usain bolt

Russland nimmt Kurs auf die Winterspiele 2018 in PyeongChang: nächste Ausfahrt CAS

[caption id="attachment_29530" align="aligncenter" width="1024"]Soschi 2014, das Finale: Ein russisches Trio empfängt die Medaillen nach dem Marathon über 50 km. Alexander Legkow (M.) zieht jetzt vor den CAS. Kollege Wylegschanin ist ebenfalls suspendiert - und läuft trotzdem. (Foto: President of Russia) Soschi 2014, das Finale: Ein russisches Trio empfängt die Medaillen nach dem Marathon über 50 km. Alexander Legkow (M.) zieht jetzt vor den CAS. Kollege Wylegschanin ist ebenfalls suspendiert – und läuft trotzdem. (Foto: President of Russia)[/caption]

Kein Tag ohne Dopingmeldungen aus Russland. Der Welt-Sportgerichtshof CAS in Lausanne teilt heute mit, dass die suspendierten russischen Skilangläufer Alexander Legkow und Jewgeni Below Einspruch gegen ihre vom Ski-Weltverband FIS ausgesprochenen Sperren eingelegt haben. Dies hatte ihr deutscher Anwalt Christof Wieschemann am Mittwoch via Twitter, auf seiner Webseite und schließlich über Nachrichtenagenturen verkündet.

Der Einspruch mit Beantragung eines beschleunigten Verfahrens (die Nordische WM beginnt in zweieinhalb Wochen in Lahti) erfolgte am Montag, am Donnerstag lieferte Wieschemann dem CAS die Begründung nach.

[caption id="attachment_29531" align="aligncenter" width="783"]Bildschirmfoto 2017-02-04 um 00.35.05 Pressemitteilung CAS vom 3. Februar 2017[/caption]

Legkow, der am Schlusstag der Winterspiele 2014 in Sotschi den Marathon über 50 Kilometer gewonnen hatte, ist einer von sechs russischen Langläufern, die im Dezember 2016 nach Veröffentlichung des zweiten Untersuchungsberichts von Richard McLaren vom Ski-Weltverband FIS suspendiert wurden. Die Doping-Kommission der FIS hatte Einsprüche der Russen in der vergangenen Woche abgelehnt. Trotz der Suspendierung soll Maxim Wylegschanin, dreimaliger Silbermedaillengewinner von Sotschi, bei zwei nationalen Wettbewerben gelaufen sein, weshalb ihm die Ausweitung der vorläufigen Sperre droht.

Die wichtigsten Festlegungen der FIS seit Veröffentlichung von McLaren II:

live aus Rio (19): The Legend #Boltwatching und ein Fabelweltrekord von Wayde van Niekerk

RIO DE JANEIRO. Was bringt Mann nicht für Opfer für seine zahlende Kundschaft. Ich mach mich mal auf den Weg ins Leichtathletik-Stadion. Wenigstens einmal. Der Tradition folgend. Jogging Gate, Boltwatching, nennt es wie Ihr wollt. Ein paar blöde Bemerkungen werden schon dabei rausspringen, so wie 2008 in Peking, 2009 in Berlin, 2012 in London und überhaupt. Dazu einige vielleicht nützliche Hinweise – und weiter arbeiten an den eigentlichen Themen.

Schöne Grüße von Hassan Moustafa bis dahin.

19.53 Uhr: Kaum sind zwei Stunden um, sitze ich auch schon einsatzbereit am Platz. Dass die Klamotten am Leib kleben (nachdem ein verdammt junger Kollege noch ordentlich Coke über meine Hose geschüttet hat), merkt man kaum noch, so voll im Flow. Nur dass es an allen Ecken und Enden stinkt, stinkt mir derzeit gewaltig. Jeden Tag ein anderes Zipperlein. Ist schon komisch. Sitzt man da im Buss, dicht an dicht, so wie man niemals sitzen will, und dann stinkt das los. Man schaut zuerst die eigenen Schuhe an, dann wandert der kritische Blick die Hosenbeine hoch, überprüft so manches Detail, um dann, erleichtert nun, die Nachbarn zu untersuchen.

Dabei ist das einfach nur Rio. Die himmlisch-scheußliche Kloake.

live aus Rio (16): ein Harting kommt selten allein

BARRA DA TIJUCA. Erst das, nun das. Der eine Olympiasieger verdreht sich das Kreuz beim Lichtausschalten. Doch alles bleibt in der Familie. Was für Geschichten. Hätte sich niemand besser ausdenken können. Obwohl, Robert Harting bestimmt, er wäre garantiert lieber im Wettkampf dabei gewesen, in dem sein Bruder Christoph Olympiasieger wird, und hätte ihm einen harten Kampf geboten, so wie jüngst in Kassel.

Hatte ich nicht gestern geschrieben: Da muss es halt der kleine Harting reißen?

From Russia with love (III): live-Blog mit Usain Bolt, Wasserstandsmeldungen zum IOC-Wettrennen

MOSKAU. War spät gestern. Marschierte gegen vier Uhr aus dem Ukraina. Heute einige Frühstücksgespräche. Gleich wieder in die Höhle des Löwen und in viereinhalb Stunden im fein klimatisierten IAAF-Bus ins Luschniki-Stadion. Dort ab etwa 18 Uhr Ortszeit (16.00 Uhr MESZ) ein Live-Blog rund um den Auftritt von The Legend Usain Bolt.

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Wer sich einlesen mag, die Programme der sechs Kandidaten gibt es meines Wissens nach weltweit nur an einer Stelle: hier im Blog.

Mit viel Liebe produziert, die Bildergeschichten:

Diese Beiträge waren Gesprächsthema in der olympischen Familie:

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Vielleicht wird die Frage der IOC-Präsidentschaft, deshalb bin ich hier, doch noch spannend. Dass der Favorit (UDIOCM) nervös wird, hatte ich bereits angedeutet. Wenn man mich fragt, und das passiert gerade in IOC-Kreisen gelegentlich, denn es treiben sich ja kaum andere Journalisten herum, aus Deutschland im Ukraina schon gar nicht, dann sage ich wahrheitsgemäß: Er scheint mir noch vorn zu liegen.

Und ich frage zurück: Wo sollen die anderen ihre Stimmen gewinnen? Für mich derzeit die Kernfrage, denn ich sehe nach wie vor ein paar Dutzend Unterstützer für das UDIOCM, aber ich sehe die nicht für andere.

Bloß, wie belastbar sind all das Getuschel, sind all die Gerüchte?

Was macht der Scheich gerade und vor allem: was macht er kommende Woche? Was macht Carrión, macht er überhaupt etwas? Was macht Bubka, der hier ja fast Heimvorteil hat?

Die Berater des UDIOCM geben sich ultimativ gelassen. Aber aus allen Richtungen hört man anderes. Manches, was so als elektronische Post verschickt wird und nicht nur von der NSA, sondern auch von anderen Menschen gelesen wird, signalisiert durchaus: Genervtsein. Panik? Schwimmen die Felle davon?

Fakt ist: Fast jeder aus dem Business will etwas zum derzeitigen sportpolitischen Top-Thema in Deutschland wissen, zur Dopingstudie. Alle denken daran, wie sich das noch auf Bach auswirken könnte.

Das sind alles so Punkte, die es weiter zu erörtern gilt. Am Ende soll ja ein Ebook stehen. (Und vielleicht noch eine Überraschung.)

Vielleicht wird der Live-Blog aus Buenos Aires von der IOC-Vollversammlung, der bestimmt vom 2. bis 10. oder 11. September gehen wird, aber auch der eigentliche Höhepunkt des Crowdfunding-Buchprojekts. Denn Bloggen hat doch seinen unwiderstehlichen Reiz, finde ich. Am Ende werde ich da wohl mehr Text produziert haben als im eigentlich Buch.

Aber nun: zurück an die Arbeit.

Ich melde mich in ein paar Stunden aus dem Luschniki-Stadion.

19.57 Uhr: Früher ging nicht. IOC-Buch ist wichtiger. Mein Bild von der Szene und dem präsidialen Treiben wird runder.

Das Halbfinale des Witzbolts habe ich auf meiner Odyssee durchs Stadion auf einer Sportlertribüne gesehen.

Auch das liebe ich so an den Russen. Einfach energisch mit der Akkreditierung wedeln, dann kommt man öfter mal dorthin, wo man nicht hinkommen sollte. Hier jedenfalls. Die Ordnungskräfte sind ziemlich relaxt, oder sagen wir vielleicht besser: Es kümmert sie nicht allzu sehr. Solange nicht Putin in der Nähe ist, wie gestern Abend. Dann stehen die Räder still. Und selbst IOC-Vizepräsidenten, drei habe ich gesehen, irren umher auf der Suche nach einer standesgemäßen Limo. Doch sie mussten, wie alle anderen warten, weil eine Stunde lang gar nichts ging. Kein Auto, kein Bus, durfte vom VIP-Bereich Luschniki verlassen. Auf diese Stunden und darauf, wer wo wann mit wem campierte, komme ich später noch oft zurück. Habe bis nachts um vier daran gearbeitet, Auskünfte einzuholen. Scheint mir wichtig. #Geheimnistuerei

From Russia with love (I): Panikattacken des Präsidentschaftsfavoriten?

MOSKAU. Endlich wieder im Kreise meiner zweiten Familie. Ich habe sie sehr vermisst in den vergangenen vier Wochen, die Olympic Family. Habe für vier Tage Stellung bezogen im legendären Hotel Ukraina, das jetzt Radisson Royal heißt, und beobachte das Treiben der IOC-Präsidentschaftskandidaten, habe die Olympiabewerbung 2020 und Putins Sportbattalione im Blick, so gut es eben geht.

Das Ukraina hat es mir übrigens angetan, wie die anderen sechs stalinschen Wolkenkratzer, die Seven Sisters. Sie üben eine merkwürdige Faszination auf mich aus. Das muss der russische Teil meiner Seele sein, oder der stalinsche? Jedenfalls, ich habe jetzt alle mal kurz besichtigt. Aber das ist eine andere Geschichte. Blöderweise ist das Ukraina so hoch und breit, dass ich es aus der Nähe einfach nicht aufs Bild kriege, habe es mit drei Kameras versucht, aber gerade keine Zeit, auf die andere Seite der Moskwa zu wandern und von dort aus abzudrücken. Deshalb, Fremdquelle (und aus dem Winter, war gerade nichts anderes greifbar), ein eigenes Foto wird nachgetragen:

[caption id="attachment_17199" align="aligncenter" width="800"]Hotel Ukraina/Radisson Royal (c) Wikimedia Hotel Ukraina/Radisson Royal, ©Rudolf Simon (cc-by-sa)[/caption]

Momentaufnahme drinnen: Aus dem Aufzug kam eben Jacques Rogge mit Anne – die Blaulichter draußen warten schon, es geht zum Dinner. An der Bar, fünf Meter hinter mir, sitzen Juan Antonio Samaranch Junior, Craig Reedie und Richard Carrión; Alex Gilady ist gerade gegangen. Daneben am Tischlein haben die Amerikaner um Jim Scherr und Doug Arnot (beide ehemals USOC) Platz genommen, die für Aserbaidschans Diktator Ilham Äliyev und EOC-Präsident Pat Hickey 2015 die ersten European Games organisieren. Sie haben auch gerade einige IAAF-Funktionäre bearbeitet, etwa den Schweizer Hansjörg Wirz, Präsident des europäischen Verbandes. Denn die Leichtathleten machen bisher nicht mit bei den Europaspielen, von denen niemand weiß, warum Europa die braucht. Außer natürlich Äliyev und Hickey, die wissen, dass sie sie brauchen.

#London2012 (XXXI): THE LEGEND @UsainBolt

The Times, cover vom 10. August 2012. So etwas habe ich in einer deutschen Zeitung noch nicht gesehen. Die haben es durchaus drauf, diese Briten.

LONDON. Olympic Stadium, Block 213/214, Row 67, Seat 312. Leichtathletik, letzter Tag. Einige Entscheidungen noch, mit dabei natürlich der Witzbolt The Legend Usain Bolt. Das Double Triple steht an. Anyone with me? Schauen noch Leute zu, da draußen am Fernsehen. Wenn ja, dann verbringen wir die nächsten zwei Stunden gemeinsam. (Parallel dazu trage ich weitere Notizen von der Abschluss PK des DOSB nach.)

Zur Einstimmung, meine Dichtung von gestern Nachmittag, erschienen u.a. in der Berliner Zeitung, über jenen Mann, den wir hier seit Peking Witzbolt nannten – und nun umtaufen müssen. „Excellent for our sport“, sei der Witzbolt, hat IAAF-Präsident Lamine Diack unten im Stadion gerade gesagt.

* * *

LONDON. „I am a legend!“ Wie oft hat Usain Bolt diesen Satz ausgesprochen?

Tausendmal?

Zehntausendmal?

„Schreibt das alle auf“, rief er den Journalisten zu, nachdem er als erster Sprinter die 100 und 200 Meter bei zwei Olympischen Spielen gewonnen hatte. Das Double Double wie die Engländer sagen. Das doppelte Doppel, aus dem in der Sprintstaffel am Wochenende schnell ein doppeltes Triple werden soll – und in vier Jahren in Rio de Janeiro vielleicht ein dreifaches Triple.

Ich bin eine Legende“, diktierte er also. „Wenn ihr das nicht aufschreibt, geben ich euch keine Interviews mehr, Jungs.“

Dann verließ er nach einem zwei Stunden währenden Interview in der Nacht zum Freitag den Pressesaal in den Katakomben des Olympiastadions.

Es war lustig mit Usain Bolt (26) und seinen ungleichen Gefährten Yohan Blake (22) und Warren Weit (22), denen der Dreifachsieg über 200 Meter gelungen war. Die meisten Journalisten waren freundlich drauf und wollten sich mit den Jamaikanern freuen.

„Im Name von hundert Millionen Indern“, gratulierte einer. Es wurde über seine Cricket- und Fußballkünste geredet. Darüber, ob er der perfekte Partner für Wayne Rooney bei Manchester United wäre. Einer fragte nach, ob Bolt, sorry: die Legende, oder Bob Marley der berühmteste Jamaikaner aller Zeiten sei. Marley, Muhammad Ali, Michael Phelps, Carl Lewis? „Ich bin der Größte meines Sports! Ich bin in dieser Kategorie! Ich bin eine Legende!“

Klar doch.

Eine Italienerin wollte schließlich wissen, wie die Frau an der Seite der Legende beschaffen sein müsse: „Eine berühmte Schauspielerin, eine Königin, eine Sängerin oder das schnellste Mädchen der Welt?“

Sag schon, Legende: „Welche Frau kann diesen Status bekommen?“

#London2012 (XXVII): @Witzbolt, Jogging-Gate VI

LONDON. Wie viele Weltrekorde des Witzboltes habe ich schon live erlebt? Ich glaube … alle. [Nein, nicht den ersten in NYC.]

Also mache ich flink mal rüber ins Olympic Stadium. Bis gleich in diesem Theater.

Ach, was sage ich da. Bekomme gerade Post aus Dänemark, einem dieser merkwürdig transparenten Demokratien, also keine Bananenrepublik wie Deutschland.

Mein Freund Henrik Brandt schreibt zu diesem Beitrag von vorhin:

Hilfe für Salz in die Wunde:

Alles Öffentlich nach der Öffentlichkeitsgesetz:

unter jeder Verband findest du die sogenannte Disziplinanalysen wo die Stärken und  Schwächen jeder Verband analysiert werden. Auf dieser Grundlage beschliesst der Aufsichtsrat (nach Einstellung von Team Danmarks Vorstand) die genaue finanzielle Unerstützung jeder Verband für die kommenden Jahren.

Ob das alles von der Presse kritisch benutzt (oder gelesen) werde? Kaum.

Ob das alles ein Problem ist in internationaler Konkurrenz? Ich glaube nicht, es geht ganz gut. Noch nie war Team DK so Erfolgreich (beste Ergebnis – auch in der Tiefe seit 1948)

20.15 Uhr: Stimmt das etwa, habe ich auf dem Weg hierher einen Weltrekord verpasst? Rudisha, 800?

Gerade die Slomo gesehen. Herausragende Hebelverhältnisse. Hat der geatmet? Gekeucht? @RudishaDavid

Obwohl, viel hätte ich nicht gesehen, am Platz. Denn ist ist doch wieder sehr voll, wenn der Witzbolt angekündigt ist:

Ihr sagt mir bitte, was da unten passiert, okay?

20.23: Vollprofi, der ich bin, habe ich heute, am viertletzten Tag, auch mitbekommen, dass die 180 Pfund, die ich für das Internetpackage bezahlt habe, auch einen Online-Zugang zum kompletten Infosystem beinhalten. Der funktioniert sogar.

#London2012 (XXV): Wenn chicken legs über die Bahn schweben #mb

LONDON. Olympic Stadium, Block 212/213, Row 71, Seat 313. Halbfinale 200 Meter.

Im ersten HF Blake vs Lemaitre vs Spearmon.

Keine Gegnerschaft für Blake, der die letzten 40 Meter spazieren geht und nicht mal nach Luft schnappt. 20,01. Natürlich muss Yohan Blake ein bisschen bluffen, gehört zu seinem Spielchen. Nur: schaut man sich ihn an und Lemaitre, der ja keine Pfeife ist, gerade 20,03 rannte und schon mal 19,80 gelaufen ist, sieht man also, wie Lemaitre pumpt … Ach Gott. Ich sage lieber nichts.

20.16: Der Witzbolt.

ENDLICH mal Ruhe im Stadion.

Keine Aussage zu treffen nach diesem Spaziergang. Hatte aber den Eindruck, als ob er danach atmete.

Grit Hartmann und ich haben heute für verschiedene Zeitungen dieses Textlein gedichtet:

Es geht Schlag auf Schlag mit den Meldungen zu Dopingfällen während dieser Londoner Spiele: Beinahe täglich wird ein neuer Erfolg verkündet. Von der ukrainischen Turnerin über marokkanische, französische, spanische Mittelstreckler, türkische Gewichtheber, den Italiener Alex Schwazer, Olympiasieger 2008 über 50 km Gehen, bis zur Sprinterin aus St. Kitts und Nevis. Ein reichliches Dutzend Fälle gaben das Internationale Olympische Komitee (IOC), die Sport-Weltverbände oder nationale Sportfunktionäre seit Beginn der Spiele bekannt. In London sei es schwierig wie nie zuvor, zu dopen und nicht erwischt zu werden, sagte John Fahey vor zwei Wochen, der Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). „Aber ich wäre dumm, würde ich behaupten, bei diesen Spielen würde niemand betrügen.“

Selbst Skeptiker können sich dem Sog der Pharmabilanz, die Olympias Propagandamaschine in die Welt hinaus bläst, nicht entziehen.

„Angenehm überrascht“ sei er über die vorolympische Teststatistik, sagt Perikles Simon, Professor an der Universität Mainz. Vor allem, weil „knallhartes Doping“ auffliege: „Testosteronfälle, Diuretika, Epo – das sind keine Wischiwaschi-Fälle wie so oft. Sondern schon Anhaltspunkte dafür, dass Kontrollen etwas ausrichten können, wenn sie richtig gesetzt werden.“

Simon schaut daheim viel Leichtathletik. Bei den Mittel- und Langstreckenläufen hat der Gendoping-Spezialist „Indizien“ fürs  verbesserte Kontrollregime ausgemacht:

„Man hat einige Kenianer aus dem Verkehr gezogen. Und nun erleben wir, dass die These von der angeblichen genetischen Überlegenheit der Schwarzafrikaner doch nicht so haltbar ist. Es gibt wieder Weiße, die durchaus mitlaufen können – bei Zeiten, die nicht mehr so extrem sind wie noch vor vier Jahren.“

Dafür, dass vor London intelligente Zielkontrollen zum Einsatz kamen, spricht auch der jüngste Fahndungserfolg im Falle Alex Schwazer. Der Olympiasieger wurde Ende Juli positiv auf das Blutdopingmittel Epo getestet – die Kontrolleure schauten vorbei, weil Italiens Nationalheld auffällig häufig in St. Moritz trainierte. Dort praktiziert der berüchtigte Arzt Michele Ferrari, auf dessen Kundenliste Schwazer stand. Der Tipp, so vermeldete die „Gazetta dello Sport“, kam von Interpol. Die Behörde koordiniert die Ermittlungen gegen „Dottore Epo“. Interpol hat auch einen Kooperationsvertrag mit der WADA unterzeichnet.

Andererseits vernebeln derlei Fälle den Blick für die Realitäten: die Direktbilanz der in London vom IOC verantworteten Kontrollen ist dürftig – mit einem Cannabis-Fall des US-Judokas Nicholoas Delpopolo. 3949 Proben wurden bis Dienstag genommen, verkündete IOC-Sprecher Mark Adams. Man wird am Ende weit über den angekündigten 5000 Tests liegen.

„Natürlich machen in einigen Disziplinen die Leistungsdimensionen stutzig“, sagt Perikles Simon, „zumal, wenn sie plötzlich in großer Breite erbracht werden.“ Er bezweifelt, „dass sich der Genpool der Menschheit derart verbessert hat, um die Zeiten zum Beispiel der Sprintfinals zu erklären“. Auch hat der Sportmediziner keine entsprechenden Fortschritte in der Trainings- oder Ernährungswissenschaft detektiert.

Wobei: Das Thema Nahrung liegt ja nun wieder im Trend, seit der Jamaikaner Yohan Blake sein 16-Bananen-Tagesmenü verriet. Simon bringt das eher zum Lachen: „Man wird ja auch veräppelt.“ Bananen und Yams-Wurzeln? Simon glaubt eher an eine Verlagerung des Betrugsgeschehens. „Da wird kaum noch mit Steroiden gearbeitet. Wachstumsfaktoren können eine Rolle spielen und wahrscheinlich Präparate mit Einfluss auf die Muskelkontraktion.“

#London2012 (XXI): live-Blog vom Witzbolt, Umfrage zum DSV-Bundestrainer

LONDON. Um das mal klarzustellen: Ich hasse meine Stammkundschaft, wenn sie mir derartige Qualen auferlegt und mich wochenlang nicht schlafen lässt. Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich derartigen unmenschlichen Forderungen dennoch nachkomme. Ab geht es also in die Kammer des Schreckens.

Coming soon:

Und damit widmen wir uns den wirklich wichtigen Dingen des olympischen Lebens. Ich bin auf dem Weg ins Olympiastadion und werde in Kürze den ganzen Abend live bloggen. Denn es tritt auf: der Witzbolt.

Außerdem wird es eine hübsche Umfrage zum Thema geben: Wer soll neuer Bundestrainer des Deutschen Schwimm-Verbandes werden? Aus den vielen sachdienlichen Hinweisen werde ich eine Liste destillieren. Wer noch nichts dazu beigetragen hat, kann das schnell nachholen.

18.25: Block 212/213, Row 73, Seat 313. Ich bin all hier! Oberste Reihe, es ist sehr windig, das Feuer kann ich nicht sehen, aber ich habe Platz und mich ja schon zwei Tage am Flämmchen gewärmt. Muss noch ein wenig arbeiten, dann folgt die Umfrage zum DSV.

Leichtathletik-WM, Tag 7: „I am not a boy. Why did you bring me here?“

11.16 Uhr: Moin, Freunde der Nacht. Ist ein bisschen später geworden heute. Die Maschine muss erst auf Touren kommen. Was ich gestern wohl nur getwittert habe: Nach dem fünften Fabelweltrekord des Witzbolts, den ich live im Stadion erleben durfte (3 x Peking, 2 x Berlin), bin ich ziemlich relaxt. Schlechtes Zeichen: Weder rührt es mich, noch regt es mich auf.

Irgendwann, in naher Zukunft, wird er die Stadionrunde laufen. Und natürlich den Weltrekord brechen, er wird eine 42er Zeit laufen, was derzeit kaum mal einer Frauen-Sprintstaffel gelingt, oder er wird sogar eine 41er Zeit markieren. Er ist halt ein Naturtalent.

11.32 Uhr: Habe gerade im RBB-Inforadio ein Interview mit Clemens Prokop gehört, der nicht gänzlich überraschend ein beschwingt zufriedenes Fazit der WM zieht. Was sollte er auch anderes sagen. Schließlich ist Prokop in Personalunion:

  • Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV)
  • als solcher Gesellschafter der WM-Organisation
  • Präsident des WM-Organisationskomitees (LOC)
  • Vorsitzender des WM-Aufsichtsrats
  • gelegentlich Wahlmann der Partei seines Co-Präsidenten Wowereit
  • (auf weitere Funktionen und Verbindungen verzichte ich, sonst sprengt die Aufzählung noch das Seitenformat)

Leichtathletik-WM, Tag 6: Harting schläft nicht, Bolt joggt wieder Weltrekord

02.36 Uhr: Um die letzte Frage von heute Nacht aufzugreifen: Wie war die Pressekonferenz mit Robert Harting? Es gibt nicht viel zu sagen. Er hat sich irgendwie bei den Dopingopfern entschuldigt. Im ARD-Fernsehen, das Harting als Vertragspartner der IAAF zuerst ans Mikro bekam, sagte er, es würde ihm „wirklich von Herzen leid tun“. Im nächsten Satz aber formulierte er: „Was man schreibt und was man sagt, ist heutzutage leider ein Unterschied.“ Tatsächlich auch in diesem Fall? (Mein Beitrag auf Spiegel-Online: „Gold ist erst der Anfang“)

Auf der Pressekonferenz im Olympiastadion machte er es ähnlich kurz und verwies auf die DLV-Pressekonferenz heute um 9 Uhr. In einem Radio-Interview (die Rechteinhaber vom Radio stehen nach den TV-Rechtehaltern in der zweiten Reihe, erst ganz am Ende der Verwertungskette kommen Schreiber) der ARD wurde er wohl schon klarer, sagte mir eine Kollegin. Ich habe den O-Ton noch nicht gehört.

Er hat auf jeden Fall das getan, was er im Wettkampf nicht getan hat: die Energie gedrosselt. Das ist auch gut so. Mal sehen, was er heute zu sagen hat. Bisher hat er nach seinem Weltmeistertitel diejenigen, mit deren Beiträgen er nicht so einverstanden ist und sein Trainer ihn vor Kontaktaufnahme gewarnt hat (hier schreibt einer davon), nur mit grimmigen Blicken bestraft. Lassen wir uns überraschen.