wettbetrug

Online-Sittenlehre für Spezialethiker der FIFA-Parallelgesellschaft

Damit auch das nicht untergeht: Vor einigen Tagen hat der Fußball-Weltverband FIFA sein brandneues Ethik-Tool veröffentlicht.

Wow …

… werden jetzt die Millionenbetrüger und Großganoven Chuck Blazer, Julio Grondona, Worawi Makudi und einige andere Gesellen um den moralisch korrupten Vereinschef Joseph Blatter sagen.

Wow!

Und sie werden herzhaft lachen.

Der schwer korrupte Thailänder Makudi beispielsweise, ein großer Freund von Mohamed Bin Hammam, hat gerade seine Kandidatur für die Präsidentschaft in der asiatischen Konföderation AFC bekannt gegeben. James Dorsey fasst einige der Verstrickungen von Makudi & Co noch einmal zusammen:

Mr. Makdudi has repeatedly been investigated for fraud and corruption. He denied last September fraud allegations made by a South Korean firm related to the cancelation of a multi-million-dollar broadcast rights deal. Earlier, he was accused by former English Football Association chairman Lord David Triesman of involvement in an alleged scheme to buy votes for England’s failed 2018 World Cup bid. Makdudi was cleared in 2011 of accusations that funds meant for the Thai soccer association to build facilities were instead spent on building assets on land he owned in Bangkok. Most recently, the Thai parliament investigated FIFA’s refusal to approve a newly futsal facility by his association.

Wie auch immer. Have fun, hier ist das ETHIK-TOOL:

Sportförderung zunehmend fraglicher: „Dysfunktionen des Spitzensports: Doping, Match-Fixing und Gesundheitsgefährdungen …“

Es gibt etliche hochinteressante Dokumente aus den vergangenen Tagen nachzutragen. Ich finde, es diskutiert sich doch besser am Original. Hier also flink die Studie

  • „Dysfunktionen des Spitzensports: Doping, Match-Fixing und Gesundheitsgefährdungen aus Sicht von Bevölkerung und Athleten“

von Kirstin Hallmann und Christoph Breuer, erstellt im Auftrag der Stiftung Deutsche Sporthilfe.

Die Deutsche Sporthochschule Köln erklärt dazu:

Gefahren für die Werte des Spitzensports – Wissenschaftliche Studie in Berlin vorgestellt

Gesundheitsgefährdungen und illegale Wettkampfabsprachen beeinflussen Bereitschaft der Bevölkerung zur Spitzensportförderung

Match-Fixing und der Sport: Dämonen in Schlüsselpositionen

In der Diskussion über den Sport und die Wettmafia werden die Korruption und Verbrechen begünstigenden Strukturprobleme der Sportbranche und ihrer Funktionäre vernachlässigt.

[Ich habe für die Themenseite im Politikteil der Basler Zeitung eine Betrachtung zum Sportgeschäft und dem Wettbetrug geschrieben. Habe nicht zum ersten Mal darauf hingewiesen, dass mit der mediale Aufschrei immer etwas zu laut ist und es mir an Analyse fehlt, wenn über den Zugriff der Wettmafia berichtet wird. Denn das Sportgeschäft ist in weiten Teilen quasi mitschuldig an der Situation, weil die intransparenten, teils vorsintflutlichen Strukturen jedwede unsauberen Machenschaften begünstigen. Gewiss gibt es da beträchtliche Unterschiede etwa zwischen den herkömmlich als Verein notierten Weltverbänden und moderneren Unternehmen, wie etwa der DFL. Selbst zwischen DFL und DFB. Derlei Unterschiede müssten sauberer heraus gearbeitet werden – ich konzentriere mich mit ein paar Gedanken wie immer mehr auf den olympischen Sport, also das IOC und die 35 olympischen Weltverbände. Habe noch nicht mal die vielen hochrangigen Funktionäre erwähnt, die selbst im Glücksspiel- und Sportwettengeschäft tätig sind. Es ist eine Anregung, kann man alles besser ausarbeiten, wie immer, aber gewiss genug Stoff für eine sinnvolle Diskussion.]

Die Aufregung war groß, als die Europäische Kriminalbehörde Europol vorvergangene Woche alarmierende Zahlen zum globalen Wettbetrug im Fußballbusiness präsentierte. Von 680 verschobenen Spielen weltweit, 425 verdächtigen Spielern, Schiedsrichtern und Funktionären und vom „größten Betrug aller Zeiten“ war die Rede. Dabei hatte Europol-Direktor Rob Wainwright, der stets Kameras und Blitzlichter sucht, doch munter alte und neue Zahlen, aufgeklärte und unaufgeklärte Fälle vermengt – und Ermittler in aller Welt damit verärgert. Der Sinn dieser PR-Nummer erschloss sich nicht vollends. Die Sinnhaftigkeit eines koordinierten Kampfes gegen die Wettmafia ist aber gegeben, und zwar auf allen Ebenen.

https://youtube.com/watch?v=DH82kw3jJoo

Ja, die Wettpaten – ob nun aus Singapur, Thailand, China oder Südosteuropa –, sind eine Gefahr. Ja, die Welt ist klein geworden, moderne Kommunikationsmittel erleichtern Großganoven das Abkassieren. Nur: Das alles ist nicht neu. Das weiß man seit vielen Jahren. Das weiß man aus zahlreichen Prozessen, ob nun in Bochum oder im vergangenen Jahr in Bellinzona. Jenseits der Aufgeregtheiten des Tagesgeschäfts empfiehlt sich deshalb eine Analyse der Lage. Und die sollte mit zwei grundsätzlichen Beobachtungen beginnen.

Joseph Blatter, Interpol, Charlize Theron, Handball und die Irland-Frage

KAPSTADT. Wenn dieser Beitrag automatisch freigeschaltet wird, bin ich auf Robben Island. Eine stabile Internetverbindung ist sicher das letzte, was man mit Robben Island in Verbindung bringt und auch nicht so wichtig. Ich werde also erst am Abend wieder erreichbar sein und den Tage mit dem FIFA-Exekutivkomitee und zwei Hundertschaften Journalisten auf der ehemaligen Gefängnisinsel am Ende der Welt verbringen. Das scheint mir allemal wichtiger und interessanter, als die tausendste Interpretation zu möglichen Gruppengegnern der Deutschen bei der WM 2010.

Da fällt mir ein, ich habe bei der Gruppenauslosung vor acht Jahren, damals für die WM 2002 in Japan und Südkorea, als den deutschen mal wieder eine Hammergruppe drohte und es dann die Giganten Irland, Saudi-Arabien und Kamerun wurden, dieses Kleinod des Sportjournalismus gedichtet.

Nun aber zurück ins Hier und Jetzt. Zur Reise nach Robben Island inklusive der Frage, was das für Blatters Friedensnobelpreisambitionen bedeutet – er hat mir ja schon exklusiv gesagt, dass der Preis von vielen Leuten an ihn herangetragen werde und er selbstverständlich nicht Nein sagen könnte, wenn es so weit wäre, wer könne das schon, das gehöre sich doch nicht –, werde ich mich später ausführlich äußern.

Nachzutragen ist derweil das letzte Kapitel in der Irland-Geschichte

Das Original: „Gesetz zur Bekämpfung des Dopings und der Korruption im Sport“

Dass ich das noch erleben darf! Einen Entwurf für ein

Gesetz zur Bekämpfung des Dopings und der Korruption im Sport

zu veröffentlichen, ist eine feine Sache.

Tausendmal habe ich darüber geschrieben und dargelegt, warum der Straftatbestand Sportbetrug wichtig ist, habe das „Strukturproblem Korruption in der Spezialdemokratie Sport“ beschrieben und die sträfliche Vernachlässigung des Thema Korruption in den drei Rechtswelten des Sports, habe versucht, Präventionsmaßnahmen zu entwickeln usw. usf… Ich kann es mittlerweile auswendig. Und darf einmal mehr unser gemeinsames Buch „Korruption im Sport“ aus dem Jahr 2006 empfehlen, mit Beiträgen von Experten wie Britta Bannenberg, Andrew Jennings, Thomas Kistner und vielen anderen.

