oligarchen

EXCLUSIVE: How dependent federations are on the revenues of the Olympic Games

IOC President Thomas Bach receives a $ 8.8 million donation from FIE president Alisher Usmanov: The Original Manuscript outlining the revival of the Olympics by Pierre de Coubertin. (Photograph by Greg Martin/IOC)

How does IOC President Thomas Bach manage the crisis around the Tokyo Games? Criticism is stifled and there is no financial plan for sports federations affected by the postponement.

live aus PyeongChang (13): Im russischen Haus, das nicht russisches Haus heißen darf

GANGNEUNG. Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat mal wieder Schwachsinn erzählt. Die Dopingvorwürfe gegen das große saubere Russland seien von den USA inszeniert worden, weil die Russland sonst nicht schlagen könnten. Undsoweiterundsofort. Eine Lüge nach der anderen. Aber für derlei Äußerungen der ranghöchsten russischen Politiker wird sich das IOC vielleicht gar nicht interessieren, wenn es darum geht, die Witz-Sperre des Russian Olympic Committee (ROC) schon für die Schlussfeier in PyeongChang aufzuheben. Sport und Politik werden im IOC schließlich sauber voneinander getrennt.

Sieht man am Beispiel Russland.

Sieht man auch am Beispiel Nordkorea/Südkorea (dazu gleich mal zwei Lesebefehle für Holger Gertz in der Süddeutschen Zeitung und Christoph Becker in der FAZ).

Wie war das nochmal am 5. Dezember 2017?

Was hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) angeordnet, als es das ROC für ein paar Tage, nun ja, suspendierte?

Es sollte keine russische Flagge wehen bei diesen Winterspielen, die Hymne der Staatsdopingnation sollte auch nicht gespielt werden. Das ging an den ersten beiden Wettkampftagen gut. Auf der offiziellen Webseite aber, wo die Wettkampfresultate vom IOC-Sponsor Atos Origin bestückt werden, tauchten am Sonntag für die Buckelpistenfahrerinnen Regina und Marika Rachimowa kurzzeitig die russische Fahne und das Kürzel RUS auf. Und nicht etwa: „Olympic Athlete from Russia“ (OAR).

Das Malheur wurde bald behoben.

Die russische Hymne kann man dennoch hören in Südkorea, unweit der olympischen Sportstätten, in Gangneung, Gangmun 303-4, nahe am Strand. In der so genannten Aqua Wedding Hall, nahe des Gyeongpo Beach Tourist Hotels.

Dort haben die Russen ein Sports House eingerichtet. Russisches Haus darf es nicht heißen. Nicht mal OAR House.

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Meine kleine Geschichte dazu.

„Russland in meinem Herzen.“

Putin zu Sotschi: “We must cut construction costs”

Ich sage ja immer, dass es sich lohnt, schräge Webseiten aufzusuchen. Dazu zähle ich die der russischen Regierung. Die Meldung, dass Russland den Etat für die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi um 1,4 Milliarden auf äußerst bescheidene 8 Milliarden Euro kürzt, ist ja inzwischen auf dem Markt. Das kommt aber überraschend, nicht wahr? Es werden 15 Prozent Kosten für die Wettkampfstätten eingespart, erklärte Vize-Premier und Olympiaminister Dmitri Kosak nach einem Gespräch beim Premierminister, Olympia-Akquisiteur und Ehrenpräsidenten des Europäischen Judoverbandes Wladimir Putin. Den Blicken nach zu urteilen, muss das heute ein sehr ernster Talk gewesen sein, der Lage angemessen:

© Russian Government

Faszinierend finde ich, dass ein Protokoll des Gesprächs zwischen Putin und Kosak bereits auf Putins Webseite steht. In Russisch. In Englisch. Lustig sich vorzustellen, der Rapport sei so verlaufen.

Die Spiele unter dem Hammer

Der Urlaubsort des russischen Präsidenten Wladimir Putin richtet die Olympischen Winterspiele 2014 aus. In Sotschi will Putin mit seinen Oligarchen zwei Dutzend Milliarden Dollar investieren. Die Kameraden werden prächtig verdienen. Ein paar Brosamen fallen auch ab für den russischen Sport, moderne Anlagen und Trainingszentren. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) wird ebenfalls profitieren. Denn schon im Herbst könnte, auf Geheiß Putins, der dubiose Energieriese Gazprom zu den IOC-Sponsoren gehören. Wahrscheinlich für den doppelten Preis des bisher auf dem Markt Üblichen. So ist das mit den Spielen.

Die Entscheidung für Sotschi ist ein katastrophales Zeichen. Es ist die Kapitulation vor der ungezügelten Macht des Geldes. Es ist ein Sieg der Oligarchen. Um gleich noch etwas klarzustellen: Hier schreibt kein Romantiker, niemand, der meint, Kommerzialisierung sei per se zu verdammen. Nein, ach Gottchen. Es geht um etwas anderes, um andere altmodische Werte wie Demokratie, Glaubwürdigkeit und korrekte Abrechnungen. Ist dagegen etwas einzuwenden?

Wettlauf im rechtsfreien Raum

GUATEMALA-STADT. Endlich hat es einer ausgesprochen. Wenige Stunden vor der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2014 sagte der Norweger Gerhard Heiberg, das Bewerbungsprocedere sei „außer Kontrolle“ geraten. Heiberg, Chef der IOC-Marketingkommission, hat Formen der Bestechung ausgemacht. Acht Jahre nach dem Korruptionsskandal, den das Internationale Olympische Komitee nur mit Mühe überlebte, steht man wieder da, wo man schon einmal war.

Diesmal waren es die Bewerber aus Sotschi und Pyeongchang, die mit gigantischem finanziellen Aufwand und urwüchsigen Kombinationen von Staat und Politik um die Spiele buhlten. Für den Wettbewerb um die Sommerspiele 2016 steht Schlimmes zu befürchten. Erstmals sollte es eine Bewerbung vom Persischen Golf geben, und die Scheichs werden kaum zimperlicher sein als KGB-Zar Putin oder südkoreanische Konzerne. Deutsche Olympiainteressenten wie München (Winter 2018), Hamburg und Berlin (Sommer 2020) müssten eigentlich erkennen, dass es unter diesen Bedingungen sinnlos ist, in den wahnwitzigen, intransparenten Kreislauf der Geldvernichtung einzusteigen.

Mickeymaus unter Milliardären

GUATEMALA-CITY. Es geht ums Geld, wie immer. Deshalb lässt sich die Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2014, die in der Nacht zum Donnerstag entschieden wird, wunderbar am Kontostand bemessen. Denn der wird offen zur Schau getragen, so oder so: Die einen protzen mit ihren obskuren Milliarden – Sotschi (Russland) und Pyeongchang (Südkorea) sind deshalb favorisiert. Den anderen fehlt es an finanzkräftigen Sponsoren aus Wirtschaft und Politik – weshalb die Österreicher aus Salzburg ein vorsichtiges Budget aufstellten und dafür selbst von der Lokalzeitung Salzburger Nachrichten verspottet wurden. Über ein „Mickeymaus-Format“ lästerte das Blatt, das in seiner Online-Ausgabe kein Wort mehr über die Bewerbung verliert. Als sei das Abenteuer schon beendet.

Dem vielleicht zu vorsichtig kalkulierten Olympia-Etat Salzburgs ist allerdings eine gewisse Logik nicht abzustreiten. Denn anders als die Konkurrenten Sotschi und Pyeongchang, die in Windeseile unberührte Landschaften in Touristenregionen verwandeln wollen, brauchen die Österreicher gar nicht zu klotzen. In der Region Salzburg, inklusive des deutschen Teils der Bewerbung, der Schlittenbahn am Königssee, ist eigentlich alles vorhanden. „Wir könnten schon morgen die Spiele ausrichten“, beteuert Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden nimmermüde. Derartige Behauptungen sind nicht neu im olympischen Städtewettstreit. Doch selten kam ein Bewerber der Wahrheit so nahe. Salzburg hat das Original, Sotschi und Pyeongchang wollen unverschämt teure alpine Kopien anbieten. Heinz Schaden spricht von einem „legalen und einem nicht-legalen Weg“, mit Geld umzugehen. Der Ton wird rauer.