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IAAF olympic statistics #Rio2016

Und nochmal was anderes, ein wirklich wunderbares IAAF-Produkt, wie ich finde. Gerade hat der Leichtathletik-Weltverband das neue olympische Statistik-Handbuch bereitgestellt. Ein Nachschlagewerk nicht nur für Nerds der Olympiageschichte und/oder der Leichtathletik, inzwischen auch für all jene, die dem Zirkus nicht mehr trauen und mehr am verbundenen Dopingthema interessiert sind. Dieses Kompendium umfasst also nicht nur Hochdopingdisziplinen, sondern auch längst vergessene Olympiawettbewerbe wie Hochsprung aus dem Stand, Weitsprung aus dem Stand, Dreisprung aus dem Stand, 200 Meter Hürden, Diskuswerfen mit beiden Armen, 3.500 Meter Gehen, 60 Meter und allerlei andere Leibesübungen. Dazu kommen hunderte Statistiken wie Länderwertungen in Disziplinen und bei allen Spielen undsoweiterundsofort. Mit all den Randnotizen und Ergänzungen, eben auch den nachträglich aberkannten Medaillen, und einem Länder-Index ergibt sich ein fantastischer Überblick auf 420 Seiten. Für Berichterstatter von Olympischen Spielen unentbehrlich – für viele andere Beobachter gewiss auch.

Dass Olympische Spiele – wie ich seit Ewigkeiten erkläre – ja nicht nur 19 Wettkampftage dauern (in Rio beginnen die ersten Wettbewerbe zwei Tage vor der Eröffnungsfeier), sondern mindestens acht oder gar zwölf Jahre, müssen natürlich auch in diesem Büchlein einige Kapitel bzw. Ergebnislisten umgeschrieben werden. Und da das IOC sich mit den Disziplinarmaßnahmen zu den positiven Nachtests der Peking-Spiele 2008 und der London-Spiele 2012 viel Zeit lässt, konnten einige Doper noch nicht als solche markiert werden und stehen weiter auf Medaillen- und anderen Rängen. Die Autoren notieren dazu:

As this book’s deadline is reached, there are numerous unconfirmed and ongoing cases such as the mass IOC re-tests from Beijing 2008 and London 2012. These pages contain the ranking changes resulting from cases closed by the IAAF as at June 10, 2016. In some events the IOC have yet to confirm the resultant re-allocation of medals. On May 17, 2016 the IOC reported that they are also re- testing the samples of those athletes who could be awarded medals following the disqualification of others.“

Das Statistik-Werk:

Südafrika, Tag 22

RUSTENBURG. Musste mich nach der ISL-Nummer erstmal erholen. Das geht auch nach so vielen Jahren nicht spurlos an einem vorbei. Jedenfalls, abends in der Wohnung beim Spanien-Spiel eingeschlafen. Dafür heute wieder einigermaßen fit und in angenehmster WM-Umgebung bisher angekommen. Es ist, wenn ich richtig sehe, auch schon das letzte Spiel in Rustenburg. Auf der Fahrt hierher hatte ich erstmals überhaupt das Gefühl, in Afrika zu sein. Ich meine, es ist mein dritter Aufenthalt hier, ich habe sechs Wochen in Johannesburg, Kapstadt und Durban verbracht, bin aber außer in Fußballstadien, Seminarräumen, Kongresszentren, auf dem Tafelberg und auf Robben Island und natürlich in den Bars der FIFA-Hotels nirgendwo gewesen.

In Rustenburg geht es familiär zu. Das Stadion, natürlich völlig überdimensioniert und in Sachen Nachhaltigkeit eine Katastrophe, steht mitten in einem Wohngebiet, würde man wohl in Deutschland sagen. Herüber weht der Duft vom Grill, und der Andrang zum Achtelfinale zwischen den USA und Ghana ist auch nicht sehr groß. Ganz nett also.