Die Debatte ist durch die Initiative der bayerischen Justizministerin Beate Merk (CSU) extrem bereichert worden. Frau Merk engagiert sich auf diesem Gebiet schon lange (SZ-Interview: „Ich bin ja der Depp, wenn ich nichts nehme“). Über ihre aktuelle Gesetzesvorlage hat Heribert Prantl heute in der Süddeutschen Zeitung geschrieben – „Zehn Jahre Haft für Doping und Sportbetrug“ –, es war der Aufmacher, und hier stelle ich den Gesetzentwurf zur Diskussion.

Der Fußball und der böse Dämon

Ich weiß nicht wirklich, warum die Meldungen über 200 manipulierte Fußballspiele – vor allem in Richtung Balkan, aber auch in unterklassigen deutschen Ligen – derartige Schlagzeilen machen, wogegen andere Meldungen über system­imma­nente Korruption im Sport oft untergehen. Hat tatsächlich jemand geglaubt, nach der Hoyzer-Affäre werde es mit rechten Dingen zu gehen? Das ist nur mal so eine Frage.

Aber Medien funktionieren so wie sie funktionieren, also auch hysterisch. Wenn das Fußballbusiness betroffen ist, das einzig wahre und reine, wenn der Dämon des Bösen mal wieder die unschuldige Branche der Fairplaybewahrer überfällt, dann ist das automatisch ein Skandal. Selbst wenn es das Tagesgeschäft ist.

[Nachtrag, 20.54 Uhr, weil der Beginn doch etwas sehr launisch geriet: Die Zusammenarbeit verschiedener Polizeibehörden und der UEFA über etliche Monate hat schon eine beeindruckende neue Qualität. Ähnliche Aktionen – auch in dieser, nun ja: Schnelligkeit – wünschte ich mir mal im Dopinggeschäft und in Fällen anderer grenzübergreifender Korruption im Sport. Da wäre sicherlich viel zu holen. Kaum auszudenken.]

Open letter to the IOC President and the IOC: call for action against all forms of corruption in sport

Zum Thema: Braucht es eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur im Sport:

Open letter to the IOC President and the International Olympic Committee, gathered in Copenhagen, Denmark on the occasion of the 121st IOC Session and the XIII IOC Congress

Call for action against all forms of corruption in sport

Dear President Rogge and IOC Members,

We believe the time has come to act against all forms of corruption in sports.

We are alarmed that the sporting community is now in a situation where worldwide illegal gamblers and match-fixers are operating at all levels of sport. Their activities are a small slice of an illegal gambling market that is worth hundreds of billions of dollars and poses an imminent threat to the core values and credibility of sport.

Also, we believe that within a number of sports and national associations non-transparent and corrupt practices continue. For instance, the ISL affair in which a small group of leaders in international sport has cashed in more than 100 million dollars as secret personal commissions in return for TV and marketing rights should be met with a strong response.

We believe that there is a number of other forms of corruption in sport: human trafficking, money laundering and tax evasion. These activities are thriving thanks to the non-intervention of the sports community, local and national governments, sports sponsors, the media and other stakeholders.

We believe that the global sports community has an obligation to act as a role model of transparency, accountability and democracy if it is to promote positive social, cultural and personal values to society and youth.

The International Olympic Committee is the worldwide leader in sports. It has the moral aspirations as well as financial and political clout to show effective political leadership in this matter.

Therefore, we urge the IOC to take immediate, concrete and convincing steps to counter all forms of corruption in sport in order to safeguard the social, cultural and educational values of sport.  

