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Handball-WM im Sponsoren-Fernsehen: es bleibt alles in der Familie

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[caption id="attachment_29396" align="aligncenter" width="1024"]Protokoll der IHF-Councilsitzung vom Dezember 2013: Es musste schnell gehen, das märchenhafte Angebot aus Katar wurde akzeptiert, ohne Vertragsdetails ausgearbeitet zu haben, die bis heute Handballdeutschland beschäftigen. Protokoll der IHF-Council-Sitzung vom 21.12.2013 in Belgrad: Es musste schnell gehen, das märchenhafte Angebot aus Katar wurde akzeptiert, ohne Vertragsdetails ausgearbeitet zu haben, die bis heute Handballdeutschland beschäftigen …[/caption]

[caption id="attachment_29398" align="aligncenter" width="1024"]... also wurde abgestimmt, die Bosse des IHF-Pharaos erhielten die TV-Rechte ... … also wurde abgestimmt, die Bosse des IHF-Pharaos erhielten die TV-Rechte …[/caption]

[caption id="attachment_29397" align="aligncenter" width="1024"]... und Hassan Moustafa ließ sich wenige Minuten später eine satte Erhöhung seiner Bezüge genehmigen. … und Hassan Moustafa ließ sich wenige Minuten später eine satte Erhöhung seiner Bezüge genehmigen.[/caption]

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Ich bin seit jeher der Meinung, dass es sich am Original besser diskutiert. Handballdeutschland debattiert seit einigen Tagen vehement die Frage, warum die Weltmeisterschaft 2017, die kommenden Mittwoch beim Serien-Olympiasieger Frankreich beginnt, wie schon die Weltmeisterschaft 2015 nicht im sogenannten frei empfangbaren Fernsehen zu sehen ist. 2015, als Katar Gastgeber war, auf wundersame Weise ins Finale kam, der Emir (im weitesten Sinne, es ist alles Emir Tamim, denn Katar ist eine Erbmonarchie) die Reisen vieler Hundert Journalisten bezahlte und tausende Fans aushielt, 2015 also – war das (fast) genauso.

Für die WM 2015 sprangen ARD und ZDF einige Wochen zuvor ab. Kurz vor WM-Beginn schnappte Sky zu. Diesmal wollten ARD und ZDF wegen der Satelliten-Restriktionen des Rechtemaklers beIN Sports wieder nicht. Auch Sky mochte nicht. DAZN stieg ebenfalls aus. Und es kam zum bemerkenswerten Deal, eingefädelt von Jung von Matt/sports, dass die DKB Bank AG, Premium-Partner des DHB und Titelsponsor der Männer-Bundesliga, große Teile der WM auf ihrer Webseite überträgt. Das ist eine neue Qualität, zum ersten Mal übernehme ein Sponsor die Berichterstattung von einem derartigen Großereignis, heißt es nun nahezu flächendeckend. Der Journalismus sei in Gefahr, wird behauptet.

Ein Blick zurück lohnt sich immer. Deshalb habe ich mir mal die Minutes der Council-Sitzungen der vom dubiosen Pharao Hassan Moustafa mit eiserner Hand geführten IHF angesehen, um zu schauen, wie es eigentlich zum Vertrag mit beIN SPORTS kam, und darüber für Spiegel Online gestern ein Textlein gedichtet, das es hier wie meistens kolossal erweitert, verlinkt und mit Dokumenten versehen gibt – wir sind schon mittendrin.

Natürlich ist das Problem hausgemacht, es ist ein Problem der Handballfamilie, wie der Pharao gern sagt. Hören Sie, ein Klassiker:

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Kleiner Rückblick: Sepp Blatter, die milliardenschweren TV-Rechte, Leo Kirch und die ISL

KAPSTADT. Möchte mal jemand einen Original-Milliardenvertrag sehen, in dem die TV-Rechte der Fußball-Weltmeisterschaften geregelt werden?

Kein Problem, zeige ich gern, habe ich noch nie gezeigt. Hier also das so genannte Shortform-Agreement, einst abgeschlossen zwischen der FIFA, der ISL (Sporis Holding) und Leo Kirch (Taurus Film) mitsamt aller Zahlungverpflichtungen. Was fehlt, sind eigentlich nur etwaige Bestechungssummen, sollte es die gegeben haben, rein theoretisch.

Ich übertreibe es mal wieder mit dieser Nachtlektüre.

Andreas fragt in den Kommentaren zum Beitrag „Katar und die WM 2022: Fußball im Kühlschrank“, wie „man eigentlich logisch erklären“ könne, dass für die TV-Rechte an der Fußball-WM 2006 plötzlich 1,5 Milliarden CHF gezahlt wurden, wo doch für die drei Weltmeisterschaften zuvor (1990, 1994, 1998) nur 340 Millionen CHF gezahlt worden sind. Nun, die Antwort lautet:

gesagt ist gesagt: ARD nicht mehr live bei der Tour de France

Die Überschrift der ARD-Pressemitteilung ist etwas irreführend, denn sie lautet:

ARD beschließt Tour-Ausstieg

Tatsächlich will man offenbar nur aus der Live-Berichterstattung aussteigen. Mein Gott, war das eine schwere Geburt. Mal sehen, was die EBU und das ZDF dazu sagen. Bis zum Tour-Start 2009 ist noch viel Zeit.

Die ARD-Meldung:

Die ARD wird aus der Live-Übertragung der Tour de France aussteigen und sich darüber zeitnah mit dem ZDF und der EBU (European Broadcasting Union) verständigen. Das entschieden die Intendantinnen und Intendanten auf ihrer Klausurtagung in Köln. Der ARD-Vorsitzende Fritz Raff sagte: „Der sportliche Wert der Tour de France hat sich aufgrund der gehäuften Dopingfälle und der daraus gewonnenen Erkenntnisse erheblich reduziert. Damit ist auch der programmliche Wert stark gesunken.“ Die Intendantinnen und Intendanten sind der Meinung, dass eine breitflächige Übertragung in den öffentlich-rechtlichen Programmen auf absehbare Zeit nicht mehr zu rechtfertigen ist.

Ooops, als ich mich noch laut noch fragen wollte, was wohl diese beiden Sportsfreunde zum ARD-Beschluss sagen würden …