konferenzen

Play the Game 2011, Tag 2 und 3

[caption width="640" align="aligncenter"]Mario Goijman, Lasana Liburd - Play the Game 2011 in Köln Mario Goijman (Volleygate) & Lasana Liburd – auf der ‚Play the Game‘ 2011 in Köln. / (cc-by-sa) Tine Harden/PtG[/caption]

Wird doch nichts mit einem Live-Blog aus Köln. Too much work. Und zu viele Gespräche, die für den Moment wichtiger sind als eine live-Berieselung. Die Berichterstattung über diverse Vorträge, Diskussionen und Workshops ist online aber schon relativ umfangreich. Zudem werden die Dokumente teilweise live ins Netz gestellt. Wer sich dafür interessiert, kann sich problemlos in den Informationsfluss begeben.

Einige Empfehlungen:

Play the Game 2011, Tag 1

Die Konferenz Play the Game ist eröffnet. Über einige Highlights werde ich bis Donnerstag berichten und bin selbst in einigen Sessions eingebunden. Teilweise werden die Veranstaltungen live übertragen. Zum Beispiel diese …

[Den Livestream habe ich nach oben über die Artikelspalte versetzt.]

… und auch am Nachmittag, u.a. die Rede von Dick Pound, die inhaltlich hochwertigste, die ein IOC-Mitglied dieses Kalibers je zum Thema Korruption im Sport gehalten hat.

14.16 Uhr: Eben haben wir noch lange beim Frühstück gesessen, nun hat er seinen ersten Auftritt in Köln: James Dorsey, dessen Blog The Turbulent World of Middle East Soccer ich wärmstens zur Dauer-Lektüre empfehle befehle.

15.28 Uhr: Großartiger Vortrag von Hans Bruyninckx, Universität Leuven. Kritisch, witzig, sarkastisch. Mehr dazu später.

In der Parallelgesellschaft Sport ist Verbrechen nicht Verbrechen, Korruption nicht Korruption, Doping nicht Doping … da gelten andere Regeln …

The sports world with its isolated activities is convinced of its own exceptionalism.

15.30 Uhr: Nun die Rede von Dick Pound.

Pablo Vignone, Ezequiel Fernández Moores; 'Blue Lagoon', Island 2007

Buchen! Festival for sports democracy: Play the Game 2011

Da haben sie im letzten Newsletter eine feine Formulierung gefunden für die 7. Auflage der Konferenz Play the Game, die nach Stationen in Dänemark, Island und England zum ersten Mal in Deutschland stattfinden wird:

Festival for sports democracy

… vom 3. bis 6. Oktober an der Deutschen Sporthochschule Köln.

Ich kann Journalisten und allen an Sportpolitik Interessierten die Teilnahme an der Konferenz nur wärmstens empfehlen.

Für mich ist Play the Game, initiiert und mit beispiellosem Engagement immer wieder vorangetrieben von Jens Sejer Andersen, die wichtigste Initiative, Kontaktbörse, Weiterbildungsveranstaltung meines journalistischen Lebens. Ich habe Play the Game viel zu verdanken: Freunde, Wissen, Spaß, Energie, Begeisterung, ein Netzwerk Gleichgesinnter, mitunter einen Auftrag. Ich weiß, dass es anderen ähnlich geht.

Play the Game ist mehr als etwas, was Jens Sejer Andersen mal Kommunikationskonferenz, mal ‚home for the homeless questions in sport‘ oder diesmal eben ‚festival for sports democracy‘ nennt. Man muss sich drauf einlassen.

Eines ist gewiss: wer gibt, der bekommt auch etwas zurück.

Programmhinweis: Sportjournalismus-Konferenz im April 2010

Zum Vormerken: Der gewiss nicht erfolglosen 1. Sportjournalismus-Konferenz im Februar 2008, der ersten dieser Art überhaupt, folgt demnächst eine zweite Konferenz – am 9. und 10. April 2010. Wieder an der TU Dortmund, wieder eine Kooperation von Institut für Journalistik und sportnetzwerk, wieder geht es um Qualitätssicherung im Sportjournalismus – um was sonst?

