sarah lewis

RIP, Gian Franco Kasper

Raucherpausen sind ungesund, aber wichtig. Wer sich viel auf Tagungen und Kongressen herumtreibt, weiß diese Momente zu schätzen, wenn die Süchtigen nach draußen eilen, um zu inhalieren. Zu wissen, wer raucht, kann durchaus hilfreich sein, wenn es darum geht, einen Kommentar zu erhaschen, um Gespräche zu bitten, Termine auszumachen oder diesen und jenen Sachverhalt bestätigen zu lassen. Raucherpausen sind eine Chance für Journalisten.

Im IOC-Umfeld checken Größen wie Scheich Ahmad Al-Fahad Al-Sabah, Prinz Faisal bin Al Hussein, Wladimir Lissin oder Nenad Lalović und etliche andere zunächst die Raucherecken, um wenig Zeit zu verlieren, wenn der Tagungsleiter ein Päuschen anberaumt. Dort wird so manches Thema bilateral besprochen. Als Beobachter sollte man sich daran orientieren. Gian Franco Kasper zählte zu diesem immer kleiner werdenden Trüppchen. Als er seine Karriere begann, wurde selbstverständlich noch während der Sitzungen geraucht, auch im Flugzeug, immer und überall. Fantastische Zeiten für einen wie ihn.

Die Zeiten haben sich entscheidend geändert. Doch eines blieb: Beim Rauchen konnte man Kasper näher kommen, sogar als Nichtraucher.

Gian Franco Kasper (1944-2021). Foto: Imago/Eibner

Der IO-Bericht: Kritik an den Dopingkontrollen in Peking

Während mancher Kommentator in den vergangenen Tagen vorschnell ein hartes Eingreifen des IOC in der Dopingfrage bejubelte, weil unter für mich durchaus mysteriösen Umständen angekündigt wurde, die Blutproben von Peking noch einmal analysieren zu lassen, empfiehlt es sich, die wenigen Fakten ins Licht zu rücken. Zum Beispiel den Bericht der so genannten Independent Observer für die Dopingkontrollen während der Peking-Spiele.

Denn dieser Bericht liegt dem IOC seit dem 19. September vor, der Öffentlichkeit seit wenigen Stunden. Nur hat das bisher kaum jemand bemerkt. Soweit ich diese 50 Seiten auf die Schnelle überblicke, finde ich doch einige hoch interessante Sachverhalte. Manches kommt hammerhart und entlarvt einige Lügen der olympischen Branche. Die wichtigsten Punkte will ich flink mal zur Diskussion stellen. Ich frage mich einmal mehr und entschuldige mich gleich auch für meine Wortwahl: Wie lange wollen die uns eigentlich noch verarschen?

io-report-oct-2008

Bevor ich einige Beispiele bringe, kurz zur Klarstellung: Während der so genannten Olympic Period (27. Juli bis 24. August) gebot das IOC über die Dopingkontrollen – wie immer bei Olympischen Spielen. Wie immer bei den Spielen war die World Anti-Doping Agency (Wada) nur Beobachter. Eingesetzt wurde eine zwölfköpfige Gruppe von Independent Observern, geleitet von der Engländerin Sarah Lewis, Generalsekretärin des Ski-Weltverbandes Fis.

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1. Die Meldepflicht

102 Nationale Olympische Komitees (von 205) haben die Whereabouts ihrer Sportler in Peking nicht angegeben. Nach Ermahnungen lieferten nur 8 NOK Informationen. Das IOC handelte nicht.