polen

Korruption als Strukturproblem der Spezialdemokratie Sport

Neues zum Kopfschütteln aus der lustigen Handballwelt:

Es gibt neue Informationen, die wir bisher nicht kannten.

— Frank Bohmann, Geschäftsführer des Handball-Bundesliga (HBL), am 7. März, nachmittags

Für uns sind keine Sachen dabei, die wir nicht schon erörtert hätten.

— Uwe Schwenker, Vizepräsident der HBL und Geschäftsführer der THW Kiel Handball-Bundesliga GmbH & Co. KG, am 7. März, abends

Das ist alles das, was wir behandelt haben. Das sind nur neue Gerüchte und Spekulationen.

— Reiner Witte, Präsident der HBL, am 8. März, morgens
Quelle: dpa via FTD

Oh, da wird der Herr Witte seinen Vizepräsidenten Herrn Schwenker sicher noch einmal energisch einvernehmen. Aber vielleicht kommt es auch gar nicht dazu, denn der Herr Schwenker ist morgen ja beschäftigt, weil er juristisch gegen die bösen Gerüchte vorgehen will. Hat er jedenfalls gesagt.

Kurzum: Es gibt zu wenige Sportfunktionäre, von denen man Aufklärung erwarten darf. Die Kameraden der Handball-Bundesliga machen eher nicht den Eindruck, als gehörten sie dazu.

Und ich neige grundsätzlich dazu, die Meldungen wie gerade im Fall THW Kiel, in Theorien zu verbraten. Ich glaube nunmal, dass sich über die täglichen Schlagzeilen hinaus, die oftmals verwirren, ein Nachdenken lohnt. Deshalb erneut einige grundsätzliche Überlegungen zum Thema „Korruption im Sport“, wie immer aktualisiert und mit neuen Links versehen. Mit der Lesequote, die der Text beim letzten Mal erreichte, bin ich nicht zufrieden :) Hier also meine Sonntagslektüre:

update Sportausschuss (6): Totengräber des Amateurfußballs

Die Fortsetzung meiner Notizen von der 68. Sitzung des Bundestags-Sportausschusses, heute mal an anderem Ort, nicht im Paul-Löbe-Haus, sondern im Jakob-Kaiser-Haus. Aber in Berlin, natürlich. Einen Vorgeschmack auf die Diskussion habe ich am Nachmittag noch aus dem Sitzungssaal 1.302 gegeben. Hier nun etwas mehr, in der üblichen Form, wie seit einem halben Jahr (fast) immer bei den Sitzungen – und später vielleicht (gua! sternburg! trebor!) noch mit einigen O-Tönen, die ich anschließend eingefangen habe.

Auch diesmal sage ich: Das war eine sehr muntere Diskussion im Sportausschuss. Inhaltlich vielleicht nicht immer hochklassig, aber doch unterhaltsam.

Ich konzentriere mich in meinen Notizen auf die zuletzt doch sehr heftig geführte Diskussion über Wohl und Wehe von Profi- und Amateurfußball, die sich an der TV-Vermarktung der Fußball-Bundesliga entzündete – und davon, nun ja, war hier auch aus sehr persönlichen Gründen viel die Rede. Denn dass zwischen den Wünschen des Präsidiums des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Deutschen Fußball-Liga (DFL) einerseits und der Basis im organisierten Fußball, auch beim Konsumenten, doch beträchtliche Lücken klaffen, wurde selten so deutlich wie in dieser Debatte, die ja nicht erst im Juli vergangenen Jahres begonnen hat.

„Sport bez Korupcji“

Der Titel ist ein Traum: „Sport bez korupcji“, heißt ein Handbuch, das im Rahmen eines EU-Twinningprojektes (Improvement of the anticorruption activities in Poland) herausgegeben wurde.

Sport ohne Korruption? Das ist nicht nur in Polen und seinem kolossal verseuchten Fußballbusiness eine Wunschvorstellung.

In dem Büchlein findet sich auch ein Kapitel von mir: „Globalna demokracja specjalna“ (Globale Spezialdemokratie), eine Kurzfassung aus „Korruption im Sport“ (2006). Das polnische Korruptionsbekämpfungshandbuch hat eine Auflage von 1200 Exemplaren. Es wird über das Sportministerium in Warschau kostenlos an die wichtigsten Funktionäre und Mitarbeiter in polnischen Sportverbänden verteilt.

