chung mong-joon

Was vom Tage übrig bleibt (96): Infantino, Samoura, Stepanowa, DOSB und unethische Olympialasten

[caption id="attachment_25847" align="aligncenter" width="674"]Startliste 2. Vorlauf 800 m Frauen bei der EM in Amsterdam am 6. Juli 2016 Startliste 2. Vorlauf 800 m Frauen bei der EM in Amsterdam am 6. Juli 2016[/caption]

Damit es nicht untergeht im Euro-Rauschen, einige Links, Docs und Lektüre-Hinweise.

1) Am Wochenende veröffentlichten Tages-Anzeiger/Sonntagzeitung ein internes Schriftstück aus der FIFA, aus dem seit Ende Mai zitiert wird (etwa in der FAZ) – und in dem Gianni Infantino so einiges vorgeworfen wird. „Wer den FIFA-Chef kritisiert, fliegt raus“, titelt Arthur Rutishauser. Es geht, wie seit etlichen Wochen debattiert, um die Kosten für Flüge (Alischer Usmanow zeigt sich sehr spendabel), Matratzen, Fitnessgeräte, Blumen, Luxus-Limousinen, teure Berater (u.a. Luís Figo), Reinigungen und andere Spesen – und natürlich um Infantinos Millionen-Gehalt, das er als „beleidigend“ empfindet.

Hier das Papier:

Dazu gab es bereits einige Beiträge mit weiterführenden Links und dem Mitschnitt der FIFA-Councilsitzung im Mai:

:

Im Übrigen nimmt die von Infantino betriebene Säuberungswelle in der FIFA-Administration kein Ende, die nächsten beiden Manager wurden gefeuert: Severin Podolak, Chef der FIFA Travel GmbH, und Christoph Schmidt, Bürochef des Generalsekretariats, das bis vor kurzem von Markus Kattner geführt wurde, der ja nun auch gefeuert wurde. Dabei ist Infantino nach den neuen FIFA-Statuten doch gar nicht mehr fürs Tagesgeschäft verantwortlich, sondern quasi außenpolitisch tätig. Doch halt, hat er nicht in einem seiner vielen Alleingänge als CEO und Generalsekretärin die Senegalesin Fatma Samoura, installiert, die gerade bei Elfmeterschießen gegen Italien in Bordeaux dem CDU-DFB-Präsidenten Reinhard Grindel um den Hals gefallen ist?

Na klar.

Nur noch 89 Tage: zu den Suspendierungen von Blatter und Platini #FIFAcrime

Das Beben geht weiter. Einige Fakten, Einschätzungen und Hintergründe zu den Entscheiden der sogenannten FIFA-Ethikkommission, ergänzt durch Antworten auf meine Fragen, die mir Andreas Bantel, „Sprecher der unabhängigen Audit & Compliance Kommission und der Untersuchungskammer der Ethikkommission der FIFA“, abends noch zukommen ließ.

seppmichel

So merkwürdig es klingt, aber ein Sieger dieses Tages (Donnerstag, 8. Oktober 2015) heißt Joseph Blatter, obwohl er selbst für 90 Tage suspendiert wurde. Denn durch den Beschluss der hausinternen Ethikkommission sind zwei Kandidaten für die FIFA-Präsidentschaft verhindert worden, genau so wie es Blatter wollte: Michel Platini und Chung Mong-Joon.

Beide beschweren sich vehement.

Hyundai’s Chung Mong-Joon: „What is FIFA?“ Organized crime.

Ich finde, die Rede von Hyundai-Milliardär Chung Mong-Joon heute auf einem Branchentreff in London sollte man mal im Manuskript nachlesen. Chung nannte Blatter einen Lügner, das sollte inzwischen ohnehin die Welt begriffen haben (nur viele Journalisten noch nicht), Chung kündigte Klagen gegen Blatter an usw. usf – die Fußballfamilie zerfleischt sich. Und das ist auch gut so.

Mit der Veröffentlichung dieses Manuskripts ergreife ich für niemanden Partei, schlage mich auf keine Seite. Was aus dem Milliardär wird, der die FIFA führen will, ist mir schnurzegal. Doch seine Ausführungen kommen in wichtigen Punkten der Wahrheit zweifellos näher als die erneut verlogen-dämlich-weltfremden Äußerungen Blatters in einem Burda-Magazin – da haben seine Propaganda-Knechte wie der komische Herr Stöhlker, dessen geistiger Dünnpfiff durch viele Medien wabert, wieder ganze Arbeit geleistet.

Anyway.

[caption id="attachment_9294" align="aligncenter" width="540"]Fab Four, von links: Zainudin Nordin (Singapur), Mohamed Bin Hammam (AFC, FIFA), Joseph Blatter (Gott), Mong-Joon Chung (Hyundai, FIFA, Milliardär) When they were brothers! Singapur 2010: Mohamed Bin Hammam (AFC, FIFA), Joseph Blatter (Gott), Mong-Joon Chung (Hyundai, FIFA, Milliardär)[/caption]

Chung erwähnt viel interessante Punkte. Das zu lesen und zu durchdenken, macht gewiss nicht dümmer. Macht übrigens gerade weltweit Schlagzeilen – zurecht.

Notizen von den Jugendspielen

SINGAPUR. So stellen sie es sich vor, so wird es verkauft: Jung, nett, unbeschwert.

„Every child has a wish, to glow like the stars above …

raise your hand for our generation …

time to fly way beyond the skies …“

[youtube hHrnaGJ8ckg nolink]

Schaun mer mal.

Einige Notizen, bevor es morgen hier richtig los geht und ich mindestens eine sehr hübsche Exklusivgeschichte breitwalze, das darf ich schon mal sagen. Zunächst etwas Selbstreferentielles: Martin Krebbers führte auf DRadio Wissen ein Interview mit mir zu den ersten Olympischen Jugendspielen.

:

Ergänzend ein Gespräch mit Michael Behringer von der Sporthochschule Köln:

:

Ein Beitrag von der Begegnung mit meinem Freund Sepp vorgestern:

Er ist immer einer der ersten. Rechtzeitig vor Ort zu sein, kann nie schaden, sagt Joseph Blatter. Bei Kongressen seines Fußball-Weltverbandes (FIFA) ist er stets zwei Stunden vorher im Saal. Er macht Stellproben, testet das Mikrofon und „will die Atmosphäre fühlen“. Dieses simple Prinzip der guten Vorbereitung hat ihm so manches Mal aus der Patsche geholfen. Auch zu den Olympischen Jugendspielen ist Blatter zeitig nach Singapur gekommen, vier Tage vor der Eröffnung. Präzise betrachtet beginnen aber diese ersten Youth Olympic Games nicht erst am Sonnabend mit einer großen Show in einem schwimmenden Stadion in der Marina Bay, sondern bereits am Donnerstag – mit den ersten Spielen des Fußballturniers. Die Fußballer machen ja auch bei Olympia stets eine Ausnahme und kicken vor der Eröffnungsfeier.

Blatter ist, wenn man so will, ein richtiger Olympier. Er hat ungezählte Skandale und brenzlige Situationen überstanden, er ist Überlebenskünstler. Und er kennt seinen Coubertin. Den IOC-Gründer zitiert er in Französisch. Diese Jugendspiele bringen wirklich die Jugend der Welt zusammen, sagt er. So wie es Coubertin gewollt habe. Andere IOC-Mitglieder hatten zuvor schon die Einführung der Olympischen Jugendspiele (durch IOC-Präsident Jacques Rogge) auf eine Ebene gestellt mit der Einführung der modernen Olympischen Spiele (durch Coubertin). Blatter beherrscht dieses Spiel. In Singapur, sagt er, „können die 3.600 Jungen und Mädchen diskutieren und eine bessere Zukunft aufbauen“. Voilà.

Es wurde viel debattiert über die Jugendspiele, auch in der FIFA. Denn Blatters Verband hatte den Mädchen aus dem Iran die Teilnahme an den Jugendspielen zunächst verweigert. Kopftuchverbot: Sie durften nicht mit dem Hijab spielen. Das Thema machte etliche Wochen Schlagzeilen. Schließlich wurde die Disqualifikation zurückgezogen und als Kompromiss ausgehandelt, dass die Iranerinnen mit einer Art Kappe spielen – zum ersten Mal am Donnerstag gegen die Türkei, beim eigentlichen Auftakt der Jugendspiele. IOC-Boss Rogge hat kürzlich in einem Interview mit der Zeitung „Tagesspiegel“ erklärt, die FIFA habe befürchtet, „dass durch einen Schleier jemand gewürgt werden könnte“. Die Verbände, auch die FIFA würden die kulturellen Gewohnheiten berücksichtigen. Auf den Kopftuchstreit geht Blatter am Mittwoch in Singapur in seiner Nobelabsteige St. Regis nicht weiter ein.

Die FIFA kommt den Vorstellungen des IOC-Präsidenten, mit den Jugendspielen etwas Neues zu kreieren und nicht die sportliche Höchstleistung in den Vordergrund zu stellen, durchaus nahe. Das beweist schon das Teilnehmerfeld. Bei den Mädchen: Türkei, Iran, Chile, Trinidad, Papua-Neuguinea und Äquatorial-Guinea. Bei den Jungen: Bolivien, Montenegro, Haiti, Singapur, Simbabwe und Vanuatu. Die Kontinentalverbände durften ihre Vertreter benennen, eine Art Qualifikation gab es nur in Europa. Ein Journalist aus Singapur fragt, ob es nicht besser gewesen wäre, einige der großen Fußballnationen dabei zu haben. Dann würden sich die Tickets besser verkaufen. Blatter sagt, das würde „dem Geist dieser Jugendspiele widersprechen“.

Ausgerechnet der Präsident des mit Steuerfreiheit gesegneten und stets mit juristischer Wucht agierenden Geldmacher-Konzerns FIFA erklärt:

„Hier geht es nicht darum, Geld zu machen. Es geht um die Teilnahme! Ich würde sogar die Stadiontore öffnen! Wer zuschauen will, soll rein dürfen!“

Singapurs Fußball-Präsident Zainudin Nordin schaut nicht gerade glücklich, als er das hört. Aber vielleicht spendiert Blatter in seiner altruistischen Güte den Gastgebern, deren Budget sich vervielfacht hat, einige Millionen.

Als er genug gepredigt hat, kommt Blatter doch wieder auf das Tagesgeschäft zu sprechen. Etwa auf jene beunruhigenden Meldungen aus Nordkorea, wonach dort die Spieler der WM-Mannschaft und deren Trainer Kim Jong-Hun öffentlich gedemütigt und mit Strafarbeit belegt worden sein sollen. Sogar von Folter war die Rede.

Blatter sagte, die Führung des nordkoreanischen Fußballverbandes sei von der Parteiführung nach den drei Niederlagen bei der WM in Südafrika ausgewechselt worden. Er habe am Dienstag der neuen Führung geschrieben und um Aufklärung gebeten. Asiens Verbandschef Mohamed Bin Hammam (Katar) sagte, er sei vor zwei Wochen in Pjöngjang gewesen und habe mit vier WM-Spielern Nordkoreas gesprochen. Den Trainer Kim, dessen Verbleib unklar ist, habe er nicht gesehen. Er könne die Berichte über Folterungen nicht bestätigen.

Südkoreas Fußball-Chef Chung Mong-Joon, ein Milliardär aus der Hyundai-Dynastie und FIFA-Vizepräsident, wollte sich zu den Meldungen aus dem Norden nicht äußern. Als derart prominenter Südkoreaner schweigt er besser. Chung leistet sonst aber eine Menge für die Annäherung zwischen den verfeindeten Brüdern. Und er ist natürlich auch der Verbindungsmann der FIFA, um die Situation im Nachbarland zu klären. Da kommt Blatter mit seinen Coubertin-Zitaten nicht weiter.

