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Durchhalteparolen: das Coronavirus, das IOC und Tokio 2020

Das Coronavirus gefährdet das größte Sportereignis des Jahres, die Olympischen Spiele in Tokio. Derlei Sorgen sind nicht neu, sie heißen nur immer wieder anders. Die Angst vor erzwungenen Absagen gehört untrennbar zur Geschichte der Olympischen Spiele. Sie gehören zum Geschäftsrisiko des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), das die Spiele als Franchise-Unternehmen vermarktet und damit im aktuellen Olympiazyklus (2017 bis 2020) mehr als sechs Milliarden Dollar umsetzt.

Wladimir Putin: „the Olympic spirit have been insolently trampled underfoot by politics“

We greatly value those who uphold the Olympic movement’s principles and strive to preserve the unity of the big Olympic family. To our great regret however, we have witnessed how the humanitarian foundations of sport and the Olympic spirit have been insolently trampled underfoot by politics. We have seen how issues are decided based on considerations of the moment, and how selfish interest and perhaps even cowardice have triumphed over the Olympic principles.

— Wladimir Putin, Moskau, 25. August 2016

Der unpolitischste und mächtigste olympische Sportführer des Planeten hat seine Untertanen mal wieder im Kreml mit Orden geehrt. Wladimir Putin nutzte die Gelegenheit, um sich mächtig über all jene zu beschweren, die die humanitären Werte des Sports und den olympischen Geist aus politischen Gründen knechten und mit Füßen treten. Nur zur Sicherheit: Er hat sich nicht damit gemeint. Putin sieht sich und seine Sportsoldaten als Opfer böser Kräfte des Westens und ganz böser Medien.

Für seine neue Favoritin Jelena Isinbajewa bleibt er begeistert:

live aus Rio (27): Jung & Naiv in der Olympiastadt und beim IOC

BARRA DA TIJUCA. Das Grauen hat einen Rundschädel, einen Stiernacken und eine menschliche Stimme. Vielleicht kann das Grauen sogar vernünftige Informationen, Einblicke und Hintergründe vermitteln. Nun also eine Folge Jung & Naiv aus Barra da Tijuca und Rio de Janeiro, vom IOC-Hotel, vom Deutschen Haus, von der Copacabana, vom Olympic Park – mit Überraschungsgästen aus dem IOC, aus Weltverbänden und dem europäischen Hochadel.

Herr Jung und ich haben als bei diesem crowdgefundeten Abenteuer jedenfalls weder Mühen noch Zeit noch Kosten gescheut, um mehr als zwei Stunden anzubieten, an Engagement mangelt es uns sowieso nicht.

Auf geht’s:

Und auch am vorletzten Tage der Spiele dürfen Sie olympischen Hintergrundjournalismus weiter finanzieren – denn natürlich gibt es nach Olympia keine Pause. Es gibt vieles aufzuarbeiten.

Julio Maglione und die Präsidenten der olympischen Weltverbände

Der 73-jährige Julio César Maglione (Uruguay) löst heute in Rom den 76-jährigen Moustapha Larfaoui (Algerien) als Präsident des Schwimm-Weltverbandes FINA ab. Das ist nicht wirklich eine Verjüngung und auch nicht wirklich eine Wachablösung. Denn Maglione diente schon in der ersten Amtszeit von Larfaoui, der 1988 Präsident wurde, als Vizepräsident. Seit 1992 ist Maglione Schatzmeister der FINA. Er sitzt seit einem Vierteljahrhundert im FINA-Bureau, er trug die desaströse Politik seines IOC-Kameraden Larfaoui mit, der FINA-Ehrenpräsident wird. Es heißt, Maglione werde dem Unsinn der Schwimmanzüge ein Ende bereiten. Mag sein, aber das soll heute nicht mein Thema sein. Stattdessen ein wenig Statistik, ich bitte um Nachsicht.

Da sich in den vergangenen Jahren an der Spitze der derzeit 33 olympischen Fachverbände doch einiges getan hat, hier mal eine aktuelle Übersicht der Präsidenten, schon inklusive Maglione:

Steuerbefreiungen für Sportverbände (2): Liebling Schweiz

Sie haben es nicht leicht, die Schweizer. Müssen das Bankgeheimnis wahren, den rund 60 internationalen Sportverbänden im Land – neben dem IOC (das neuerdings Beobachterstatus in den Vereinten Nationen anstrebt), der Fifa und der Uefa auch die olympischen Weltverbände im Rudern (FISA), Baseball (IBAF), Basketball (FIBA), Boxen (AIBA), Radsport (UCI), Reiten (FEI), Fechten (FIE), Turnen (FIG), Handball (IHF), Hockey (FIH), Ringen (FILA), Schwimmen (FINA), Tischtennis (ITTF), Bogenschießen (FITA), Volleyball (FIVB), Eishockey (IIHF), Eiskunstlaufen (ISU) und Skisport (FIS) – wenigstens Steuerleichterungen, wenn nicht gar (den wichtigsten) Steuerbefreiungen gewähren. Die könnten andernfalls abwandern nach Dubai, Doha, Abu Dhabi, Peking, Sotschi oder andere Totaldemokratien.

Die Schweizer müssen zudem sicherstellen, dass die Bestechung von so genannten Privaten, also auch Sportfunktionären, weiter nicht im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb erfasst wird. Gern segnet die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) auch Dokumente ab, die Schmiergeldzahlungen in Höhe von 138 Millionen Franken an Sportfunktionäre als rechtens erscheinen lassen, wie im Fall ISL/ISMM.

Sie tun also alles, die Schweizer, um die intransparenten Weltkonzerne IOC, Fifa, Uefa, hoppla, sagte ich Weltkonzerne?, ich meine natürlich: um die Vereine IOC, Fifa, Uefa ungestört ihre Geschäfte machen zu lassen. Denn es sind Vereine, nach dem Schweizer Recht, es gibt – wie jeder weiß – nicht wirklich Unterschiede zwischen diesen Milliardenkonzernen und anderen Schweizer Vereinen wie etwa dem Verein für Pilzkunde Thurgau oder dem Verein Feministische Wissenschaft. Nein halt, im Zweifel gibt es doch Unterschiede: Die Pilzkundler und die Wissenschaftlerinnen werden möglicherweise höher besteuert.

Es könnte alles so schön sein, das Leben, ganz ohne Sorgen. Doch leider gibt es immer mal wieder einen aufmüpfigen Politiker (in der Schweiz! so etwas ist ja selbst in Deutschland und seinem Bundestags-Sportausschuss kaum anzutreffen!), der sich an den paradiesischen Bedingungen für die Profitmacher aus dem Sportbusiness stört. Etwa Kantonsrat Roland Büchel oder Ständerat Alex Kuprecht, dem nicht so recht einleuchten will, …

warum derartige Organisationen wie die Uefa, die Fifa oder das IOC, die Hunderte von Millionen Franken an Gewinnen erzielen, steuerbefreit werden.

Er hatte deshalb folgende Fragen an den Bundesrat: