peking 2008

„Don’t mix politics with games“: Petition für Liu Xiaobo

Mir ist gerade so. Ich möchte flink mal daran erinnern, wem ich/wem wir den Titel dieses Blogs zu verdanken haben. Es sind ja doch einige Leser neu hinzu gekommen in den vergangenen anderthalb Jahren.

Ich bedanke mich also einmal mehr beim Totaldemokraten Hu Jintao, der einst, am Vorabend der Olympischen Propagandaspiele 2008, ausgewählten Berichterstattern beschwingt empfahl, sie sollten mal bitteschön Sport nicht mit Politik vermengen und Politik nicht mit Sport und überhaupt. Da gebe es keinen Zusammenhang, auch wenn es manchmal so scheint.

Mich hat Herrn Hus Rat überzeugt. Seitdem steht’s da oben:

Don’t mix politics with games!

Ich versuche mich stets dran zu halten, auch wenn’s oft schwer fällt.

Olympias Programm-Kosmetik

Bevor ich es mir morgen im Stadion gemütlich mache und hier während der WM regelmäßiger zur Sache gehe, noch schnell ein Nachtrag zur Sitzung des IOC-Exekutivkomitees gestern in Berlin und zu den Beschlüssen zum olympischen Programm. (Aus Zeitgründen kann ich nicht umfangreicher verlinken, sorry.)

Jacques Rogge verkündete die Botschaft kurz und schmerzlos. Länger als gewöhnlich hatte die Sitzung des IOC-Exekutivkomitees im Berliner Hotel Interconti gedauert. Die Herrschaften wirkten gestresst, als sie einer nach dem anderen vor der Pressmeute flüchteten. Als Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), dann mit einigen Minuten Verspätung zur Pressekonferenz erschien, sagte er zunächst nur: „Wir haben zwei wichtige Entscheidungen getroffen. Wir haben Frauen-Boxen ins Programm der Sommerspiele 2012 aufgenommen. Wir schlagen Rugby und Golf für 2016 vor. Fragen bitte!“

Auf diese Mitteilung hat die Olympische Bewegung nun mehr als vier Jahre gewartet. Zwei von 28 Sommersportarten waren 2005 in Singapur von der IOC-Session abgewählt worden: Softball und Baseball. Sieben Sportarten wollten für 2016 ins Programm: Softball, Baseball, Rugby, Golf, Inlineskating, Squash und Karate. Nur zwei dieser sieben Weltverbände dürfen nun weiter hoffen. Die IOC-Vollversammlung muss im Oktober in Kopenhagen mit einfacher Mehrheit über Rugby und Golf entscheiden. Ausgerechnet Rugby, Rogge war einst belgischer Nationalspieler. Auch deshalb, weil seine Liebe zum Rugby bekannt ist, betonte Rogge einmal mehr, dass er bei derlei Entscheidungen nicht abstimmt.

Nach einem jahrlangen Ringen der sieben Weltverbände, nach einer viele Millionen Dollar teuren PR-Kampagne, lag es also in der Macht von vierzehn IOC-Vorständlern, über die Zukunft ganzer Sportler-Generationen zu entscheiden. Hochinteressant dabei, dass Golf, oft als Sport der alten Männer verspottet, in den ersten beiden Wahlgängen nur eine Stimme erhielt. Rugby setzte sich schnell durch, eliminiert wurden dann in dieser Reihenfolge: Inlineskating, Squash, Baseball, Karate, Softball – bis Golf als zweiter Sieger übrig blieb.

Die Peking-Nachlese: sechs Cera-Fälle

Zum Problem der positiven Tests, der Glaubwürdigkeit der Tests bei den Sommerspielen 2008 in Peking, vielen Unstimmigkeiten und den Nachuntersuchungen haben wir schon umfassend diskutiert:

Es wird sich wohl nicht vermeiden lassen, einiges aus dieser Diskussion nachzulesen. Am Ende dieses merkwürdigen, ein dreiviertel Jahr währenden Procederes bleiben ohnehin mehr Fragen als Antworten – ich nehme die Pressemitteilung des IOC von heute Abend, 19.23 Uhr, zur Kenntnis, mein Vertrauen hält sich in Grenzen.

Beijing 2008: IOC completes further analysis of Beijing samples

The International Olympic Committee (IOC) announced today that it has received the results from the further analysis on the samples collected last summer during the Olympic Games in Beijing. Of 948 samples that were analysed, 7 resulted in an adverse analytical finding (AAF) concerning 6 athletes. 

Details of the results:

Substances Total number of tests Number of negative tests Number of AAFs
CERA
New version of the endurance-enhancing hormone

847

840 7
Insulin
Hormone that can enhance performance by influencing the glycogen metabolism

101

101 0

„The further analysis of the Beijing samples that we conducted should send a clear message that cheats can never assume that they have avoided detection,“ said Arne Ljungqvist, Chairman of the IOC Medical Commission. „The vast majority of athletes do not seek an unfair advantage. We intend to do all we can to ensure that they have a fair environment for competition.“

In accordance with the IOC’s usual procedures, the IOC is notifying the athletes of any AAF through their National Olympic Committee (NOC).  

Any necessary disciplinary procedures, including hearings, will be conducted based upon the IOC’s Anti-Doping Rules applicable to the 2008 Beijing Olympic Games. Pending the decision by the IOC, appropriate steps can be taken by the relevant International Federation, in particular with respect to provisional suspension.

Due to the presumption of innocence, the IOC will not comment on any individual case. 

Background Information

As part of its zero-tolerance policy against doping, the IOC is storing samples collected during the Olympic Games for eight years. This allows the IOC to analyse samples retroactively should new fully validated tests to detect new prohibited substances/methods become available. 

The latest round of testing, which began in January, focused primarily on endurance events in cycling, rowing, swimming and athletics. The testing took advantage of improved technology to seek evidence of the prohibited use of CERA (equivalent to the intake of EPO) and insulin. Most of the work was conducted at the WADA-accredited laboratory in Lausanne, in close collaboration with the accredited labs in Paris and Cologne.

More details are provided below. 

Substances Tests Laboratory
CERA
New version of the endurance-enhancing hormone
Blood test recently developed by the WADA-accredited laboratory in Paris and used to retest samples from the Tour de France Paris/ Lausanne
Insulin
Hormone that can enhance performance by influencing the glycogen metabolism
Urine test recently perfected by the WADA-accredited laboratory in Cologne Cologne

The further analysis effort builds on the approximately 4,770 doping tests that were conducted in Beijing as part of the largest ever testing programme for an Olympic Games. The tests included 3,801 urine and 969 blood tests. Urine tests included 817 EPO tests, and blood tests covered 471 human Growth Hormone (hGH) tests. All the tests covered the 29-day period from 27 July until 24 August 2008. Athletes qualified for the Beijing 2008 Olympic Games were tested by the World Anti-Doping Agency and BOCOG under the authority of the IOC. As a general rule, all top five finishers, plus a further two, were tested.

Vielleicht müsste nun die Liste der Dopingsünder aktualisiert werden. Dabei kann mir sicher jemand helfen, denn es gab ja zu den Reitern (u. a.) einige Urteile. Ohne Gewähr vorerst diese Liste, die ich mit allen Urteilen verlinkt und zum letzten Mal von der IOC-Exekutivsitzung am 11. Dezember 2008 aktualisiert habe: