurücktreten
  • usw usf

Wenn dieses Geschwür sich weiter ausbreiten wird, dann sollte man den Begriff Sport und Ethik aus den Satzungen streichen.“

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Was vom Tage übrig bleibt (75): Machtwechsel in Katar, IOC-Evaluierungsbericht Sommerspiele 2020 – Istanbul, Madrid, Tokio

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[kraut project=“https://krautreporter.de/de/projects/94-macht-moneten-marionetten/“]Auf ein Ereignis in Katar und ein Dokument des IOC muss ich hinweisen.

Zunächst: Im Sportwunderland Katar steht ein Machtwechsel an.

Emir Hamad, der 1995 seinen Vater aus dem Amt geputscht hat, als dieser seine Konten in der Schweiz überprüfte (ich liebe diese Geschichte!), will nicht auf einen Putsch warten und übergibt das Zepter an seinen Thronfolger, logisch, Scheich Tamim bin Hamad bin Khalifa Al-Thani.

Wie schon bei einer anderen Thronbesteigung 2013, in den Niederlanden, als der gewesene Prinz und nunmehrige König Willem-Alexander u.a. ankündigte, seine IOC-Mitgliedschaft abzugeben, kann man wohl davon ausgehen, dass auch Tamim nicht länger IOC-Mitglied bleiben wird. Über einige andere Funktionen, die Präsidentschaft im NOK und im Qatar 2022 Supreme Committee, dem Organisationskomitee der Fußball-WM 2022, muss ebenfalls entschieden werden.

Klar ist allerdings, dass Tamim (33) die sportive Expansionspolitik seines Vaters Hamad auch als Emir fortsetzen wird. Das Sportbusiness ist Kern eines gigantischen Masterplans (Qatar National Vision 2030), der u.a. vorsieht, Doha zur Sporthauptstadt des Planeten zu machen.

Die Verflechtungen und Abhängigkeiten, die durch die Verteilung märchenhafter Verträge und Reichtümer geschaffen werden, suchen im Weltsport ihresgleichen.

Dabei sind diese Institutionen von zentraler Bedeutung:

  • Qatar Foundation
  • Qatar Investment Authority mit der Tochterfirma Qatar Holding
  • Qatar Sports Investment
  • Aspire Sports Academy
  • Qatar 2022 Supreme Committee

Irgendwann finden in Doha auch Olympische Sommerspiele statt. Ich schätze, spätestens 2028.

(c) Qatar Olympic Committee via Flickr

(c) Qatar Olympic Committee via Flickr

Scheich Tamim wird nun erst recht ein Thema für mein Buch, das Sie kaufen und vorfinanzieren können. Ich habe Tamim erstmals 2003 im Gefolge des FIFA-Patrons Joseph Blatter während des FIFA-Kongresses in Doha etwas umfassender beobachtet.

Einige erste Leseempfehlungen:

Wenn jemand tiefgründige Analysen findet, bitte her mit den Links.

Thema zwei heute Mittag: Das IOC hat den Evaluierungsbericht für die drei verbliebenen Kandidaten der Olympischen Sommerspiele 2020 veröffentlicht. Für Istanbul, Madrid und Tokio.

Hier ist die Pressemitteilung und hier das Papier:

Tut mir leid, aber es wird immer absurder. In früheren Evaluierungs- und Vorberichten wurden schon noch Noten vergeben, mitunter sogar Rankings (zwar nur Noten „von – bis“, natürlich nie: ganz klar), aber hier?

Hinweise auf die Demokratie-Eruptionen in der Türkei sucht man, natürlich, vergebens.

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„Sheikhs shake world game“: Katar traut man auch eine Dream Football League zu – nur stimmt die Geschichte überhaupt?

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Hat die Londoner Times einen Gag des französischen Magazins „Les cahiers du football“ zu einer „Exklusivstory“ aufgebauscht?

Das ist hier die Frage, die gewiss im Laufe des Tages beantwortet wird.

Denn die dreiseitige Geschichte von Times-Fußballschreiber Oliver Kay macht weltweit Schlagzeilen. (Ich kenne bisher nur diesen Anreißer, habe kein Times Abo. #paywall)

Demnach plant die Familie des katarischen Emirs Hamad ab 2015 im Sommer (!) alle zwei Jahre ein Großturnier der 24 besten Klubs der Welt. Preisgeld: 2 Milliarden Euro. In sechs Golfstaaten.

So stand es vor drei Tagen in „Les cahiers du football“:

(c) Les cahiers du football

(c) Les cahiers du football – doch lustigerweise erschien die kleine Grafik auch in der Times (exklusiv?)

So steht es heute in der Times (längst auch anderswo) und wurde gestern Nacht via Twitter angekündigt:

Da man den Kataris, dem Emir und den Seinen, die sich schon die WM 2022 und etliche andere Spielzeuge aus der Welt des großen Fußballs gekauft haben, alles zutraut, machte diese Times-Story geschwind die Runde.

Medien meldeten. Wissenschaftler kommentierten (manche verdienen schon jetzt gut an und in Katar). Die Branche hyperventilierte.

Desert storm. Dream football League. Konkurrenz zur Champions League. Sheikhs shake world game …

Undsoweiterundsofort.

Vor drei Stunden meldeten sich die Franzosen:

Seither gab es einige Wortwechsel zwischen ihnen und Oliver Kay …

… und die ersten – vorsichtig formuliert – Nachfragen, etwa auf Eurosport:

Qualitätsblättern wie dem Independent ist das relativ egal. Dort wird getitelt:

So kann man das natürlich auch sehen. Weil man, noch einmal, den Kataris halt alles zutraut.

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#London2012 (VII): Die ISL-Bestechungsmillionen, ein mysteriöser Scheich, der OCA, die IOC-Präsidentschaft und andere vielfältige Lebenssachverhalte

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LONDON. Es war zuletzt weltweit ja viel über das ISL-Korruptionssystem zu lesen. Die Sache ist noch nicht geklärt, denn die Empfänger eines Großteils der (mindestens) 142 Millionen Franken Schmiergeld bleiben ja unbekannt. Mann sucht sie noch, sie verbergen sich hinter ominösen Stiftungen, werden von Dienstboten in Anwaltskanzleien geschützt, die teilweise selbst Barabhebungen getätigt und Geldkoffer […]

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An die Arbeit, Michael Garcia!

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(Ich will die kleine Chronik fortsetzen und rein kopieren, was ich gestern auf die Schnelle – und aus der Ferne – zum FIFA-Treffen in Zürich fabuliert habe. Zuvor hatte ich im Schweizer Radio schnell noch Andrew Jennings zum FIFA-Ethikchef vorgeschlagen, gemäß unserer volldemokratischen Abstimmung von vor einigen Jahren. Auch diesmal aus Zeitnot leider keine Links, […]

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Milliardenverträge im Original, Korruptions-Gespenster aus Deutschland und andere FIFA-Notizen

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(Nachtlektüre für Hartgesottene, nicht nur für die FIFA-Propagandisten und deren Rechtsabteilung. Anbei die Rohfassung jener Texte, die ich heute für verschiedene Medien fabuliert habe – ergänzt um einige einleitende Bemerkung, die für sich betrachtet schon ziemlich lang geraten sind. Ich hätte gern noch etwas gründlicher gearbeitet, aber Mann soll nicht klagen, wenn es mal Aufträge […]

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FIFA-Reformen? Eine Frage der Kommunikationsherrschaft

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15.08 Uhr: Ich stelle das Aktuelle mal ausnahmsweise voran und aktualisiere meinen Bericht aus Zürich von vorn. Sitze gerade in Blatters Pressekonferenz. Sepp verkauft sich als Erneuerer der FIFA. Ich habe mich getäuscht: weder Pieth noch Zwanziger tauchen hier auf. Es ist allein eine Sepp-Blatter-Show. Propaganda. Dafür hat mal jemand das schöne, beängstigende Wort von […]

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FIFA, IOC, Katar 2022: Recherche vs Propaganda

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ZÜRICH/LAUSANNE. Da können die Herrschaften in der FIFA-Zentrale und im IOC-Hauptquartier unternehmen, was sie wollen. Sie haben die Lage einfach nicht mehr im Griff und werden von der Vergangenheit eingeholt, von den Ereignissen überrollt. Sie können nur notdürftig ausputzen, sie setzen auf viele dumme, willfährige Journalisten und korrupte Medien, die ihren Job nicht verstehen und […]

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One year after: wer überprüft die WM-Vergaben an Russland und Katar?

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ZÜRICH. Heute jährt sich zum erstenMaldiebizarre Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an zwei neureiche Powerholder des olympischen Sports: die Totaldemokratien aus Russland und Katar. Schon vergessen, so ging das damals aus: 2018 FIFA World Cup™Round 1: England 2 votes, Netherlands/Belgium 4 votes, Spain/Portugal 7 votes and Russia 9 votes (as no absolute majority was reached, […]

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