transparenzfragen

Der verzweifelte Versuch von DOSB und BMI, die Kommunikationsherrschaft zu erlangen

Das kann man mal so stehen lassen. Hier das gerade vom DOSB bereitgestellte Dokument zu einem weiteren bizarren Termin in Sachen Olympiabewerbung 2032 – eine Antwort auf die Herren Laschet und Mronz.

Olympia in NRW? „Wir sind zu jedem Tag bereit“, sagt Armin Laschet

Ich empfehle sehr diese knappe Stunde Pressetermin mit den Herren Laschet (CDU) und Mronz (FDP). Es geht um die vorerst gescheiterte Olympiabewerbung NRW 2032, die weiter geführt werden soll. Mindestens für 2036, für die dreißiger Jahre, wie Laschet sagt, der ja bald Kanzler sein will. Oder schon für 2024, wie Mronz scherzt, ein Scherz, der einem in diesem Zusammenhang erstarren lässt: „Eigentlich könnten wir auch 2024 die Spiele ausrichten.“

Gegen die Wand (2): Brisbane und #NRW2032

November 2020, Tokio: John Coates, Thomas Bach, Premier Scott Morrison, Botschafterin Jan Adams (Foto: IOC/Greg Martin)

Ich liebe und hasse Queensland. Ich hatte das Glück, dort 2019 zehn Tage an der Gold Coast zu verbringen, zum Weltsportgipfel SportAccord. Einfach grandios. Atemraubend. Jeden Morgen stundenlange Spaziergänge am Strand. Und es gibt dort viele Kilometer Strand. Andererseits sind da einige verdammt ekelhafte Sportfunktionäre aus Queensland, die meiner Freundin und Kollegin Bonita Mersiades, einer verdienten FIFA-Whistleblowerin, das Leben zur Hölle gemacht haben und sie vernichten wollten. Hier geht es zu den Texten, die ich gemeinsam mit James Corbett dazu veröffentlicht habe.

SportAccord war damals, ein Jahr nach den Commonwealth Games, eine wichtige Station auf dem Weg zu den Olympischen Sommerspielen 2032, die nun so nah sind – für Brisbane und Queensland, nicht aber für NRW. Das sportpolitische Thema dieser Tage. Das Scheitern, das neuerliche Scheitern, hatte ich im Grunde bereits zum Auftakt der NRW-Kampagne vorhergesagt, in diesem Text: Gegen die Wand.


Die jüngere Geschichte deutscher Olympiabewerbungen ist eine unwürdige Ansammlung von Skandalen, der Verschwendung von Steuermitteln und allerlei anderen traurigen Konstanten. Sechsmal in Folge waren deutsche Bewerbungen seit 1986 erfolglos gewesen und scheiterten zuletzt zweimal am Bürgerwillen (München 2022, Hamburg 2024). Nun muss die Offerte von Nordrhein-Westfalen für die Sommerspiele 2032 eingestellt werden, selbst wenn sich Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Dienstag absurder Weise noch zuversichtlich zu den hochfliegenden Plänen geäußert hatte. Am Mittwochabend bestätigte das Internationale Olympische Komitee (IOC), dass die Spiele 2032 höchstwahrscheinlich in Brisbane stattfinden, im australischen Bundesstaat Queensland. 

Deutschlands Möchtegern-Olympiabewerber wurden auf allerlei Ebenen brutalst überrascht. Es ist ein neuer Tiefpunkt in den Jahrzehnten der Bewerbungs-Peinlichkeiten.

Offiziell gibt es weiterhin nur eine sogenannte Privatinitiative Rhein-Ruhr, geführt von Michael Mronz (FDP), Sportvermarkter und Mitinhaber der nicht unumstrittenen PR-Agentur Storymachine.

Auch IOC-Präsident Thomas Bach ist FDP-Mitglied.

So war vieles an den NRW-Hirngespinsten mit der unausgesprochen Hoffnung verbunden, der Große deutsche IOC-Vorsitzende werde es irgendwie schon richten.

Eine absurde Fehleinschätzung.

Die Doppelmoral-Falle des Helmut Digel

Helmut Digel galt einst als ein Vordenker des deutschen Sports. Als Ruheständler blickt er gewissermaßen auf die Trümmer seiner Funktionärslaufbahn: Den Makel der langjährigen engen Zusammenarbeit mit dem kriminellen Diack-Clan wird er nicht los. Das schmerzt. In wirren Elaboraten, die seine Universität Wissenschaft nennt, wettert Digel gegen Sportler, Politiker, Funktionäre, Journalisten – und fordert „Solidarität mit IOC-Präsident Dr. Thomas Bach“. Faktentreue muss sich der Freizeitturner dabei nicht nachsagen lassen. Aus Anlass des Prozesses gegen Lamine Diack et al. in Paris: Eine Textkritik – ein aktualisierter Beitrag aus dem Magazin Sport & Politics.

WORLD EXCLUSIVE: A leaked list discloses how much cash the IOC paid for the 2016 Olympics in Rio

SPORT & POLITICS, Heft 2

For the first time it can be revealed in detail how much cash the IOC paid to an Olympic host. Investigative journalist Jens Weinreich publishes the list of 117 payments to Rio 2016 in a worldwide exclusive in his magazine SPORT & POLITICS. The revelation helps to understand one of the most fundamental questions around the Olympic movement these days:

What kind of contribution can Tokyo 2020 really expect from the IOC?

A decade that opened windows of democracy in sport

Zum neuen Jahr, zum neuen Jahrzehnt: Ein Kommentar meines Freundes Jens Sejer Andersen, Gründer und Direktor Internationales der Organisation und Konferenz Play the Game.

It was not primarily the athletes that drove the radical change of the sports agenda in the decade we leave. But there are signs that athletes will be at the heart of the agenda of the 2020’ies, writes Play the Game’s international director in a wind-up of ten turbulent years in world sport.

Paradoxon Olympia 2032: Berlin ist draußen, NRW ist ein Kandidat, ohne zum Kandidaten gekürt worden zu sein.

Wer die Diskussion um die Olympischen Sommerspiele 2032 und einen Kandidaten Nordrhein-Westfalen verstehen will, muss umdenken und sollte die Chronik der Olympiavergaben seit 1991 studieren. Wir sind es gewöhnt, Olympiabewerbungen in jenen Kategorien und unter jenen Regeln zu betrachten, die das IOC Anfang der 1990er Jahre festgezurrt hatte. Viele dieser Grundsätze gelten aber nicht mehr.

Insofern ist NRW im Grunde schon ein Olympia-Kandidat, schlicht und einfach, weil sich dort ein Ministerpräsident (Armin Laschet/CDU), ein vorzüglich vernetzter Sportvermarkter (Michael Mronz/FDP) und 14 OberbürgermeisterInnen committed haben, wie es auf Neudeutsch heißt. Anfang des Jahres machten Laschet, Mronz und Veronika Rücker, die Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), dem IOC-Präsidenten Thomas Bach (FDP) in Lausanne ihre Aufwartung. Seitdem ist #NRW2032 quasi im Rennen, obwohl es noch keinen Grundsatzbeschluss des DOSB gegeben hat, der gemäß IOC-Grundgesetz (Olympische Charta) allein über eine Bewerbung entscheidet. Obwohl es einen solchen Beschluss wohl frühestens 2021 geben wird.

Dann allerdings, danach sieht derzeit vieles aus, könnten die Sommerspiele 2032 schon vergeben sein.

Zu kompliziert?

Ich sage doch, was man bisher über Olympiabewerbungen kannte und zu wissen glaubte, kann man beinahe vergessen. Heute ist (fast) alles anders und das will ich in einem länglichen Beitrag ansatzweise erklären.

Wir alle müssen dabei umdenken und alte Kategorien streichen.

Am Beispiel NRW vs Berlin heißt das:

NRW ist ein Kandidat, ohne vom DOSB gekürt worden zu sein.

Berlin ist nichts, ohne vom DOSB dazu gekürt worden zu sein.

Geschäftsgeheimnis: Wie viele Millionen bekommt der DOSB vom IOC?

Dies ist eine ganz einfache, faktenbasierte Erzählung, die belegt, wie schwer sich der DOSB noch im Jahr 2018 tut, transparent zu agieren. Jener DOSB, der unter Verbänden, Ministerien und Institutionen, die mit der Leistungssportreform befasst sind, im Grunde als einzige Partei unkontrolliert vor sich her wurstelt.

In anderen Ländern, in den USA oder im skandinavischen Raum, ist die Antwort auf die Frage, wie viel die NOK aus dem weltweiten Vermarktungsprogramm des IOC erhalten, kein Geheimnis. Da geht man halt online, als Bürger und Journalist, schaut sich die Bilanzen an, beim United States Olympic Committee (USOC) gern zusätzlich das Steuerformular 990, und hat die Daten parat. Auch die Vorstandsgehälter übrigens.

Wie viel der DOSB aus Lausanne erhält, weiß man nicht. Das ist, warum auch immer, Herrschaftswissen. Man verweist gern auf vermeintliche Geschäftsgeheimnisse. In Deutschland werden traditionell nur minimale Daten in den Jahresrechnungen und Wirtschaftsplänen genannt. Was unter „olympischer Vermarktung“ vom IOC kommt, was die vom DOSB zwischengeschaltete GmbH Deutsche Sport Marketing (DSM) selbst für den nationalen Bereich generiert, wie das alles zusammenhängt, wann was überwiesen wird, ob und wenn ja warum die DSM Provisionen auf die IOC-Überweisungen kassiert, dazu gibt es keinerlei Informationen.

Sollte der DOSB, dessen Verbände zu großen Teilen aus öffentlichen Kassen alimentiert werden, der sich als Dachverband und Serviceeinrichtung des Sports versteht, nicht gläsern agieren? Mir haben sogar DOSB-Vorstandsmitglieder berichtet, dass sie es nicht wissen und Anfragen nur ungenügend beantwortet werden. Das ist vor dem Hintergrund lang währender Debatten über die Transparenz der Sportförderung, nach Gerichtsentscheiden und Rechnungshofberichten, im Grunde ein Skandal.

Der mehrbedürftige DOSB und seine CSU-Kameraden

Der Sport ist bedürftig. Der organisierte Sport ist sogar sehr bedürftig und meldet immer größere Geldwünsche an. Der DOSB schickt seine Aufstellungen über die Mehrbedarfe an das BMI. Mehrbedarfe – ich habe ein neues Wort gelernt. Der DOSB-Präsident Alfons Hörmann (CSU) spielt parallel seine landsmannschaftlichen und Parteiverbindungen zu den CSU-Kameraden Horst Seehofer (noch Bundesinnenminister) und Stephan Mayer (Parlamentarischer Staatssekretär) aus – und schon klappt das mit den Mehrbedarfen.

Das Motto der 2016 verabschiedeten sogenannten Leistungssportreform hat sich ohnehin verselbständigt bzw umgekehrt. Einst hieß es erst Reform, dann Geld. Nun heißt es im Grunde: zahlt mal schön die Millionen, dann schauen wir, wie wir vorankommen mit unseren, nun ja, Reformen.

So läuft das im real existierenden Sportdeutschland, wie Alfons H. dieses Land nennt.

Und so sieht die jüngste, im September finalisierte Mehrbedarfe-Aufstellung des DOSB aus.

Viel Vergnügen bei der Lektüre:

[pdf-embedder url="https://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2018/11/DOSB-Mehrbedarfe-2019.pdf" title="DOSB Mehrbedarfe 2019"]

live aus Kopenhagen, Kampf um die UEFA-Präsidentschaft: Aleksander Ceferin vs Michael van Praag

KOPENHAGEN. In der Nacht wurden in Rio die Paralympics eröffnet, ohne den deutschen IOC-Präsidenten, was man durchaus als skandalös bezeichnen kann, wie Thomas Bach seit einem Monat dem IPC und damit auch den Paralympischen Spielen die kalte Schulter zeigt. Dazu dieser Tage mehr. Heute aber melde ich mich aus dem Hilton Hotel am Flughafen Kastrup in Kopenhagen: Dort präsentieren sich die verbliebenen beiden Kandidaten für die Präsidentschaft in der Europäischen Fußball-Union UEFA den nordischen Fußballverbänden und einigen Journalisten:

Der Holländer Michael van Praag und der Slowene Aleksander Čeferin.

