veronika rücker

Über den DOSB in Tokio, angebliche Intrigen und eine ganz eilig durchgeführte Kulturanalyse

URAYASU. Knapp zehn Stunden noch, bis das Feuer verlischt. Gerade läuft der zweite Teil der 138. IOC-Session mit der Aufnahme neuer Mitglieder und der Selbstbeweihräucherung durch den Großen IOC-Führer, The Greatest IOC Leader Of All Time (TGIOCLOAT/FDP). Um es kurz zu machen:

Im Newsletter 17 habe ich mich in der vergangenen Nacht ein wenig dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) beschäftigt. Das möchte ich Ihnen in diesem Theater nicht vorenthalten.

Im aktuellen SPIEGEL, Heft 32/2021, habe ich mich gemeinsam mit Thilo Neumann in einer kleinen Bilanz dem DOSB und den nächsten Monaten gewidmet, in denen wichtige Weichen für die Zukunft des deutschen Sports gestellt werden sollen/müssen/werden. Den ganzen Text (“Ständige Lügen des Präsidenten haben das Vertrauen zerstört”) darf ich Ihnen hier nicht reinknallen. Es geht um den DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann (CSU), seine Performance, seinen Abschied und um die Zukunft. Ich darf ein bisschen zitieren, ein Anreißer …

Tokio, was vom Tage übrig bleibt (29. Juli 21): die rassistische Kehrtwende

URAYASU. Ich weiß nicht, ob es Kameltreiber auf Fidschi gibt. Mir ist egal, welchen rassistischen Spruch ein dummer deutscher Radsportfunktionär möglicherweise für die Rugby-Olympiasieger aus dem Pazifik parat hätte. Doch diese Banknote zu Ehren der Flying Fijians wollte ich Ihnen nicht vorenthalten, vielleicht wird der Schein nach dem zweiten Olympiasieg neu aufgelegt – oder die Reserve Bank of Fiji macht gleich eine Serie draus.

Reserve Bank of Fiji

Eine Sieben-Dollar-Münze wurde nach dem ersten Erfolg in Rio de Janeiro auch herausgegeben.

Und diese Nationalhymne erst!

Schweigen, lächeln, genießen.

Es wird kaum schöner werden bei diesen Olympischen Corona Spielen:

Tokio, was vom Tage übrig bleibt (28. Juli 21): wenn Rassismus im deutschen Team folgenlos bleibt

UPDATE am Ende des Textes: Offensichtlich unter dem Druck der Öffentlichkeit – und nach internem Druck – hat die DOSB-Führung den Radsportfunktionär Patrick Moster nun doch nach Hause geschickt. Die Entscheidung erfolgte vor wenigen Minuten.

URAYASU. Was berichten Weltmedien heute über das deutsche Olympiateam? Reuters zum Beispiel:

Ob das wirklich eine Entschuldigung war, weiß ich nicht, das schauen wir uns gleich an. Darum geht es:

Reuters schreibt:

“Get the camel drivers, get the camel drivers, come on,” Patrick Moster said as he urged on his rider Nikias Arndt, who was chasing opponents Algeria’s Azzedine Lagab and Eritrea’s Amanuel Ghebreigzabhier.

Und:

Germany’s Olympic Committee (DOSB) did not respond to a request for comment.

Man könnte es sich einfach machen und sagen: Es ist halt Radsport, da darf man nichts erwarten. Die flächendeckende Unkultur in dieser Branche ist seit Jahrzehnten bestens belegt. Doping und sonstige Gaunereien. Es ist mir egal, ob jetzt Leser aufschreien. Ja, Radsport steht aus guten Gründen unter besonderer Beobachtung. Und jetzt dies: 

Rassistische Äußerungen von Patrick Moster, Sportdirektor des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), beim olympischen Einzelzeitfahren – live übertragen und deshalb nicht zu leugnen. Und deshalb auch für alle Ewigkeiten archiviert in diesem Internet.

“Hol die Kameltreiber! Hol die Kameltreiber! Komm!”

Tokio, was vom Tage übrig bleibt (21. Juli 21)

Für diesen Newsletter, der aus Tokio bis 10. August täglich erscheint, können Sie sich hier anmelden, dann erhalten Sie den kompletten Newsletter aktuell. Im Blog veröffentliche ich tags darauf jeweils eine eingedampfte Variante. Nach den Spielen erscheint der Newsletter wöchentlich. Nach diesen Spielen ist schon vor den Olympischen Winterspielen in Peking und der Fußball-WM in Katar – machen Sie sich aus etwas gefasst!

