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Stellungnahme(n) für den Sportausschuss zur Nationalen Strategie Sportgroßveranstaltungen

Gewesene und munter weiter tagträumende Olympiabewerber Mronz (FDP), Rücker (DOSB), Laschet (CDU) – IOC-Gottheit (FDP), einst in Lausanne. (Foto: IOC/Greg Martin)

Lektüre. Umfangreiche Lektüre. Dieser Beitrag wird durch Original-Dokumente ergänzt. Für den Abend Dienstagabend hatten BMI und DOSB flink noch ein sogenanntes Hintergrundgespräch angesetzt, es geht halt um die Kommunikationsherrschaft, die man längst verloren hat. Aber schaun mer mal – und lassen Dokumente sprechen.

Für das Hintergrundgespräch waren natürlich einige Journalisten, die derlei Themen beackern, das sind ja nicht viele, nicht geladen. Wie das so ist. Zitieren dürfen soll man auch nicht. Sagen wir es deshalb zunächst so: Es hat sich zusätzlich einiges bestätigt, was ich in meinem Papier skizziert habe. Es ist teilweise viel schlimmer. Der parlamentarische Ausschuss tagt – aber diejenigen, die kontrolliert und gezügelt werden sollten, haben sich längst geeinigt.

Immerhin, das Papier wurde gut gelesen. Vertreter von BMI und DOSB haben mehrfach zitiert und sind sogar bis zum Ende meiner Stellungnahme gekommen.

Hier zunächst meine eigene Stellungnahme als Einzelsachverständiger zur öffentlichen [sic] Anhörung im Sportausschuss des Bundestages am Mittwoch, 3. März 2021. Dazu, zum Vergleich, die Stellungnahme des DOSB – darunter einige Dokumente, die in meiner Ausarbeitung erwähnt sind, machen Sie sich selbst ein Bild. Eben kam als letztes Papier gerade noch die Stellungnahme des BMI rein. Noch so ein komisches Detail. Auf die merkwürdigen Usancen bin ich ausführlich eingegangen und werde das in den nächsten Tagen noch ausführlicher tun.

Die Anhörung findet am Mittwoch um 14.00 Uhr statt und wird im Bundestags-TV live übertragen. Nebenan beim Sportausschuss finden sich weitere Stellungnahmen.

Stay tuned.

Stellungnahme JW zum Dauer-Scheitern von deutschen Olympiabewerbungen und zur Nationalen Strategie Sportgroßveranstaltungen (die noch unter Sperrfrist ist):

195308_-Stellungsnahme_Weinreich_03032021

Der verzweifelte Versuch von DOSB und BMI, die Kommunikationsherrschaft zu erlangen

Das kann man mal so stehen lassen. Hier das gerade vom DOSB bereitgestellte Dokument zu einem weiteren bizarren Termin in Sachen Olympiabewerbung 2032 – eine Antwort auf die Herren Laschet und Mronz.

Paradoxon Olympia 2032: Berlin ist draußen, NRW ist ein Kandidat, ohne zum Kandidaten gekürt worden zu sein.

Wer die Diskussion um die Olympischen Sommerspiele 2032 und einen Kandidaten Nordrhein-Westfalen verstehen will, muss umdenken und sollte die Chronik der Olympiavergaben seit 1991 studieren. Wir sind es gewöhnt, Olympiabewerbungen in jenen Kategorien und unter jenen Regeln zu betrachten, die das IOC Anfang der 1990er Jahre festgezurrt hatte. Viele dieser Grundsätze gelten aber nicht mehr.

Insofern ist NRW im Grunde schon ein Olympia-Kandidat, schlicht und einfach, weil sich dort ein Ministerpräsident (Armin Laschet/CDU), ein vorzüglich vernetzter Sportvermarkter (Michael Mronz/FDP) und 14 OberbürgermeisterInnen committed haben, wie es auf Neudeutsch heißt. Anfang des Jahres machten Laschet, Mronz und Veronika Rücker, die Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), dem IOC-Präsidenten Thomas Bach (FDP) in Lausanne ihre Aufwartung. Seitdem ist #NRW2032 quasi im Rennen, obwohl es noch keinen Grundsatzbeschluss des DOSB gegeben hat, der gemäß IOC-Grundgesetz (Olympische Charta) allein über eine Bewerbung entscheidet. Obwohl es einen solchen Beschluss wohl frühestens 2021 geben wird.

Dann allerdings, danach sieht derzeit vieles aus, könnten die Sommerspiele 2032 schon vergeben sein.

Zu kompliziert?

Ich sage doch, was man bisher über Olympiabewerbungen kannte und zu wissen glaubte, kann man beinahe vergessen. Heute ist (fast) alles anders und das will ich in einem länglichen Beitrag ansatzweise erklären.

Wir alle müssen dabei umdenken und alte Kategorien streichen.

Am Beispiel NRW vs Berlin heißt das:

NRW ist ein Kandidat, ohne vom DOSB gekürt worden zu sein.

Berlin ist nichts, ohne vom DOSB dazu gekürt worden zu sein.

Kronzeugenregelung und Schutz von Whistleblowern im deutschen Anti-Doping-Gesetz

DOHA. Am kommenden Mittwoch tagt der Sportausschuss im Bundestag ausnahmsweise öffentlich. Nur deshalb stelle ich nach langer Zeit mal wieder Dokumente zur Diskussion – die Stellungnahmen der Sachverständigen zur Evaluierung des Anti-Doping-Gesetzes, das am 10. Dezember 2015 erlassen wurde. Die Sachverständigen und Organisationen (DOSB, NADA, Athleten Deutschland, Thomas Weikert, Oberstaatsanwalt Kai Gräber, Deutscher Anwaltverein) sind sich darin einig, dass das Gesetz verbessert werden muss. Es bedarf, so im trockenen Juristendeutsch, beispielsweise und vor allem „der Einführung einer gesonderten Kronzeugenregelung“ inklusive eines besseren Schutzes für Whistleblower.

Nachgetragen wurde die Stellungnahme des Sportrechtlers Rainer Cherkeh aus Hannover.

live aus PyeongChang (15): Fähnchen wedeln bei Alfons und Philipp

BIRCH HILL GOLF CLUB/PYEONGCHANG. Moin, moin. Ist spät geworden heute und wird noch später. Musste tagsüber einige Dinge für das Magazin vorbereiten. Es soll ja gut werden. Sitze nun im Deutschen Haus, rechts vom Eingang, wo sich eben etwas zu früh das Jubelkommando formiert hatte. Olympiasieger Eric Frenzel lässt sich doch noch etwas Zeit, und später kommen auch noch die Latex-Doppel vorbei (Tobias Wendel, Tobias Arlt und Toni Eggert, Sascha Bennecken, die Rodler. Dann wird das hier noch besser aussehen …

… und Alfons Hörmann, der als DOSB-Präsident bisher eine suboptimale Performance hinlegte und der sich vorhin mächtig über die humorfreien Sprüche des DOSB-Fanreporters Philipp amüsierte, kann endlich mal ruhig schlafen. Mal schauen, ob ich das Fähnchen, was mir freundlicherweise zugeteilt wurde, durch den Abend retten kann.

Ich melde mich so oft es geht. Muss aber erstmal anderen Verpflichtungen nachkommen. Insofern könnte das hier nur ein Pflichtartikelchen werden. Mal schauen.

Beifall von so zehn bis fünfzehn Menschen gibt es gerade für die drei anderen deutschen Kombinierer, das Empfangskommando formiert sich nur für Medaillengewinner.

Live-Blog zu Olympia 2024: die DOSB-Führung zieht den Fifty-Fifty-Joker – Hamburg

Für Krautreporter habe ich dazu gedichtet: Hamburg 2024: das Problem der Einmütigkeit

Der einmütige Vorschlag des DOSB-Präsidiums an Sportdeutschland lautet Hamburg.“

Hörmann hält nicht viel von Inszenierungen. Er verkündet es, ohne die Stimme zu heben und/oder eine bedeutungsschwere Pause zu machen.

19.23 Uhr: Hörmann nennt drei Hauptpunkte, die den Ausschlag gegeben hätten:

1) Stimmungslage in der jeweiligen Stadtgesellschaft
2) klares Votum der Fachverbände
3) „Expertenrunde“, die „in der Gesamtschau dessen, was der olympische Geist für das Projekt ausmachen kann, uns nochmal wichtige Hinweise gegeben hat“ … (Herrje. Was für ein Quatsch.)

19.21 Uhr:

Nicht einstimmig, sondern einmütig.“

19.16 Uhr: „Hamburg ist eine echte Agenda-City“, sagt Hörmann. Und jetzt beginnt die Arbeit.

19.14 Uhr: Mehrheit der Spitzenverbände sei für Hamburg gewesen. 18 pro Hamburg, 4 pro Berlin, der Rest für beide = unentschieden.

Der Sport im Koalitionsvertrag von CDU/CSU/SPD: „möglichst flächendeckende Einführung von Good Governance Standards“ und andere Rätsel

Naturgemäß spielt der Sport eine untergeordnete Rolle, wenn ein politisches Machtbündnis in einen Koalitionsvertrag (pdf) gegossen wird. Voraussetzung für Inhalte wären ja zunächst überzeugende sportpolitische Konzepte.

Den Bundes-Sportpolitikern der Union traue ich nicht zu, die Vokabel Konzept fehlerfrei zu buchstabieren und an diesem komischen K-Dingens interessiert zu sein. Sie haben den Sportausschuss zum Grüßausschuss verkommen lassen, überflüssig gemacht und sinnvolle sportpolitische Ansätze aus anderen Fraktionen in der Regel boykottiert.

Das ist alles umfangreich beschrieben und belegt. Die Initiativen zu einem Gesetz gegen Doping und Sportbetrug, das den Namen wirklich verdient, kamen aus den Ländern, vor allem von Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU), die nie locker gelassen hat. Etliche Dokumente dazu und der Verlauf der Diskussion in diesem Jahr sind in diesem Beitrag und den Kommentaren verlinkt. Ihr erster Entwurf eines so genannten Sportschutzgesetzes ist nun schon vier Jahre alt.

Hier also die wenigen Passagen aus dem Koalitionsvertrag zum Sport. Präzise betrachtet geht es auf den 185 Seiten auf einer Seite wirklich um den Sport, die gemäß DOSB-Propaganda „größte Bürgerbewegung Deutschlands“ (der Begriff fehlt im Vertrag nicht). Beim ersten Überfliegen sage ich: man legt sich nicht fest.

IOC-Countdown (10 Tage): Sportausschuss-Sondersitzung, Kinderdoping, Thomas Bachs Schmalspur-Taktik & more

Der Hausherr auf dem Flug nach Südamerika. Da wir hier bekanntlich das Bach’sche Wahlkampf-Motto „Einheit in Vielfalt“ hochhalten, darf ich für einen Teil der Wochenendunterhaltung sorgen: mit viel Lesestoff für den Montag, zur Sondersitzung des Bundestags-Sportausschusses zur Dopingstudie. Auch wenn jw diesem Gremium bekanntlich nicht (mehr) sonderlich viel Bedeutung beimisst. Es gibt also eine Mischung aus zeithistorischer Recherche – die ausgebaute Version eines Artikels für die Berliner Zeitung zu einigen Schwachstellen des Berliner Studienteils – und Vorschau auf die Sitzung. Zu beidem die wichtigsten Dokumente, inklusive der bisher einzige parlamentarische Antrag aus dem Ausschuss zum Thema, der politischen Gestaltungswillen dokumentiert. Er kommt, wie so oft, von den Grünen. Los geht’s:

* * *

Selten war die Fallhöhe so groß wie für diese Sitzung des Bundestags-Sportausschusses, die Sondersitzung am Montag. Sie ist, ausnahmsweise, öffentlich; man hat einen größeren Saal gebucht, Phönix überträgt live. Auch eine hübsche oppositionelle Unverschämtheit steht auf der Agenda: Die Grünen haben nach dem IOC/DOSB-Kniefall vor dem russischen Anti-Homosexuellen-Gesetz noch schnell einen zusätzlichen TOP zu Sotschi aufsetzen lassen. Aber zuerst wird die von Forschern aus Berlin und Münster erarbeitete Studie „Doping in Deutschland“ debattiert. Bekanntlich wurde sie erst nach öffentlichem Druck teilpubliziert und sorgte im Sport zunächst für nervöse Anspannung. Nur war bald klar, dass ihre Ergebnisse doch ziemlich willkürlich zum „systematischen Staatsdoping West“ hochgejazzt worden sind – und nun erhoffen sich die notorischen Bremser leichtes Spiel.

IOC-Countdown (11 Tage): Kandidat mit Säbel oder: Bach lässt Anwalt Schertz schreiben (II)

tl;dr: Summary for the rapidly growing international audience on this independent journalistic website devoted to transparency in sport, the fight against corruption in sport, investigative journalism and the so-called Olympic movement:

Thomas Bach, widely seen as the favorite in IOC’s presidential race, which will be decided in Buenos Aires, September 10th, but losing ground in several polls, continues to get nervousobviously.

He has hired Berlin-based lawyer Christian Schertz, who continues to send emails and letters with threatening content to journalists for doing their job – which means: they investigated, they asked questions. […]

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[caption id="attachment_17669" align="aligncenter" width="580"]Thomas Bach, Angela Merkel Foto: Regierung Online/Grabowsky[/caption]

Vor zwei Wochen habe ich erwähnt, wie der so genannte Prominentenanwalt Christian Schertz in Namen des IOC-Präsidentschaftsfavoriten Thomas Bach (FDP) die freie Journalistin Grit Hartmann unter Druck setzt. Auf einfachste, höflich und fachgerecht formulierte Fragen zu Bachs Vergangenheit als Fechter in Tauberbischofsheim (und seiner medizinischen Betreuung) gab es keine inhaltliche Antwort.

Thomas Bach: Lebenssachverhalte im nationalen Interesse (III). UDIOCM sagt dem Sportausschuss ab

Hoppala, und schon folgt der Nachtrag zu den vielfältigen Lebenssachverhalten.

Am Tag des Besuches beim Bundesinnenminister fand der deutsche IOC-Präsidentschaftskandidaten-noch-Favorit die Zeit, seinen Besuch am Montag bei der Sondersitzung (ausnahmsweise öffentlich, heißt es) des zahn- und meist auch willenlosen Sportausschusses des Bundestages abzusagen. Dort soll das Forschungsprojekt Doping besprochen werden.

Hier sein Schreiben an die DLV-Vizepräsidentin Dagmar Freitag (SPD):

[caption id="attachment_17691" align="aligncenter" width="724"]Seite 1 Seite 1[/caption]