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Finanzierung Olympischer Spiele: “Wir sind ein privilegiertes Völkchen!”

Zum Hören:

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Und zum Lesen:

Ein Hintergrund Politik von mir im Deutschlandfunk zum Thema „Die Finanzierung von Mega-Events in Krisenzeiten“.

(Ich denke, dass ich den Beitrag später noch mit einigen Zahlen und Links aufhübsche.)

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Olympische Spiele sind die größte Showveranstaltung auf Erden. Nur 17 Tage dauern die Sportfeste – und kosten doch jeweils viele Milliarden Dollar. Die Finanzierung von Olympischen Spielen ist, historisch betrachtet, immer ein Risiko.

Das kanadische Montreal beispielsweise, Ausrichter der Sommerspiele 1976, brauchte drei Jahrzehnte, um seine Schulden zu tilgen. Künftige Olympiastädte wie Vancouver, London und Sotschi ächzen derzeit unter der Last ihrer Verpflichtungen. Die Wirtschaftskrise gefährdet zahlreiche Projekte, notdürftig werden die Löcher gestopft. Großspurige Versprechen von Finanzinvestoren wurden zu Makulatur.

Was vom Tage übrig bleibt (27)

Tut mir leid, aber zu mehr als einer Zweitverwertung meiner Texte vom Gipfeltreffen der Sportfamilie aus Denver reicht es momentan nicht. Die vielen Ideen lassen sich aus zeitlichen Gründen gerade nicht umsetzen. Für Nachschub ist aber gesorgt, der Trip hierher hat sich in dieser Hinsicht zweifellos gelohnt.

Beitrag vom 25. März

DENVER. Hein Verbruggen war wütend. „Diese Arroganz“, schimpfte der langjährige Präsident des Radsport-Weltverbandes, „die wollen einfach nicht mit uns reden. Diese Arroganz, die ist total!“ Nein, Verbruggen sprach nicht über einen gewissen Verbruggen, der über die Jahre alle Vorwürfe an seiner Amtsführung mit der ihm eigenen Impertinenz abprallen ließ, der Holländer tadelte den eigentlichen Gastgeber des Weltsportgipfels in Denver: das Nationale Olympische Komitee der USA (USOC). Seit vier Jahren versuchen Verbruggen und sein Verbündeter Denis Oswald, Präsident des Ruder-Weltverbandes und Chef der Vereinigung der Olympischen Sommersportverbände (ASOIF), das USOC dazu zu bewegen, auf einen Teil seiner olympischen Marketingeinnahmen zu verzichten. Nun forderten die 26 Verbände das IOC geschlossen auf, die USOC-Verträge zu kündigen. 

Gemäß Abmachungen aus den 1980er Jahren, die zuletzt 1996 verlängert wurden, erhält das USOC pauschal 12,75 Prozent der milliardenschweren amerikanischen TV-Rechte und 20 Prozent aus den Sponsorenverträgen des IOC. So kassiert das USOC im vierjährigen Olympiazyklus bis 2012 insgesamt 450 Millionen Dollar. „Etwa soviel wie alle olympischen Verbände und die anderen 204 NOK zusammen“, sagt Oswald, der sich schon mit dem Gedanken vertraut gemacht hat, gegen das USOC vor Gericht zu ziehen. Oswald trägt die Forderung der ASOIF am Donnerstag dem IOC-Exekutivkomitee vor. Die sieben Wintersportverbände werden die Resolution vorerst nicht unterstützen, sagt Ski-Weltpräsident Gian-Franco Kasper: „Die Sommerverbände haben uns nicht gefragt.“

Sotschi 2014: PR vs Journalismus

„Dear friend“, eine kleine aber nicht unwichtige Korrektur zu meinem gestrigen Beitrag „Putin zu Sotschi: We must cut construction costs“. Ich weiß zwar nicht, was ich missverstanden habe, entschuldige mich dafür dennoch bei Dmitri Kosak, Wladimir Putin, Dmitri Medwedjew und den Olympia-Organisatoren. Aus Sotschi bzw. vom Server der Schönfärber PR-Agentur Weber Shandwick, einer jener Giganten, die im Olympiabewerber-Business Geschäfte machen, kommt gerade diese Email, die alles richtig stellt. Es stimmt schon, dass die Regierungszusagen für Sotschi um 15 Prozent gekürzt wurden. Aber nur, weil man die Ausgaben optimiert und billigeres Baumaterial gefunden hat. Ach so, klar, das musste noch einmal gesagt werden. Hier der Beweis für die laut RIA Novosti sehr erfreuliche Nachricht:

Von: Sochi2014 Media [mailto:sochi2014media@webershandwick.com]
Gesendet: Mittwoch, 18. Februar 2009 13:59
An: Sochi2014 Media
Betreff: Statement on Sochi 2014’s budget

Dear Friend,

The press office of the Deputy Prime Minister of Russia today made the following statement in relation to positive cost savings made associated with the development of Sochi as a mountain-climate resort:

Putin zu Sotschi: “We must cut construction costs”

Ich sage ja immer, dass es sich lohnt, schräge Webseiten aufzusuchen. Dazu zähle ich die der russischen Regierung. Die Meldung, dass Russland den Etat für die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi um 1,4 Milliarden auf äußerst bescheidene 8 Milliarden Euro kürzt, ist ja inzwischen auf dem Markt. Das kommt aber überraschend, nicht wahr? Es werden 15 Prozent Kosten für die Wettkampfstätten eingespart, erklärte Vize-Premier und Olympiaminister Dmitri Kosak nach einem Gespräch beim Premierminister, Olympia-Akquisiteur und Ehrenpräsidenten des Europäischen Judoverbandes Wladimir Putin. Den Blicken nach zu urteilen, muss das heute ein sehr ernster Talk gewesen sein, der Lage angemessen:

© Russian Government

Faszinierend finde ich, dass ein Protokoll des Gesprächs zwischen Putin und Kosak bereits auf Putins Webseite steht. In Russisch. In Englisch. Lustig sich vorzustellen, der Rapport sei so verlaufen.