Wer zuletzt lacht: Rheinländer Mronz, Rücker, Laschet – Profi Bach. (Foto: IOC/Greg Martin)

Tokio Newsletter 3

URAYASU/TOKYO. Ich hatte eigentlich vor, mit einem anderen Bild aufzumachen. Aber herrje, Ehre wem Ehre gebührt – konzentrieren wir uns zunächst auf die deutsche Tragödie, die sich hinter der heutigen Vergabe der Spiele der XXXV. Olympiade an Brisbane versteckt. Hat ja genug Schlagzeilen über die sportpolitischen Narrenspiele gegeben in den vergangenen Monaten. Drei der vier Deutschen da oben waren noch vor wenigen Wochen absolut davon überzeugt, das IOC würde frühestens im Sommer 2022 die Olympischen Spiele 2032 vergeben. Oder eben später. Irgendwann.

Jetzt stellen Sie sich vor, eine Person von den vieren dort oben würde demnächst Bundeskanzler, eine andere Person schaffte es tatsächlich, den Friedensnobelpreis zu akquirieren, eine dritte Person nähme für Olympia 2036 neuen Anlauf, wahrscheinlich sogar mit Bundesmitteln unterstützt, und eine vierte Person bliebe im Amt an der Spitze der DOSB-Administration, obwohl sie Unfähigkeit hinreichend unter Beweis gestellt hat und mitverantwortlich ist für ein Klima der Angst in der Belegschaft.

Sie möchten sich das nicht vorstellen? 

Sie wollen lieber auswandern?

Es ist Ihre Entscheidung. Handeln Sie bitte nicht übereilt!

Systemversagen des deutschen Verbandssports

Der deutsche Sport steht vor gewaltigen Herausforderungen. Wer glaubt, die Wogen würden sich glätten, nur weil Alfons Hörmann (CSU) vor einigen Wochen unter Druck angekündigt hat, bei den anvisierten Neuwahlen im Dezember 2021 nicht wieder als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) zu kandidieren, der irrt gewaltig und hat die Dimension des Problems nicht begriffen.

IOC-Ultimatum für Alfons Hörmann (DOSB, CSU)

Die Posse um die deutsche Olympiabewerbung NRW 2032 nimmt kein Ende. Nachdem sich das Exekutivkomitee des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am 24. Februar auf den Olympia-Gastgeber Brisbane vorfestlegte, begann in Deutschland das große Blame Game. Schuld waren immer die anderen: NRW-2032-Initiator Michael Mronz (FDP) und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) warfen am 26. Februar den DOSB-Verantwortlichen vor, nicht zu wissen, was im IOC passiere. DOSB-Präsident Alfons Hörmann (CSU) und die Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker konterten am 1. März mit einer bizarren Video-Pressekonferenz, in dem sie ihrerseits Mronz und dem IOC Falschaussagen vorwarfen.

Im Zentrum der DOSB-Attacken stand nicht etwa der DOSB-Ehrenpräsident und IOC-Präsident Thomas Bach (FDP), sondern Kristin Kloster Aasen: Die Norwegerin, Neuling im IOC, leitet in Bachs Auftrag die Future Host Commission for the Games of the Olympiad, die mit Interessenten für Olympische Sommerspiele verhandelt, die noch im Januar mehrfach mit NRW und dem DOSB gesprochen hatte – und die sich im Februar auf den Kandidaten Brisbane festlegte.

Lima 2017: Kristin Kloster Aasen bei ihrer Vereidigung als IOC-Mitglied (Foto: Greg Martin/IOC)

Journalist stellt Fragen – der DOSB lässt Anwalt Bergmann antworten

Mal wieder Post vom Anwalt. Bin ja schon froh, ab und zu überhaupt so etwas Antwortähnliches vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zu bekommen – und nicht gleich verklagt zu werden.

Man hat sich längst daran gewöhnt: Auf Fragen an den DOSB antworten Advokaten vom Kurfürstendamm.

Kein Scherz.

Das ist normal im DOSB. Wer bezahlt eigentlich die beträchtlichen Anwaltskosten?

Und das ist die erbärmliche Geschichte, eine Geschichte, die so und ähnlich zahlreiche andere Journalisten im Umgang mit dem DOSB erleben – seit gut einem Jahrzehnt:

Stasi reloaded: irre Zuspitzung einer irren Woche in der olympischen Parallelgesellschaft

Gegen Ende einer irren Woche bin ich doch noch einmal sprachlos – über den Stasi-Inzidenzwert des deutschen Hochleistungssports im Jahr 2021. Jeder meiner Gesprächspartner heute Abend reagiert schockiert. Man weiß einfach nicht mehr, was man noch sagen soll zu diesem Sport, zu diesem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), zu dieser DOSB-Führung um Präsident Alfons Hörmann (CSU) und die Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker, die nichts, aber auch gar nichts auf die Reihe bekommen. Die keine Konzepte haben, die dümmlich-stümperhafte sogenannte Strategien vorlegen, die inhaltlich erstarren, die sich von einer Peinlichkeit in die nächste manövrieren.

