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#London2012 (XVIII): David Storl @shotputdevil

LONDON. Zur Entspannung am Abend gönne ich mir etwas Leichtathletik.

Olympiastadion-Panorama, Blick von der Pressetribüne

Ich will nicht meckern, aber die Musik geht mir mächtig auf den Geist. Sie stört die Konzentration, wie muss das erst den Sportlern gehen. Schätze aber, das hört man im Innenraum kaum, die meisten Lautsprecher sind direkt auf die Tribünen gerichtet.

Und nun genug des Meckerns, denn das Foto (kann man durch Klicken vergrößern) zeigt ja, dass es manchmal ein kleiner Luxus ist, auf den besten Plätzen den olympischen Zirkus zu bekritteln. Übel ist das nicht. Und mein Luxusproblem bestand heute darin, dass ich nicht on time vom Aquatic Centre ins Olympic Stadium wechseln konnte.

Was vom Tage übrig bleibt (67): Euro 2012, Spielverlagerung Ebook, EM- und Olympiaberichterstattung

Hier etwas Lesestoff für zwischendurch und überhaupt für die kommenden Wochen am Fernseher. Ich lasse die Euro 2012 als Berichterstatter aus und konzentriere mich stattdessen auf die Olympischen Spiele in London, wo drei Wochen lang auch eine Dauerberichterstattung im Blog garantiert ist – dazu werden noch Sponsoren für das Blog gesucht, hat jemand eine Idee?

Reichlich unsortiert, aber hochklassig (oder zumindest unterhaltsam), einige Empfehlungen:

(1) Mein Lieblingsblog, mein Favorit und Blogger-Gott wird gewiss auch während der EM zur Hochform auflaufen. Es ist nicht nur mir unheimlich, wie Kai Pahl das macht. Scharfzüngig, analytisch, belesen, ganz offensichtlich mit zehn TV-Monitoren gleichzeitig versorgt – sämtliche Print- und Onlinemedien aus Deutschland, Frankreich und England (um nur einige Länder zu erwähnen) hat er täglich schon studiert und ausgewertet, wenn normale Menschen noch schlafen.

So ungefähr.

Beim Pensum dieses Arbeitstieres bleibt mitunter keine Zeit mehr, ein passables Rechtschreib-Plugin laufen zu lassen, aber das gehört längst zur Folklore dieses Blogs. Ich freue mich auf die Euro auf …

Messi Watching (II): Argentina vs Südkorea

SOCCER CITY. Puls runter. Abregen. Lächeln. Frust-Muffin (Zitrone-Mohn) verspeisen. Tief durchatmen. Hatte ich schon gesagt, dass es kolossal nervt, täglich viele Stunden in Staus und sinnlosen Transporten zu verbringen? Nein?

Ist ja noch mal alles gut gegangen. Bus rechtzeitig verlassen, einen robusten Fußmarsch im aeroben Bereich absolviert – und schon standen Kollege B und ich am Ticketschalter, wenige Minuten bevor unsere Matchtickets für Argentinien – Südkorea an Reporter auf der Warteliste vergeben worden wären. 90 Minuten vor Spielbeginn machen sie das. B bemerkte leicht genervt, er wolle künftig immer am Vorabend ins jeweilige Stadium Media Centre fahren und dort übernachten, um sich den Stress zu ersparen.

Ausruhen ist nicht. Gerade hat ein argentinischer Senior-Journalist im Altersbereich von Don Julio Grondona neben mir Platz genommen, packt einen – ich weiß nicht mehr recht, wie solche Geräte heißen – Walkman (gab es das früher?) aus dem 17. Jahrhundert aus, stellt volle Lautstärke ein, hält sich das Ding an sein linkes Ohr, also direkt an mein rechtes Ohr, und prüft die Töne aus der Mixed Zone vom letzten argentinischen Training ab. Das hört sich für mich etwa so an, als würden 60 Paulo Soares durcheinander schreien. Ich denke ja grundsätzlich nicht, dass man in derartigen Pressezentren Verständnis erwarten darf, schon gar nicht von gewissen Engländern (einer davon begleitet mich seit 1998 und setzt sich garantiert täglich in meine Nähe, weshalb ich dann immer schnell das Weite suche, um seine Telefonate nicht anhören zu müssen, er glaubt nämlich, er müsse bis zur Fleet Street schreien und nicht einfach nur in das Handy sprechen), doch siehe, manchmal geschehen Wunder:

Mein argentinischer Freund erweist sich als wahrer Senor, wechselt kurz die Stellung und beschallt für einen Moment andere Journalisten. Ich hoffe, dass die ihre Vuvuzela-Ohrstöpsel dabei haben.

12.30 Uhr: Ich denke, diese vielen Stunden in Staus und Schlangen rauben mir auch Nerven und Kraft, über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken. Lesebefehle, Links, ich kann kaum damit dienen, obwohl ich es mir vorgenommen habe und bei anderen Gelegenheiten (Peking, Vancouver) regelmäßig exerzierte. Hier ist es so, dass ich so gut wie nichts wahrnehme, was produziert wird, seit Tagen auch schon nicht mal mehr Nachrichtenagenturen überfliege. Über den Tunnel, in den man sich als Journalist bei Mega-Events zwangsläufig begibt, wenn man tagesaktuell arbeitet, habe ich öfter geschrieben. Das ist auch ein Selbstschutz, um seine Aufgaben abarbeiten zu können, andererseits natürlich störend, weil es ja wohl doch viele Informationen und Geschichten da draußen gibt, die es wert wären, konsumiert zu werden. Ich habe längst eine lange Liste verlinkenswerter Angebote beisammen, indes, es fehlt die Zeit. Ein Anfang, weil mich mein Freund Mihir Bose gestern Nacht netterweise aus Pretoria mit nach Johannesburg kutschiert hat:

  • Blog von Mihir Bose, bis vor kurzem Olympic Editor der BBC, jetzt wieder Freier, einer der erfahrensten sportpolitischen Berichterstatter weltweit
  • Was dogfood auf allesaussersport wieder bietet, ist eine andere Kategorie, aber nichtsdestotrotz ein gigantisches Angebot, international wie kaum ein Blog oder die Onlineausgabe eines deutschen Qualitätsmediums. Beispielhaft dafür das heutige WM-Grundrauschen, Tag 7. Geradezu fassungslos war ich, heute morgen schon seinen zusätzlichen Screensport Donnerstag zu lesen.

Dem Glücklichen daheim am Schreibtisch bleiben Reibungsverluste beim Stadiontransport, am Ticketcounter und (sensationelle Unorganisiertheit) bei McCafé im SMC Soccer City erspart. Ich weiß, Journalisten sind Jammerlappen. Wohl deshalb erzählte mir B vorhin, er diskutiere mit seinem inneren Schweinehund die Idee, früher nach Hause zu fliegen.

12.51 Uhr: Hinweis in eigener Sache. Bitte noch den Text über Lennart Johansson lesen. Der ist zwar letztlich nur in größter Hektik im Taxi zwischen Sandton und Pretoria entstanden, aber die Zeilen sind mir wichtig. Bin ganz melancholisch.

13.34 Uhr: Habe beim ersten Messi-Watching einen Beitrag für SpOn gedichtet und folgendes Arbeitsprotokoll erstellt:

Südafrika, Tag 12: Bafana Bafana vs Uruguay

SANDTON. Aloha. Setze mich gleich in Bewegung Richtung Pretoria/Tshwane: Südafrika gegen Uruguay. Musste selbst erstmal schauen, ob ich heute ein Ticket bekommen hatte. Planung existiert nicht, lasse mich treiben. Hoffe, gegen 16 Uhr im Stadium Media Centre Spanien sehen zu können. Bis dahin habe ich etwas Lesestoff vorbereitet. Einfach runterscrollen und überlegen, ob es sich nicht doch noch lohnt, zum WM-Finale herzukommen.

  • Interessant wie immer die TV-Kritik von dogfood auf allesaussersport. Einen Kommentar dazu darf ich mir sparen, weil ich es schlicht nicht sehen muss/kann.

16.52 Uhr: Ist doch immer wieder erstaunlich, dass man ins/ans Ziel kommt. Rein physisch jedenfalls.

Das wundert mich auch deshalb, weil außer den Flutlichtmasten oft nichts zu sehen ist, ich meine, so Schilder, auf denen etwa „Stadium Media Centre“ steht, sind sicher zu viel verlangt. That’s Africa, hatte ich das schon mal gesagt? Ich bin auch den Volunteers und den Polizisten sehr dankbar, die mich zuverlässig stets in die falsche Richtung geschickt haben. Ich bin mir relativ sicher, dass ich auf meinen verschlungenen Pfaden so ziemlich jeden Baum und Strauch im Umfeld des Loftus Versfeld Stadium persönlich begrüßt habe. Ich bin manchmal eben doch ein höflicher Mensch und außerdem tut mir das bisschen Bewegung gut – vor allem nach den wunderbaren beiden Zimt-Croissants heute Morgen. Aber, Stop, ich schweife ab und schwafle, wir wollen doch hier ein bisschen Journalismus machen. Sorry.

Arbeitstechnisch war der Tag eher misslungen. Wegen etlicher logistischer Verwicklungen im Taxi geschrieben und viel zu spät gesendet. Luft holen. Ärger ablassen. Verschnaufen.

Freie Plätze gibt es nicht im Pressezentrum. Habe mich irgendwo in der Mitte niedergelassen und hoffe mal, dass der DVB-Empfang diesmal besser funktioniert, um Spaniens zweite Halbzeit zu beobachten, und dass auch der Akku hält. Denn wie es aussieht, werde ich im Stadion keinen Arbeitsplatz haben, sondern muss wieder auf den Knien schreiben. Meine Bereitschaft, mich bloggend durch die Winternacht zu kämpfen, tendiert im Moment gegen Null.

Hat übrigens jemand den Eindruck, der Hausherr sei launisch?

17.03 Uhr: Im Artikel weiter unten über die WM-Tickets stelle ich am Ende mal noch flink ein Foto dieser Ticket-Zählmaschinen ein. Gerade geknipst.

17.24 Uhr: Die wollen doch wohl nicht etwa, die Schweizer? Und die Spanier? Was sagt uns das, wenn die Schweiz Spanien tatsächlich schlägt? Dass Otmar Hitzfeld der Größte ist? Und Deutschland WM-Favorit? Gemach, gemach. Das wäre die erste Sensation, ja. Aber sonst geht mir momentan zu viel durcheinander, zu hektisches Medien-Gebrumme. Keine Tore? Schlechtes Niveau? Ich sage: Vergesst es. Alles Unsinn. Nach knapp sechzehn Spielen!

17.30 Uhr: So viel Zeit muss sein, für die Technikfreunde hier. Habe gelegentlich – etwa bei der Leichtathletik-WM oder beim Olympischen Kongress – die Vorteile dieser wunderbaren DVB-Sticks gewürdigt. Geht hier auch, nicht so stabil, aber es funktioniert im Prinzip. Ich liebe das. Ist sehr oft eine große Hilfe. Vor allem während der Fußball-WM 2006 in Deutschland, als ich fast jeden Abend aus irgendeinem Stadion ellenlange Berichte und Kommentare damals noch für die Berliner Zeitung geschrieben habe. All diese O-Töne, die Print- und Onlinejournalisten, wenn überhaupt, Stunden nach den Fernsehsendern bekommen (eigentlich nie in dieser Form), sind immer schnell aufgenommen und verarbeitet. Sehr schön. Screenshot von Eye TV gefällig?

Vancouver: die Ruhe vor dem Sturm und die IOC Blogger-Richtlinien

[caption id="attachment_6518" align="aligncenter" width="500"] Die Ruhe vor dem Sturm (Symbolbild) – oder: das „Main Press Centre“ zu Vancouver[/caption]

VANCOUVER. 16.32 Uhr: (Angaben immer Ortszeit): Geradezu jungfräulich präsentiert sich der Arbeitssaal im Main Press Centre (MPC) des frühlingshaften Vancouver. Das wird sich bald ändern. Lärm machen bisher nur die Wasserflugzeuge, die direkt neben dem Vancouver Convention Centre starten und landen. Die neue Westseite des VCC beherbergt während der Spiele das IBC (International Broadcasting Centre), die alte Ostseite mit dem Pan Pacific Hotel beherbergt das MPC.

Was vom Tage übrig bleibt (21): der Dopingkontrollfall Hoffenheim

Um den Blick mal über Sinsheim hinaus zu weiten. Hat doch Uefa-Präsident Michael Platini kürzlich einen Urlaub von Dopingtests gefordert, hat doch Fifa-Medizinchef und Exekutivmitglied Michel D’Hooghe das Whereabout-System mit der Inquisition verglichen. Ach Gottchen, ob er weiß, wovon er redet? Jedenfalls, Wada-Präsident John Fahey sagte gestern auf dem alljährlichen Medien-Symposium im Olympischen Museum zu Lausanne:

You cannot have a time when you are clean and a time when you are not. It has to be a case of clean the whole time. If we want to have an effective test, you’ve got to have the ability to test anybody at any time.

I cannot see how you can say you only have to comply by the code for a particular period of the year and it’s a free-kick in a certain period called holidays.

Recht hat er: „Wada steps up fight with football“.

Es geht ums Prinzip. Im Großen wie im Kleinen. Wobei man trefflich darüber streiten könnte, ob die TSG Hoffenheim noch zu den Kleinen zählt. Soweit ich es überschaue, finden sich die besten Zusammenfassungen in diesen Blogs: