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Was vom Tage übrig bleibt (47): Koalitionsvertrag, Klaue, „Pechstein-Studie auf Staatskosten“

Selbst wenn einiges bereits verlinkt wurde, diskutierenswert ist es allemal. Einige Lesebefehle und Empfehlungen.

  • Das sagt der Koalitionsvertrag (Entwurfsversion) von CDU, CSU und FDP im weitesten Sinne zum Sport:

Seite 14:

Der Zugang von ausländischen Hochqualifizierten und Fachkräften zum deutschen Arbeitsmarkt muss systematisch an den Bedürfnissen des deutschen Arbeitsmarkts ausgerichtet und nach zusammenhängenden, klaren, transparenten und gewichteten Kriterien wie beispielsweise Bedarf, Qualifizierung und Integrationsfähigkeiten gestaltet werden. Darüber hinaus werden wir Regelungen zur Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit, Arbeitsplatzannahme für Studenten mit deutschem Hochschulabschluss, für Künstler und Sportler sowie für Saisonarbeitskräfte überprüfen und Vereinfachungen anstreben.

Seite 69:

Mit dem Programm „Integration durch Sport“ wollen wir besonders Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund ansprechen, um sie als Teilnehmer und auch Übungsleiter zu gewinnen.

Leichtathletik-WM, Tag 7: „I am not a boy. Why did you bring me here?“

11.16 Uhr: Moin, Freunde der Nacht. Ist ein bisschen später geworden heute. Die Maschine muss erst auf Touren kommen. Was ich gestern wohl nur getwittert habe: Nach dem fünften Fabelweltrekord des Witzbolts, den ich live im Stadion erleben durfte (3 x Peking, 2 x Berlin), bin ich ziemlich relaxt. Schlechtes Zeichen: Weder rührt es mich, noch regt es mich auf.

Irgendwann, in naher Zukunft, wird er die Stadionrunde laufen. Und natürlich den Weltrekord brechen, er wird eine 42er Zeit laufen, was derzeit kaum mal einer Frauen-Sprintstaffel gelingt, oder er wird sogar eine 41er Zeit markieren. Er ist halt ein Naturtalent.

11.32 Uhr: Habe gerade im RBB-Inforadio ein Interview mit Clemens Prokop gehört, der nicht gänzlich überraschend ein beschwingt zufriedenes Fazit der WM zieht. Was sollte er auch anderes sagen. Schließlich ist Prokop in Personalunion:

  • Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV)
  • als solcher Gesellschafter der WM-Organisation
  • Präsident des WM-Organisationskomitees (LOC)
  • Vorsitzender des WM-Aufsichtsrats
  • gelegentlich Wahlmann der Partei seines Co-Präsidenten Wowereit
  • (auf weitere Funktionen und Verbindungen verzichte ich, sonst sprengt die Aufzählung noch das Seitenformat)

Werner Goldmann darf wieder …

… Medaillen produzieren. Für Deutschland.

Christian Klaue meldet im Sportinformationsdienst exklusiv u.a.:

Trainer Goldmann soll noch eine Chance erhalten

Empfehlung der Steiner-Kommission / Jetzt entscheiden DOSB und DLV

Rolle rückwärts im Fall Werner Goldmann: Der wegen seiner Doping-Vergangenheit in der früheren DDR vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) entlassene Kugelstoß-Bundestrainer soll nun doch weiterbeschäftigt werden und eine zweite Chance erhalten. Diese Empfehlung hat die unabhängige Anti-Doping-Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) nach Informationen des Sport-Informations-Dienstes (SID) an die Präsidien von DOSB und DLV gegeben. Die beiden Gremien müssen nun entscheiden, wie mit dem Berliner weiter verfahren wird.

Wenn Fußballprofis jammern und über Politiker schimpfen

Nein, kein Jürgen Klinsmann heute. Passt hier nicht rein.

Dagegen, fürs Archiv, unkommentiert – nur mit einer Frage versehen, in kursiv – ein Meisterstück des deutschen Fußballjournalismus. Prosa vom Feinsten.