Wir schreiben das Jahr 2021.

Der verzweifelte Versuch von DOSB und BMI, die Kommunikationsherrschaft zu erlangen

Das kann man mal so stehen lassen. Hier das gerade vom DOSB bereitgestellte Dokument zu einem weiteren bizarren Termin in Sachen Olympiabewerbung 2032 – eine Antwort auf die Herren Laschet und Mronz.

live aus FFM: DOSB-Mitgliederversammlung

FRANKFURT AM MAIN. Wenn ich schon mal hier sitze in der vierten Etage des Kongresshauses Kap Europa, dann kann es auch ein bescheidenes Live-Blog sein.

Also, 16. Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) unter dem Möchtegern-Landrat Alfons Hörmann (CSU). Viel Vergnügen.

Paradoxon Olympia 2032: Berlin ist draußen, NRW ist ein Kandidat, ohne zum Kandidaten gekürt worden zu sein.

Wer die Diskussion um die Olympischen Sommerspiele 2032 und einen Kandidaten Nordrhein-Westfalen verstehen will, muss umdenken und sollte die Chronik der Olympiavergaben seit 1991 studieren. Wir sind es gewöhnt, Olympiabewerbungen in jenen Kategorien und unter jenen Regeln zu betrachten, die das IOC Anfang der 1990er Jahre festgezurrt hatte. Viele dieser Grundsätze gelten aber nicht mehr.

Insofern ist NRW im Grunde schon ein Olympia-Kandidat, schlicht und einfach, weil sich dort ein Ministerpräsident (Armin Laschet/CDU), ein vorzüglich vernetzter Sportvermarkter (Michael Mronz/FDP) und 14 OberbürgermeisterInnen committed haben, wie es auf Neudeutsch heißt. Anfang des Jahres machten Laschet, Mronz und Veronika Rücker, die Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), dem IOC-Präsidenten Thomas Bach (FDP) in Lausanne ihre Aufwartung. Seitdem ist #NRW2032 quasi im Rennen, obwohl es noch keinen Grundsatzbeschluss des DOSB gegeben hat, der gemäß IOC-Grundgesetz (Olympische Charta) allein über eine Bewerbung entscheidet. Obwohl es einen solchen Beschluss wohl frühestens 2021 geben wird.

Dann allerdings, danach sieht derzeit vieles aus, könnten die Sommerspiele 2032 schon vergeben sein.

Zu kompliziert?

Ich sage doch, was man bisher über Olympiabewerbungen kannte und zu wissen glaubte, kann man beinahe vergessen. Heute ist (fast) alles anders und das will ich in einem länglichen Beitrag ansatzweise erklären.

Wir alle müssen dabei umdenken und alte Kategorien streichen.

Am Beispiel NRW vs Berlin heißt das:

NRW ist ein Kandidat, ohne vom DOSB gekürt worden zu sein.

Berlin ist nichts, ohne vom DOSB dazu gekürt worden zu sein.

live aus PyeongChang (27): DOSB-Selbstbeweihräucherung mit drei Ausrufezeichen!!!

PYEONGCHANG. Bilanzpressekonferenz des DOSB. Hat Tradition in diesem Theater. Zunächst nur runtergeschrieben, dann verfeinert.

Leistungssport-Vorstand Dirk Schimmelpfennig:

Das TeamD hat aus diesen Olympischen Spielen ein sportliches Spektakel gemacht.

Viele Geschichten, die dafür stehen.

Medaillen „19 plus x als Ziel. Das x könnte auch groß sein. Es ist jetzt relativ groß.“

Sotschi und Vancouver werden wir am Ende beides toppen. Nach dem Ausrutscher von Sotschi können wir sagen, dass wir wieder zu den führenden Wintersportnationen zählen.

Wir haben deutlich zugelegt auch in der Bewertung der Plätze vier bis acht.

Wir haben die Nationalhymne hier gehört so oft wie noch nie.

2002 bis 2014 Ergebnisse runtergegangen. So ist dieses Ergebnis hoffentlich auch eine Trendwende. Wird sich in den nächsten acht Jahren zeigen, ob wir das weiter entwickeln können.

Ski Alpin, Langlauf, Eisschnelllaufen und Trendsport außer Snowboard konnten sich nicht beteiligen.

Die Frage der Strategie wird auch sein, ob wir diese Erfolgswahrscheinlichkeiten im Sinne des Erhalts der Vielfalt ausbauen können. Wir tendieren zu dieser Lösung und wollen auch den Sport in seiner Breite darstellen.

Die DSOB-Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker bleibt natürlich im Marketingsprech.

TeamD.

Ach ja.

Vor zwei Jahren in Rio hieß das noch unentwegt Sportdeutschland.