[ Schlagwort russenmafia]

Leseprobe „Macht, Moneten, Marionetten“: Liebesgrüße aus Moskau

 •  • 6 Comments

Stellen wir uns Wladimir Putin als einen ganz normalen Menschen vor.

Nicht als einen Werwolf. Nicht als einen Kriegstreiber. Nicht als einen besonders üblen Demagogen. Nicht als einen Paria. Nicht als einen Mörder. Nicht als einen Diktator. Oder als was er sonst noch bezeichnet wird in diesen Tagen.

Natürlich hat dieser Putin, der Mensch, so seine Gefühle. Manchmal zeigt er sie sogar. Aber selten so offen wie für einige Minuten am 9. August 2013. An jenem Tag wurde Anatoli Rachlin beigesetzt. Rachlin war für Putin ein zweiter Vater. Er war mehr als sein Trainer, der ihm Sambo und Judo beibrachte. Rachlin war ein Berater für alle Fragen des Lebens. Er saß manchmal sogar mit am Tisch, wenn Putin die Führung des russischen Judoverbandes versammelte und kund tat, was getan werden müsse, wenn er den europäischen Verband versammelte und verkündete, was getan werden müsse, wenn er Bosse des Weltverbandes versammelte und erzählte, was man tun könne und solle. Rachlin hat Putin und dessen Schulfreunden, den Rotenberg-Brüdern Arkady und Boris, Disziplin vermittelt beim Sambo- und beim Judotraining. So hat es Putin oft erzählt. Vor laufenden Kameras hat er zu Rachlins Beisetzung geweint, nicht nur in Russland, in aller Welt wurde darüber diskutiert, was das bedeute. Dann ließ er sich filmen, wie er, übermannt von seinen Gefühlen und seinen Gedanken nachhängend, allein eine leere, weil abgesperrte St. Petersburger Straße entlang schlenderte.

Er kann einfach nicht aus seiner Haut. Er muss inszenieren.

Read the Full Story

Whistleblower Waleri Morosow: „Es wird Blut fließen“

 •  • 38 Comments

MOSKAU. Dmitri Muratow hat gerade Elektroschocker verteilt. Zwanzig Journalisten der Nowaja Gaseta, die delikate Themen recherchieren, sollen sich damit bei Überfällen verteidigen können. Elektroschocker, beruhigend sind die kaum. Der beste Schutz für Journalisten in Russland sei deshalb, gar nicht erst „über Korruption, Neonazis, den Geheimdienst und den Kaukasus-Konflikt zu berichten“, sagt Chefredakteur Muratow. „Aber dann wären sie keine Journalisten mehr.“

Sechs Autoren der Nowaja Gaseta wurden bisher ermordet. Ihre Porträts hängen an der Wand des Besprechungszimmers. Dort sitzt nun Waleri Morosow und redet über – Korruption.

Waleri Morosow

Waleri Morosow, Nowaja Gaseta

Read the Full Story

Diebe im Gesetz

 •  • 15 Comments
Tochtachunow, 2009, Screenshot Arte

Alimsan „Alik“ Tochtachunow, alias „Taiwantschik“ / Screenshot (c) Arte

Sieht so ein glücklicher Mensch aus? Alimsan Tochtachunow hat gut lachen. „Ich bin gut durchs Leben gekommen, ich habe das alles überlebt“, sagt er. Seit er dem italienischen Knast entronnen ist, daheim in Moskau festsitzt, die Stiftung des russischen Fußballverbandes leitet und sich ab und zu mit dem FIFA-Präsidenten Joseph Blatter trifft, hat er sein Vermögen um mindestens das Hundertfache gemehrt. Sagt Tochtachunow. Ich denke, zumindest in diesem Punkt gibt es wenig Grund, Taiwantschik nicht zu glauben.

Ganz im Gegenteil: Da er ohnehin schon im Baugeschäft in der Ukraine tätig ist, sollte man ihm jene Aufträge für die Europameisterschaft 2012, die er noch nicht hat, schleunigst zuschreiben – dann wirds auch mit der EM.

Read the Full Story

Skate-Gate, Teil 2? Das Korruptionsproblem im Preis- und Kampfrichterwesen

 •  • 26 Comments

VANCOUVER. Aus aktuellem Anlass, eine Gute-Nacht-Lektüre aus der Olympiastadt. Skate-Gate, Teil 2?

The Winter Olympics. The only time the rest of the sporting world has its eyes on this beautiful, difficult, horribly corrupt and politicized sport.

Das schreibt Sports Illustrated. Man könnte auch sagen: The Winter Olympics sind der einzige Anlass, zu dem sich Sports Illustrated, der langjährige IOC-Sponsor (Time Warner), für derlei Hintergründe interessiert: „Judge’s e-mail exposes corruption of figure skating’s scoring system“. Sonst kommt: nichts. Sportpolitisch ist SI ein Witzblatt. Aber lassen wir das, ein Seitenhieb muss reichen. Der Artikel gibt einen Überblick zur aktuellen Diskussion. Ich empfehle, einfach mal den Namen Joe Inman bei Google News einzugeben, die Suchmaschine spuckt dann etliche auch deutsche Treffer aus.

Retrospektiv möchte ich ein Kapitel aus dem Buch „Korruption im Sport“ anbieten – (fast) umsonst :)

Read the Full Story

@ email von der Fifa

 •  • 11 Comments

Vielleicht ganz gut, dass der Abend etwas leichter ausklingt. Hier im Blog wurde, woran ich nicht ganz unschuldig bin, doch zuletzt zu viel und mitunter zu heftig über dieses unschöne Blutgepansche debattiert. Deshalb kurzer Themenwechsel. Widmen wir uns einen Moment den Gutmenschen und Korruptionsbekämpfern von der Fifa: Im Beitrag „Grüße von der Russenmafia: Alimsan Tochtachunow“ … Read more

Read the Full Story

Grüße von der Russenmafia: Alimsan Tochtachunow

 •  • 2 Comments

Angestachelt von der Frage, ob das Uefa-Pokalspiel Zenit gegen Bayern verschoben worden sein könnte, habe ich mich ein wenig umgesehen. Und da sind mir diese Fotos aufgefallen, die sicher überhaupt nicht in einem Zusammenhang stehen zu den Meldungen dieser Tage, die aber verwirren. Vier Fußballfreunde: Joseph Blatter, der tadellose Fifa-Präsident; Wjatscheslaw Koloskow, Exekutivmitglied des Fußball-Weltverbandes … Read more

Read the Full Story