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Das Nein für München 2022 und andere demokratische Regungen: die Parallelgesellschaft Sport kann die Signale nicht deuten

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Zum ersten Mal in der deutschen Geschichte wurden die Bürger vor einer Olympiabewerbung befragt: Soll sich München mit den Partnern Garmisch-Partenkirchen und den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land für die Winterspiele 2022 bewerben? Mehr als 53 Prozent der Bürger, die am Sonntag in den oberbayerischen Kommunen abstimmten, beantworteten die Frage mit: „Nein!“ Sie beerdigten damit die Olympiapläne. 4:0 gegen München 2022. Dieses Votum ist historisch.

Denn im Vergleich zu allen anderen olympischen Abenteuern, die in den vergangenen Jahrzehnten von der Allianz aus Sport und Politik ohne Bürgerbefragungen durchgedrückt wurden, war Münchens Offerte darstellbar, auch finanziell – selbst wenn man davon ausgehen darf, dass die Kosten erheblich gestiegen wären. Im Vergleich zu den vergangenen deutschen Bewerbungen Berchtesgaden 1992, Berlin 2000, Leipzig 2012 und München 2018 ist sogar, ganz vorsichtig, von einer gewissen Transparenz sprechen und von nachhaltigen Planungen. Dennoch hat der Souverän dieses Mammutprojekt gestoppt.

Das ist zunächst ein wunderbares Zeichen der Demokratie, denn plebiszitäre Elemente sind Deutschland noch immer fremd. Das Votum reiht sich ein in überwältigende Akte des Protestes gegen Mega-Events und Sportkonzerne in diesem Jahr: Im März entschieden sich die Bürger des Schweizer Kantons Graubünden gegen eine Olympiabewerbung für 2022. Dann gab es ein Nein in Wien gegen Olympiapläne für 2028. Im Juni demonstrierten Millionen Brasilianer auch gegen den Investitionswahnsinn Fußball-WM 2014 und Olympia 2016 in ihrem Land.

Sport als Opium für aufgeklärte Bürger? Die Droge wirkt nicht mehr flächendeckend. Es ist ein Unterschied, ob man Fernsehsport konsumiert, Weltcup-Wettbewerbe ausrichtet, wie es Schönau am Königssee (Bob und Rodeln), Inzell (Eisschnelllauf), Ruhpolding (Biathlon) und Garmisch-Partenkirchen (Ski Alpin) im kommenden Winter selbstverständlich wieder tun, oder ob man sich auf ein viele Milliarden Euro verschlingendes Abenteuer einlässt.

Und es ist keinesfalls ein Widerspruch zu dieser These, dass sich die Einwohner der norwegischen Hauptstadt Oslo kürzlich mehrheitlich für eine Olympiabewerbung 2022 ausgesprochen haben. Der Souverän wurde befragt – der Souverän hat entschieden. Oslo ist nun Favorit für die Winterspiele 2022, für die am Donnerstag, 14. November, Meldeschluss ist. Neben Oslo werden Lwiw (Ukraine), Peking mit Zhangjiakou, Almaty (Kasachstan) und eventuell Krakau (Polen) mit Poprad (Slowakei) ins Rennen gehen. Am Dienstag wird in Schwedens Hauptstadt Stockholm über eine Bewerbung befunden – ohne Bürgerentscheid.

Das Abstimmungsergebnis in Bayern ist auch deshalb bemerkenswert, weil die Olympiaskeptiker wegen der zuletzt flächendeckenden Propaganda der Befürworter aus Sport und Politik (mit Ausnahme der bayerischen Grünen) einen unfairen, ungleichen Wettbewerb beklagt hatten. Vor allem aber sollte dem Sport, dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC), zu denken geben, dass in den oberbayerischen Landkreisen und Gemeinden Fachleute Nein gesagt haben. Dieses Nein basiert keinesfalls auf „Vorurteilen und Falschbehauptungen“, wie DOSB-Generaldirektor Michael Vesper am Sonntagabend weinerlich behauptete. Vesper kann als langjähriger NRW-Minister in seinem fürstlich bezahlten Job als DOSB-General wohlfeil fabulieren. Diejenigen, die am Sonntag abstimmen durften, wissen allerdings besser als er über die Probleme und Segnungen von derlei Sport-Parties Bescheid. Tourismus, inklusive sportlicher Höhepunkte wie Weltcups oder Weltmeisterschaften, ist in Oberbayern ein Wirtschaftsfaktor. Den Bayern muss niemand etwas über Großereignisse erzählen. Sie wussten genau, was sie wollten.

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Winterspiele 2022: die Entscheidung in Graubünden. Münchens Chancen. Demokratie/Transparenz vs Heimlichtuerei. Olympiafinanzen. Journalismus vs Propaganda

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[Hier entsteht ein sehr langer Beitrag, der ständig ergänzt wird – bitte immer mal an das Ende durchkämpfen und die Aktualisierungen beachten!]

Das Volk hat das Wort! In der Schweiz gehören plebiszitäre Elemente, wie auch eine erstaunliche Transparenz in der Verwaltung, gewissermaßen zur DNA der Demokratie. Anders als in Deutschland, diesem Entwicklungsland in Sachen Transparenz und Bürgerbeteiligung. Im Kanton Graubünden entscheidet sich in diesen Momenten die Zukunft der Olympiabewerbung 2022 – und ich werde den Nachmittag aus der Ferne etwas begleiten.

GRAUBÜNDEN 2022

Zur Orientierung:

Ich war auch in den vergangenen Wochen oft vor Ort, habe über die Bewerbung berichtet, habe einige Interviews gegeben (über eines wird gleich noch zu reden sein) und durfte in Chur einen Vortrag zu Olympiabewerbungen, deren Finanzierung und zum IOC halten. Ich habe wieder einiges gelernt über die Schweiz, und bei einigem Kopfschütteln (etwa über die Propaganda von Politikern und deren Helfershelfern) bleibt doch ein Erstaunen, wie selbstbewusst sie dort mit ihrem Grundrecht auf Mitbestimmung umgehen. Chapeau! Das wünschte ich mir in Deutschland, oft genug habe ich beschrieben und argumentiert, dass vor einem Mega-Projekt wie einer Olympiabewerbung doch diejenigen befragt werden sollten, die die Zeche in jedem Fall zahlen müssen: die Bürger.

Ungleich transparenter als im Heimlichtuerland Deutschland war schon die Vorbereitung dieser Bewerbung „Graubünden 2022“ im Schweizer Sport, über das Verteidigungsministerium, im Kanton etc pp – bei allen Problemen, die ich kurz noch anreiße – bzw die im Blog schon angerissen worden sind.

Doch zunächst zur Lage, die David Sieber, Chefredakteur der Südostschweiz gerade so beschreibt:

Das ist die Frage, die die Bürger Graubündens zumeist längst schriftlich beantwortet haben – derzeit werden die letzten Stimmen ausgezählt:

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