Den Nordkorea-Komplex habe ich für den Deutschlandfunk etwas umfassender aufbereitet:

:

Wobei sehr interessant ist, dass eigentlich die ganze Welt – alle Nachrichtenagenturen, die ich gelesen habe, und damit auch alle, die diese Texte gedruckt haben – berichtet hat, die FIFA habe eine Untersuchung eingeleitet. Ich halte das für unkorrekt. Denn Blatter hat sich beim Präsidenten des nordkoreanischen Fußballverbandes, der gerade neu von den Parteibonzen eingesetzt hat, mal eben erkundigt, was so läuft in Nordkorea. Bezeichnend, dass die FIFA einen Tag später diese Meldung auf ihre Webseite gestellt hat, die in gewisser Weise die Meldungen von der Blatter-Pressekonferenz konterkariert:

FIFA bestätigt Schreiben an den Verband der Korea DVR

Die FIFA kann bestätigen, dass am 11. August 2010 ein Schreiben an den Fussball-Verband der Korea DVR geschickt wurde, in dem um Informationen zu den jüngsten Medienberichten und dem außerplanmäßigen Kongress des Verbandes vom 19. Juni 2010 gebeten wird.

Bis die FIFA eine Antwort vom Verband der Korea DVR erhält, wird sie keine weiteren Stellungnahmen zu diesem Thema abgeben.

Und schließlich ein Beitrag von mir aus Singapur von heute Nachmittag:

Die olympische Welt ist klar strukturiert. Die einen logieren im Luxushotel Ritz-Carlton. Dort begrüßt der frisch gewählte ungarische Staatspräsident Pál Schmitt, im Nebenjob Protokollchef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), beschwingt seine Sportkameraden. Die Stabhochspringerin Jelena Isinbajewa, russische Serien-Weltrekordlerin, beweist beim Frühstücksbuffet (für 24 Euro) gesunden Appetit. In der Lobby nebenan führt John Fahey, Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) erste Unterredungen. Es ist ein ganz gewöhnlicher Morgen im olympischen Business – und doch ein besonderer. IOC-Präsident Jacques Rogge eilt aus dem Fahrstuhl zur draußen wartenden Luxuskarosse. Es geht ins Olympische Dorf, wo er sich 30 vom IOC geladenen Nachwuchsreportern zum Interview stellt.

Im Dorf auf dem Gelände der Nanyang-Universität, zwanzig Kilometer vom Ritz entfernt, kurz vor der Grenze zu Malaysia, wohnen die 3.600 Teilnehmer der ersten Olympischen Jugendspiele. Eine sensationell gepflegte Anlage, die teilweise einem botanischen Garten gleicht. Nur die Unterkünfte haben einige der 70 deutschen Sportler überrascht. Toiletten auf dem Flur und Gemeinschaftsduschen finden manche gewöhnungsbedürftig. Sie sind von Junioren-Weltmeisterschaften ein anderes Niveau gewohnt. „Das können sie nicht vergleichen“, sagt IOC-Vizepräsident Thomas Bach, „bei einer Junioren-WM sind die Sportler in Hotels, hier in einem Dorf, denn nur das schafft eine dichte Atmosphäre.“

Die Atmosphäre ist sehr wichtig bei diesen Jugendspielen. Denn es soll ja, so die Postulate des IOC, nicht nur um Medaillen gehen, sondern um Bildung und Erziehung, um olympische Werte, um den alten Coubertin im dritten Jahrtausend gewissermaßen. Die 14- bis 18-jährigen werden viel feiern in ihrem Dorf. „Es fühlt sich an wie Olympia, aber mit ganz viel Drumherum“, sagt die 15-jährige Berliner Wasserspringerin Kieu Trang Duong, die am Sonnabend bei der Eröffnungsfeier die deutsche Fahne in ein auf dem Meer schwimmendes Stadion trägt.

Thomas Bach hat als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) die Losung ausgegeben, nicht auf Medaillen zu schauen. „Ich freue mich für jeden, der seine Leistung bringt und mit sich selbst zufrieden ist“, sagt Bach. Als deutscher Chef de Mission fungiert allerdings der Sachse Ulf Tippelt, und der ist beim DOSB nicht als Bildungsreferent, sondern als Leistungssportdirektor angestellt. „Ich komme aber aus dem Landessportbund Sachsen“, führt Tippelt zu seiner Verteidigung an, „und da habe ich sehr wohl mit Jugend- und Breitensport zu tun gehabt.“

Andrew Jennings über Joseph Blatter: „The autumn of football’s patriarch“

VANCOUVER. Hier wollen sie rein. Mohamed Bin Hammam, Chung Mong-Joon, Michel Platini, Jack Warner und einige andere. Das ist der Fingerscanner zu Joseph Macchiavelli Blatters Büro im FIFA House in Zürich. Die Tür zum Machtzentrum des Weltfussballs öffnet sich nur für Sepp. Nein, es geht nicht um Fingerabdrücke, die die Cops von FIFA-Funktionären nehmen.

Die Frage ist, ob dieser Schlüssel zum Glück im Sommer nächsten Jahres neu programmiert werden muss. Ob die Finger eines anderen FIFA-Supremo eingescannt werden müssen. Oder ob sich Sepp nicht schon früher verabschiedet.

Einen außerordentlich fiktiven, grandiosen, frei erfundenen, satirischen Beitrag zur Situation eines großen Sportverbandes hat Andrew Jennings geschrieben.

Lesebefehl!

Eine Kostprobe:

„The Autumn of Football’s Patriarch“

by Andrew Jennnings

THE OLD MAN, he’s 74 in a few weeks, sits upright in his uncomfortable leather chair and gazes towards his interviewer a yard and a half from his eyes. He’s been waiting many months for her and, appreciating her good fortune, she is reverential, notebook on her knee and pen in hand but only the audio recorder balanced on the arm of her matching chair can capture the nuances of his long-rehearsed delivery.

All must be in its place for the set-piece, decorating his life’s narrative. Behind his head, a replica golden World Cup Trophy. On the coffee table is a branded banner, maybe 18 inches high, with his final attempt to be taken more seriously than he knows he deserves, the contrived slogan ‘For the Game, For the World.’

He is dressed as the mortician would like to receive him, pale blue shirt, slightly darker tie, dark suit, skull polished, remaining hairs smoothed back to his neck. Outside the polished aluminium window frame it is still late winter on the bleak hill above Zurich. (…)

Over-shadowing the endgame of Patriarch is the flapping jalabiyya of the man who once bankrolled him but now, between mouthfuls of honey, dates and coffee, practices swinging the curved executioner’s sword.

‘With Mohamed, we had a wonderful time together as friends up to the last congress in May,’ says Patriarch. ‘All of a sudden our friendship was broken. Ask him, why? I don’t know.’

OH YES HE DOES. Patriarch went behind the back of the man from the Gulf, and 14 months from now there must be retribution in football’s Chop Square. Such an inept manoeuvre shows the Big P is losing his touch. To mock a man backed by an Emir’s billions is unwise.

The alliances that will form the death squad are still being negotiated. There’s a second shadow, a kimchi billionaire of heavy industry and politics from the Far East and nearer home, dangerously near, across a few Alpine ranges to the south and closeted with his advisors in his modern palace overlooking Lac Geneva, the third shadow of a charismatic, curly-haired, beautiful former athlete.

Unlike Patriarch, this man’s tie, shirt collar and jacket always look dishevelled, as if he’s come straight from a kickabout in the car park. In his homeland, France, he cannot walk the streets without being mobbed. Patriarch never knew such popularity, such love. (…)

When his long-time Polish girlfriend Ilona walked out in late 2008 he knew his game would henceforth be going down, not up. Increasingly disorientated, he has fumbled his way through recent public appearances.

He giggled away concerns of John Terry’s philandering as ‘Anglo Saxon’ exceptionalism. ‘If this had happened in, let’s say, Latin countries, then I think he would have been applauded.’ There was a kind of group holding of breath. Then embarrassment rippled across the world.

A man who has worked with him for much of two decades and watched him when he didn’t, says Patriarch is now a confused specimen. ‘In his own mind he casts himself as a victim, now doubting he can anymore walk on water.’

When Patriarchs summon God to support their cause, you can hear the mortician cough and reach for his measuring stick. ‘If I’m still wanted by the congress and God will give me health I will go, but if the congress says no, then I will say ‚thank you,’ meaning he’s undecided when exactly to reach for his coat and turn in the car keys.

Uh huh. Why did she wait so long to give us this second, fin de siècle announcement. It is because she defers to the Great Dictator but we are the lucky ones because she lets him dictate his obituary as he would wish it were constructed for his favourite newspaper, the Neue Zürcher Zeitung.

BACK TO Patriarch’s custom-built mirror. He dazzles himself with talk of his 35 year ‘mission’ to make the world a better place but still his meanness writhes in a dark corner as he tells her that ‘unlike former presidents’ (that’s one in the shrivelled nuts for the previous Patriarch, now aged 93 and, in Rio, beyond the reach of the Swiss cops) he has been ‘committed to a wide range of humanitarian projects.’

Fighting child labour: Tick that box. UNICEF, tick again. Fair Play, Respect, Discipline, Social Advancement, Mutual Understanding, Eradicate Polio, Improve Public Health.

Switch Ticking machine to rapid fire, fax results to NZZ Obituaries Department.

Keep reading, here’s Patriarch’s ‘Love Affair With Africa.’ Indeed he so much loves Africa that, lacking a son, he has bequeathed it to Nephew. Patriarch talks frequently of the Family of Football – but when there’s money to be extracted, it’s a very small family. Nephew has been given an enormous chunk of the television rights to the Big Games in South Africa this year and if that isn’t enough, he’s been gifted a large bite size of the ticketing for the corporations. (…)

read more on www.transparencyinsport.org

Ich war immer skeptisch und habe die nimmermüde, einmalig begeisternde Euphorie meines Freundes Andrew Jennings selten verstanden, diesmal aber komme ich ins Grübeln. Denn es ist ja so: Die neuen Herausforderer Bin Hammam und Chung haben nicht nur Geld und eine Hausmacht, sie haben im Laufe der Jahre Wissen angesammelt, das Sepp akut gefährdet.

Nicht zu vergessen: Während des Wahlkampfes um die FIFA-Präsidentschaft, während der gigantischen Schlacht um die Weltmeisterschaften 2018/2022 bleibt der Posten des Chefs der FIFA-„Ethikkommission“ verwaist – denn Lord Sebastian Coe hat sich ja vor mehr als einem Jahr beurlauben lassen.

Sollte man deshalb besser sagen: Die FIFA hat weder eine Ethik, noch eine Ethikkommission, noch Mitglieder einer Ethikkommission? (Der Link auf der deutschen FIFA-Webseite führt ins Leere, auf der englischen Variante steht seit langer Zeit: The new composition of this committee will be confirmed in due course.)

Geschäftsethik beweist die FIFA auch nicht immer. Der VISA-Mastercard-Gerichtsgang, der den Verband rund 100 Millionen Franken kostete, hat das einst grandios bestätigt. In den Gerichtsakten fand sich damals eine FIFA-interne Email, in der sich die Kameraden um den damaligen Vielfachlügner, danach von Blatter gefeuerten und kurz darauf zum Generalsekretär ernannten Jérôme Valcke gefragt:

„Was müssen wir tun, dass es wenigstens ein bisschen so aussieht, als habe die FIFA-Geschäftsethik?“

Sehr gute Frage. Nächste Frage bitte. Oder mal Jack Warner fragen.

Einige Fragen, die ich FIFA-Medienchef Nicolas Maingot gestellt habe, sind noch offen. Derweil ein kurzer Nachklapp zum gestrigen Beitrag, eine Zusammenfassung, erschienen u.a. in Berliner und Süddeutscher Zeitung:

Kleiner Rückblick: Sepp Blatter, die milliardenschweren TV-Rechte, Leo Kirch und die ISL

KAPSTADT. Möchte mal jemand einen Original-Milliardenvertrag sehen, in dem die TV-Rechte der Fußball-Weltmeisterschaften geregelt werden?

Kein Problem, zeige ich gern, habe ich noch nie gezeigt. Hier also das so genannte Shortform-Agreement, einst abgeschlossen zwischen der FIFA, der ISL (Sporis Holding) und Leo Kirch (Taurus Film) mitsamt aller Zahlungverpflichtungen. Was fehlt, sind eigentlich nur etwaige Bestechungssummen, sollte es die gegeben haben, rein theoretisch.

Ich übertreibe es mal wieder mit dieser Nachtlektüre.

Andreas fragt in den Kommentaren zum Beitrag „Katar und die WM 2022: Fußball im Kühlschrank“, wie „man eigentlich logisch erklären“ könne, dass für die TV-Rechte an der Fußball-WM 2006 plötzlich 1,5 Milliarden CHF gezahlt wurden, wo doch für die drei Weltmeisterschaften zuvor (1990, 1994, 1998) nur 340 Millionen CHF gezahlt worden sind. Nun, die Antwort lautet:

Was vom Tage übrig bleibt (32): Fasels Eishockey-Connection

[caption id="attachment_3784" align="aligncenter" width="532"]Artikel-Scan SonntagsZeitung, Jean François Tanda: Die Eishockey-Connection - Hinweise auf ein Geheimgeschäft des Verbandspräsidenten René Fasel Seite 5 der Zürcher SonntagsZeitung vom 10. Mai 2009, in der Hauptrolle: René Fasel[/caption]

Jean François Tanda berichtet in der Zürcher SonntagsZeitung exklusiv über mutmaßliche Geheimgeschäfte des Eishockey-Weltpräsidenten und IOC-Exe­kutiv­mit­glieds René Fasel:

Eine interessante Frage. Aber wahrscheinlich handelt es sich nur um einen weiteren von vielfältigen Lebenssachverhalten von IOC-Mitgliedern. Die Geschichte spielt übrigens im idyllischen Zug, wo sonst – hier entlang zum Tag #ISL/ISMM.

Es geht, so weit man weiß, um eine Million Franken für „Geschäftskontakte“. Sehr hübsch diese Passage aus dem Text von Jean François Tanda:

Die Heilige Fußballfamilie: Bin Hammams Anfängerfehler

Hier sitzen die Ritter der Tafelrunde. Wer einen Platz im Fifa-Exekutivkomitee erstreiten kann, bestimmt über die Geschicke des Weltfußballs mit. Nur wer dem Exekutivkomitee angehört, hat eine Chance, irgendwann – in diesem oder im nächsten Jahrtausend – den Großen Vorsitzenden Joseph Blatter zu beerben. Nur darum geht es im feurigen und schmutzigen Kampf, der derzeit im größten und bevölkerungsreichsten Kontinent tobt.

[caption id="attachment_3740" align="aligncenter" width="538"]FIFA-ExKo Sitzungssaal Sitzungssaal des Fifa-Exekutivkomitees im Fifa-Hauptquartier in Zürich[/caption]

Dies ist die bizarre Geschichte eines der bislang mächtigsten Fußballfunktionäre der Welt. Eines Mannes, der Stammgast ist hier im Blog, und der als Kronprinz des Fifa-Präsidenten galt. Der Blatter bei zwei von Korruptionsvorwürfen überschatteten Wahlen – 1998 und 2002 – in Afrika und Asien mit Petro-Dollars Stimmen beschaffte. Der für Blatter Drecksarbeit verrichtete, bis heute das berüchtigte Fifa-Entwicklungshilfeprogramm („Goal“) leitet, das Insider auch als Stimmenbeschaffungsprogramm betrachten. Der seine Schuldigkeit getan hat, zu gefährlich wurde und deshalb fallen gelassen wird von Blatter: Mohamed Bin Hammam aus Katar.