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Überbrückungshilfen: 150 Millionen Euro für Profisportvereine jenseits der Fußball-Bundesliga

Der organisierte Sport erwartet den nächsten großen Zahltag. Im aktuellen Konjunkturpaket, das in diesen Tagen hektisch finalisiert wird, sollen 150 Millionen Euro für Vereine und Unternehmen der professionellen und semi-professionellen Ligen zur Verfügung stehen. (Nun sind es sogar 200 Millionen geworden, wie teilweise im Text vom 23. Juni skizziert – siehe Nachtrag am Ende.) Für einige dieser Vereine könnte diese Förderung existenzsichernd sein. Sportpolitiker und Lobbyisten wollen dieses Paket sogar vom Bundeswirtschaftsministerium ins Bundesinnenministerium verschieben. Darüber wird noch verhandelt.

Im neuen Konjunkturpaket könnten nach einer Kalkulation der Lobby-Organisation Teamsport Deutschland insgesamt 287 Vereine in diesen Ligen in den Genuss der Überbrückungshilfen kommen: 

  • Fußball: Frauen-Bundesliga, 3. Liga Männer
  • Handball: 1. und 2. Bundesliga Frauen und Männer
  • Eishockey: Männer DEL und DEL 2
  • Basketball: Frauen (DBBL) und Männer (BBL) 1. und 2. Bundesliga
  • Volleyball: Männer und Frauen 1. und 2. Bundesliga (VBL)

Was vom Tage übrig bleibt (106): Götterdämmerung im IOC

Ich habe in den vergangenen verrückt-besorgniserregenden Tagen vor allem für den SPIEGEL gedichtet und extensiv getwittert. Habe mich selten so gut informiert gefühlt und nahe am Geschehen. Mein Dank gilt den vielen Vögelchen im Hintergrund aus IOC und Weltverbänden, mit denen der Austausch vertrauensvoll, kontrovers und produktiv läuft – sehr spannend. Dazu einige Tweets und THREADS sowie die Links zu den jeweiligen Artikeln. Weiter unten das Rohmaterial der Texte.

Bleiben Sie gesund!

Das Coronavirus, die EURO 2021 und Tokio 2022

Die Corona-Pandemie gefährdet die größten Sportereignisse des Jahres: die Fußball-Europameisterschaft (geplant vom 12. Juni bis 12. Juli) sowie die Olympischen Sommerspiele in Tokio (geplant vom 24. Juli bis 9. August) inklusive der Paralympics. Bislang haben sich die Hauptveranstalter der EURO und der Sommerspiele, die UEFA und das IOC, kaum substanziell zu den Mega-Events geäußert.

Die UEFA konzentrierte sich zunächst auf die Klubwettbewerbe, stoppte Champions League und Europa League. Das IOC spielt auf Zeit und hofft darauf, dass sich die Lage bis Ende Mai entscheidend bessert. IOC-Präsident Thomas Bach und Japans Ministerpräsident Shinzo Abe wiederholen gebetsmühlenartig:

Die Sommerspiele finden wie geplant statt!

live aus FFM: DOSB-Mitgliederversammlung

FRANKFURT AM MAIN. Wenn ich schon mal hier sitze in der vierten Etage des Kongresshauses Kap Europa, dann kann es auch ein bescheidenes Live-Blog sein.

Also, 16. Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) unter dem Möchtegern-Landrat Alfons Hörmann (CSU). Viel Vergnügen.

Der mehrbedürftige DOSB und seine CSU-Kameraden

Der Sport ist bedürftig. Der organisierte Sport ist sogar sehr bedürftig und meldet immer größere Geldwünsche an. Der DOSB schickt seine Aufstellungen über die Mehrbedarfe an das BMI. Mehrbedarfe – ich habe ein neues Wort gelernt. Der DOSB-Präsident Alfons Hörmann (CSU) spielt parallel seine landsmannschaftlichen und Parteiverbindungen zu den CSU-Kameraden Horst Seehofer (noch Bundesinnenminister) und Stephan Mayer (Parlamentarischer Staatssekretär) aus – und schon klappt das mit den Mehrbedarfen.

Das Motto der 2016 verabschiedeten sogenannten Leistungssportreform hat sich ohnehin verselbständigt bzw umgekehrt. Einst hieß es erst Reform, dann Geld. Nun heißt es im Grunde: zahlt mal schön die Millionen, dann schauen wir, wie wir vorankommen mit unseren, nun ja, Reformen.

So läuft das im real existierenden Sportdeutschland, wie Alfons H. dieses Land nennt.

Und so sieht die jüngste, im September finalisierte Mehrbedarfe-Aufstellung des DOSB aus.

Viel Vergnügen bei der Lektüre:

[pdf-embedder url="https://www.jensweinreich.de/wp-content/uploads/2018/11/DOSB-Mehrbedarfe-2019.pdf" title="DOSB Mehrbedarfe 2019"]

live aus PyeongChang (17): Paarlaufgold und andere DOSB-Freuden

ALPENSIA. Bin fasziniert. Hinfallen, aufstehen, Mund abputzen, weinen, weiter machen, hinfallen, verlieren, Schmerzen ertragen, aufstehen, weiter machen, besser verlieren, heulen, träumen, hoffen, aufstehen, weiter machen, gewinnen. Übersetzt: Aljona Sawtschenko.

Ob Savchenko oder Sawtschenko ist mir völlig egal. Wir haben soeben eine der größten Geschichten dieser Winterspiele erlebt.

Gold im Eiskunstlaufen ist wirklich etwas Besonderes. Es ist nicht Rodeln, wo die Deutschen kaum Konkurrenz haben. Es ist nicht Biathlon, wo Mann oder Frau in einer olympischen Karriere leicht 15 oder mehr Medaillenchancen haben.

Es ist: Eiskunstlaufen.

Brutal. Unfair. Fantastisch.

  • 1936 Maxi Herber, Ernst Baier
  • 1952 Ria Falk, Paul Falk
  • 1964 Manfred Schnelldorfer
  • 1980 Anett Pötzsch
  • 1984 Katarina Witt
  • 1988 Katarina Witt
  • 2018 Aljona Sawtschenko und Bruno Massot

Und dann diese Geschichte von Aljona Sawtschenko. 1984 in Obuchiw, Oblast Kiew, in der ukrainischen Sowjetrepubklik geboren. 2003 aus der Ukraine nach Deutschland übergesiedelt. Und Bruno Massot, 1989 in Caen, Frankreich geboren. Seit November 2017 deutscher Staatsbürger.

Was wohl die AfD dazu sagt?

Sorry, kann mir diese Frage nicht verkneifen.

Massot ist einer der wenigen eingebürgerten Spitzensportler in den vergangenen Jahren. Diese Praxis war verbreiteter in den Jahrzehnten zuvor. Aber das ist hier nicht die Hauptgeschichte.

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Was vom Tage übrig bleibt (102): Studie zur Akzeptanz des Spitzensports und zur rasant schwindenden Glaubwürdigkeit von Funktionären und Verbänden

Im August 2016 waren während der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro vorab einige Details (Factsheet: ausgewählte Ergebnisse) jener Studie veröffentlicht worden, die nun in ganzer Pracht vorliegt:

  • Christoph Breuer, Kirstin Hallmann (Deutsche Sporthochschule Köln), Michael Ilgner (Deutsche Sporthilfe): „Akzeptanz des Spitzensports in Deutschland – Zum Wandel der Wahrnehmung durch Bevölkerung und Athleten“

Hallmann und Breuer hatten 2011 schon eine Studie zur gesellschaftlichen Relevanz des Spitzensports vorgelegt. Insofern lassen sich einige Befragungsergebnisse vergleichen. Das Interesse an Leistungssport ist noch vorhanden, nur schwindet das Vertrauen in Sportler (in Maßen) und Funktionäre (rasant).

Drei Fragestellungen, die bereits im Sommer Schlagzeilen gemacht haben:

1) Ich habe Vertrauen, dass deutsche/internationale Athleten moralisch integer handeln und die Einhaltung von Regeln sowie FairPlay und Unbestechlichkeit beachten.

  • Vertrauen in deutsche Sportler: 81,3 %
  • Vertrauen in internationale Sportler: 39,3 %

2) Ich habe Vertrauen, dass deutsche/internationale Sportfunktionäre moralisch integer handeln und die Einhaltung von Regeln sowie FairPlay und Unbestechlichkeit beachten.

  • Vertrauen in deutsche Funktionäre: 27,0 %
  • Vertrauen in internationale Funktionäre: 16,9 %

3) Ich habe Vertrauen, dass deutsche/internationale Sportverbände moralisch integer handeln und die Einhaltung von Regeln sowie FairPlay und Unbestechlichkeit beachten.

  • Vertrauen in deutsche Verbände: 62,7 %
  • Vertrauen in internationale Verbände: 33,4 %

Die Befragung wurde im Mai 2016 durchgeführt. Ich halte jede Wette, dass die Werte heute, ein halbes Jahr später, weiter in den Keller gegangen sind und die Studie in Teilen quasi überholt ist.

33,4 Prozent „Vertrauen“ in das IOC?

Niemals.

In der Pressemitteilung der Sporthilfe vom vergangenen Donnerstag wird Professor Breuer mit den Worten zitiert: „Wir konnten erstmals eine Kausalkette nachweisen, dass die Akzeptanz des Spitzensports in der deutschen Bevölkerung maßgeblich vom Vertrauen in die Integrität der Athleten, der Verbände und insbesondere der Funktionäre abhängt.“

Nun denn. Lesen bildet:

Der Sport im Koalitionsvertrag von CDU/CSU/SPD: „möglichst flächendeckende Einführung von Good Governance Standards“ und andere Rätsel

Naturgemäß spielt der Sport eine untergeordnete Rolle, wenn ein politisches Machtbündnis in einen Koalitionsvertrag (pdf) gegossen wird. Voraussetzung für Inhalte wären ja zunächst überzeugende sportpolitische Konzepte.

Den Bundes-Sportpolitikern der Union traue ich nicht zu, die Vokabel Konzept fehlerfrei zu buchstabieren und an diesem komischen K-Dingens interessiert zu sein. Sie haben den Sportausschuss zum Grüßausschuss verkommen lassen, überflüssig gemacht und sinnvolle sportpolitische Ansätze aus anderen Fraktionen in der Regel boykottiert.

Das ist alles umfangreich beschrieben und belegt. Die Initiativen zu einem Gesetz gegen Doping und Sportbetrug, das den Namen wirklich verdient, kamen aus den Ländern, vor allem von Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU), die nie locker gelassen hat. Etliche Dokumente dazu und der Verlauf der Diskussion in diesem Jahr sind in diesem Beitrag und den Kommentaren verlinkt. Ihr erster Entwurf eines so genannten Sportschutzgesetzes ist nun schon vier Jahre alt.

Hier also die wenigen Passagen aus dem Koalitionsvertrag zum Sport. Präzise betrachtet geht es auf den 185 Seiten auf einer Seite wirklich um den Sport, die gemäß DOSB-Propaganda „größte Bürgerbewegung Deutschlands“ (der Begriff fehlt im Vertrag nicht). Beim ersten Überfliegen sage ich: man legt sich nicht fest.

IOC-Countdown (13 Tage): Lebenssachverhalte im nationalen Interesse (II)

Der deutsche IOC-Präsidentschaftskandidaten-noch-Favorit von der FDP war gestern zu Gast beim Hauptsponsor des deutschen Spitzensports – im Bundesinnenministerium.

[caption id="attachment_17707" align="aligncenter" width="585"]Thomas Bach zu Besuch bei Sportminister Hans-Peter Friedrich Zu Gast bei Freunden, Quelle: BMI[/caption]

Ich weiß jetzt nicht wirklich, worüber die beiden Sportkameraden geredet haben. Offiziell wurde dies verkündet:

Bun­desin­nen­mi­nis­ter Dr. Hans-Pe­ter Fried­rich trifft DOSB-Prä­si­dent Dr. Tho­mas Bach

Bundesregierung unterstützt die Kandidatur von Herrn Dr. Bach als Präsident des Internationalen Olympischen Komitees IOC

Am Dienstag, dem 27. August 2013, empfing Bundesinnenminister Dr. Friedrich den Präsidenten des DOSB, Dr. Thomas Bach, in Berlin. Bei dem Gespräch ging es vor allem um allgemeine sportpolitische Themen, insbesondere eine deutsche Olympiabewerbung sowie das Thema Anti-Doping-Politik.

Bundesminister Dr. Friedrich brachte nochmals die Unterstützung der Bundesregierung für die Kandidatur von Herrn Dr. Bach als Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zum Ausdruck.

Wird es vor der Abreise des UDIOCM noch ein frisches Foto mit der Kanzlerin geben?

Eines meiner Lieblingsfotos von FDP-Sportchef Bach und CDU-Regierungschefin Merkel stammt von der Gründungsveranstaltung des DOSB im Mai 2006, und es gefällt mir vor allem, weil der scheidende IOC-Präsident Jacques Rogge da noch gesünder und kräftiger aussieht und die beiden so fein beobachtet.

Münchens Olympiabewerbung 2022 vs Privatinteressen von Christian Ude (SPD) und Thomas Bach (FDP)

Die Chancen Münchens, gemeinsam mit Partnergemeinden (etwa Ruhpolding, Garmisch-Partenkirchen) die Olympischen Winterspiele 2022 auszurichten, würden eigentlich ganz gut stehen.

Wenn da nicht einige Partikularinteressen zu berücksichtigen wären.

Oder besser: wenn da nicht einige Privatinteressen über anderen stehen würden.

Privatinteressen verfolgen zum Beispiel die Bewerbungschefs der 2018er Offerte Christian Ude (SPD) und Thomas Bach (FDP).

Ude, derzeit Oberbürgermeister von München, will im September 2013 Ministerpräsident des Freistaates Bayern werden.
Bach, derzeit Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), will im September 2013 Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) werden.
Und deshalb sind die beiden Sportkameraden seit Juli 2011, als München im Wettbewerb um die Winterspiele 2018 gegen PyeongChang verlor, quasi wortbrüchig geworden.

Bis dahin hatten sie jahrelang behauptet, die Münchner Bewerbung, ohnehin grandios und unübertroffen, sei langfristig angelegt – also auch für spätere Olympische Winterspiele.

Für 2022 zum Beispiel.

Transparenz vs Polit-Propaganda

Passt eigentlich zur Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“: Ich habe im Deutschlandfunk noch einmal in gebotener verbaler Zurückhaltung das Vorgehen so genannter Volksvertreter im Bundestag kommentiert, von denen einige gerade in Chile und Brasilien herumdilettieren.

:

[Verlinkt wird später, vielleicht, ich habe jetzt keine Zeit dafür.]

Wer die Berichterstattung über die erste nunmehr wieder nichtöffentliche Sitzung des Bundestags-Sportausschusses analysiert, bewegt sich im Reich des Absurden. Abgeordnete, die lange Jahre keinen substanziellen Beitrag zur deutschen Sportpolitik geleistet haben, außer dem, die Öffentlichkeit auszusperren, erlangen zunehmend die Deutungshoheit über ihre Inkompetenz. Sie dürfen intransparente Vorgänge im Ausschuss kommentieren, werden plötzlich wieder gefragt und mit Floskeln zitiert, beugen die Wahrheit ungeniert – und können ihren Fraktionschefs am Ende sogar hübsche Medienwerte vorgaukeln.

Sicher, kaum ein Bericht – ob nun in Blogs oder herkömmlichen Medien – sparte diesmal den Fakt aus, dass die Öffentlichkeit ausgeschlossen blieb. Bei den nächsten Sitzungen aber, wenn das Unerhörte zur Normalität geworden ist, wird das gewiss anders aussehen, besonders in den Texten der so genannten Nachrichtenagenturen, für die meist nur eine Nachricht ist, was von offiziellen Stellen verkündet wurde.

Die Kernfrage lautet deshalb:

Muss Journalismus im dritten Jahrtausend noch so funktionieren? Gibt es eine Pflicht zur Termin-Berichterstattung über einen Ausschuss, der sich mehrheitlich der Öffentlichkeit verweigert?

Eine Antwort darauf lautet: Es gibt diese Pflicht nicht. Es gibt sie überhaupt nicht – mehr.

Eine zweite Antwort lautet: Dagegen hilft nur Recherche, und zwar losgelöst von Sitzungsterminen.

Es sind die Abgeordneten, die mit Ihrer Haltung eine wahrhaftige Berichterstattung verhindern. Und es spielt auch keine Rolle, ob fast alle Ausschüsse des Bundestages ebenfalls nichtöffentlich tagen. Derlei Verhaltensmuster sind inakzeptabel – sie passen nicht in diese Zeit. Denn die Gesellschaft braucht Transparenz wie die Luft zum Atmen. Der Bürger darf Transparenz erwarten und verlangen. Journalisten sollten es auch.