fackellauf

IOC-Session in Sotschi, Ebook, ARD-Fackelläufer, Jung & Naiv

1) Die IOC-Session läuft seit vier Stunden. Mittagspause. Ich möchte flink meine Tweets über den olympischen Fackellauf des obersten ARD-Repräsentanten (Journalisten?) gestern in Krasnodar zur Diskussion stellen. So (fast) ohne Wertung. Wir sind ja alle erwachsen und können uns selbst ein Urteil bilden, nicht wahr?

Darüber wird gewiss weiter diskutiert. Ich darf kurz daran erinnern, wie der SID 2008 in Peking mit seinem Redaktionsleiter Dieter Hennig umgegangen ist, der „als Privatmann“ mit der olympischen Fackel lief und gleichzeitig Unsinn verbreitete, etwa darüber, dass China angeblich die Internet-Zensur gelockert hätte: Hennig wurde nach Hause geschickt.

2) Extrem spannend ist wie erwartet die seit 6 Uhr MEZ laufende 126. IOC-Session.

Peking, Tag 6

09.15: Das RSS-Problem: Die Feeds funktionieren nicht mehr. Ich bin überfragt und habe auch keine Zeit, das zu lösen. Habe gestern schon am Feedburner geschraubt. Vergeblich. Tut mir leid. Wer lesen will, muss also direkt aufs Blog gehen.

[caption id="attachment_445" align="aligncenter" width="471"]Schwank, Nowitzki, Vesper PK mit dem Fahnenträger in spe[/caption]

11.13: Die Herren links und rechts heißen Bernhard Schwank und Michael Vesper. Schwank war mal NOK-Generalsekretär und ist heute DOSB-Leis­tungs­sport­direktor. Vesper war mal Politiker, ist es eigentlich immer noch, hat nur offenbar ein paar Grundsätzen abgeschworen, und fungiert jetzt als Ausputzer für das jüngste deutsche IOC-Mitglied als DOSB-Generaldirektor.

Habe ich jemanden vergessen? Den Herrn in der Mitte, klar: Dirk Nowitzki, Multimillionär und deutscher Fahnenträger am Freitag bei der Eröffnungsfeier. Ganz überraschend kam das nicht. Macht auch nichts, dass Vesper den Fahnenträger als „Gerd Nowitzki, äh Dirk Nowitzki“ vorstellte. Kann passieren in der Aufregung.

Reptilien und andere Gefahren

gosper-beijing-05042008.jpgDer ältere, leicht aggressive Herr hier links heißt Kevan Gosper und kommt aus Australien. Er dient selbstlos dem Olympismus. Seine Biografie, die im Jahr 2000 verlegt und von einer Journalistin geschönt wurde, heißt: „An olympic life“. Eigentlich hatte sich das Gosper so gedacht: Buch rausgeben (Frühjahr 2000), in Sydney große Spiele feiern (Herbst 2000) – und ein dreiviertel Jahr später IOC-Präsident werden (Juli 2001). Das hat dann nicht ganz geklappt. Es hat vor allem deshalb nicht geklappt, weil Gosper im Mai 2000 seine damals elfjährige Tochter Sophie als erste Australierin in Olympia mit der olympischen Fackel laufen ließ. Dumm aber auch. In Australien dominierte diese Geschiche wochenlang sämtliche Medien. Es war das Gospergate. Der Daily Telegraph aus Sydney druckte im Mai 2000 ein unvorteilhaftes Foto des Ober-Olympiers auf der Titelseite und schrieb in riesigen Lettern, Gosper sei ein „Reptil“. Er sei „gierig, halsstarrig, selbstsüchtig, aufgeblasen und egoistisch“.

Warum ich daran erinnere?

Dass ausgerechnet der 74-jährige Kevan Gosper sich heute in Peking als erster Kritiker der Fackellauf-Demonstranten und als Bewahrer vermeintlicher olympischer Werte aufspielt, hat eine bigotte Note: Denn seit einem spektakulären Zwischenfall auf der ersten Etappe des Fackellaufes 2000 gilt Gosper in seiner Heimat als Synonym für olympischen Nepotismus.