We ask you to urgently consider all relevant measures, including

  • a definition of common standards of good governance and accountability
  • a strengthening of the role of the Ethical Committees in sport so they can be allowed to act truly independently and have capacity to sanction those who violate the rules
  • a modernisation of the way international federations manage democracy and transparency
  • mechanisms for exchange of information and intelligence related to corruption
  • and, if necessary, the establishment of an international anti-corruption institution for all countries and all sports

In a defining moment for world sport, we call on the IOC to take decisive steps.

Der Sport braucht (wohl doch) eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur (WACA)

Oops, kommt etwa Bewegung in die Korruptionsbekämpfung? Die European Sports Security Association (ESSA) – wenn ich es recht verstehe: eine von Sportwettenanbietern betriebene Non-Profit-Organisation (geht das?) – fordert eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur im Sport.

Spontan sage ich: Gute Idee, so eine World-Anti-Corruption-Agency (WACA). Hatte ich auch schon :)

Jedenfalls, die ESSA, bereits im Gespräch mit etlichen Sportverbänden, teilt mit:

URGENT NEED FOR GLOBAL BODY TO TACKLE SPORTS CORRUPTION

The European Sports Security Association calls for a robust and independent global sports anti-corruption body

The European Sports Security Association (ESSA) today called for the establishment of a robust and independent global body able to hand down tough penalties and sanctions that will act as effective disincentives in tackling corruption in sport. (…)

In der vergangenen Woche hatte Transparency International (TI) ein Arbeitspapier zur Korruption im Sport vorgelegt, das weit hinter dieser WACA-Forderung zurückbleibt. Schade eigentlich.

Manipulationsverdacht beim Spiel des FC Bayern

Huch, was kommt denn da für eine Meldung aus Spanien:

elpais-zenit-bayern

Ein Europapokalspiel des FC Bayern München manipuliert? Die spanische Staatsanwaltschaft ermittelt. Gerade bekam ich einen Anruf eines Radiosenders, der aufgeregte Kollege wollte wissen, welches Interesse der FC Bayern an einem verschobenen Spiel gehabt haben könnte, die hätten doch genug Geld. Wahrheitsgemäß antwortete ich: „Ich weiß es nicht. Gar kein Interesse. So weit ich es verstehe, sind meist einzelne Spieler und/oder der Schiedsrichter an Spielmanipulationen beteiligt.“ Die Antwort stellte den Anrufer nicht zufrieden. Er kam auch nicht damit klar, dass ich wenig aufgeregt reagierte.

Erstaunlicher Weise habe ich auf www.kicker.de bis jetzt keinen Hinweis auf die Geschichte gefunden, wogegen die Konkurrenz von www.sportbild.de schon titelt: „War Zenits Sieg über Bayern manipuliert?“ Tja, das ist die Frage.

How to fix a soccer game

Declan Hill hat die Vermarktungsmaschine für sein neues Buch angeworfen. Im Spiegel hat er sich bereits geäußert, heute Abend ist er bei Beckmann. „How to fix a soccer game“ heißt die Webseite, das Buch heißt: „The Fix: soccer and organized crime“, deutsch bei KiWi: „Sichere Siege“. Die Geschichte über sein Treffen mit einem Wettpaten in Thailand, der erzählte, er verschiebe gerade ein Bundesligamatch, gibt Hill seit etwa einem Jahr zum besten. Er wird das auch im Fernsehen wieder sehr überzeugend tun. Er kann das, auch wenn seine Geschichten mitunter zu perfekt klingen. Zuletzt habe ich bei Play the Game im vergangenen Oktober in Reykjavik einen Workshop mit Declan Hill und dem indischen Kollegen Murali Krishnan geleitet.

Unabhängig von den Tricks der Wettmafia, die nur mit großem kriminalistischen Aufwand nachzuweisen sind, finde ich die verschiedenen statistischen Ansätze interessant, mit denen Hill und italienische Wissenschaftler anhand der Charakteristik von Fußballspielen Manipulationen aufspüren wollen. Dazu habe ich im Januar ein Stücklein für den Deutschlandfunk produziert, nichts besonderes, nur ein kleiner Überblick: