pressefreiheit

Was vom Tage übrig bleibt (105): werteorientierter olympischer Altruismus

Ein Twitter-Thread, nur Fakten und einige Bilder. Ließe sich selbstverständlich beliebig verlängern. Bleibt auch das Top-Thema in diesem Theater, keine Sorge.

Manchmal sind derlei bebilderte Fakten die beste Reaktion auf diese unverfroren-charakterlose IOC-Propaganda.

live aus PyeongChang (8): Kommunikationsherrschaft und andere Feuchtträume

ALPENSIA. Ein besonderer Tag, dieser 8. Februar 2018. Einer meiner Twitter-Götter ist gerade in Incheon gelandet und auf dem Weg nach PyeongChang. Freue mich drauf und werde höchstwahrscheinlich etliche seiner Tweets, sofern jugendfrei, in den kommenden Wochen hier einbauen.

„Matchday minus one“, las ich gerade irgendwo … auf Twitter. Ab morgen brennt hier die Flamme, heute Morgen hat es in Gangneung schon mal gebrannt, am Meer, in der Nähe des olympischen Dorfes und des Mediendorfes. Hitzig dürfte es in Kürze auch wieder in Sachen Russen-Doping werden, wenn die Ad hoc Division des Welt-Sportgerichtshofes CAS die ersten Beschlüsse zu den zahlreichen russischen Einsprüchen fällt. Mal schauen, was der Tag so bringt. Ich versuche, bis gegen Mitternacht möglichst live einige Eindrücke, Informationen und Hintergründe zu liefern.

Der gestrige Unsinn von IOC-Leuten, mir mit dem Entzug der Akkreditierung zu drohen, macht mich nicht nervös:

Habe Schlimmeres und Dümmeres erlebt in dieser olympischen Familie. Andere Drohungen und komische Situationen. Oder einen IOC-Kommunikationsdirektor, Mark Adams, der mir auf Twitter Fake News unterstellt. Dummes Zeug. Wären es Fake News, hätten sie mir mit all ihrem Geld und ihren Advokaten längst das Handwerk gelegt. Indes ging es gestern doch nicht spurlos an mir vorbei, ein paar Diskussionen und Gespräche forderten Tribut, am Ende gingen ein halber Arbeitstag und einige potenzielle Einnahmen flöten.

Darum geht es schließlich bei derlei schmutzigen Drohgebärden und dauerhaften Versuchen, Journalismus zu beeinflussen und zu verhindern. Und um Kommunikationsherrschaft. Sie begreifen einfach nicht, dass sie die längst verloren haben. Wir leben im dritten Jahrtausend.

live aus PyeongChang (7): das IOC droht, mir die Akkreditierung zu entziehen

ALPENSIA. Das geht gut los bei diesen Olympischen Spielen. Läuft. Schon vor der Eröffnungsfeier am Freitag. Gerade schreibt mir ein IOC-Aufpasser (Christian Klaue), ich würde verwarnt und laufe Gefahr, meine Akkreditierung zu verlieren. Die Email ging cc an Rebecca Lowell Edwards, Strategic Communications Director, Mark Adams, Director of Communications, und das Press Office.

Wow.

Das ging ja schnell.

Angeblich hätte ich im Olympic Family Hotel „gefilmt“. Sagen IOC-Quellen.

Ich habe nicht im Olympic Family Hotel „gefilmt“. Habe kein Video aufgenommen. Habe keine Audio-Aufnahmen gemacht. Habe keine „Filmkamera“ dabei.

Die Attacken häufen sich. Ich bin mehrfach schon körperlich und verbal bedroht und an meiner Arbeit gehindert worden, meist von den Prätorianern des IOC-Scheichs und Bach-Vertrauten Ahmad, der mir mal höchst eigenhändig, flink wie ein Taschendieb, eine Kamera aus der Hosentasche stibitzte.