Der dubiose Interims-Präsident und FIFA-Vize Ángel María Villar Llona ist vorgestern Abend von der Kandidatur zurückgetreten. Warum? Wer steht hinter van Praag, wer hinter Čeferin? Was haben die Kandidaten zu sagen? Welche Machtspielchen und Deals laufen im Hintergrund? Was haben die Kandidaten zu bieten?

Dazu heute mein Live-Blog von einem außergewöhnlichen kleinen aber feinen Event in Kopenhagen – aus erster Hand.

Reinhard Grindel und der DFB: „Komm mit ins Zukunftsland!“

Ein Kleinod der Sportpolitik, der künftige DFB-Präsident – natürlich von der CDU – und Noch-MdB Reinhard Grindel:

(Gefunden von @OliFritsch)

Über eine gewisse Transparenzallergie des künftigen DFB-Vorturners haben jüngst u.a. der Kicker und Grit Hartmann berichtet und kommentiert:

Im Frühjahr 2014 verabschiedete der Deutsche Bundestag ein Gesetz zur Strafbarkeit von Abgeordnetenbestechung – erst zehn Jahre nach der Unterzeichnung der UN-Konvention gegen Korruption. Am 1. September 2014 trat das Gesetz in Kraft. Danach sind nicht nur Stimmenkauf und -verkauf, sondern auch immaterielle Vorteile und Zuwendungen an Dritte nach Paragraph 108e des Strafgesetzbuches für alle Mandatsträger strafbar. Vergehen werden mit Geldstrafe bis zu Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren geahndet. 582 Bundestagsabgeordnete stimmten dem Gesetz zu, drei waren dagegen, sieben enthielten sich der Stimme. Der CDU-Abgeordnete Reinhard Grindel (55) enthielt sich der Stimme.“

Na dann mal: schönen Neuanfang im DFB!

Nachtrag, 19.11.15: Heute nun Oliver Fritsch auf Zeitonline:

Grindel, seit 2013 Schatzmeister im DFB, hat aber noch keine Debatte geprägt. Von ihm ist nichts Kluges über Fußball überliefert. Wie würde er Haupt- und Ehrenamt tarieren? Sollte sich der DFB von seiner Nähe zu Adidas lösen? Wie kann man die Trainerausbildung verbessern? Wir wissen nicht, was er über solche Fragen denkt. In allgemeinen sportpolitischen Dingen konnte er bislang auch nicht gänzen. Die Situation in der mafiaähnlichen Vereinigung Fifa hielt er 2014, also ein Jahr vor ihrem endgültigen Ruin, für „erheblich verbessert“.

Digitale Bürgersprechstunde mit dem künftigen DFB-Präsidenten:

Olympia-Referendum: Alfons Hörmann kann die zweite Kasse des DOSB auffüllen #Hamburg2024

Nach dem erst seit Ende Oktober 2015 online einsehbaren Vertrag zwischen der Bewerbungsgesellschaft Hamburg 2024 GmbH und der Deutschen Sport Marketing GmbH (DSM), einer 100-prozentigen Tochter der vom Deutschen Olympischen Sportbund e. V. (DOSB) kontrollierten privatrechtlichen Stiftung Deutscher Sport, hat die Bewerbungsgesellschaft Hamburg 2024 GmbH erhebliche Zahlungen an die DSM zu leisten.

Der Clou für den DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann: Die DSM ist ihrerseits eine 100-prozentige Wirtschaftstochter der privatrechtlichen Stiftung Deutscher Sport. Vorsitzender des Stiftungsvorstands ist Alfons Hörmann:

Der DOSB kann angesichts dieser Konstruktion schon während des Olympia-Referendums im wirtschaftlichen Ergebnis selbst beim Scheitern des Referendums eine Viertel Million Euro an die DSM als 100-prozentige Tochter der unter der Leitung von Alfons Hörmann vom DOSB kontrollierten privaten Stiftung abzweigen.

§ 5 Abs. 1 des Vertrages zwischen der Bewerbungsgesellschaft Hamburg 2024 GmbH und der Deutschen Sport Marketing GmbH v. 17.9.2015 formuliert das wie folgt: