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live aus Rio (28), Finale im Maracanã mit einem meiner Helden von Rio: Jamil Chade

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RIO DE JANEIRO. Ein Tag noch. Für mich endet das Abenteuer hier. Sitze wieder im Maracanã, wie schon bei der Eröffnungsfeier. Ich glaube, ich sehe zum vierten Mal Sport hier während der Spiele. Das Fußball-Finale, das gemäß meines Taxifahrers Bruno mindestens 8:0 für Brasilien ausgehen wird, eher 9:0, mit fünf Toren von Neymar. Revanche für Belo Horizonte und eine der größten Vorführungen der Fußballgeschichte.

Ich muss noch eine Geschichte schreiben, mit der ich mich wieder einmal schwer tue.

While waiting: Auf dem Weg vom Bus zur Sicherheitskontrolle und von der Kontrolle zum Aufzug und im Gang zu den Pressetribünen, habe ich ein kleines Interview mit meinem Freund und Kollegen Jamil Chade geführt, einem meiner Helden dieser Olympischen Spiele.

Von Opdi & Scholli und anderen vergebenen Möglichkeiten

Eine kleine TV-Kritik zur Euro 2016 war vorbereitet, da kommt der von der ARD fürstlich entlohnte Mehmet Scholl daher und macht endlich mal das, wofür er seit Jahren bezahlt wird. Scholl, dem viele in diesem Internet aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen den Fußball-Sachverstand absprechen (darauf muss man erstmal kommen), kritisierte also die Taktik des Bundes-Jogi gegen Italien – nach einem nervenzehrenden Duell mit grotesk-spannendem Elfmeterschießen, das sich würdig einreihte in die Chronik deutsch-italienischer Auseinandersetzungen bei großen Turnieren.

[caption id="attachment_25814" align="aligncenter" width="924"]screenshot ARD Screenshot ARD[/caption]

Die Sache ist, wie vieles im Fußball, zu einem kleinen Politikum geworden, der Boulevard hat sich des Themas angenommen, La-Mannschaft-Chefvermarkter Oliver Bierhoff findet die Kritik „unmöglich“, „unglaublich“ und sieht den „gesamten Trainerstab“ angegriffen.

All that jazz.

Dreier- oder Viererkette? Defensive zu Ungunsten der Offensive stärken? Mit breiter Weltmeister-Brust den Italienern seinen Stil aufzwingen, statt auf die Stärken des Gegners mit Systemanpassungen zu reagieren? Das sind so Fragen, die seit gestern Abend gegen Mitternacht mit Verve diskutiert werden. (Einen Teil der Ausführungen Scholls hat die ARD auf Youtube veröffentlicht, eine Einbindung dieser Sequenz ist nicht möglich. In der Mediathek findet sich womöglich das komplette Stück.)

Mag sein, dass die öffentliche Diskussion um sein öffentlich-rechtliches Jahressalär (ein sogenannter Branchendienst spekulierte über bis zu 1,6 Millionen Euro) das Unterbewusstsein des ARD-Experten Mehmet Scholl stimulierte, ein Mal während der EM etwas mehr von sich zu geben, als nur ein oder zwei Sätze auf jene Stichpunkte hin, die ihm sein Partner Matthias Opdenhövel darbietet. Vielleicht war es aber auch Berechnung: Wollte er ausgerechnet in jenen Minuten, da das Ergebnis doch alle Mittel heiligt (nicht meine Sicht aber wohl zweifellos die Sicht der Mehrheit), beweisen, dass er das ARD-Honorar wert ist? Antworten darauf kann nur Mehmet Scholl geben.

Vielleicht nicht mal er.

Was mich an dieser Episode mehr beschäftigt als die inhaltliche Frage, sich mit der von Joachim Löw gewählten Taktik auseinander zu setzen (wenn er sie denn gewählt hat, denn Scholl insinuierte mit dem Verweis auf die WM 2014 ja auch, dass die Spieler damals in der entscheidenden Phase die Taktik festgelegt hätten), ist der, sagen wir, im weitesten Sinne: journalistische Aspekt des Ganzen.

Aber vielleicht hat es auch nichts mit Journalismus zu tun, wenn ich nun auf Scholls Kompagnon Matthias Opdenhövel zu sprechen komme, den ARD-Presenter aus den EM-Stadien.

„Scheiße gespielt!“

Ausnahmsweise zweite Bundesliga. Denn das kann Mann/Frau sich ruhig mal anschauen. Holger Stanislawski (1. FC Köln) selbstkritisch bis zur Selbstzerfleischung, wie kein Trainer je zuvor.

https://www.youtube.com/embed/5VAu7hamRis

via Carsten Kemper auf Facebook

Vancouver, Tag 10: Super Sunday

VANCOUVER. Für einen ehemaligen Leser. Das Original bringe ich mit und schicke es ihm. Pionierehrenwort :) Kann ich sonst noch was tun? Etwa live bloggen, ahnungslos, vom Spiel der Spiele um 16.40 Uhr?

Sicherheitsmaßnahmen wie beim G8-Gipfel. Sogar im Bus wurde gecheckt. Wenn ich mich nicht verzählt habe, vier Sicherheitschecks vom Betreten des MPC bis zum Canada Hockey Place.

Warmup:

Aber Hallo. Die Yankees meinen es Ernst. Nulleins nach 41 Sekunden.

Sehr intensiv. Wild. Wie auf dem Dorfteich, schreibt jemand auf allesaussersport. Ich bin ganz kleinlaut, will mich nicht blamieren. Sitze nur da und schaue mir das an. Versuche mich mit dummen Kommentaren (beim Fußball ist mehr Stimmung, und erst beim Handball!) zurückzuhalten. Ich respektiere die kulturellen Unterschiede. Etwas ganz Großes geht hier ab, ich bekomme es nur nicht mit. Die Fakten: 19:6 Torschüsse für Kanada. Aber 2:1 für die Amis.

Zweites Drittel. 2:2, Heatley (23:32).

Kurzer Themenwechsel: Wenn es eines weiteren Beweises bedurft hätte, wie unfassbar dämlich Fußballfunktionäre sind, bitte mal das hier lesen. Pressemitteilung der Confederation of African Football (CAF) zu Togo:  

Was vom Tage übrig bleibt (48): Südafrika, Soccerex, DOSB-Ethikpreis, The Fastest Couple

Soccerex 2010

Moin. Melde mich heute aus Sandton, Johannesburg. Unten auf dem Nelson Mandela Square gewinnt gerade Holland nach drei Toren von Pierre van Hoijdonk das „World Cup legends tournament“ im Finale gegen England. Ja, es geht in den nächsten Tagen um Fußball. Es gibt ein Wiedersehen mit Sepp’n Jack, Ricardo & Franz & Chuck und all den anderen.

Nach der Messe Soccerex hier im Sandton Convention Centre bin ich noch einige Tage in Kapstadt, u.a. am Donnerstag bei der Sitzung des FIFA-Exekutivkomitees auf Robben Island (Friedensnobelpreis, ick hör Dir trapsen) und natürlich bei der WM-Gruppenauslosung am Freitag, die ich sicher live mitbloggen werde. Ich hoffe, wir werden etwas Spaß haben.

Der Fußball und der böse Dämon

Ich weiß nicht wirklich, warum die Meldungen über 200 manipulierte Fußballspiele – vor allem in Richtung Balkan, aber auch in unterklassigen deutschen Ligen – derartige Schlagzeilen machen, wogegen andere Meldungen über system­imma­nente Korruption im Sport oft untergehen. Hat tatsächlich jemand geglaubt, nach der Hoyzer-Affäre werde es mit rechten Dingen zu gehen? Das ist nur mal so eine Frage.

Aber Medien funktionieren so wie sie funktionieren, also auch hysterisch. Wenn das Fußballbusiness betroffen ist, das einzig wahre und reine, wenn der Dämon des Bösen mal wieder die unschuldige Branche der Fairplaybewahrer überfällt, dann ist das automatisch ein Skandal. Selbst wenn es das Tagesgeschäft ist.

[Nachtrag, 20.54 Uhr, weil der Beginn doch etwas sehr launisch geriet: Die Zusammenarbeit verschiedener Polizeibehörden und der UEFA über etliche Monate hat schon eine beeindruckende neue Qualität. Ähnliche Aktionen – auch in dieser, nun ja: Schnelligkeit – wünschte ich mir mal im Dopinggeschäft und in Fällen anderer grenzübergreifender Korruption im Sport. Da wäre sicherlich viel zu holen. Kaum auszudenken.]

Sepp, Superstar (1): „The Grand Cordon of the Order of the Rising Sun“

Joseph S. BlatterWährend Joseph Blatter in seiner Heimat gern verspottet wird, bringen ihm wenigstens die Japaner den Respekt entgegen, der ihm gebührt. Zumindest ein Japaner. Kaiser Akihito. Japan und sicher auch seine kaiserliche Hoheit wünschen sich demnächst wieder eine Fußball-WM.

Und siehe, flugs wurde Sportkamerad Sepp für seine Verdienste um die japanische Kultur mit dem Orden der aufgehenden Sonne geehrt: „The Grand Cordon of the Order of the Rising Sun“.

Für andere Verdienste, Fairplay und so, ist Blatter ja bereits berühmt und ausreichend gewürdigt.

Das Schmuckstück, eine achtblättrige Chrysantheme in Gold, wird übrigens an einem roten Band an der rechten Schulter getragen. Wenn da noch Platz sein sollte. Zur Feier des Tages hier die erneut aktualisierte Ordensliste des Fifa-Helden aus dem vergangenen Jahr, wobei ich natürlich mit den drei Auszeichnungen beginne, die in der offiziellen Fifa-Aufzählung aus unerfindlichen Gründen fehlen:

Wenn Fußballprofis jammern und über Politiker schimpfen

Nein, kein Jürgen Klinsmann heute. Passt hier nicht rein.

Dagegen, fürs Archiv, unkommentiert – nur mit einer Frage versehen, in kursiv – ein Meisterstück des deutschen Fußballjournalismus. Prosa vom Feinsten.

Vielleicht empfiehlt es sich, vorher noch diese Beiträge über eine Anhörung von DFB- und DFL- und Amateurvertretern im Bundestags-Sportausschuss zu überfliegen. Dann erschließt sich dieser Beitrag besser:

Politiker-Schelte durch DFB und Liga

Zwanziger fühlt sich abgebürstet, Liga-Chef Rauball beklagt Knüppel

von Rainer Kalb

Neuss (SID) Der Schulterschluss zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) hinsichtlich des neuen Grundlagenvertrages (2009 bis 2012) ist nach dem eindeutigen Votum des Außerordentlichen DFB-Bundestages unübersehbar.