Vielleicht empfiehlt es sich, vorher noch diese Beiträge über eine Anhörung von DFB- und DFL- und Amateurvertretern im Bundestags-Sportausschuss zu überfliegen. Dann erschließt sich dieser Beitrag besser:

Politiker-Schelte durch DFB und Liga

Zwanziger fühlt sich abgebürstet, Liga-Chef Rauball beklagt Knüppel

von Rainer Kalb

Neuss (SID) Der Schulterschluss zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) hinsichtlich des neuen Grundlagenvertrages (2009 bis 2012) ist nach dem eindeutigen Votum des Außerordentlichen DFB-Bundestages unübersehbar.

Wiener Blut

Die ARD, zwangsgebührenfinanzierter Kuschelsender, zeigte gestern Abend ausnahmsweise nicht Rummelboxen, sondern: Star-Biathlon mit Jörg Pilawa und Axel Schulz (screenshot). Gewitzelt wurde auch über Doping, natürlich: Etwa, als sich Pilawa – begleitet von Klängen der Tatort-Musik – auf die Spur seiner Promis machte und Johann Lafer dabei ertappte, wie er sich „unangekündigt, ohne sich abzumelden“ aus dem Trainingscamp entfernte. Skandal! Lustig! Öffentlich-rechtlich! Star-Biathlon: dämlicher, armseliger und entlarvender hätte die ARD-Woche wirklich nicht enden können.

Screenshot ARD

Investigativjournalismus a la ARD

Das primäre Thema der Woche, das leider etwas in Vergessenheit geriet, hieß ja eigentlich: Eigenblutdoping. Ich lasse mal außer Acht, welche prominenten Sportler, welche deutschen Olympiasieger womöglich, sich an Wiener und anderen Blutbanken bedient haben könnten. Man hört so einiges, aber man darf es nicht schreiben und auch nicht senden. Schon sind wir mitten im sekundären Thema, das in dieser Woche zum primären Thema wurde:

Wenn Journalisten, die Fragen stellen und versuchen zu recherchieren – es soll ja solche Journalisten geben -, immer gleich alles schreiben oder senden würden, was sie so hören, dann hätten wir viele Skandale mehr. Kurzzeit-Skandälchen allerdings, denn diese Journalisten würden fast alle Gerichtsgänge verlieren.

[Disclosure: Ich habe schon Gegendarstellungen kassiert und Unterlassungs­erklärungen abgeben müssen. Für dumme Fehler und für lächerliche Kleinigkeiten, deren Wertung im Ermessen der Presse-Richter liegt. Ich habe erlebt, dass Richter mir nicht einmal Fragen stellen, weil sie nicht interessiert sind an den wirklichen Sachverhalten, sondern weil sie tendenziell doch eher auf der Seite der Ange­grif­fenen stehen. Ich weiß wie es ist, wenn man eigentlich vieles weiß, wenn einem Betroffene auch im vertraulichen Gespräch dieses und jenes bestätigen, aber gleichzeitig sagen, dass sie öffentlich alles abstreiten würden. Es bringt allerdings nichts, dagegen anzujammern, man muss die Niederlage einstecken und sich bemühen, genau das dokumentieren zu können, was strittig war oder was man vor Gericht noch nicht hundertprozentig dokumentieren konnte.]

Nach dieser langen Vorrede werde ich konkreter: Wer nicht dokumentieren kann, dass angeblich Dutzende deutsche Wintersportler zu den Kunden einer Wiener Blutbank zählen, der sollte daraus keine Exklusivmeldung basteln, sondern einfach mal schweigen – und weiter recherchieren. Das wäre die journalistisch saubere Lösung gewesen. Dann hätte es die Irrungen und Wirrungen dieser Woche nicht gegeben, die künftige investigative Arbeit im Sport und erst recht die Aufklärung der Wiener Blutbank-Affäre erschweren.