uwe trömer

Was vom Tage übrig bleibt (104): die Usancen im Verein Doping-Opfer-Hilfe

Über die traurigen Vorgänge im Verein Doping-Opfer-Hilfe e.V. (DOH) hat Markus Völker in der taz einen geradezu bedrückenden Text veröffentlicht. Lesebefehl:

Er schreibt u.a.:

Es ist ein unheimlicher Streit, weil, vereinfacht gesagt, die Guten gegen die Guten kämpfen und den Bösen damit vielleicht in die Hände spielen. Es ist aber auch ein unheimlicher Streit, weil man als Rechercheur das Gefühl hat, knietief in einem Sumpf aus Vorhaltungen, Neidkomplexen und gekränkter Eitelkeit zu waten und nicht so recht weiß, wie man sich von da aus wieder auf eine Sachebene begeben kann. Neuerlich hochgekocht ist der Konflikt nach einem Bericht des in Neubrandenburg erscheinenden Nordkuriers: „Wie sauber ist die Hilfe für Opfer von DDR-Doping?“

Der Verfasser, Thomas Krause, hat sich bislang wohl eher nicht mit der Materie „Dopingopferhilfe“ befasst, er wurde zum Autor des Stückes, weil in seiner Stadt der stasi- und dopingbelastete Leichtathletiktrainer Dieter Kollark („IM Alexander“) arbeitet und weil Vorwürfe des Minderjährigendopings aufgekommen sind, die der 73-jährige Kollark vehement bestreitet; gegen die FAZ und den Tagesspiegel ist er deswegen juristisch vorgegangen.

Krause fiel schon vor ein paar Wochen als Sprachrohr Kollarks auf. Leider trifft er diesmal einen sehr wunden Punkt. Unlängst hat sich sogar der sehr verdienstvolle Anti-Doping-Aktivist Henner Misersky aus dem DOH zurückgezogen – im erbitterten Streit.

Leichtathletik-WM, Tag 5: Respekt, Robert Harting

11.21 Uhr: Habe mich entschieden, Angela Merkel Angel Merkel sein zu lassen und für diesen Tag einen neuen Beitrag zu beginnen. Denn es wird ein aufregender Tag, das ist mal klar. Robert Harting hat ja angekündigt, heute auf der Pressekonferenz nach seinem Medaillengewinn erst richtig loszuledern.

Und die schwedische Zeitung Aftonbladet berichtet über ein angebliches Problem von Daniel Bailey:

[caption id="attachment_4842" align="aligncenter" width="492"]"Bolts träningskompis fast för dopning" Screenshot aftonbladet.se, 19. August 2009[/caption]

Mal sehen, wie es weiter geht. Der Tag hat erst begonnen.

Petition des Dopingopferhilfe-Vereins an den Bundestag

Klaus Dieter Zöllig, Vorsitzender des Vereins Dopingopferhilfe (DOH), hat gestern Abend nachfolgende Einzelpetition an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages übermittelt. Die Meldung darüber und über die angekündigten Protestaktionen der Dopingopfer im Umfeld der Leichtathletik-WM im August in Berlin gingen am Sonntag bereits durch die Medien.

Für mich ist diese Petition zunächst wichtiger als andere Aktionen, weil sie den Fokus endlich wieder auf die politisch Verantwortlichen der Anstellung von ehemaligen Dopern und dieser Entschuldungspauschale für Dopingtrainer (und Ärzte und Betreuer?) richtet: die Sportpolitiker im Bundesinnenministerium (BMI), im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und seinen Vorgängerorganisationen DSB und NOK sowie in den Fachverbänden. Auf jene also, die im fragwürdigen Zeitraum seit 1990 insgesamt Steuermittel in Höhe von mehreren Milliarden Euro in den Hochleistungssport gepumpt haben und damit auch zahlreiche dopingbelastete Trainer und Mediziner aus Ost und West (Freiburg u.a.) finanziert haben.

Die Petition richtet sich explizit gegen das für Sport verantwortliche BMI. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hat bereits erklärt, die umstrittenen Trainererklärungen akzeptieren zu wollen. Der DOH drängt darauf, dass nicht im Stile eines Duodez-Fürstentums zuwendungsrechtliche Verfehlungen folgenlos bleiben, sondern verlangt, dass bestehende Gesetze, Bestimmungen und Verordnungen eingehalten werden. Laut DOH dienen die Trainererklärungen auch dazu, die Verantwortung von Sportfunktionären und Politikern zu vertuschen.

DDR-Dopinggeschädigte zur „Entschuldungspauschale für Sportkriminelle“

Ich veröffentliche eine weitere Erklärung von DDR-Dopingopfern nach: „Kein fauler Frieden in der Dopingaufarbeitung“.

Erklärung von DDR-Dopinggeschädigten zur anstehenden Entschuldungspauschale für Sportkriminelle

Die Entschuldungspauschale von dopingbelasteten Trainern wird einer konsequenten Dopingbekämpfung in Deutschland, einer sachgerechten Aufarbeitung der Dopingvergangenheit in Ost und West sowie dem massiven Schadensvolumen der zahlreichen Dopingopfer nicht gerecht. Wir akzeptieren keine pauschalen Entschuldungsschreiben von Trainern, die zwanzig Jahre lang ihre Geschichte weggelogen und sich damit Einstellungsverhältnisse erschlichen haben. Ein universaler Entschuldungstext meint niemanden und respektiert niemanden. Wir lehnen es ab, dass durch eine solche Erklärung zahlreiche Verant­wort­liche einen rückwirkenden Freifahrschein für angetanes Unrecht, Zugriffe und Verfehlungen im Sport erhalten sollen. Das viel gebrauchte Argument, diese Trainer seien in den vergangenen zwanzig Jahren in Sachen Doping unauffällig geblieben, ist gemessen am Zustand des deutschen Antidopingsystems nicht nur gezielt scheinheilig, sondern unstatthaft. Jeder, der in diesem Land dopen will, kann das unbehelligt tun.