thomas hahn

From Russia with love (II): Bolts Hebel, Putins Wille

MOSKAU. Damit das schnell geklärt ist:

Heute Abend bisschen live-Bloggen aus dem Luschniki-Stadion von der Leichtathletik-WM und der kurzen Eröffnungsfeier mit dem Welt-Olympia-Boss Wladimir Putin.

Morgen, am Sonntag, dann abends live-Blog zum 100-Meter-Rennen mit dem Witzbolt, wie 2008, 2009 und 2012.

Meine Frage gestern hatte ein erbärmliches Echo: zwei Kommentare und eine Email. Oh Gott, muss ich mir Sorgen machen? Wollte eigentlich zur IOC-Session eine Million PIs täglich erreichen.

An den Vorhängen in seinem Instagram (auf den Link im folgenden Tweet klicken) erkenne ich übrigens, dass der Witzbolt in meinem Hotel wohnt bzw ich in seinem. Dann also gewiss in meiner Nähe, denn rund um mich herum kommen stets nur jamaikanische WM-Teilnehmer aus den Zimmern.

Mal sehen, was hier abgeht in der Nacht zum Montag.

(Auch) zum Bolt gab es übrigens am Donnerstag ein interessantes Interview mit dem Weitspringer Christian Reif. Ist immer gut, wenn ein toller Journalist (Thomas Hahn) auf einen klug reflektierenden Sportler (Christian Reif) trifft – davon hätte ich gern sogar noch mehr gelesen. Online ist das Gespräch leider nicht verfügbar (aber vielleicht habe ich das nur übersehen.)

Vancouver, Tag 13

VANCOUVER. Gleich spielt Kanada gegen Russland. Es hätte das Endspiel sein sollen. Kann mir das leider nicht live anschauen, weil ich ausgerechnet während des Matches einen Termin mit Willy Bogner habe.

Lesebefehl für zwischendurch:

  • Thomas Hahn auf sueddeutsche.de: „Trügerische Sauberkeit“. Über Rasmus Damsgaard, Blutprofile, zerstörte B-Proben, Dopingkontrollen in Vancouver, das IOC und die Glaubwürdigkeit von Statistiken.

Es gibt zwei neue IOC-Mitglieder und damit ausnahmsweise mal eine gute sportpolitische Nachricht für die Amerikaner. Das komplette Ergebnis der Athletenwahlen habe ich noch nicht. Das IOC sagt:

Adam Pengilly from Great Britain (bobsleigh) and Angela Marie Ruggiero from the USA (ice hockey) have been elected to the Athletes’ Commission of the International Olympic Committee (IOC) by their peers at the Vancouver 2010 Olympic Games for a term of eight years. During this period, they will also serve as IOC members, bringing the athletes‘ voice right to the heart of the Olympic Movement. The announcement was made today at Vancouver’s Olympic Village by Anita L. DeFrantz, Chairwoman of the Election Committee and IOC member. The election was held over the past 19 days in the Olympic Villages in Vancouver and in Whistler.

Robert Harting macht sich Gedanken …

Komme gerade vom Workshop der NADA, sitze noch in Köln auf dem Flughafen, da lese ich, dass Robert „Shaggy“ Harting, Diskuswerfer und Kampfrichter aus dem WM-Werbe-Video, in einem Interview mit Christian Rotter vom Mannheimer Morgen laut nachgedacht hat. Die Passage, die derzeit Schlagzeilen macht:

Sie haben Ihre eigene Homepage zur „dopingfreien“ Zone erklärt – wie wichtig ist Ihnen der offene Umgang mit diesem heiklen Thema?

Harting: Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen. Sport und Doping gehören leider so zusammen wie Henne und Ei. Wenn gedopt wird, stellt das den Sport in den Hintergrund – und zwar zurecht. Man darf zwar keinen Generalverdacht aussprechen. Aber das Problem ist, dass Sportler wie ich, die einen Riesenverschleiß am eigenen Körper erzeugen, weil sie nicht dopen, um den Lohn für ihre ehrliche Arbeit gebracht werden.

Verzweifeln Sie manchmal?

Harting: Wo Geld ist, wird gedopt. Eigentlich ist es sinnlos, gegen diese Tatsache anzukämpfen. In der Formel 1 wird auch getunt, um die Boliden weiterzuentwickeln und die Zeiten zu verbessern – und dort ist das erlaubt. Manchmal frage ich mich, ob es nicht besser wäre, Doping in irgendeiner Form zu erlauben, so knallhart sich das auch anhören mag. Dann würde sich zumindest niemand mehr darüber aufregen.

Renaissance der Gänsefüsschen: „DDR-Doping“, „Bock“, „Ullrich“, „Stasi“, „Verbotenes“ und eine „Opferdebatte“

Eine „Sonderermittlungskommission“ des „Deutschen Skiverbandes“ hat sich zu den „Doping-Ver­dachts­momenten“ und zur „sonstigen Belastung“ der ehemaligen „DDR“- und heutigen „Bundestrainern“ „Frank Ullrich“ und „Wilfried Bock“ nun ja: „geäußert“.

Ich empfehle vor oder nach der Lektüre der DSV-Pressemitteilung (hier oder hier) folgende Beiträge:

Die Pressemitteilung in voller Länge:

„DDR-Doping“ – Kommission legt Abschlussbericht vor

DSV-Pressestelle am 27.07.2009 – 11:58 Uhr

Die fünfköpfige Kommission „DDR-Doping“, die vom Präsidium des Deutschen Skiverbandes beauftragt worden war, die Doping-Ver­dachts­momente gegen die ehemaligen DDR-Trainer Frank Ullrich und Wilfried Bock zu untersuchen, hat ihre Arbeit beendet und ihren Abschlussbericht vorgelegt.

Erklärung des sportnetzwerks zur Affäre Theo Zwanziger

Der DFB-Präsident tauscht Pressefreiheit gegen Diffamierung: Das sportnetzwerk fordert Widerruf von Theo Zwanziger

Die im und dem sportnetzwerk, der Qualitätsoffensive im Sportjournalismus, verbundenen Journalisten und Freunde des Sports fordern den Deutschen Fußball-Bund (DFB) auf, unverzüglich mit einer öffentlich wahrnehmbaren und eindeutigen Geste die Diffamierung des sportnetzwerk-Mitgründers Jens Weinreich zu beenden.

Jens Weinreich – Wächterpreisträger, Buch- und Filmautor, international anerkannter Experte für Sportpolitik, langjähriger Sportchef der Berliner Zeitung – wurde vom DFB am 14. November in einer bislang beispiellosen Art und Weise verleumdet. Nachdem der DFB in der rechtlichen Auseinandersetzung um einen Blog-Kommentar von Weinreich zu Zwanzigers Äußerungen gegen Pläne des Bundeskartellamtes und die Formulierung, Zwanziger sei ein „unglaublicher Demagoge“, vor dem Landgericht und dem Kammergericht Berlin unterlegen war, verbreitete der DFB eine Pressemitteilung, in der diese Gerichtsbeschlüsse verschwiegen wurden. Statt dessen wurde Jens Weinreich vom DFB-Präsidium, vom DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach und vom DFB-Pressesprecher Harald Stenger mit Unwahrheiten und diffamierenden Behauptungen überzogen. Generalsekretär Niersbach hat mehr als 100 Exponenten der Sportpolitik – unter ihnen DOSB-Präsident Thomas Bach, die Mitglieder des Bundestags-Sportausschusses sowie die Spitzen von DFB und Deutscher Fußball-Liga (DFL) – aufgefordert, die Diffamierungen „argumentativ zu verwerten“.

Dieses gezielte Einwirken auf Weinreichs Berufsumfeld ist ein Versuch, das in diesem Fall zweifach juristisch bestätigte Grundrecht auf Meinungsfreiheit auszuhebeln. Es ist eine Handlungsanweisung zur Aushöhlung der Pressefreiheit.

Was vom Tage übrig bleibt (5)

Leseempfehlungen von gestern und heute:

  • Stefan Behr in der Frankfurter Rundschau über den Emig-Korruptionsprozess, wo der ehemalige Revisor des Hessischen Rundfunks ausgesagt hat, der gerne zum Skilaufen fährt und lange an die seriöse Kompetenz des Sportchefs glaubt.
  • Ich kann Dogfood auch nicht beim Kurieren der Krankheit helfen, sich Erstrundenspiele im Uefa-Pokal reinzuziehen. Aber wenn er es denn tut und sich beim Kick zwischen Hertha BSC und St. Patrick noch solche Notizen zum Kommentator Thomas Herrmann macht, dann ist es okay.
  • Und nochmal die FR: Der ehemalige Schach-Weltmeister Garri Kasparow über „Eine Chance, Geschichte zu schreiben“. Pflichtlektüre zum Kaukasus-Konflikt, wobei die olympische Bewegung, in der Wladimir Putin ja ebenfalls sein Unwesen treibt, nicht außen vor bleibt. Kasparow schwingt die historische Keule:

Als ich mit meinem Sohn Wadim zusammen die Olympischen Spiele in Peking anschaute, erzählte ich ihm von einem Läufer, der zu seiner Zeit ebenso erfolgreich war wie heute Usain Bolt: Jesse Owens. Ich wurde an ihn erinnert, als ich vor kurzem Leni Riefenstahls bemerkenswerten Dokumentarfilm über die Berliner Olympiade von 1936 sah, „Olympia: Fest der Völker“. Die Bilder des Naziregimes drücken ganz offensichtlich Deutschlands Selbstbewusstsein, Stärke und bis zu einem gewissen Grad auch Aggression aus. Der Film vermittelt jedoch keine bedrohliche oder kriegstreiberische Atmosphäre. Deutschland war lange vor dem restlichen Europa und den USA aus der Depression herausgekommen. Waren die fröhlich jubelnden Stadionbesucher begierig, in einen Krieg zu ziehen?