hassan al-thawadi

Allianz von FIFA und Schurkenstaaten: Wer nicht aufsteht und handelt, macht sich mitschuldig. 

DOHA. Wer in den vergangenen Wochen über eine angebliche Zeitenwende im Weltsport orakelt hat, sollte sich nochmal die Aufzeichnung des 72. FIFA-Kongresses anschauen. Im Doha Exhibition and Convention Center, wo am vergangenen Freitagabend die Gruppen der Fußball-WM 2022 ausgelost werden, gab es am Donnerstag auf der Vollversammlung des Weltverbandes einen Vorgeschmack darauf, wie die FIFA und Katar im nächsten Dreiviertel Jahr argumentieren werden. In Kurzfassung:

Die WM in Katar ist ein Segen für die Menschheit.

Kritik an den Zuständen an den WM-Baustellen, den vielen tausend Toten, an der Beschneidung der Pressefreiheit, an der Menschenrechtslage, an Korruption – all das mit dieser Männer-WM in Katar seit mehr als einem Jahrzehnt verbunden – oder gar Boykottforderungen? Alles bösartige und verlogene Voreingenommenheit des Westens, basierend auf Unkenntnis der wirklichen Lage. Darauf lassen sich die Botschaften reduzieren, die FIFA-Präsident Gianni Infantino, Mitglieder der feudalistischen Herrscherfamilie Al-Thani und Hassan Al-Thawadi, weltgewandter CEO des Organisationskomitees, in Doha verbreiteten.

„Meine Tür ist offen für alle, die die Themen verstehen“, sagte Al-Thawadi. Er unterstellte der norwegischen Verbandspräsidentin Lise Klaverness, die eine bemerkenswert kritische Rede gehalten hatte, sie habe zuvor nicht den Kontakt gesucht. Was Lise Klaverness umgehend zurückweisen musste.

Sportwashing, Propaganda, Staatskorruption: der Fall Katar

Ein kleiner Vorgeschmack auf meinen Katar-Schwerpunkt im neuen Heft 3 von SPORT & POLITICS:

Das Emirat Katar lädt am Sonntagabend im Estádio da Luz in Lissabon zum Finale der europäischen Champions League. Als Qlassico hat die staatliche Fluglinie Qatar Airways das Duell zwischen Paris Saint-Germain und dem FC Bayern München bezeichnet. Ein Finale zwischen PSG, das zu 100 Prozent Katar gehört, und dem FC Bayern, zu dessen sogenannten Platin-Partnern seit 2018 Qatar Airways zählt. Die Fluglinie, von Bayern-Fans aus guten Gründen Kafala Airways genannt, übernahm in München den seit 2016 laufenden Sponsorenvertrag mit dem Hamad International Airport in Doha.

Ein Gewinner dieses wichtigsten Fußballspiels des Jahres steht also fest: Tamim Bin Hamad Al-Thani, der 40 Jahre alte Emir von Katar.

Tamim der Glorreiche, lässt er sich in Katar nennen. Der Monarch, bereits seit 2002 Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), wird natürlich in Lissabon erwartet. Offiziell gehört PSG der von Tamim gegründeten Firma Oryx Qatar Sport Investments (QSI), Tochterfirma der Qatar Investment Authority (QIA). Seit der Übernahme 2011 hat Katar mindestens 1,5 Milliarden Euro in das Unternehmen gepumpt und PSG auf Rang fünf der weltweit umsatzstärksten Fußballvereine katapultiert – direkt hinter dem FC Bayern. Im Vergleich zu anderen Investitionen des Staatsfonds QIA – bei Volkswagen, Barclays, dem Flughafen London Heathrow oder in Immobilien in New York – sind das Peanuts. Doch der Werbeeffekt ist gewaltig. Sport, insbesondere Fußball, ist ein zentrales Element des 2008 verabschiedeten Plans Qatar National Vision 2030.

Der Aufstieg Katars ist unvergleichlich. Die winzige Erbmonarchie hat sich Dank der Erdgas-Milliarden zu einem Global Player entwickelt. Im Sportbusiness ist Katar sogar eine Supermacht. Das Finale der Champions League ist ein weiterer Meilenstein. In zwei Jahren folgt die Fußball-WM, die seit der Vergabe am 2. Dezember 2010 von Korruption und Menschenrechtsverletzungen überschattet ist. Doch selbst diese WM, für die Katar mehrere hundert Milliarden in gewaltige Infrastrukturmaßnahmen investiert hat, soll nur ein Etappenziel sein. 

Supermacht mit Petrodollars: Katars Expansionsstrategie im Sport

Der Jung-Emir Tamim Bin Hamad Al-Thani hat gut lachen. Läuft alles prächtig bei dieser Handball-WM, in die nicht nur mehr als 220 Millionen Dollar in drei nagelneue Tempel investiert wurden und für die eine komplette Nationalmannschaft eingebürgert wurde – was im IOC, dem Tamim angehört, eigentlich als verpönt gilt, aber das interessiert Tamim doch nicht.

Tamim hat 680 Journalisten die Reise zur WM und einen angenehmen Aufenthalt in Doha bezahlen lassen (dazu mein Beitrag im Magazin Krautreporter: „Katar, Petrodollars und die Journalisten“) und nach dem Sieg gestern gegen Deutschland freut er sich auf das Halbfinale seiner Söldner gegen Polen – und auf das Finale.