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live aus Rio (27): Jung & Naiv in der Olympiastadt und beim IOC

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BARRA DA TIJUCA. Das Grauen hat einen Rundschädel, einen Stiernacken und eine menschliche Stimme. Vielleicht kann das Grauen sogar vernünftige Informationen, Einblicke und Hintergründe vermitteln. Nun also eine Folge Jung & Naiv aus Barra da Tijuca und Rio de Janeiro, vom IOC-Hotel, vom Deutschen Haus, von der Copacabana, vom Olympic Park – mit Überraschungsgästen aus dem IOC, aus Weltverbänden und dem europäischen Hochadel.

Herr Jung und ich haben als bei diesem crowdgefundeten Abenteuer jedenfalls weder Mühen noch Zeit noch Kosten gescheut, um mehr als zwei Stunden anzubieten, an Engagement mangelt es uns sowieso nicht.

Auf geht’s:

Und auch am vorletzten Tage der Spiele dürfen Sie olympischen Hintergrundjournalismus weiter finanzieren – denn natürlich gibt es nach Olympia keine Pause. Es gibt vieles aufzuarbeiten.

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BRD-Doping oder: „Schutz des diskreten Anabolismus“ über ein halbes Jahrhundert

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Vor 22 Jahren hat eine offenbar ziemlich weise Autorin einen „Goldenen Zehn-Punkte Plan zum Schutz des diskreten Anabolismus“ in Deutschland veröffentlicht. Wer mag, kann Sportverbände, Jahreszahlen, politische Ämter, Disziplinen ergänzen und/oder austauschen. Es kommt schon hin. Es stimmt in jedem abgeänderten Punkt.

Denn Brigitte Berendonk hat mit dem Buch „Doping Dokumente. Von der Forschung zum Betrug“ 1991 einen wahrhaft historischen Band vorgelegt.

Rund zwei Drittel des Textes (Anhang ausgenommen) befasste sich mit dem Dopingsystem in der DDR, über das sie gemeinsam mit ihrem Mann Werner Franke auf abenteuerlichen Wegen exklusiv „wissenschaftliche“ Arbeiten der Doping-Nomenklatura gesichert und veröffentlicht hatte, ein Drittel thematisierte – und das wird im Osten stets vergessen – Doping in der (alten) Bundesrepublik Deutschland.

Hier also Berendonks „Goldener Zehn-Punkte Plan zum Schutz des diskreten Anabolismus“:

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Die obskure Welt des Gewichtheber-Bosses Tamás Aján (I): Geschäfte mit der Dopingkultur

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IWF-Supremo Tamás Aján (c) IWF

Tamás Aján (c) IWF

Dies ist der Auftakt zu einem Mehrteiler, der das Innenleben in einem der olympischen Weltverbände nachzeichnet, die weniger im Fokus stehen als FIFA oder UCI: in der International Weightlifting Federation (IWF) unter Tamás Aján, 74. Der Ungar wirkt seit Anfang der 70er Jahre in der IWF-Spitze, zunächst als Vizepräsident, seit 1976 als Generalsekretär, seit 2000 ist er Präsident. Im selben Jahr rückte er ins IOC ein, noch auf Vorschlag des greisen Juan Antonio Samaranch.

Nicht nur biografisch ist Aján ein Sportkarrierist; er gehört auch mental zu dem Typus, den man gern in irgendeinem entfernten Reich der autokratischen Fossile verorten würde – wüsste man nicht, dass die so genannte olympische Familie noch immer dieses Reich ist. Kritikern hält Aján beispielsweise entgegen, es brauche schon „ein Buch“, um all die „revolutionären Verbesserungen“, die er fürs Gewichtheben erreicht habe, auch nur „aufzulisten“.

Das Zitat stammt aus einem internen Rundbrief – Teil eines Stapels von Dokumenten, die ich seit Dezember zur IWF recherchiert habe, ursprünglich, weil ich über ein Dopingthema schreiben wollte. Das führte dann weiter, dazu in den nächsten Tagen mehr.

IWF-Serie

Die obskure Welt des Tamás Aján, ein ganz normaler olympischer Weltverband:

Korruption in der IWF? Wo sind die IOC-Millionen?

Aktueller Anlass dieses Mehrteilers: Am Pfingstmontag (20. Mai 2013), beim Wahlkongress der IWF im Radisson Royal in Moskau, dem legendären ehemaligen Ukraina, erlebt die Heberszene ein historisches Ereignis. Erstmals in beinahe vier Jahrzehnten bekommt Aján, der natürlich wieder Präsident werden will, Gegenkandidaten.

Dass der Dauerherrscher die IWF wie ein Familienunternehmen betreibt, inklusive obskurer Geldgeschäfte, hat eine bemerkenswerte Opposition hervorgebracht, mit Ideen, die für die Internationalen Sportföderationen neu sind. Die gute Rolle, die dabei der Bundesverband Deutscher Gewichtheber (BVDG) spielt, wird in diesem ersten Teil thematisiert – und auch, wie die deutschen IOC-Granden Thomas Bach und Walther Tröger auf Querdenker in den eigenen Reihen reagieren.

Aján übrigens hat auf eine Anfrage, auch zum Umgang seines Weltverbandes mit der Dopingfrage, nicht geantwortet.

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Ordensverleihungen dürfen bei Kongressen in der Welt des Sports, wo es oft zugeht wie auf kommunistischen Parteitagen, nicht fehlen. Auch Tamás Aján sieht das ganz sicher so: In der vergangenen Woche jedenfalls hat er auf den Zeremonienpart beim Wahlkonvent in Moskau eingestimmt: Per Mail schlug er sieben Funktionäre („distinguished persons“) als künftige Träger des IWF-Ordens in Gold und Silber vor. Die Reaktionen kennzeichnen die aktuelle Stimmungslage unter den Gewichtheber-Funktionären recht gut: Ein Mitglied des Executive Boards protestierte gegen Ajáns Alleingang und fragte nach, warum über diese Personalien nicht in der letzten Sitzung des Gremiums debattiert worden sei. Einer der Ordensträger in spe lehnte ab, er habe schon genug Auszeichnungen. Ein dritter Offizieller quittierte einen der Aján-Vorschläge mit Spott – seine grafische Fingerübung mailte er an die IWF-Mitglieder, die Nationalverbände:

Hassan Akkus

Die rekordverdächtigen zwei Dutzend Dopingfälle unter dem Verbandspräsidenten Hasan Akkus zeigen systematisches Doping beim türkischen Hebernachwuchs an: Der Großteil wurde im letzten Dezember, bei und nach den U23-Europameisterschaften detektiert, Stanozolol-Fälle allesamt. Zu den Hintergründen ist bis heute nichts bekannt. Der altgediente Funktionär Akkus ließ auch gar keine Aufklärungsabsichten erkennen, er trat lieber eilig mitsamt seinem Präsidium zurück. Kuriose Begründung: „Wo Doping ist, da sind wir nicht.“ Akkus, muss man hinzufügen, steht auch der Medizinischen Kommission der IWF vor. 2011 spielte er in Istanbul den Gastgeber für die so genannte „IWF-Welt-Antidoping-Konferenz“ – eine Veranstaltung, für die Aján 250.000 Dollar verausgabte, nach Auffassung seiner Gegner (die vergeblich protestierten) aber bloß eine Beruhigungspille fürs Publikum, weil der Präsident öffentlich unter Druck geraten war in der Dopingfrage.

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Höher, schlauer, jünger?

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SINGAPUR. Kann man natürlich alles viel besser machen, viel kritischer, viel ausgewogener, viel böser, viel schönfärberischer und überhaupt. Aber so ist mein kleines Fragestück zu den Jugendspielen, an dem ich mit Spaß hektisch gebastelt habe, nun im Deutschlandfunk gesendet worden (knapp 27 Minuten):

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Zu Wort kommen: Britta Steffen, Kathrin Boron, Gudrun Doll-Tepper, Jacques Rogge, Thomas Bach, Joseph Blatter, Helmut Digel, Eike Emrich und Ulf Tippelt.

Ich habe noch jede Menge O-Töne, passendere, bessere, kürzere, längere, und habe ja auch mit einigen Sportlern gesprochen. So ist das nun mal. Im Tagesgeschäft Journalismus gibt es Andruck- und Sendezeiten und damit einen Redaktionsschluss. Manches, wie die Pound-Passage, habe ich schon vorher produziert, es passt dennoch gut rein. Die Youth Olympic Games dauern ja noch ein Weilchen, ich hole noch einiges nach, vielleicht bastle ich aus diesem Beitrag hier noch einen längeren, ergänzenden.

Wer nicht hören mag (oben den Player anklicken), der mag vielleicht lesen, einiges habe ich natürlich schon angefügt und ergänzt:

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Vancouver, Tag 14: Willy Bogner, Münchens Olympiachancen und die IOC-Präsidentschaft

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VANCOUVER. Das Gesicht der Bewerbung ist müde. Willy Bogner sitzt in der Lounge II des Deutschen Hauses in Vancouver und braucht jetzt einen Kaffee. Er ist schon wieder zwölf Stunden auf den Beinen, und der Abend hat nicht einmal begonnen. Er muss noch zwei Interviews geben und in Kürze gibt es ein Essen zur Erinnerung an die Sommerspiele 1972 in München.

Walther Tröger kommt gleich, der Bürgermeister des Olympischen Dorfes von 1972, der in Vancouver mit seinen 81 Jahren – und trotz tagelanger heftiger Zahnschmerzen – tapfer fürs Vaterland schuftet. Tröger, seit Januar IOC-Ehrenmitglied, damit nicht mehr stimmberechtigt und also relativ unabhängig, blüht wieder auf. Denn München ist seine olympische Liebe. Er umgarnt die älteren IOC-Mitglieder, von denen es viele gibt, und er führt seinen Kumpel Willy Bogner (68) in diesen bizarren Zirkel ein.

So eine Olympiabewerbung ist eine anstrengende Sache. Jeden Morgen um 7.30 Uhr lässt Thomas Bach, IOC-Vizepräsident und Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), seine Pappenheimer aufmarschieren. Dann werden im Deutschen Haus die großen Themen und winzige Details besprochen. Die Deutschen sind gründlich.

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Hansjörg Kofink sagt …

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… zur angeblichen, von dpa wieder einmal zielgerichtet geförderten „Initiative“ des DLV-Präsidenten Clemens Prokop:

Diese Meldung macht mich fast genau so wütend wie das verantwortungslose Geschwätz des NOK-Ehrenpräsidenten Tröger. Wer hat denn die „West-Trainer“ eingestellt, wer war verantwortlich für ihre Arbeit?

Ich war einer von Ihnen, und ich habe 1971/72 aus gegebenem Anlass mit Präsidiumsmitgliedern des DLV die Situation „Doping“ mündlich und schriftlich diskutiert. Schriftlich gab es nie eine Antwort. Die damalige, heute noch lebende Frauenwartin, die mich – eigentlich müsste ich sagen – gekeilt hat, wusste über die Situation genau Bescheid, vor allem über meinen Nachfolger, der mit der Antibaby-Pille arbeitete.

Es ist doch zutiefst heuchlerisch heute in der Öffentlichkeit um „geständige Westtrainer“ zu betteln, wenn man handfeste Aussagen über die Medien schon seit Jahrzehnten kennt.

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Lust und Frust: Olympische TV-Milliarden

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Route de Vidy 9, CH-1007 Lausanne – ist die Adresse des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Alljährlich fliegen in der Vorweihnachtszeit die Mitglieder des IOC-Exekutivkomitees zu ihren Jahresendsitzungen ein.

Das mit den Jahreszeiten kriegt Google übrigens nicht hin, wie man sieht, auf Google Maps ist noch Sommer, und der neue Anbau zwischen altem und neuem Teil des IOC-Headquarters ist auch noch nicht zu sehen. Ich werde morgen Fotos nachreichen.

Ich bin via Genf gerade in Lausanne angekommen, diesmal im Hotel City nahe der IOC-Absteige Palace, wo ich mich gleich mal an der Bar umschauen werde. Zur Einstimmung ein Beitrag zur seit einer Woche wieder heiß diskutierten Frage der olympischen TV-Vermarktung.

Mich interessiert dabei weniger, welche Rekordsummen das IOC für die Winterspiele 2014 (Sotschi) und die Sommerspiele 2016 (werden im Oktober 2009 zwischen Madrid, Rio de Janeiro, Tokio und Chicago vergeben) erlösen kann. Dazu später einmal mehr. Ich konzentriere mich zunächst auf die Erwartungen der Sportverbände und unterlege die Geschichte, die ich in verschiedenen Medien veröffentlicht habe, mit einigen IOC-Statistiken.

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Korruption im Welt-Handball oder: der Pharao der IHF

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Achtung, dies wird ein hundsgemein langer Blogeintrag, der hätte schon längst geschrieben werden müssen. Das Thema rechtfertigt die Länge: Der freie Journalist Erik Eggers ärgert seit einem Jahr die Funktionäre des Handball-Weltverbandes IHF gewaltig, allen voran Hassan Moustafa, den ägyptischen Präsidenten. Natürlich auch den kuwaitischen Scheich Ahmed Al-Fahad Al-Ahmed Al-Sabah, den „Freund und Kollegen“ des DOSB-Präsidenten […]

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