Rustenburg, USA vs Ghana, 26. Juni 2010

Manchmal vermisse ich es, bei solchen Terminen nicht doch etwas tiefer abzutauchen ins normale Leben und andere Geschichten zu erzählen. Ich würde das gern, doch der Schuster in mir bleibt bei seinen Leisten. Weltmeisterschaften und Olympische Spiele erlebe ich immer aus einem sehr kleinen Blickwinkel. Das hat seine Vorteile, ist aber auch ermüdend. So fokussiert wie in diesem Jahr während der Winterspiele in Vancouver und hier in Südafrika war ich noch nie bei derlei Mega Events auf die, sagen wir: Mächtigen. Sehe niemanden, der das ähnlich durchziehen würde. Wird nicht unbedingt belohnt, hat aber auch wiederum Vorteile, automatisch ergeben sich Kontakte, selbst zu Leuten aus der FIFA, die eigentlich nicht mit einem reden wollen und dürfen. Allerdings lassen sich da eben nicht täglich nette Geschichten schreiben. Aber, ich wiederhole mich, dieser Job ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Mit Sepp und der ISL-Sache befasse ich mich nun schon ewig, und da die Kameraden nicht abtreten wollen, werde ich auch noch eine Ewigkeit dabei bleiben. Ich denke, dass ich hier den letzten Kick bekommen habe, ein, zwei Projekte, die ich zu lange nicht energisch genug angegangen bin, nun endlich voran zu treiben. Ich habe es mehrfach erwähnt, es ist doch sehr erstaunlich, wer so ein kleines Fachblog alles verfolgt und welche Wirkung das haben kann.

Zum Thema „Wie sieht es eigentlich in Südafrika abseits der Stadien aus“ empfehle ich, falls ich es nicht schon getan habe, eindringlich drei andere Blogs, die ich gestern an meinem kurzen Ruheabend endlich mal etwas studiert habe. Bitte vorbei schauen, ein ganz anderer Blickwinkel:

  • Christian Frey und Kai Schächtele: Wintermärchen 2010. Eine Reise von Kapstadt nach Johannesburg
  • Jakblog von Christian Jakubetz, der …
  • … von öffentlich-rechtlichen Institutionen gesponsert auch das internationale Projekt Africangoals2010 betreut

Ehrlich gesagt – nein, kein Neid, nur eine Feststellung -, ich wünschte mir, öffentlich-rechtliche Institutionen würden auch einmal investigativen Journalismus fördern. Zu tun gibt es genug.

Was ich vor dem Spiel USA vs Ghana anbieten werde, sind einige Statistiken zum Achtelfinale bzw. zum Abschluss der Vorrunde. Die finde ich ganz interessant, habe heute morgen drei Stunden gerechnet und gebastelt und einen kleinen Text verfasst, den ich in Kürze mit einigen Grafiken anreichern will. Wenn jemand was Passendes findet auf anderen Webseiten, nur her damit. Ich bin kein Statistik-Fetischist, ich glaube nicht, dass die Zahl der Einwürfe von links in der Bundesliga oder die Zahl der von rechts hinter das Tor geschlagenen Flanken so entscheidend ist. Aber alle paar Jahre bei großen Events bin ich schon dafür, dass auch mal statistisch aufzubereiten. Ich weiß noch, wie mich diese Statistiken hier jeweils einen Tag Arbeit gekostet haben, ja, ganz was anderes, kein Fußball, erinnere nur deshalb daran, weil auch das zeigt, was man sportpolitisch so alles machen/bloggen kann:

Heute morgen habe ich in der Schnelle dies hier gedichtet:

Leichtathletik-WM: eine Bilanz

Es folgen – mit der gebührenden Verspätung – etliche Statistiken, wie es sich für die Leichtathletik gehört.

Einige Anmerkungen zur deutschen Bilanz und zur Präsentation der zumeist jungen Athleten bei der WM habe ich bereits für SpOn gedichtet. Einige Worte mehr werde ich hier in Kürze (ich wiederhole für gua, cf und andere: in Kürze) verlieren.

Zunächst einige Zahlen, über die man, wie ich finde, auch trefflich debattieren kann. Leider sagen diese Statistiken relativ wenig aus über den Para­digmen­wechsel (manchen Verantwortlichen nehme ich das ab) im DLV, über den Generationswechsel und über Dopingpraktiken. Einiges lässt sich allerdings ablesen. Ich werde die Bilanzen des DLV später noch auf Disziplinen aufschlüsseln. Anschließend in etlichen Tabellen und einfachen Grafiken (hoffentlich zu erkennen) auch eine internationale Einordnung.

Teil zwei der Bilanz folgt.