grit hartmann

Der Stellvertreter: Gustav-Adolf Schur und die Hall of Fame des deutschen Sports

[caption id="attachment_29655" align="aligncenter" width="798"] Olympiasiegerin Ingrid Krämer, SED-Boss Walter Ulbricht, Weltmeister Gustav-Adolf Schur 1960 nach den Sommerspielen in Rom – damals gab es noch eine gesamtdeutsche Mannschaft. (Bundesarchiv, Bild 183-76277-0016 / Kohls, Ulrich; Weiß / CC-BY-SA 3.0)[/caption]

Man muss die sogenannte Hall of Fame (HoF) des deutschen Sports nicht gut finden. Vielleicht braucht es so etwas nicht. Vielleicht könnte es aber auch hilfreich sein, eine solche HoF (im angelsächsischen Raum normal) zu unterhalten, wenn sie gut gemacht ist, wenn also Geschichte gelehrt und nicht nur Personen geehrt werden. Dazu gehören Ehrlichkeit, Transparenz und eine offene, unvoreingenommene Diskussionskultur. Leider ist das bei der deutschen Hall of Fame eher nicht der Fall und hat sich im Vergleich zu 2011, als Gustav-Adolf Schur für unwürdig befunden wurde, nur unwesentlich geändert.

Gustav-Adolf Schur, kurz Täve genannt, ist/war der populärste Sportler der vor mehr als einem Vierteljahrhundert verblichenen DDR. Inzwischen ist er 86 Jahre alt und habe nichts dazu gelernt, meinen jene, die jetzt erneut „Skandal“ schreien und ihn sogar auf eine Stufe mit Erich Mielke stellen.

Geschmack ist keine Creme.

Täve Schur gehört für mich genauso in eine Hall of Fame – mit all seinen Schwächen, Irrungen und Wirrungen und seinen sportlichen Verdiensten – wie Heike Drechsler, um die es in einzelnen Medien jetzt ebenfalls geht. Oh mein Gott: Ich dachte eigentlich, Heike Drechsler sei spätestens seit ihrem zweiten Olympiasieg, 2000 in Sydney (mein Text damals aus dem Stadium Australia für die Berliner Zeitung), nach einem Jahrzehnt der Auseinandersetzungen und Leiden, angekommen im neuen Deutschland. Und eigentlich möchte ich das Argument, dass in dieser Hall of Fame etliche NSPAD-Mitglieder vertreten sind, gar nicht vor mir her tragen. Ist aber so.

Besser als ich es könnte, hat Grit Hartmann zur sehr bemühten Diskussion um Täve Schur (et al) schon 2011 einen grandiosen Text geschrieben. Veröffentlicht wurden ihre Überlegungen 2012 im von Diethelm Blecking und Lorenz Peiffer herausgegebenen Buch „Sportler im Jahrhundert der Lager“ (Werkstatt Verlag).

Der knapp sechs Jahre alte Text ist klüger und ehrlicher als alles, was man seit gestern in den einschlägigen Medien wieder dazu hört und zu lesen bekommt:

Düstere Konstanten des deutschen Spitzensports: Ernst Jakob und Freiburgs Ärzteschule

tl;dr: Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft veröffentlichte am Montag auf öffentlichen Druck sechs Dateien zum umstrittenen und heiß diskutierten Forschungsprojekt „Doping in Deutschland“. Parallel dazu zeigt sich am Landgericht Stuttgart beim Verfahren gegen den Radprofi Stefan Schumacher eine düstere Konstante des real existierenden deutschen Hochleistungssports: Für heute,  Dienstag, ist der Sportmediziner Ernst Jakob als Zeuge geladen, einst Teamarzt bei Gerolsteiner. Ein Zögling von Joseph Keul. Jakob war an einer der staatlich finanzierten Testosteronstudien beteiligt, deren Ergebnis gemäß Bericht der Humboldt-Uni verfälscht worden sein soll. Zwischenergebnis der Recherche für diesen Beitrag: Der DOSB lässt die Zusammenarbeit mit dem langjährigen Olympia-Arzt Jakob vorerst ruhen.

Vielleicht hat der laufende Betrugsprozess gegen den Radprofi Stefan Schumacher seine Pleite schon erlebt. Anfang Juli, am 11. Verhandlungstag, gab sich jedenfalls ein weiterer Bedenkenträger zu erkennen: „Die Zweifel, die man letztendlich hat, sprechen am Ende vielleicht schon für Schumacher“, sagte der bis dahin unnachgiebige Staatsanwalt Peter Holzwarth. „Ich muss ihn nicht um jeden Preis verurteilen.“

Der Radler soll ja, so steht es in Holzwarths Anklage, seinen Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer um rund 150.000 Euro betrogen haben, weil er Doping verschwieg. Dass Holczer so ahnungslos war, wie er behauptete, nahmen ihm nur wenige ab – und der Prozessverlauf brachte auch den guten Glauben des Anklägers ins Wanken.

Damit ins Landgericht Stuttgart. Dort ist heute Ernst Jakob geladen, derzeit ärztlicher Direktor der Sportklinik Hellersen, einst verantwortlicher Arzt bei Gerolsteiner. Mit ihm im Zeugenstand: die düstere Konstante des deutschen Spitzensports. Jakob kommt aus der Freiburger Ärzteschule, er ist einer der Zöglinge des Doyens der westdeutschen Sportmedizin Joseph Keul. An der staatlich finanzierten Dopingforschung, die am Wochenende neuen Wirbel auslöste, wirkte er maßgeblich mit.

Ob Jakob aussagt oder sich auf sein Zeugnisverweigerungsrecht beruft, dürfte auch für Holzwarth spannend werden. Denn an jenem 11. Verhandlungstag erschütterte ihn ein Attest aus dem Jahr 2007 mit der Unterschrift des Arztes, dem Teamchef Holczer vertraute. „Ein glücklicher Umstand, dass es noch da war“, sagt Schumacher-Verteidiger Dieter Rössner. Jakob hatte das Papier nach Spanien gefaxt, wo Schumacher die Vuelta abbrach, um sich auf die Heim-WM in Stuttgart vorzubereiten. Dafür verpassten ihm die Mediziner vor Ort schnell noch eine Kortisonspritze. Jakobs Ferndiagnose aus Deutschland: Achillessehne. Schumacher sagte aus: „Das Attest diente abgesprochen nur dazu, es bei Kontrollen in Deutschland zur Täuschung vorzuweisen.“

Dopinglügen im kalten Licht der Statistik: der WADA-Testreport 2012

tl;dr: Nach dem Pound-Report hat die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA nun einen detaillierten Bericht über die weltweiten Dopingkontrollen 2012 vorgelegt, der seinesgleichen sucht. So viele Details wurden noch nie veröffentlicht – und dokumentieren die Wirkungslosigkeit des Kontrollsystems. Pflichtlektüre! Grit Hartmann hat den Bericht studiert und entlarvt einige Wahrheitsbeugungen von DOSB und deutscher NADA.

Bedarf es noch eines Nachweises, um den Dopingkontrollen des Sports weitgehende Wirkungslosigkeit zu attestieren? Die Welt-Antidoping-Agentur hat ihn geliefert.

Dabei trägt der aktuelle WADA-Report einen nüchternen Titel: „2012 Anti-Doping Testing Figures Report“. Tatsächlich jedoch handelt es sich bei den 156 Seiten um ein Misstrauensvotum erster Güte, auch an die eigene Adresse.

Die neue Statistik, sie basiert auf von den Analyse-Laboren gelieferten Kontrollergebnissen, beschert nämlich zuerst diese desaströse Erkenntnis: Doper haben weniger denn je zu befürchten in einem Testsystem, das ihnen angeblich immer dichter auf die Fersen rückt.

Zwar wurden 2012 im olympischen Sport rund 185.000 Proben genommen und damit mehr als im Vorjahr, die Zahl der Funde aber sank: Nur in 2.894 Proben (1,56 Prozent) detektierten die Labore Dopingmittel oder auffällige Werte, die auf Manipulation deuten. 2011 lag die Quote bei 1,91 Prozent.

Und selbst dieser Minianteil zeichnet noch weich: Er enthält auch Ergebnisse, die keine Dopingverstöße waren, weil Athleten medizinische Ausnahmegenehmigungen vorlegen konnten.

1,56 Prozent – das widerspricht krass den Fakten, die professionelle Ermittler zutage fördern, wenn sie sich wie derzeit in Australien oder Italien das Milliardenbusiness Spitzensport mal vorknöpfen. Fürs sportinterne Kontrollnetz gilt das Übliche: In ihm verfangen sich vor allem die Dummen. Die Hälfte aller positiven Proben fiel mit Anabolika auf, 15 Prozent mit Stimulanzien, gefolgt von Cannabis und Diuretika – mühelos nachweisbare Stoffe.

Eher als Unfälle dürften auch die 45 Epo-Funde (bei 25.000 Kontrollen auf den Blutverdicker) einzustufen sein. Warum? Minidosen, längst die probate Spritzmethode, sind nicht zu detektieren. Der Nachfolger heißt Aicar, wirkt angeblich besser – und es gibt kein Testverfahren. Kaum fündig würden die Analytiker bei der Suche nach Wachstumshormon (vier Fälle) und nach den so genannten HBOCs, hämoglobin-basierenden künstlichen Sauerstoffträgern (kein Fall).

Die Statistik illustriert auch, was von Kontrollen in den Händen der Weltverbände zu halten ist – solange der WADA-Code von ihnen nicht mehr verlangt als Tests, gleichgültig wie oft und worauf. Spitzenreiter nach Zahlen sind Radsport (8940 Tests) und Leichtathletik (5817), mit großem Abstand zu den 33 anderen olympischen Föderationen. Sepp Blatters Fußball-Weltverband FIFA zum Beispiel beließ es bei 696 Kontrollen. Am Ende der Tabelle stehen acht Verbände mit weniger als 100 Tests.

Don’t ask, don’t tell: Thomas Bachs Ghorfa, der Israel-Boykott, die FDP-Connection und die Bundesregierung

[caption id="attachment_16621" align="aligncenter"]screenshot www.ghorfa.de screenshot www.ghorfa.de[/caption]

Im letzten Sommer, anlässlich der Debatte um eine Schweigeminute für die Opfer des Münchner Terrors während der Eröffnungsfeier der Spiele in London, haben jw und ich einem unappetitlichen Thema schon einmal einige Zeilen gewidmet: Dem Israel-Boykott, den die Ghorfa unter der Präsidentschaft von Noch-IOC-Vizepräsident Thomas Bach für deutsche Exporte in die arabische Welt exekutiert.

[kraut project=“https://krautreporter.de/de/projects/94-macht-moneten-marionetten/“]Nun gibt es ein kleines, aber wichtiges Update. Die grüne Bundestagsabgeordnete Viola von Cramon hat dazu zwei Fragen an die Bundesregierung übermittelt und eine interessante Antwort aus dem Ministerium des liberalen Bach-Parteifreundes Philipp Rösler erhalten. Der Wirtschaftsminister hat gerade seinen ersten Israel-Besuch absolviert. Damit will der  Freidemokrat, laut stets aufmerksamer Springer-Presse in seinem Tross, „ein Zeichen“ setzen, „dass Deutschland Israel unterstützt“.

Im Umgang mit der Ghorfa folgt sein Haus offenbar anderen Grundsätzen: Da übernimmt man gern mal die Schirmherrschaft für diese oder jene Veranstaltung. Obwohl man den so genannten Legalisierungs-Service, aus dem der Verein Ghorfa unter seinem Präsidenten Thomas Bach einen Teil seiner Einkünfte generiert, für unzulässig hält. Im Ministeriumsdeutsch:

„Deutsche Handelsdokumente dürfen keine Boykott-Erklärungen in der Form negativer Ursprungserklärungen enthalten.“

Für die Berliner Zeitung habe ich dazu gestern knapp getextet:

* * *

Vor wenigen Tagen flatterte Viola von Cramon ein Antwortschreiben aus dem Bundesministerium für Wirtschaft auf den Tisch, das die sportpolitische Sprecherin der Grünen empörte:

Der Bundesregierung kann ja wohl kaum entgangen sein“, schimpft sie, „dass sich mit Thomas Bach ein Wirtschaftslobbyist mit zweifelhafter Reputation um die IOC-Präsidentschaft bewirbt.“

Das Problem aus Sicht der Grünen: Die Bundesregierung tut aber so.

Von Cramon hatte Fragen übermittelt zu einem der heikleren Posten des deutschen Sportchefs: Bach steht als Präsident auch der Ghorfa vor, einer Geschäftsanbahnungstruppe, die den arabischen Handelskammern untersteht. Der gemeinnützige Verein wirbt mit dem Slogan „Ihre Brücke in den arabischen Markt“ und organisiert Business-Gipfel für deutsche Unternehmer, zumeist mit den Golfmonarchien.

Wie hilfreich die Mittlerdienste für diverse Scheichs Bach im IOC sind, interessierte die Grünen-Abgeordnete weniger. Jedoch hält sie die olympische Thron-Rallye des Ghorfa-Präsidenten außenpolitisch für bedenklich. Noch immer nämlich profitiert der Bach-Verein von einer hoch umstrittenen Israel-feindlichen Praxis, von der so genannten Vorlegalisierung. Unternehmen, die in arabische Staaten exportieren, lassen sich bei der Ghorfa per Stempel bescheinigen, dass ihre Produkte keine Teile aus Israel enthalten. 2011 kassierte der Verein dafür 900.000 Euro, 43 Prozent seiner Einnahmen.

Bach-Nachfolge im DOSB: „Objektivierung“ gescheitert

[kraut project=“https://krautreporter.de/de/projects/94-macht-moneten-marionetten/“]Der Einheitsverband DOSB bzw. seine Zentrale in Frankfurt/Main hat derzeit alle Hände voll zu tun, kleinere und größere Dissonanzen zu verbergen.

Hinter den Kulissen ist so einiges los, selbstverständlich rangelt Deutschlands Sportfunktionärs-Elite auch darum, wer Thomas Bach als DOSB-Präsident nachfolgt – falls der es im September auf den IOC-Thron schaffen sollte.

Nur soll jetzt natürlich nicht gerangelt werden – und am Ende sowieso möglichst mit der üblichen Zustimmungsrate über 90 Prozent gewählt.

Deshalb existieren selbstverständlich auch keine Bewerber.

Fest steht nur, was die DOSB-Satzung vorschreibt:

Erst einmal würde DOSB-Schatzmeister Hans-Peter Krämer als Interims-Präsident agieren. Krämer (Jahrgang 1941) hat allerdings keine Ambitionen auf den Posten.

Als auffällige Nicht-Bewerber aus dem Sport werden dennoch hartnäckig genannt:

  • DOSB-General Michael Vesper, angeblich Bachs Lieblingsnachfolger, was nicht verwundert – er hat die Rolle des eloquenten Vorstoppers zur Abwehr unliebsamer Debatten seit 2006 bestens ausgefüllt, zuletzt mit einigen wunderbaren Verrenkungen zu einem Anti-Doping-Gesetz, das nun über die Länderkammer dräut.
  • Dann Rainer Brechtken, der Sprecher der Spitzenverbände und Turner-Präsident. Dass Brechtken seinem Verband einen völlig überteuerten Neubau aufgehalst hat, dürfte nicht wirklich hinderlich sein. Eher schon die Tatsache, dass ihm Profil nur sehr wenig nachgesagt werden kann.
  • Am eifrigsten beim Allianzen-Schmieden ist dem Vernehmen nach Schwimm-Präsidentin Christa Thiel. Ihre Expertise als Vizepräsidentin Leistungssport im DOSB ist einerseits die stetig sinkender Medaillenzahl des DSV bei Olympia seit ihrem Amtsantritt; andererseits sagt man ihr Profilierung als Bach-Gegnerin nach. Von der man öffentlich aber bisher nichts gemerkt hat – ganz wie es den Gepflogenheiten in der Familie entspricht.
  • Mit Außenseiter-Chancen: Basketball-Präsident Ingo Weiß, Chef der Deutschen Sportjugend,
  • und Skiverbands-Präsident Alfons Hörmann.

Vor drei Tagen wollte der hier gut bekannte Klaus Schormann, Weltpräsident der Modernen Fünfkämpfer, wohl über die Nicht-Bewerber so etwas wie diskutieren lassen. Den Spitzenfunktionären flatterte jedenfalls dieses Schreiben auf den Tisch:

Einladung zur Arbeitssitzung1

Vor anderthalb Stunden ereilte die Sportkameraden eine kleine Korrektur.

Die obskure Welt des Gewichtheber-Bosses Tamás Aján (II): Das Rätsel um die verschwundenen Millionen

[caption id="attachment_16055" align="aligncenter"]Tamás Ajan, IOC-Session Singapur, 2005 Tamás Ajan, IOC-Session Singapur, 2005[/caption]

Es folgt die ergänzte, etwas anders gefasste und mit Dokumenten versehene Version eines Artikels, der in Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau unter dem Titel „In der Waschanlage“ erschienen ist. Play the Game hat die Überschrift „IWF president under suspicion of financial mismanagement“ gewählt.

„Finanzielle Misswirtschaft“ – das ist die juristisch korrekte Bezeichnung für den Vorgang, den einige Gewichtheber-Funktionäre bisher vergeblich versucht haben, vollständig aufzuklären. Er illustriert, welcher Geist noch immer weht in den olympischen Weltverbänden und warum es – angesichts oft jahrzehntelang gewachsener Abhängigkeiten – so schwer ist, dem etwas entgegen zu setzen.

* * *

Die Geschichte beginnt vor vier Jahren, beim letzten IWF-Wahlkongress in Madrid Ende März 2009.

Oberflächlich betrachtet, ist alles wie immer: Aján, der es liebt, sich mit den Mächtigen zu zeigen, gibt den galanten Gastgeber. Er begrüßt als Ehrengäste die spanische Infantin, den Sportminister, den Vize-Bürgermeister von Madrid. Er herzt den IOC-Kollegen Samaranch Junior und einen, gegen den gerade eine Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet hat, den Handball-Pharao Hasan Moustafa.

Es hagelt Grußadressen und Auszeichnungen.

[box title="MUST READ!"]

Die obskure Welt des Tamás Aján, ein ganz normaler olympischer Weltverband:

[/box]

Alles könnte so sein wie immer, wären da nicht die vielen lästigen Fragen zum Geld.

Wie immer hat Aján auf dünnen drei Seiten Einnahmen und Ausgaben der IWF aufgelistet. Wie immer haben die hauseigenen Prüfer keine Auffälligkeiten entdeckt, im Gegenteil: Sie haben sogar „gratuliert“ zum kleinen Überschuss, den die IWF erwirtschaftet hat.

Auch dass Aján ein wenig jammert bei der Vorstellung des Finanzberichts – mit dem er angeblich seiner Pflicht nachkommt, die Nationalverbände über die „tatsächliche Finanzlage“ zu informieren – ist nicht ungewöhnlich.

„Es war nie leicht“, behauptet er diesmal, „einen angemessenen finanziellen Hintergrund für unsere Aktivitäten zu sichern.“

Die Dokumente dazu:

In den Jahren zuvor klangen die Klagen des IWF-Bosses ähnlich: „Geld ist schwierig aufzutreiben“ (2000), „extrem schwierige internationale Umgebung“ (2002), „IWF ist nicht ausgenommen von globalen Krisen“ (2006) …

Inzwischen aber hören ein paar Funktionäre solche Sätze nicht mehr gern: Zwar wissen die wenigsten, dass Aján sich mit 300.000 Dollar im Jahr fürs Ehrenamt entschädigen lässt – aber kaum einem entgeht, dass die Kosten fürs Budapester Präsidenten-Büro, wo auch der Schwiegersohn als Wettkampfdirektor wirkt, ständig steigen.

  • Und nun fragt ein Delegierter, an wen denn die Hanteln gegangen sind, die als Ausgaben unter „IWF-Entwicklungsprogramm“ verbucht sind.
  • Ein afrikanischer Delegierter möchte Details zu den Zuschüssen für die fünf Kontinentalverbände, Posten Nr. 15 unter „Ausgaben“, mehr als 300.000 Dollar.
  • Und der Italiener Antonio Urso will wissen, warum die aktuelle Bilanz ohne Vermögen eröffnet, wo doch die vorherige mit 1,6 Millionen Dollar im Plus schloss.

Es gibt weitere Fragen.

So viele, dass dem IWF-Boss ein verräterischer Satz entschlüpft:

Den Überblick „über das gesamte Vermögen“ erhalte nur die Exekutive und das IWF-Prüfkomitee.

Das gesamte Vermögen?

Viele Funktionäre hören davon zum ersten Mal.

#London2012 (XXVI): Die Mutter aller Zielvereinbarungen und die Hofschranzenkultur von DOSB und BMI

LONDON. Die Mutter aller Zielvereinbarungen ist diese hier, die zwischen dem Bundesinnenministerium (BMI) und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB):

Der DOSB wird eigentlich auf nichts festgelegt, wäre ja noch schöner. So blöd sind Generalsekretärdirektor Michael Vesper (Bündnis 90/Die Grünen) und Präsident Thomas Bach (FDP) natürlich nicht, dass sie sich auf irgendetwas festlegen ließen.

Grit Hartmann hat das Dokument schon Ende 2009 ausgegraben und für einen Radiosender, dessen Sportredaktion sich weitgehend vom so genannten „kritischen“ Journalismus verabschiedet hat (und dessen Sportchefin gerade behauptet hat, die Zielvereinbarungen seien quasi frisch entdeckt worden) , getextet:

Geld gegen Medaille

Zielvereinbarungen im deutschen Spitzensport

In einem neuen Grundsatzpapier namens „Neues Steuerungsmodell Spitzensport“ sind sogenannte Zielvereinbarungen des DOSB mit den 33 olympischen Verbänden verabredet. Die allerdings werden unter Verschluss gehalten.

Die Vorgeschichte der Zielvereinbarungen ist einigermaßen turbulent. Noch Mitte der 90er-Jahre musste Geldgeber Staat den autonomen Sport zu ähnlichen Planungen nötigen. Damals verlangte Bundesinnenminister Manfred Kanther im Tausch gegen horrende Ausgaben mehr Medaillen. Die, so lautete seine Legitimationsformel, seien Ausweis für das Leistungsvermögen eines Volkes. Mehrfach – und stets mit heimlichem Einverständnis der hauptamtlichen Leistungsplaner im Sport-Dachverband – schwang er die Keule einer Haushaltssperre. Am Ende stand das „Förderkonzept 2000“. Es honorierte Medaillen und strafte weniger erfolgreiche Verbände mit Geldentzug.

Kritiker sahen darin eine Analogie zur DDR. Das traf zu auf die Mentalität, Siege für politisch notwendig zu halten und für zentralistisch planbar. Für die Methode stimmte es nicht: Ostdeutschen Strategen wäre es nie in den Sinn gekommen, olympische Sportarten zu bestrafen – eher hätten sie zugebuttert.

Der Fehler im Versuch, das DDR-System zu kopieren, ist mit dem „Neuen Steuerungsmodell Spitzensport“ behoben. Das segneten die Verbände Ende 2006 ohne Murren ab, obgleich der DOSB darin Platz 1 bei den Winterspielen in Vancouver proklamierte. Über die Sinnhaftigkeit solcher Großmachtgelüste in Zeiten von Dopingskandalen wurde schon nicht mehr diskutiert. Versprochen war den Fachsparten schließlich die Entschärfung des Bestrafungsprinzips, dazu weniger Gängelung und Bürokratie.

Ob das tatsächlich der Kern der neuen Steuerung ist, darf bezweifelt werden. Denn das maßgebliche Kleingedruckte fehlte noch: die sogenannten Zielvereinbarungen zwischen dem DOSB und den olympischen Verbänden. Sie gelten bis heute als top secret, obwohl auf ihrer Basis die Steuermillionen verteilt werden. Dem Deutschlandfunk liegen einige vor. Auch das wichtigste Papier, gewissermaßen die Mutter aller Zielvereinbarungen, der bis 2012 gültige Vertrag zwischen BMI und DOSB.

#London2012 (XXV): Wenn chicken legs über die Bahn schweben #mb

LONDON. Olympic Stadium, Block 212/213, Row 71, Seat 313. Halbfinale 200 Meter.

Im ersten HF Blake vs Lemaitre vs Spearmon.

Keine Gegnerschaft für Blake, der die letzten 40 Meter spazieren geht und nicht mal nach Luft schnappt. 20,01. Natürlich muss Yohan Blake ein bisschen bluffen, gehört zu seinem Spielchen. Nur: schaut man sich ihn an und Lemaitre, der ja keine Pfeife ist, gerade 20,03 rannte und schon mal 19,80 gelaufen ist, sieht man also, wie Lemaitre pumpt … Ach Gott. Ich sage lieber nichts.

20.16: Der Witzbolt.

ENDLICH mal Ruhe im Stadion.

Keine Aussage zu treffen nach diesem Spaziergang. Hatte aber den Eindruck, als ob er danach atmete.

Grit Hartmann und ich haben heute für verschiedene Zeitungen dieses Textlein gedichtet:

Es geht Schlag auf Schlag mit den Meldungen zu Dopingfällen während dieser Londoner Spiele: Beinahe täglich wird ein neuer Erfolg verkündet. Von der ukrainischen Turnerin über marokkanische, französische, spanische Mittelstreckler, türkische Gewichtheber, den Italiener Alex Schwazer, Olympiasieger 2008 über 50 km Gehen, bis zur Sprinterin aus St. Kitts und Nevis. Ein reichliches Dutzend Fälle gaben das Internationale Olympische Komitee (IOC), die Sport-Weltverbände oder nationale Sportfunktionäre seit Beginn der Spiele bekannt. In London sei es schwierig wie nie zuvor, zu dopen und nicht erwischt zu werden, sagte John Fahey vor zwei Wochen, der Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). „Aber ich wäre dumm, würde ich behaupten, bei diesen Spielen würde niemand betrügen.“

Selbst Skeptiker können sich dem Sog der Pharmabilanz, die Olympias Propagandamaschine in die Welt hinaus bläst, nicht entziehen.

„Angenehm überrascht“ sei er über die vorolympische Teststatistik, sagt Perikles Simon, Professor an der Universität Mainz. Vor allem, weil „knallhartes Doping“ auffliege: „Testosteronfälle, Diuretika, Epo – das sind keine Wischiwaschi-Fälle wie so oft. Sondern schon Anhaltspunkte dafür, dass Kontrollen etwas ausrichten können, wenn sie richtig gesetzt werden.“

Simon schaut daheim viel Leichtathletik. Bei den Mittel- und Langstreckenläufen hat der Gendoping-Spezialist „Indizien“ fürs  verbesserte Kontrollregime ausgemacht:

„Man hat einige Kenianer aus dem Verkehr gezogen. Und nun erleben wir, dass die These von der angeblichen genetischen Überlegenheit der Schwarzafrikaner doch nicht so haltbar ist. Es gibt wieder Weiße, die durchaus mitlaufen können – bei Zeiten, die nicht mehr so extrem sind wie noch vor vier Jahren.“

Dafür, dass vor London intelligente Zielkontrollen zum Einsatz kamen, spricht auch der jüngste Fahndungserfolg im Falle Alex Schwazer. Der Olympiasieger wurde Ende Juli positiv auf das Blutdopingmittel Epo getestet – die Kontrolleure schauten vorbei, weil Italiens Nationalheld auffällig häufig in St. Moritz trainierte. Dort praktiziert der berüchtigte Arzt Michele Ferrari, auf dessen Kundenliste Schwazer stand. Der Tipp, so vermeldete die „Gazetta dello Sport“, kam von Interpol. Die Behörde koordiniert die Ermittlungen gegen „Dottore Epo“. Interpol hat auch einen Kooperationsvertrag mit der WADA unterzeichnet.

Andererseits vernebeln derlei Fälle den Blick für die Realitäten: die Direktbilanz der in London vom IOC verantworteten Kontrollen ist dürftig – mit einem Cannabis-Fall des US-Judokas Nicholoas Delpopolo. 3949 Proben wurden bis Dienstag genommen, verkündete IOC-Sprecher Mark Adams. Man wird am Ende weit über den angekündigten 5000 Tests liegen.

„Natürlich machen in einigen Disziplinen die Leistungsdimensionen stutzig“, sagt Perikles Simon, „zumal, wenn sie plötzlich in großer Breite erbracht werden.“ Er bezweifelt, „dass sich der Genpool der Menschheit derart verbessert hat, um die Zeiten zum Beispiel der Sprintfinals zu erklären“. Auch hat der Sportmediziner keine entsprechenden Fortschritte in der Trainings- oder Ernährungswissenschaft detektiert.

Wobei: Das Thema Nahrung liegt ja nun wieder im Trend, seit der Jamaikaner Yohan Blake sein 16-Bananen-Tagesmenü verriet. Simon bringt das eher zum Lachen: „Man wird ja auch veräppelt.“ Bananen und Yams-Wurzeln? Simon glaubt eher an eine Verlagerung des Betrugsgeschehens. „Da wird kaum noch mit Steroiden gearbeitet. Wachstumsfaktoren können eine Rolle spielen und wahrscheinlich Präparate mit Einfluss auf die Muskelkontraktion.“

Die miserable Erfolgsquote der NADA

Einige Anmerkungen zur Jahrespressekonferenz der NADA im Science Center Medizintechnik der Otto Bock HealthCare GmbH in Berlin. Der neue Aufsichtsratschef Hans Georg Näder hielt Hof. Eine kürzere Fassung des Beitrags erschien auf Spiegel Online. Der Beitrag ist überarbeitet und u.a. mit erläuternden Anmerkungen und Dokumenten zur Debatte Howman (WADA) vs Bach/DOSB ergänzt.

Bei Bilanzterminen werden stets Zahlen-Konvolute präsentiert. Das ist in der Wirtschaft nicht anders als bei der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA), die in Berlin ihren Geschäftsbericht 2011 vorlegte. Die nackten Zahlen allerdings sagen nichts aus über die Qualität der Arbeit einer von Führungs-, Finanz- und Strukturproblemen geprägten Agentur. Zahlen über die von der NADA 2011 organsierten Dopingkontrollen (1.056 im Wettkampf, 7.767 im Training) erzählen nichts über die Qualität und Effektivität dieser Tests. Wann wurde wie überraschend, wie zielgerichtet kontrolliert? Wie oft und wann wurden Olympiakandidaten und, brandaktuell, etwa Spieler der Fußballnationalmannschaft kontrolliert? Wurden sie überhaupt kontrolliert? All dies und vieles mehr bleibt unbeantwortet, obgleich derlei Informationen – anonymisiert – öffentlich gemacht werden müssten. Eigentlich bedarf es zu jeder einzelnen Probe einer Fußnote.

Jenes gerade mal 42 Seiten (inklusive Cover) umfassende Hochglanzpapier, das die NADA vorlegte, ist kein wirklicher Arbeitsbericht, sondern eine Imagebroschüre. Transparent wurde es auch nicht auf dem 90 Minuten währenden Pressetermin am Dienstagabend, bei dem viele Fragen unbeantwortet blieben. Ja, auf dem nicht einmal die simple Frage danach, wie viel eine Dopingkontrolle eigentlich kostet, von den beiden hauptamtlichen Vorständen Andrea Gotzmann (Biochemikerin, Sportwissenschaftlerin) und Lars Mortsiefer (Jurist) beantwortet werden konnten – oder nicht beantwortet werden wollten.

Man könne sich einen Durchschnittswert leicht selbst ausrechnen, in dem man die Ausgaben für Dopingkontrollen (1,9 Millionen Euro) durch die Kontrollzahl teile, hieß es da. „Im Einzelfall ist das einfach nicht zu ermitteln“, sagte Mortsiefer, der dann noch von „Subventionen des Bundes“ für das Kontrollsystem sprach und die Frage hinterließ, ob öffentliche Subventionen nicht transparent abgerechnet werden müssen. Andrea Gotzmann, die ein Vierteljahrhundert lang im Kölner Institut für Dopinganalytik arbeitete, verwies auf die Preislisten der Dopingkontroll-Labore Köln und Kreischa (Sachsen), wollte aber auch diese Details nicht preisgeben – wohl aus Gründen des Geschäftsgeheimnisses der Labore. Wer weiß das schon.

„Eine gewisse Art der Schweigsamkeit, die müssen sie uns aber auch zugestehen“, sagt Gotzmann irgendwann. Muss man das tatsächlich, angesichts haarsträubender Unstimmigkeiten über nun schon zehn Jahre, unter ständig wechselndem Führungspersonal bei immer gleichen Abhängigkeiten im sportpolitischen Komplex?

In 86 Fällen wurden „Verfahren wegen möglicher Verstöße gegen Anti-Doping-Bestimmungen eingeleitet“, wie es im Fachdeutsch heißt. Diese 86 Fälle werden aufgeschlüsselt nach Sportarten, Art des Vergehens und Verfahrensstand. Teilweise handelte es sich um die Verweigerung von Kontrollen. In 26 dieser 86 Fälle hat die NADA Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet, um Ermittlungen gegen die Hintermänner einzuleiten und Dopingstrukturen aufzudecken, wie man mitteilt.

Das ist löblich, entscheidend für die Beurteilung der NADA-Tätigkeit ist jedoch etwas anderes:

Nur bei vier von 7.767 Trainingskontrollen wurden verbotene Substanzen nachgewiesen – sowie bei 57 von 1.056 Wettkampftests.

Dauerhafte Fahndungserfolge im Promillebereich der Trainingskontrollen lassen an der Klasse und Effektivität dieser Kontrollen zweifeln. Zumal die seit Jahren höhere Erfolgsquote bei Wettkampftests auch den Verdacht nähren, dass die Dunkelziffer weit höher liegt.

Denn, vereinfacht gesagt, bei Wettkämpfen lassen sich nur Idioten überführen – professionelle Doper kaum. Auch deshalb sind intelligente, mit kriminalistischem Spürsinn ausgeführte Trainingskontrollen wichtiger. Die vier erfolgreichen Trainingstests – Erfolgsquote 0,05 Prozent – betreffen zwei Behindertensportler sowie die nichtolympischen Sportarten American Football und Squash. Athleten aus den von der NADA klassifizierten höchsten Risikogruppen und Sportarten wurden nicht überführt, obwohl unabhängige Experten doch davon ausgehen, dass die Zahl von dopingbereiten Athleten und Dopern in diesen Sparten beträchtlich ist. Kritische Geister wie der Dopingforscher Professor Perikles Simon (Universität Mainz) nennen Dunkelziffern von 30 Prozent.

Perikles Simon, der unter anderem an Nachweisverfahren zum Gendoping arbeitet, kritisiert seit Jahren die „miserable Erfolgsquote der Dopinganalytik“ und hat zahlreiche Vorschläge für eine Kurskorrektur vorgelegt. Im Sportausschuss des Bundestages erklärte er bereits im Herbst 2010, die für die NADA verwendeten Steuermittel sollten umverteilt werden: Weniger für das ineffektive Testsystem, stattdessen mehr für Prävention, Antidopingmaßnahmen im Nachwuchs- und im Breitensport. Flankiert werden müssten derlei Korrekturen mit einer wirklich scharfen Gesetzgebung. Simon wurde deshalb vor allem von den Vertretern der Regierungskoalition abgebürstet und beleidigt.

Trotz aller Alarmsignale spricht der neue NADA-Aufsichtsratschef Hans Georg Näder von einer „lückenlose Kontrolldichte“. Aber um derlei Thesen zu belegen, fehlt es an Argumenten. Ein Beispiel: So hat es im deutschen Fußball 2011 lediglich 499 Trainingskontrollen gegeben, es wurden lediglich Urinproben, keine Blutproben genommen. 499 Trainingskontrollen bei 56 Mannschaften und also mehr als 1.000 Spielern in den drei Profiligen. Während in fast allen Sportarten die Zahl der Trainingskontrollen die der Wettkampftests deutlich übersteigt (so sollte es logischer Weise sein), ist es im Fußball genau umgekehrt. Absurd wenigen Trainingstests stehen 1659 Wettkampfkontrollen gegenüber.

Aufsichtsrat Näder ist Boss der Firma Otto Bock Healthcare, die quasi als Hauptsponsor der paralympischen Bewegung fungiert. Otto Bock leistet bei den Paralympics in London den technischen Service für rund 4.000 Athleten. „Komm’se mal nach London zu den Paralympics“, wirbt Näder, „das ist echt Klasse Sport, der da zu sehen ist.“ Ansonsten zeigt sich der Professor irritiert über die Schärfe der Diskussion zwischen den NADA-Vorständen Gotzmann und Mortsiefer und den Journalisten. Er pflege mit der Geschäftsführung „eine sehr verlässliche und vertrauensvolle Kommunikation“, sagt Näder. Jedoch sei die Aufgabe pikant und kompliziert.

Ich habe das große Glück, dass ich in der ganzen Gemengelage jungfräulich bin.“

Jungfräulichkeit allein wird nicht reichen.

Am 3. Juli trifft Näder am Frankfurter Flughafen David Howman, Generaldirektor der Weltagentur WADA, der die NADA zuletzt stark kritisierte. In der Diskussion um die UV-Bestrahlung des Blutes von 30 Kadersportlern am Erfurter Olympiastützpunkt kassierte Howman die schriftliche Auskunft des WADA-Medizindirektors Olivier Rabin vom April 2012, wonach die UV-Bestrahlung laut WADA-Code erst ab 2011 verboten gewesen sei. In einem Schreiben an den Sportausschuss des Bundestages erklärte Howman am Dienstag, die UV-Methode sei seit 2002 nach einem Grundsatzurteil auch seitens des IOC verboten (siehe Stellungnahme des damaligen CAS-Beteiligten Georg Engelbrecht) .

Brief David Howman (WADA) an Rudi Mollenhauer (BT-Sportausschuss) vom 26. Juni 2012

Howman, derzeit bei einem Treffen mit asiatischen Sportministern in Bangkok, hat am Sonnabend eine Stunde mit den NADA-Chefs telefoniert. Man sei auf bestem Wege, „Kommunikationsprobleme und Missverständnisse“ auszuräumen, sagen die Deutschen. Näder hat sich in einem Brief an den WADA-Präsidenten John Fahey (Australien) beschwert und sagt nun, man wolle in der nächsten Woche in Frankfurt „einen geraden Strich ziehen und eine Erklärung abgeben“. Gotzmann garnierte ihre etwas diffusen Ausführungen dennoch mit verbalen Spitzen gegen Howman. Irgendwelche Beweise für die Behauptungen, wer wann was gesagt hat, wurden nicht vorgelegt – was überhaupt typisch für die NADA ist.