Hatten wir die Konferenz vor 19 Monaten noch mit „Unter Druck“ betitelt, so sind wir diesmal geneigt zu fragen:

Wozu brauchen wir in der PR-Gesellschaft noch (Sport)journalisten?

Diese Frage und viele sich daraus ableitende Fragen sind berechtigt. Denn die Kommunikationsherrscher machen doch schon alles selbst – und kaufen dafür gern auch Journalisten ein. Machen wir uns nichts vor: Journalisten sind ersetzbar. Das wird täglich bewiesen. Wir* aber möchten jenen, die sich nicht ersetzen lassen wollen, Anregungen geben. Auch Mut machen, darf man das sagen? Ein bisschen Wissen, Diskussionen und der Blick über den Tellerrand hinaus können gewiss nicht schaden. Wir werden kein Manifest schreiben, sondern praxisnah agieren. Der Workshop-Charakter, den wir schon bei der ersten Konferenz mit 25 Angeboten forciert haben, wird weiter dominieren – diesmal mit mehr Schwerpunkten zum Lokalsportjournalismus, zum Bloggen und mit mehr Möglichkeiten, im Programm auf spannende Debatten und Interessenlagen zu reagieren.

Einige grundsätzliche Themen:

  • Wie können freie Journalisten (und Blogger) Recherchejournalismus finanzieren?
  • Journalismus (und Bloggen) im juristisch bedrohten Raum
  • Crossmediales Arbeiten
  • Computer Assisted Reporting
  • Umgang mit Informationsfreiheitsgesetz(en)

Diese Ankündigung konnte nicht früh genug kommen. Die Eckdaten haben wir heute in Dortmund besprochen und uns dabei an der Umfrage zur Konferenz 2008 orientiert**, nun geht es an die organisatorische und inhaltliche Ausgestaltung, Sponsorengewinnung etc. Ich denke, spätestens Anfang November werden wir ein detailliertes Programmangebot vorlegen. Die Diskussion ist schon mal eröffnet. Ideen, Anregungen und tatkräftige Unterstützung sind jederzeit willkommen.

Play the Game 2009

Jens Sejer Andersen hat es wieder geschafft. Von Montag bis Freitag (8.-12. Juni) findet zum sechsten Mal die Konferenz Play the Game statt – nach vier Mal Kopenhagen und ein Mal Reykjavik nun also in Coventry. Ich werde von dort berichten – und in der Coventry Cathedral mit Richard Pound (IOC), Mario Goijman (Volleygate), Christer Ahl (Handball/IHF), Robert Lloyd (One World Trust) und Lars Haue-Pedersen (TSE Consulting) auch über die Lage im olympischen Weltsport, über Wirksamkeit und Glaubwürdigkeit der 1999 vom IOC verabschiedeten Reformen diskutieren:

Ten years after the IOC reforms – the state of governance in sport

Mein Vortragsthema in Coventry hat Übersichts-Charakter, ist Stammlesern hier gut bekannt, international aber unbedingt verbreitungspflichtig, weil das Thema weltweit nur von sehr wenigen Journalisten konsequent behandelt worden ist:

The ISL bribery system: 138 million CHF for high-ranking officials in the Olympic world

In der Programmkommission von Play the Game habe ich minimalen Anteil an der Vorbereitung der Konferenz. Mein Fokus war auf die Auswertung der vorgeschlagenen Vortragsthemen und auf die Verpflichtung des AIBA-Präsidenten Ching-Kuo Wu gerichtet. Eigentlich war mit Wu alles klar, doch kurzfristig wurde wieder nichts aus der Teilnahme des Box-Präsidenten. Wu ist eines von zahlreichen IOC-Mitgliedern, die in den vergangenen Jahren Play the Game fernblieben. Richard Pound macht wieder einmal eine Ausnahme. Er lässt sich die Teilnahme an Konferenzen, die er für wichtig hält, von niemandem verbieten. Aber vielleicht sollte ich besser vorsichtiger sein und fomulieren: Ich hoffe, bei Pound kommt nicht noch etwas Überraschendes dazwischen.

Zur Einstimmung auf die Konferenz stelle ich hier gern ein Kapitel zur Verfügung, das Jens Sejer Andersen für unser gemeinsames Buch „Korruption im Sport“ geschrieben hat. Ein Beitrag über Journalismus, die sagenhafte Sportfamilie und die Chancen eines weltweiten Netzwerkes:

Play the Game: Der ungleiche Kampf mit einer global operierenden Bewusstseins-Industrie 

Vier Worte auf einem kleinen gelben Zettel. So wenige Mittel reichen aus, wenn man jemanden davor warnen möchte, sich mit den Machthabern des Sports anzulegen.

Als wir an einem Sonntag Vormittag im November 2000 froh und gespannt in der Lobby des Kopenhagener Hotels „DGI byen“ standen und unsere Gäste zur Konferenz Play the Game willkommen hießen, entdeckten wir etwas Ungewöhnliches: Unter einem der Namensschilder, die auf dem Willkommenstresen lagen, klebte ganz diskret einer der wohlbekannten kleinen gelben Merkzettel. Das Namensschild wartete darauf, dass sich sein rechtmäßiger Eigentümer, ein Journalist und Mitverfasser eines besonders kritischen Buches über die FIFA, anmeldete. Wären wir ihm nicht zufälligerweise zuvorgekommen, hätte er zusätzlich zur Willkommensmappe folgenden Gruß erhalten, anonym und in blauen Blockbuchstaben geschrieben: „WE ARE WATCHING YOU“.

Es handelte sich hier kaum um einen anonymen Verehrer. Deshalb zogen wir den Gast aus Deutschland später zur Seite und machten ihn auf den Zettel aufmerksam. Es soll erwähnt werden, dass Jens Weinreich unbeschädigt von seinem Auftritt auf der Konferenz davon kam, aber für uns war die Episode nur noch eine Bestätigung dafür, dass die internationale Welt des Sports ein, milde gesagt, angespanntes Verhältnis zur Meinungsfreiheit und offenen Diskussion hat. Zwei Tage zuvor hatte einer der Hauptredner der Konferenz, der italienische Anti-Doping-Kämpfer Sandro Donati, eine niederschlagenden E-Mail mit der Überschrift „Conference bye bye“ geschickt. Nach drei Wochen langem Tauziehen mit dem italienischen olympischen Komitee CONI, bei dem Donati als Forschungsleiter angestellt war, hatte er immer noch keine Ausreiseerlaubnis erhalten. Da CONI zur gleichen Zeit mit den elf Gerichtsverfahren beschäftigt war, die es im Laufe der Jahre gegen Donati eingeleitetet hatte, um ihn zu entlassen, traute Donati sich nicht, ohne CONI’s Stempel in den Reiseunterlagen das Land zu verlassen. (Damals konnte er nicht wissen, dass er alle elf gewinnen würde!) Es brauchte einen Protest von den Teilnehmern der Konferenz und ein strenges Fax unserer Mitveranstalter im Internationalen Journalistenverband (IFJ), bevor CONI’s Generalsekretär Raffaele Pagnozzi widerstrebend erklärte: „At this stage and having seen what has happened, Mr. Donati can, as free citizen, take part freely to any conference.“

Die Erlaubnis kam so spät, dass wir Donati als allerletzten Punkt auf unsere Programmliste setzen mussten. Nach dem Drama um den führenden Dopingjäger dieser Welt wurde es ein unvergessliches Finale mit stehendem Applaus der Teilnehmer.

Wir hätten CONI eine Dankeskarte schicken sollen – für ihre Hauptrolle in der Planung einer so hervorragenden Dramaturgie. 

Totalitäre Züge – illegale Diskussionen

Die Beispiele des Jahres 2000 sind keine Einzelfälle. Nach nun vier Play-the-Game-Konferenzen für  Journalisten, Forscher und Sportfunktionäre, die alle Meinungsfreiheit und Demokratie im Weltsport fördern möchten, müssen wir feststellen, dass die Welt des Sports – die häufig von sich selbst und anderen als einer der Grundpfeiler der demokratischen Gesellschaft hervorgehoben wird – in Wirklichkeit eine Furcht vor dem freien Wort hat, die sonst totalitären Regierungsformen eigen ist. Bereits 1997 erlebten wir, wie der inzwischen verstorbene Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, Primo Nebiolo, norwegischen Athleten drohte, sie von der WM auszuschließen. Angeblich versuchte er dies auf Grund eines schon längst beigelegten Dopingprozesses. Laut internen Quellen im Verband aber war der wirkliche Grund, dass der frühere norwegische Athletikvorsitzende, Lars Martin Kaupang, während unserer allerersten Konferenz wenige Wochen vor der WM Nebiolos Führungsstil kritisiert hatte.

Auffällig war auch, als vier hervorragende Redner, die im Jahr 2002 definitiv zugesagt hatten, den Zustand in der FIFA zu diskutieren, einer nach dem anderen kurz zuvor, ja sogar während der Konferenz, absagten – mit dem Hinweis auf  „widersprüchliche Karriereinteressen“, „wichtige Geschäftstreffen“, „unvorhergesehene Vorkommnisse“ und „den Rat meines Arztes, zur Zeit nicht zu fliegen“.

An welche Art Regierungsform erinnert es, wenn der Volleyball-Weltverband FIVB als Antwort auf eine Einladung zur Konferenz im Jahr 2005 eine Diskussion über die Korruption im Verband als „illegal“ erklärt und jedem einzelnen mit Namen genannten Mitglied des Play the Game-Vorstandes und -Programmkomitees damit droht, alle zulässigen Mittel gegen sie zu verwenden? Wir mussten den FIVB freundlich darauf hinweisen, dass es in Dänemark gesetzlich erlaubt ist, auf Konferenzen Reden zu halten.

„Richard W. Pound to head Play the Game Advisory Board“

Hoppala, das ist doch mal eine überraschende Nachricht. Richard Pound nimmt im Juni 2009 nicht nur erneut an der Konferenz Play the Game teil, er steigt sogar richtig in die Organisation ein. Angesichts der Tatsache, dass die Kommunikation zwischen Play the Game und Organisationen wie IOC oder Fifa zeitweise eingefroren war, ist das eine kleine Sensation. Ein Überraschungscoup von Jens Sejer Andersen. Die Fifa hatte Play the Game über die Jahre boykottiert und zweimal nur Spione geschickt. IOC-Mitglieder waren eigentlich immer zugegen, aber zuletzt auf eigene Faust – wie eben Pound 2007 in Reykjavik -, und nicht mit Unterstützung der IOC-Führung. Weshalb in den vergangenen Jahren auch einige eigentlich recht hoffnungsvolle Kontakte im Nichts endeten. Aus Sicht von Fifa, IOC, FIVB und anderen war Play the Game der Feind; wenn ich mich recht erinnere, hat Acostas Verband (FIVB) sogar mal versucht, sämtliche Board-Mitglieder von PTG zu verklagen, weil der unvergleichliche Mario Goijman (Volleygate) eingeladen und geehrt worden war.

Richard Pound hat 2007 nach entsprechenden Anfragen von Journalisten erstmals darüber gesprochen, dass ihm die Idee einer Welt-Anti-Korruptions-Agentur (WACA) analog zur WADA durchaus gefällt. Ich habe seit Jahren über so eine WACA fabuliert. Mal sehen, was geht. Mal sehen, wie das Establishment auf Pounds unorthodoxe Aktion reagiert.

Die taufrische Pressemitteilung von Play the Game aus London, wo heute eine Veranstaltung u. a. mit Declan Hill stattfand, der ebenfalls zu den Stammkräften von Play the Game zählt.

(Und als disclosure flink noch der Hinweis, dass ich seit 2006 im Programmkomitee von Play the Game mitarbeite.)

IOC member and former President of the World Anti-Doping Agency (WADA), Richard W. Pound, is to head Play the Game’s new Advisory Board.

Play the Game’s commitment to democracy, transparency and freedom of expression in world sport made Pound team up with the sports communication organisation. The award-winning transparency in sports advocate also stressed the importance of Play the Game as an independent platform for dialogue on the future of sport.

„Sport is confronted with a number of serious challenges, ranging from corruption and doping to the changes in people’s lifestyle around the world,“ says Pound. „More than ever we need to face these challenges with full transparency and readiness to involve the public in finding solutions, and Play the Game plays an important part in this process.“