Die Email:

live aus Rio (24): die Verhaftung des Patrick Hickey

BARRA DA TIJUCA. Na da schau her. Eine Sondereinheit der brasilianischen Polizei hat gegen 6.30 Uhr Ortszeit im Windsor Marapendi, dem IOC-Hotel, den berüchtigten Geschäftemacher Patrick Hickey verhaftet, den Stammleser dieses Blogs ausgesprochen gut kennen. Pat Hickey musste ganz schnell ins Krankenhaus, weil ihm irgendwie unwohl war. Aus Polizeikreisen verlautete, Hickey habe einen alten, kranken und sehr erschrockenen Eindruck vermittelt, weshalb man nichts riskieren wollte und ihn zunächst zu einer Untersuchung ins Krankenhaus brachte.

Die Meldung twitterte mein Freund Jamil Chade exklusiv:

Zwei weitere brasilianische Journalisten waren morgens am Hotel.

Hickey ist Präsident des NOK Irlands, Präsident der European Olympic Committees (EOC), IOC-Mitglied und Mitglied des IOC-Exekutivkomitees. Neben vielen anderen Funktionen.

live-Blog aus Kuala Lumpur: Almaty vs Peking, Bachs Agenda 2020 und kasachische Schokolade

KUALA LUMPUR. Der Mittwoch begann um 3.45 Uhr (MESZ) so wie der Dienstag um 22.16 Uhr (MESZ) geendet hatte: Mit einer Begegnung mit Andrej Krjukow, dem Chef des Olympiabewerbungskomitees aus Almaty. Krjukow gehörte zu jenen Schergen des Scheichs (so habe ich sie bislang immer genannt), die mir vor knapp zwei Jahren in Buenos Aires an die Technik gegangen sind.

Und wenn ich was nicht leiden kann, dann ist es, wenn mir jemand in irgendeiner Weise unsanft an meine geliebten Arbeitsmittel geht, ob Kamera, iPhone oder was auch immer. Das ist ein No-Go!

Die Geschichte machte damals schnell die Runde im olympischen Völkchen. Ich bin aber nicht nachtragend, ich vergesse nur nichts.

Was vom Tage übrig bleibt (90): Guardian darf nicht über die European Games berichten, EU-Parlament fordert Blatters Rücktritt, FIFA-Ebook

Es muss schnell gehen, bin gleich wieder unterwegs. Der ganze Irrsinn der olympischen Welt spiegelt sich im gestrigen Blog-Eintrag, was für ein Wahnsinn, wie verlogen. Und es geht heute munter weiter. Die Schergen des Ílham Alijew scheuen sich nicht, den Guardian von der Berichterstattung der European Games auszuschließen.

Wird das EOC protestieren? Das IOC? Scheich Ahmad? Thomas Bach? Patrick Hickey? Der Weltverband der Sportjournalisten AIPS? Der DOSB?

Selbst wenn, wie glaubhaft wäre das? Alijew hätte nie diese Spiele bekommen dürfen. Er hat letztlich sämtliche Teilnehmer der Sause gekauft.

Welchen Unsinn tischen uns die olympischen Propagandisten – von DOSB über den Baku-Sender Sport1, Jon Tibbs (JTA) und andere Alijew-Knechte – noch auf?

What’s next?

Wer es noch nicht gelesen hat gestern Abend, unbedingt das Statement der Botschaft von Aserbaidschan in Deutschland studieren.

Bizarr.

Und nun zur FIFA.

Transparenz vs Polit-Propaganda

Passt eigentlich zur Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“: Ich habe im Deutschlandfunk noch einmal in gebotener verbaler Zurückhaltung das Vorgehen so genannter Volksvertreter im Bundestag kommentiert, von denen einige gerade in Chile und Brasilien herumdilettieren.

:

[Verlinkt wird später, vielleicht, ich habe jetzt keine Zeit dafür.]

Wer die Berichterstattung über die erste nunmehr wieder nichtöffentliche Sitzung des Bundestags-Sportausschusses analysiert, bewegt sich im Reich des Absurden. Abgeordnete, die lange Jahre keinen substanziellen Beitrag zur deutschen Sportpolitik geleistet haben, außer dem, die Öffentlichkeit auszusperren, erlangen zunehmend die Deutungshoheit über ihre Inkompetenz. Sie dürfen intransparente Vorgänge im Ausschuss kommentieren, werden plötzlich wieder gefragt und mit Floskeln zitiert, beugen die Wahrheit ungeniert – und können ihren Fraktionschefs am Ende sogar hübsche Medienwerte vorgaukeln.

Sicher, kaum ein Bericht – ob nun in Blogs oder herkömmlichen Medien – sparte diesmal den Fakt aus, dass die Öffentlichkeit ausgeschlossen blieb. Bei den nächsten Sitzungen aber, wenn das Unerhörte zur Normalität geworden ist, wird das gewiss anders aussehen, besonders in den Texten der so genannten Nachrichtenagenturen, für die meist nur eine Nachricht ist, was von offiziellen Stellen verkündet wurde.

Die Kernfrage lautet deshalb:

Muss Journalismus im dritten Jahrtausend noch so funktionieren? Gibt es eine Pflicht zur Termin-Berichterstattung über einen Ausschuss, der sich mehrheitlich der Öffentlichkeit verweigert?

Eine Antwort darauf lautet: Es gibt diese Pflicht nicht. Es gibt sie überhaupt nicht – mehr.

Eine zweite Antwort lautet: Dagegen hilft nur Recherche, und zwar losgelöst von Sitzungsterminen.

Es sind die Abgeordneten, die mit Ihrer Haltung eine wahrhaftige Berichterstattung verhindern. Und es spielt auch keine Rolle, ob fast alle Ausschüsse des Bundestages ebenfalls nichtöffentlich tagen. Derlei Verhaltensmuster sind inakzeptabel – sie passen nicht in diese Zeit. Denn die Gesellschaft braucht Transparenz wie die Luft zum Atmen. Der Bürger darf Transparenz erwarten und verlangen. Journalisten sollten es auch.

Und es sprach @SeppBlatter: „we are working for the youth of the world, we are not working for us“

ZÜRICH. Schräge Geschichte, heute hier im Grand Hotel Dolder in der International Football Arena.  Eigentlich war FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke als Gastredner avisiert gewesen, doch der ist nach Brasilien unterwegs, um die Wogen zu glätten. Während sein Boss Sepp die IFA dann doch nutzen wollte, um Neuigkeiten in der „Korruptionsbekämpfung“ und Neues zu den FIFA-„Reformen“ zu verkünden. Ich habe gerade aufmerksam zugehört, ein bisschen darüber getwittert, aber nichts dergleichen vernommen.

Nun redet Barca-Präsident Sandro Rosell, dicker Kumpel vom Serienlügner Valcke und vom Großgauner Ricky Teixeira, darüber, dass er die Primera Division unbedingt auf 18 und dann 16 Vereine einstampfen will.

Das wird gewiss Schlagzeilen geben, interessiert mich aber gerade nicht so sehr.

Was hat Sepp einem exklusiven Kreis aus der Fußballbranche erzählt?

Zum Beispiel:

… we can not change the world, that is not possible, but we can prepare a better future

all devils of our society are in this game: violence, cheating, corruption, racism, doping, match-fixing, illegal betting, all this is in our game because it is in our society

… we are going to change a little bit, or a lot, and to make a kind of reform

… it is not easy. but we have taken the task

I have taken the task

we have an agenda, we have a road map. we want to be transparent

… I need the support of the whole community and also of the family members

… because we are working for the youth of the world, we are not working for us

support me!

Wie gesagt, viel mehr habe ich nicht gehört.

Vielleicht noch dies, es ist Sepp wichtig, dass das berichtet wird.

Angeblich unterscheidet er seit kurzem zwischen „FIFA family“ und „FIFA community“. Das lässt Raum für Interpretationen.

Ich aber sage: Egal ob family oder community – schmeißt die Betrüger raus. Öffne die Konten und Archive, Sepp.