moderner fünfkampf

Black Card für den Modernen Fünfkampf

URAYASU. Einige Hintergründe zu einem der Aufreger aus deutscher Sicht: dem Modernen Fünfkampf, wo die Berlinerin Annika Schleu eine traumatische olympische Erfahrung machen musste, wie Sie alle längst wissen: Sie lag auf Gold-Kurs, dann verweigerte das ihr zugeloste Pferd die Arbeit. Rang 31 – von 36 – statt einer Medaille. So eine Situation möchte niemand erleben.

Ohne Worte. Das Drama kann jeder sehen und begreifen. (Foto: IMAGO/Sven Simon)

Da brechen Welten zusammen. Ähnlich erging es der Peking-Olympiasiegerin Lena Schöneborn 2016 in Rio de Janeiro.

Die bewegten bewegenden und erbittert diskutierten Bilder dazu finden Sie auf den Webseiten der TV-Rechteinhaber, auch die Interviews und die Tränen. Auf den Social-Media-Kanälen Ihrer Wahl finden Sie ebenfalls viel dazu – nebst allen Diskussionen über Tierquälerei u.a.m.

Klaus Schormann (75) aber sagt, es sei alles genial und super gewesen.Schormann ist Jahrhunderten Präsident der Union Internationale de Pentathlon Modern (UIPM), war sogar schon Präsident dieses Verbandes, als dieser gemeinsam mit Biathlon eine Föderation bildete – wer weiß das heute schon noch, deshalb gibt es diesen Newsletter und das Magazin SPORT & POLITICS für olympische Bildung.

Quadratur des Kreises: das olympische Programm

Es gibt sie, die besinnlichen, die besonderen Momente im Olympic Village von Tokio. (IOC/Matthew Jordan Smith)

TOKYO. Karl Stoss hat einen der interessantesten Jobs bei den Olympischen Spielen. Der Österreicher ist Chef der Programmkommission des IOC. In dieser Funktion hat er auf der 138. Session vergangene Woche gerade die Einführung von Skibergsteigen für die Winterspiele 2026 in Mailand/Cortina durchgezogen. In Tokio, und im nächsten halben Jahr bis zur IOC-Session in Peking, ist er schwer damit beschäftigt, das Programm dieser XXXII. Sommerspiele zu evaluieren. Er schaut sich täglich mehrere Wettbewerbe an – am Tag, als wir telefonierten, war er beim Judo und Mountainbike -, er hat seine ersten Siegerehrungen gleich am ersten Wochenende absolviert, im Tokyo Aquatic Centre, und er koordiniert gemeinsam mit dem IOC-Sportdirektor Kit McConnell die Arbeit der Programmkommission.

Karl Stoss, seit 2016 in Rio de Janeiro IOC-Mitglied, gehört zu jener Minderheit von IOC-Mitgliedern, die stets ansprechbar und diskussionsbereit sind. Eine Whatsapp-Nachricht, die sofort beantwortet wird – und schon ruft er zurück. Das ist selten. In unserem Gespräch verspricht er, das IOC wolle erstmals nach vielen Jahren den Evaluierungsbericht für das olympische Programm von Tokio veröffentlichen. „Ich werde mich dafür einsetzen.“

Das werden vor allem jene Sportverbände gern hören, die nicht im Programm sind, aber teilweise modernere und globalere Angebote machen, die von mehr Menschen betrieben werden, als einige der ewigen Olympiasportarten. Und die nur selten wissen, woran sie sind, weil es keine eindeutigen Regeln gibt.

Die Basics, eine kleine Einführung:

  • In Tokio gibt es 28 sogenannte Kernsportarten. Wobei einer der 28 permanenten olympischen Weltverbände, die AIBA, vom IOC suspendiert wurde. Streng genommen also: 27 Weltverbände machen ihr Ding – und das IOC organisiert das olympische Boxturnier in Eigenregie.
  • In Tokio gibt es sechs Gastsportarten: Skateboarding, Sportklettern, Karate, Surfen sowie Baseball und Softball. Manche zählen Baseball (Männer) und Softball (Frauen) als eine Sportart, sie werden mittlerweile von einem Weltverband vertreten, was vor Jahren mal eine Bedingung des IOC für die Aufnahme ins Programm gewesen ist, so verschmolzen zwei Verbände.
  • Insgesamt reden für Tokio also 33 olympische Weltverbände mit. 28+5. Oder 27-1+5, wenn man die AIBA außen vor lassen möchte.
  • Ohne die Evaluierung der Tokio-Spiele abzuwarten, hat das IOC gemeinsam mit den Organisatoren 2024 in Paris bereits die diese vier Gastsportarten festgelegt: Sportklettern, Skateboard, Surfen und Breakdance. Karate sowie Baseball/Softball mussten weichen, ohne eine nachhaltige Chance bekommen zu haben. Das ist eine der vielen Absurditäten, von denen die Programmdiskussion seit Ewigkeiten geprägt ist.
  • Für 2028 hat Los Angeles natürlich schon klare Vorstellungen. Selbstverständlich wollen die Amerikaner, neben anderen Sportarten, auch wieder Baseball und Softball dabei haben.
  • Im Vergleich dazu: Das Programm Olympischer Winterspiele prägen traditionell sieben Weltverbände: Skisport, Biathlon, Eishockey, Curling, Rodeln, Bobfahren/Skeleton und Eislaufen. Für 2026 kommt die International Ski Mountaineering Federation (ISMF) hinzu. Endlich mal ein neuer Name.