Ansonsten, eine Leseprobe, mal wieder eine dieser ultralangen:

Und es sprach Sepp Blatter…

Wenn wir Probleme haben in der Familie, dann lösen wir die Probleme in der Familie und gehen nicht zu einer fremden Familie. Alles, was im Fußball passiert, und alle Schwierigkeiten, die im Fußball sind, sollen innerhalb der fußballerischen Gerichtsbarkeit oder Rechtsprechung gelöst werden und nicht vor ordentliche Gerichte gebracht werden.
Das ist nicht mehr unsere Familie.

Joseph Blatter, unter anderem:

Träger des Olympischen Ordens
Ehrenmitglied des Schweizerischen Fussballverbandes SFV
Ritter („Dato'“) und „First Class Grand Commander“ („Dato‘ Sri“) der Ehrenlegion des Sri Sultan Ahmad Shah Pahang (Malaysia)
„Order of Good Hope“ der Republik Südafrika
„Medalla al Mérito Deportivo“ von Bolivien
Jordanischer Unabhängigkeitsorden 1. Klasse
„Grand Cordon du Ouissam Alaouite“ und Großoffizier des Thron-Ordens („Ouissam Al Arch“) von Marokko
„Grand Cordon de l’Ordre de la République Tunisienne“ (Tunesien)
„International Humanitarian of the Year“
„American Global Award for Peace“
UEFA-Verdienstorden in Diamant
Ritter der französischen Ehrenlegion
„Orden der Zwei Nile“ des Sudans
„Commandeur de L’Ordre National du 27 Juin 1977“ von Djibouti
Ehrendoktor (Geisteswissenschaften) der Universität Leicester
Ehrendoktor (Philosophie) der Nelson-Mandela-Universität, Port Elizabeth
Ehrenbürger seiner Heimatstadt Visp
Ehrenmitglied von Real Madrid
„Diamond of Asia Award“ der AFC
Orden des Fürsten Jaroslaw des Weisen (Ukraine)
Freundschafts-Orden („Dustlik“) von Usbekistan
Diamantener Verdienstorden des usbekischen Fussballverbandes
„Danaker“-Orden von Kirgisistan
Ehrendoktor der International Univerity Genf
„Francisco de Miranda“-Orden 1. Klasse (Venezuela), erhalten von Präsident Hugo Chavez
Ehrendoktor der aserbaidschanischen Staatsakademie für Körperkultur und Sport
Ehrendiplom von Ilham Aliyev, Präsident Aserbaidschans
Ehrendoktor (BA Sportmanagement) an der Chandrakasem-Rajabhat-Universität Bangkok
Ehrenbürger von Bangkok
Ehrenbürger von Guatemala City
Medaille 1. Klasse von Bahrain
Ehrenmitglied der Swiss Olympic Association
Orden des Nationalen Olympischen Komitees von Belarus
„Dostik“-Orden vom Präsidenten der Republik Kasachstan, Nursultan Nazarbayev
Bundesverdienstkreuz
„Crown of Peace“ (Indien)

Und Amen. Das Zitat ist selbstverständlich nicht erfunden. So hat er es mir mal in einem Interview gesagt. Er meint das ganz ernst. Familienbande sind wichtiger als die Abseitsregel. Er schützt seine Familienmitglieder. Was auch passiert, und es passiert im Fußball ja einiges. Um mal nur das K-Wort zu nennen: Korruption. Selbstverständlich dürfen auch die Versager im polnischen Fußballverband um Michal Listkiewicz auf Blatters Milde setzen. Wann immer sich eine fremde Instanz, oder um mit Sepp dem Großen zu sprechen: eine „fremde Familie“, einmischt, wird ein pawlowscher Reflex ausgelöst in Zürich und Nyon. Am Tag, nachdem Polens Sportminister die Verbandsführung entmachtet hat, meldet sich die Fifa erwartungsgemäß:

FIFA and UEFA do not recognise appointment of „administrator“ of Polish FA

FIFA and UEFA have been informed of the events on 29 September that have affected the Polish football association (PZPN). In this regard, FIFA and UEFA would like to state the following: