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Propagandamaschine: das IOC und Putin und die Einheit von Sport und Politik

[caption id="attachment_26024" align="aligncenter" width="525"]Sport hat nichts mit Politik zu tun. Nicht in Russland. (Fotoquelle: President of Russia) Sport hat nichts mit Politik zu tun. Nicht in Russland. (Fotoquelle: President of Russia)[/caption]

Die Namen der beiden politisch Hauptverantwortlichen für das gigantische, kriminelle Dopingbetrugssystem des russischen Sports (inklusive des Betruges an vielen tausend Athleten aus aller Welt) tauchen insgesamt nur drei Mal im eher vorläufigen Untersuchungsbericht von Richard McLaren auf.

Wladimir Putin und Dmitri Medwedew.

Präsident und Ministerpräsident.

In jener Zeit, da das nun zusammengebrochene System ersonnen und in Auftrag gegeben wurde, war – Rollentausch – der eine Ministerpräsident und der andere Präsident. Macht es einen Unterschied?

Putin und Medwedew also. Jene Männer, die seit gestern Entlassungen „der Verantwortlichen“ versprechen und vornehmen und die Justiz beauftragen. Die jüngste „Meldung“ dazu: Medwedew sagt, Sportminister Witali Mutko werde im Amt bleiben.

Der Reihe nach.

The Empire strikes back: IOC-Attacken auf Doping-Aufklärer und mündige Athleten

Heute um 15 Uhr (MESZ) wird der Untersuchungsbericht der Welt-Antidoping-Agentur WADA zum staatlich orchestrierten Betrug im Dopingkontroll-Labor in Sotschi 2014 und zum russischen Staatsdoping veröffentlicht. Davon ausgehend wird die Frage neu beantwortet werden müssen, ob das russische NOK komplett den Sommerspielen in Rio fernbleiben soll. Diese Variante, von einer erstaunlich ausdauernden olympischen Opposition gefordert, hatte IOC-Präsident und Putin-Freund Thomas Bach mit seiner Finte des Olympic Summit nur einige Wochen vertagt.

Don Mario Vázquez Raña (†)

[caption id="attachment_19795" align="aligncenter" width="1024"]Foto: PASO Don Mario Vázquez Raña (Foto: PASO)[/caption]

Da ist es nur noch einer aus dem einst so mächtigen Latino-Quartett, das den olympischen Weltsport ein Vierteljahrhundert beherrschte und viel länger prägte. Nach Primo Nebiolo († 1999) und Juan Antonio Samaranch († 2010) starb Don Mario Vázquez Raña am Sonntagmittag in Mexico City. Er wurde 82 Jahre alt, hinterlässt eine Frau, fünf Kinder, zahlreiche Enkel und eine große olympische Geschichte.

Don Mario, Medien-Tycoon, ein líder del olimpismo, ein Freund Fidel Castros. Ein Vertrauensmann der IOC-Präsidenten Samaranch und Jacques Rogge. Und einst auch ein Partner von Horst Dassler.

Bleibt Jean-Marie Faustin Goedefroid de Havelange, João genannt, der am 8. Mai seinen 99. Geburtstag feiert und im kommenden Jahr als 100-Jähriger die Olympischen Spiele in seiner Heimatstadt Rio de Janeiro erleben will.

Gartenparties bei Scheich Ahmed und Präsident Jacques

Zurück aus Lausanne.

Es war spannend. Es bleibt spannend.

Es wird spannender denn je bis zum 10. September 2013, bis zur Wahl des neunten IOC-Präsidenten.

Auch im Projekt des IOC-Buches, dessen Vorverkauf sich ganz gut anlässt.

Es ist der siebte Werktag, seit Krautreporter das Projekt am 10. Juni 2013 freigeschaltet hat, und derzeit (Stand 13.58 Uhr) sind 6.295 Euro finanziert.

Das ist fein. Da geht aber hoffentlich noch ein bisschen.

Sie werden es gewiss nicht bereuen, denn das Buch ist auf einem guten Weg, ich denke, Sie bekommen etwas besonderes.

Nun also zum Kurztrip nach Lausanne am vergangenen Wochenende. Einige Schnappschüsse müssen sein. Diese Bildergeschichte ist vielleicht nicht so spannend wie die letzte aus St. Petersburg über den Scheich und Putin, aber ich geh’s dennoch mal an.

Mein Problem diesmal: trottelhaft habe ich meine Videokamera daheim im Arbeitszimmer liegen lassen und musste mich vor Ort mit einer kleinen Schnappschusskamera retten.

Trotzdem: Willkommen im Olympia-Zirkus. Manege frei!

Barack Obama: „Let the Games begin!“

Ich habe kürzlich dargelegt, warum ein Wahlsieg von John McCain der Todesstoß für Chicagos Olympiabewerbung gewesen wäre. Mit Barack Obama bekommt die Bewerbung nun einen ernstzunehmenden Drive. Auch wenn Obama derzeit Wichtigeres zu tun hat, als über die Olympischen Sommerspiele 2016 zu schwadronieren: Chicago darf wieder hoffen, ist nicht mehr aussichtlos gegen Madrid, Tokio und Rio. Jürgen Kalwa meint, ich würde zuviel spekulieren (u. a. in einem Beitrag für die SZ und einem etwas längeren für die BLZ). Ich glaube nicht, dass zuviel spekuliert wird, aber ich verklage Jürgen Kalwa nicht gleich, sondern trage noch einige Argumente vor. Philip Hersh trägt in seinem Blog in der Chicago Tribune (und in der Los Angeles Times) beinahe deckungsgleiche Argumente zusammen: „Obama and the Olympis: the secret is out“. Sage nur niemand, ich hätte abgeschrieben. Meine Zeitungstexte waren schon gedruckt, als ich Hersh per Google alert las :)

Ich habe im Laufe des Jahres mehrfach mit Chicagos Bewerbern über Obamas Rolle gesprochen, im Juni in Athen und im August in Peking. Sie haben sich verständlicher Weise mit Zitierbarem zurückgehalten, um McCain nicht zu verprellen. Off the records aber haben sie klar gemacht, dass sie voll auf den Obama-Faktor setzen. Das kann man ihnen kaum verübeln. Hören wir Obama selbst, am 6. Juni 2008, kurz nachdem Chicago vom IOC-Exekutivkomitee zu den vier Finalisten (neben Tokio, Madrid und Rio) gewählt wurde – zur Candidate City. Er wohnt übrigens – vor seinem Umzug ins Weiße Haus – nur zwei Blocks von jener Stelle entfernt, wo das Olympiastadion gebaut werden soll. Und er sagt, er würde die Spiele gern eröffnen, im Sommer 2016, wenn seine zweite Amtszeit als US-Präsident zu Ende geht. Die zweite Amtszeit, sagt er – tatsächlich:

In the interest of full disclosure, I have to let you know that in 2016, I’ll be wrapping up my second term as President. So I can’t think of a better way than to be marching into Washington Park alongside Mayor Daley … as President of the United States and announcing to the world, ‚Let the games begin!‘