Nachwehen der Jugendspiele: Dreier-Basketball wird (ziemlich sicher) olympisch

IOC-Präsident Jacques Rogge verfolgt mit den Olympischen Jugendspielen mehrere Ziele. Eines lautet: Er will über den Umweg der Youth Olympic Games neue Disziplinen und künftig auch neue Sportarten testen für die echten Olympischen Spiele. „Wir entwickeln neue Formate“, hat er zu Beginn der Premiere in Singapur gesagt, „die sollten wir, wenn sie erfolgreich sind, auf die traditionellen Spiele anwenden.“

Der Basketball-Weltverband FIBA ist ein Vorreiter dieser Entwicklung. Die FIBA hat für die Jugendspiele in Singapur einen neuen Wettbewerb kreiert, der an die Wurzeln dieser Sportart geht: Mädchen und Jungs spielten drei gegen drei, eine Art Streetball, FIBA 33 genannt.

Der sportpolitische Komplex oder: Dopingmängel bei den Goldverbänden BSD und DESG

Moin, moin. Bin noch auf der anderen Seite des Atlantiks – gerade von Seattle in Chicago gelandet, über München geht’s in die Heimat – und kann deshalb nicht die Sportausschuss-Sitzung heute in Berlin verfolgen (und kann in diesem Beitrag auch nicht gewohnt oft verlinken). Ich sage das so ausführlich, damit mir Klaus Riegert (CDU/Schwäbischer Turnerbund) nicht Falsches behauptet.

Schade eigentlich, dass ich nicht im Bundestag sein kann, denn ich glaube, es ist mal wieder an der Zeit, den Damen und Herren Volksvertretern auf die Finger zu schauen – und natürlich den Sport-Ministerialen des BMI.

Die Meldung des Tages gibt es allerdings hier schon vorab, sie lautet:

Zu jenen Sportfachverbänden, die gemäß dem Antidopingbericht 2008 einen Teil ihrer Fördermittel (Steuermittel) zurückzahlen müssen, zählen zwei der gerade in Vancouver erfolgreichen Verbände:

  • Der von Andreas Trautvetter (CDU) – ehemals thüringischer Landesminister und Hobbysänger, inzwischen mit einem gut dotierten Posten versorgt – geleitete Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD).
  • Die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), geführt von Funktionären wie Gerd Heinze, die im Fall Pechstein die Unwahrheit gesagt und die Öffentlichkeit hinters Licht geführt haben.

Julio Maglione und die Präsidenten der olympischen Weltverbände

Der 73-jährige Julio César Maglione (Uruguay) löst heute in Rom den 76-jährigen Moustapha Larfaoui (Algerien) als Präsident des Schwimm-Weltverbandes FINA ab. Das ist nicht wirklich eine Verjüngung und auch nicht wirklich eine Wachablösung. Denn Maglione diente schon in der ersten Amtszeit von Larfaoui, der 1988 Präsident wurde, als Vizepräsident. Seit 1992 ist Maglione Schatzmeister der FINA. Er sitzt seit einem Vierteljahrhundert im FINA-Bureau, er trug die desaströse Politik seines IOC-Kameraden Larfaoui mit, der FINA-Ehrenpräsident wird. Es heißt, Maglione werde dem Unsinn der Schwimmanzüge ein Ende bereiten. Mag sein, aber das soll heute nicht mein Thema sein. Stattdessen ein wenig Statistik, ich bitte um Nachsicht.

Da sich in den vergangenen Jahren an der Spitze der derzeit 33 olympischen Fachverbände doch einiges getan hat, hier mal eine aktuelle Übersicht der Präsidenten, schon inklusive Maglione:

Samaranch Junior

Ein exklusiver Gruß aus dem Herzen der großen olympischen Familie:

Hola everyone: Juan Antonio Samaranch Junior

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Juanito sieht blendend aus. Gesunder Teint, die feinen Hände manikürt. Juanito werkelt daheim in Madrid als Investmentbanker. Auf Dienstreise unter seinesgleichen, in der olympischen Familie, blüht er auf und scheint die Sorgen des Alltags zu vergessen. Hier ist er zu Hause. Schon als Kind hat ihn der Vater eingeführt in diese Kreise, ihn und seine Schwester Maria Teresa. Juanito lacht. „Klar laufen die Geschäfte schlecht“, sagt er, während er an einem Stückchen Käse kaut. „Aber soll ich jetzt anfangen zu heulen? Das Leben geht weiter. Man muss sich jeden Tag zusammenreißen, heiß duschen – und arbeiten!“

Lust und Frust: Olympische TV-Milliarden

Route de Vidy 9, CH-1007 Lausanne – ist die Adresse des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Alljährlich fliegen in der Vorweihnachtszeit die Mitglieder des IOC-Exekutivkomitees zu ihren Jahresendsitzungen ein.

Das mit den Jahreszeiten kriegt Google übrigens nicht hin, wie man sieht, auf Google Maps ist noch Sommer, und der neue Anbau zwischen altem und neuem Teil des IOC-Headquarters ist auch noch nicht zu sehen. Ich werde morgen Fotos nachreichen.

Ich bin via Genf gerade in Lausanne angekommen, diesmal im Hotel City nahe der IOC-Absteige Palace, wo ich mich gleich mal an der Bar umschauen werde. Zur Einstimmung ein Beitrag zur seit einer Woche wieder heiß diskutierten Frage der olympischen TV-Vermarktung.

Mich interessiert dabei weniger, welche Rekordsummen das IOC für die Winterspiele 2014 (Sotschi) und die Sommerspiele 2016 (werden im Oktober 2009 zwischen Madrid, Rio de Janeiro, Tokio und Chicago vergeben) erlösen kann. Dazu später einmal mehr. Ich konzentriere mich zunächst auf die Erwartungen der Sportverbände und unterlege die Geschichte, die ich in verschiedenen Medien veröffentlicht habe, mit einigen IOC-Statistiken.