danny boyle

#London2012 (IX): live-Blog Eröffnungsfeier, „Isles of Wonder“

LONDON. Aus gutem Grund, falls wieder Technik verloren gehen sollte, meine Koordinaten hier im Olympic Stadium, Notiz an mich und den Kollegen G., auch so ein vergesslicher Experte, der wieder neben mir sitzt:

Block 211/212, Row 63, Seat 334

19.22 Uhr (Ortszeit): Wir können beginnen. Ich bleibe bei der herkömmlichen Technik, schreibe einfach hier in WordPress das Internet voll, ohne Zeilen- und Zeichenbegrenzung, und wer mag, der kann kommentieren. Auf ein live-Blog-Plugin oder andere Angebote verzichte ich. Gehe Nummer sicher. Die Internetverbindung per Lan scheint top zu sein, das ist schon die halbe Miete.

Olympiaticket zu gewinnen!

Ich habe kürzlich per Twitter eine erste eigene olympische Bestechung ausgelöst. Ich wollte unbedingt 4000 Follower voll machen – habe dafür ein Handball-Ticket für das zweite Olympiawochenende ausgelobt, das ich ordnungsgemäß in der Ticketlotterie erworben und bezahlt habe – mit Visa natürlich (London-2012-Slogan: „We are very proud to accept only Visa“). Mein 4000. Follower war Nicholas Grenier von der Isle of Man, sein Ticket ist per Post unterwegs.

  • Mein Angebot: Wer den Namen derjenigen/desjenigen errät, die/der heute die Flamme entzündet, der bekommt ein weiteres Handball-Ticket, sie/er kann sich sogar aussuchen, ob am 4. August oder am 5. August. So sieht eines der Tickets aus: 

Sachdienliche Hinweise werden in den Kommentaren entgegengenommen. Sollten mehrere Personen den richtigen Namen wissen/tippen, stelle ich eine gemeine Fangfrage, wer als erster richtig antwortet, bekommt das Ticket.

19.46: In Peking ließen Chinas KP-Bonzen damals die Wolken vertreiben, um einen trockenen ersten Abend zu haben. Im wolkenverhangenen London lassen die Organisatoren Wolken einmarschieren. Seit einer halben Stunde marschieren vier zehn Mann/Frau-Delegationen um die verhüllte Bahn und lassen riesige Wolken steigen, so wie andere ihre Drachen.

19.55: Noch dürfen die Details der von Danny Boyle arrangierten Eröffnungsfeier, etliches ist bereits bekannt, die den Journalisten in einem kleinen Katalog verteilt wurden, nicht veröffentlicht werden. Sperrfrist 21 Uhr. Boyle zitiert, natürlich, Shakespeare:

Be not afeard: the isle is full of noises

btw: Slumdog Millionaire ist wirklich einer meiner liebsten Filme der vergangenen Jahre.

19.59: Das erste Viehzeug ist drinnen. Schafe, Gänse, Pferde, Kühe usw usf – sieht aus wie auf einer Hobbit-Farm.

20.04: Wer die 205 Fahnenträger schnell noch auswendig lernen will:

Sagt mir bitte jemand, warum das 205 sind, wo das IOC doch gleichzeitig sagt, es habe nur 204 NOK anerkannt?

20.12: Make some noise!

Es wird bunt und laut. „Versaut es nicht“, schreit der Conferencier die Zuschauer an.

Ihr habt es so gewollt, neuer Eintrag in der Kammer des Schreckens:

Die Brille soll im zweiten Teil der Show behilflich sein.

20.29: Ähhhmmm. Sagte ich schon, dass es regnet?

20.39: Ich muss zwar kein Ticket gewinnen, aber ich kann mir vorstellen, dass die keinen Promi Feuerzünder spielen lassen, sondern vielleicht das Mädchen, das 2005 auf der IOC-Session in Singapur aufgetreten ist.

20.47: Der UN-Generalsekretär mit seiner Friedens-Botschaft. Nichts für ungut, aber ich kann derlei Gerede nicht mehr ernst nehmen, wenn das IOC doch gleichzeitig voller Militär-Ganoven ist (Syrien, Bahrain, Ägypten u.v.a.m.) und Diktatoren mit olympischen Orden geschmückt werden. Habe gerade mit Grit Hartmann einige aktuelle Beispiele aufgeschrieben – wer heute auf der Promi-Tribüne sitzt und wer nicht.

10 minutes to go

Im Übrigen finde ich einmal mehr: Leute, bitte überfrachtet Olympische Spiele nicht mit dem Gefasel über Weltfrieden und anderes. Es ist, noch einmal, The greatest show on earth, währt exakt 17 Tage, wird erstklassig kommerziell vermarktet – und ist ein Teil der Unterhaltungsindustrie. Kommt mir nicht mehr mit Coubertin. Nonsens. Wobei der gute Baron ohnehin ständig falsch zitiert und interpretiert wird.

20.58: Zwei Minuten noch bis zum Glockenschlag. (und, pssssst: Bradley Wiggins schlägt die Glocke, das dürfte ich, Sperrfrist, noch gar nicht verraten)

21.02: Ich hoffe, es erwartet jetzt niemand eine schlaue Bemerkung von mir. Lassen wir uns einfach unterhalten.

Welcome im Auenland!

21.06: Drüben bei Zeit online bloggen übrigens The Incredible Oliver Fritsch und The Incredible Gunter Gebauer.

Mal ein bisschen Content-Klau #LSR, Gunter Gebauer sagt:

Ursprünglich in der Geschichte der modernen Olympischen Spiele waren Eröffnungsfeiern ein zeremonieller Rahmen mit religiösem Charakter. Wenn man aus dem Alltag heraustreten will, kann man durch ein Schwellenritual in eine Sonderwelt eintreten: Man tritt über eine Schwelle aus dem profanen Leben in eine höhere Welt, wie man in der Kirche in einen Sakralraum tritt. Das war unter den Bedingungen der Moderne eine rituelle Last für die Olympischen Spiele.

(OF: Ich hab die paar Tippfehler rausgemacht, kannst das Zitat wieder mit copy-paste übernehmen, dann sieht es bei Dir besser aus.)

21.13: Und schon rauchen die Schlote.

21.14: Gunter und Trainer Olli: Wenn’s Euch langweilig wird da drüben, kommt doch rüber :)

21.18: Es qualmt schlimmer als der G. neben mir. Muss gleich mal vor die Tür, Luft holen.

G. hat seinen Artikel, den er direkt ins Redaktionssystem pinnt, fast fertig. Fast. Der letzte Satz fehlt. Zwei Zeilen sind noch zu füllen. Das kann dauern. Das schmerzt. Das ist anstrengend. Wann haben die eigentlich Redaktionsschluss in … Ich kann G. jetzt leider nicht fragen.

21.15: Klar, der fehlte bisher. James B.

Pretty cool! #Bond-Girl

So viel Witz, rein theoretisch, bei einer deutschen Olympia-Eröffnungsfeier? Undenkbar.

Ich muss jetzt mal aufstehen für die Queen … bis gleich in diesem Theater.

21.31: Habt ihr den stolzen Blick des UDIOCM gesehen, als die Queen vor ihm Platz nahm? Er wusste, dass ihn jetzt Milliarden Menschen sehen können. Er liebt seine vielfältigen Lebenssachverhalte.

Hymnensingen müssen die englischen Journalisten noch lernen. Ich habe einen vom Guardian beobachtet, Namen spielen keine Rolle, der kaute die ganze Zeit Kaugummi.

21.37: Zwischenstand auf der Suche nach dem Pyromanen/Feuerzünder/Flammenwerfer. Es wurden genannt:

  • Eddy the Eagle
  • David Beckham
  • Ben Ainslie
  • Steven Redgrave
  • Ethik-Lord Coe
  • Margaret Thatcher
  • Elvis Costello
  • Daley Thompson
  • Bobby Charlton
  • Andrew Jennings
  • Rowan Atkinson
  • Roger Bannister
  • Linford Christie
  • Paul McCartney
  • Monty Pythons
  • Jonathan Edwards
  • Harry Potter
  • John Cleese
  • Sean Connery
  • Kelly Holmes
  • Torvill/Dean
  • Wayne Rooney
  • Sherlock Holmes
  • Take That
  • ein WW-II-Veteran

21.47: Chariots of fire – ohnehin grandios. Und dann Rowan Atkinson. Endlich. Noch grandioser.

Ich freue mich vor allem für meine Kinder. Da haben sie was zu lachen.

21.54: Habe gerade mal im Programmheft geblättert und fast vergessen, dass die den Einmarsch der Nationen auf 89 Minuten gekürzt haben. Holt Euch alle Popcorn.

22.02: Die Queen als best bond girl ever – ich glaube, dieser Tweet wurde eine Million mal abgesetzt.

Das Feuer spüre ich bis auf die Tribüne. Muss heiß sein, da unten.

Ich bleibe dabei: pretty cool.

22.13: Okay, Beckham hatte seinen Auftritt. Er spielt nicht den Pyromanen.

22.16: Freunde, ich weiß zwar nicht recht, warum die da eine Schweigeminute eingebaut haben, kam etwas unvermittelt. Aber ich frage: Wenn es diese Schweigeminute gab, warum hat man das nicht einfach mit dem 72er Attentat verbunden? Antwort an mich selbst: Weil es das IOC nicht wollte.

In der Programmbegleitung heißt es dazu: