jörg hahn

Was vom Tage übrig bleibt (30): DLF-Gespräche mit Misersky, Kofink, Treutlein – und Thierse

Stammgästen dieses Blogs sind Gerhard Treutlein, Henner Misersky und Hansjörg Kofink bestens bekannt. In den Kommentaren schreibt der Leser „rentner“, der sich hervorragend auskennt in der Szene, zu Kofinks Beitrag:

Kofinks Anmerkung zur Dopingproblematik West/Ost ist das Beste, was ich in letzter Zeit gelesen habe. Alle mit der so genannten Aufarbeitung in den 1990er-Jahren Beschäftigten sollten sie so lange lesen, bis sie sie auswendig können und sich dann ins Kloster verabschieden. Im Übrigen für all die, die mit dem Namen Kofink nicht so viel anfangen können: Der schwäbische Pädagoge war Bundestrainer für Kugelstoßen/Frauen zu einer Zeit, da man im DLV begann wegzuschauen. Weil ihm die Heuchelei gegen den Strich ging, zog er sich angewidert zurück. Kofink weiß also, wovon er schreibt.

Im Deutschlandfunk führte Jessica Sturmberg die drei Dopingaufklärer Treutlein, Kofink und Misersky gestern zu einem Gespräch zusammen. Zum Nachhören, 19:10 Minuten, eine Diskussion über den Umgang mit der Vergangenheit, Lügen der Dopingtäter und Abhängigkeiten einer angeblich unabhängigen Kommission, die mit zwei Leichtathletik-Funktionären (Reiche, Ecker-Rosendahl) vielleicht doch etwas einseitig und parteiisch besetzt ist:

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Mich überrascht besonders die plötzliche Erklärung des Brandenburger Leichtathletik-Präsidenten Steffen Reiche (SPD), wonach Werner Goldmann, der vor Monaten noch als untragbar eingeschätzt, nun plötzlich wegen eines Satzes, dass er den Fall Jacobs bedauere (ein dahingeschriebener Satz, mehr nicht), wieder der geeignete DLV-Bundestrainer sein soll. Das verstehe, wer will. Das UDIOCM, der DOSB-Präsident Thomas Bach, hat mir vor wenigen Tagen im Interview noch gesagt, Goldmann habe „gegenüber dem Zeugen nicht sehr glaubwürdig geleugnet“, man müsse erst mal sehen, wie glaubwürdig ein eventuelles Umdenken einzuschätzen sei. Keine Sorge, gemäß UDIOCM geht die Kommission in aller „Objektivität und Neutralität“ an die Aufgabe und ist in ihrer Zusammensetzung ohnehin über jeden Zweifel erhaben.

Mein Kommentar gestern in der Sendung „Themen der Woche“ im Deutschlandfunk:

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Nachtrag: Herbert Fischer-Solms im Gespräch mit Wolfgang Thierse:

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Wolfgang Thierse:

  • Es ist eine Entschuldigung und damit ein Geständnis, sehr spät, 20 Jahre danach, und irgendwie wirkt sie auf mich nachgereicht, erdrängt, erzwungen.
  • Vertrauen stellt sich her durch Aufrichtigkeit, durch Wahrhaftigkeit. Deshalb ist ein Gespräch notwendig, damit Vertrauen wirklich entsteht und nicht nur Vertrauen herbei gezwungen wird.
  • Wer soll ihnen vergeben? Doch nicht Sportfunktionäre der Bundesrepublik. Sondern das setzt wieder voraus das Gespräch mit den Betroffenen, mit den Opfern. Denn die müssen die schwierige, schmerzliche Leistung der Vergebung aufbringen. Ich glaube nicht, dass die Trainer von damals und die Sportfunktionäre von heute sich davor wirklich drücken dürfen.
  • Geht zu den Opfern und schaut ihnen ins Gesicht!

Noch einige Leseempfehlungen, manche Texte sind in den Kommentaren bereits verlinkt worden: