nodar kumaritaschwili

Sotschi 2014: Winterspiele unter Palmen

SOTSCHI. Es wird Sommer. Auf der Strandpromenade tragen die Männer ihre neuesten Adidas-Trainingsanzüge aus. Die Frauen führen Gucci-Handtäschchen, Bierbüchsen, Hündchen und Babys spazieren. Eine gewöhnungsbedürftige, aber doch sehr interessante, bunte Mischung. Das schaue ich mir mal ein paar Tage an, höre mich um und beobachte die IOC-Koordinierungskommission bei ihrer Arbeit. Die Vorbereitungen auf die Winterspiele 2014 unter Palmen (ganz speziell) und der russische Sport (ganz allgemein) rücken jetzt für vier Jahre in meinen Fokus. Den großen Fang hat Sotschi ja schon 2007 in Guatemala gemacht, nun schauen wir mal, wie die Beute aufgeteilt und wer außer den Oligarchen und Politniks etwas von den Spielen haben wird.

Angler am Hafen von Sotschi

Vancouver, die Eröffnungsfeier

18.03 Uhr: Mit leichter Verspätung, sorry. Ich bin im Dienst. Und, ja, jetzt schon fast Gänsehaut. Großes Theater. Und ähnlich warm wie einst in Peking. (Wie gut, dass ich meine Hotpants doch im Auto gelassen habe. Ich sitze im Sweatshirt da, selbst das ist noch zu behaglich.) Vermisse übrigens den Kollegen G.

Die Mounties, die Flagge und das blutrote Etwas der Sängerin, das hat was. Nikki Yanofsky ist das übrigens, sie singt auch den offiziellen Olympiasong „I believe“.

[youtube 7lKM5OHKLcM nolink]

Das Organisationskomitee VANOC sagt:

A numerical countdown at the Opening Ceremony for the Vancouver 2010 Olympic Winter Games at BC Place, described by the organisers as the largest air-supported domed stadium in North America.

Three billion – Estimated television viewers worldwide able to watch the Opening Ceremony.

60,600 – Filled-to-capacity seating at BC Place indoor stadium.

50,000 – Tickets sold to a Madonna concert at BC Place in 2008. Sold within 29 minutes.

45,000 – Kilometres. Distance the Olympic Flame travelled across Canada to reach BC Place.

25,000 – Kilograms of audio equipment.

11,600 – Meals ordered for delivery to the stadium to feed everyone during the day.

10,050 – Litres of water to hand in the stadium.

5,000 – In-ear monitors for the performers.

4,100 – Pairs of shoes.

3,600 – Metres of elastic holding things together.

2,050 – Volunteers working in the programme.

1983 – Year the BC Place opened.

1,054 – Intelligent lighting fixtures, many holding some of the 1,296 LED screen tubes.

900 – Kilograms, the weight of a 16 m-high Spirit Bear, the biggest prop on the stage.

750 – Support volunteers within and around the BC Place.

450 – Racks of costumes.

200 – Kilograms, the weight of the stadium’s five Olympic rings, each 7m in diameter.

123 – Metres long cylinder in the centre of the arena, displaying changing light projections.

100 – Fiddlers and 100 drums.

36 – Rigging points in the 41,480 sq m roof. Below, 1.8 km of trusses suspend lights and scenery.

21 – Average number of rehearsal days donated by each volunteer.

17 – Projection screens surrounding the audience in the stadium.

13 – Snowboards, plus 100 pairs of rollerblade skates and eight skis.

2 – Artistic directors, David ATKINS (AUS) and Ignatius JONES (AUS).

0 – Worries about bad weather delays in an indoor stadium.

18.28 Uhr: Es erwarte bitte niemand politisch-korrekte, feuilletonistische Betrachtungen. Gehe unvorbereitet an den Job. Wie meistens.

Ich habe übrigens bislang kein Zeichen, kein Wort in Bezug auf den Tod von Nodar Kumaritaschwili wahrgenommen. Mag sein, dass mir einige Infos fehlen. Denn draußen stand ich eine halbe Stunde am Security Check für die Second Class People, also Journalisten und Volunteers. Nebenan gab es mindestens 20 Eingänge, wo überhaupt nichts los war. Bei den Second Class People mussten 100 Leute an einem Scanner warten und durften nicht etwa die leeren Eingänge benutzen. Das ist Olympia. Fairerweise muss ich aber sagen, dass sie die Sicherheitskontrollen im MPC bisher grandios meistern, besser und schneller noch als die Chinesen, kein Witz. Meist wird nichts gescannt. Wer zehnmal am Tag da durch muss, weiß das zu schätzen.

18.43 Uhr: Jetzt bin ich schlauer. Es gab eine Schweigeminute und einen Hinweis.

Erste Fahnenträgerin aller Zeiten aus dem Iran: Marjan Kalhor. Da schau her. Aber ich denke, solche Details sollte ich lieber weglassen, dass habt ihr alles viel besser von den bestens vorbereiteten TV-Kommentatoren. Ist Maischberger auch wieder dabei?

Ich finde, beim Einmarsch der Georgier hätte man schon noch einige Worte sagen können. Regiefehler.

Bitte nicht erschrecken. Aber ich dachte, ein Beweis der Anwesenheit sei Pflicht. Immer noch besser als die MaskottchenFotos. Ein Maskottchen war blöderweise gerade nicht zu greifen.

19.12 Uhr: Vor einer Woche hatte das IOC auf Facebook übrigens 770.000 Friends. Soeben 1.278.142.

Sie können feiern. Keine Frage. Bisschen lebendiger als in Peking, wo vor allem die Artisten überzeugten.

Bryan Adams, Nelly Furtado. Nun ja.

Erstaunlich, sogar die VIPs tanzen. Mittenmang in Reihe eins: Herr und Frau UDIOCM.

19.29 Uhr: Mensch, ein Eisbär. Quatsch, Hirngabel hat Recht: Es ist der Exportschlager Berlino.

19.41 Uhr: Große Show, habe ich unten schon kommentiert. Bin ja immer für so was massentaugliches zu haben. Fühle mich wunderbar unterhalten. Dennoch, das Kontrastprogramm will ich nicht verschweigen. Ich weiß nicht, ob die ARD auch davon berichtet. Vor dem Stadium, im Regen, sieht es so aus:

Schätze, es waren einige tausend Demonstranten, vielleicht 3.000. Die Stimmung war relaxt, hoffe, das nichts passiert. Sie haben „We shall overcome“ gesungen. Das habe ich ewig nicht gehört. In der Schule, im Osten, war das Pflichtprogramm im Englisch-Unterricht.

Dank an Howie Munson: „I believe“ in HD und für den deutschen Youtube-Markt zugelassen. Das Video oben funzt offenbar nur bei mir in Vancouver. Aber eigentlich brauchen wir die Musik jetzt gar nicht. Live ist doch viel schöner.

[youtube X5GLHWa53oE nolink]

Die Farben das hatte jemand gefragt, kommen im Fernsehen natürlich viel besser als im Original. Ich kann es auf dem Monitor an meinem Platz vergleichen. Das ist die typische Fernsehwirklichkeit. Designed for HD and right-holders.

20.02 Uhr: Ich wurde aufgefordert, die Nachtschwärmer im Blog zu loben. Lob! Lob! Lob! Und morgen versuchen wir es dann wieder mit Qualitätsjournalismus :)

Mein spontanes Ranking aller Eröffnungsfeiern, die ich bisher live gesehen habe:

  1. Sydney (Cathy Freeman Part only)
  2. Vancouver
  3. Barcelona
  4. Lillehammer
  5. Peking
  6. Sydney (ohne Freeman)
  7. Nagano
  8. Athen
  9. Atlanta