blogging guidelines

„Wem gehört der Sport? Journalismus, TV-Rechte und die Kontrolle der Bilder im Zeitalter von Twitter“

VANCOUVER. Ich habe gestern im Beitrag „Vancouver 2010: die ersten Olympischen Social-Media-Spiele“ gefragt, ob ich nicht einen Text von René Martens aus der Zeitschrift Funkkorrespondenz veröffentlichen könne, der mir sehr wichtig scheint. Dieter Anschlag, Chefredakteur der Funkkorrespondenz, reagierte schnell und stellt den Beitrag zur Verfügung. Vielen Dank.

Martens liefert für meine Begriffe einen ziemlich guten Überblick zum Thema, habe das bisher nirgendwo sonst so ausführlich und vielschichtig gelesen. Manches scheint schon wieder überholt, was im Twitter-Zeitalter nicht verwundert, anderes ließe sich in der Diskussion ausbauen und ergänzen. Ich habe den Beitrag mit Gewinn gelesen. (Verlinkungen muss ich mir aus Zeitgründen leider diesmal sparen, sorry.)

Wem gehört der Sport?

Journalismus, TV-Rechte und die Kontrolle der Bilder im Zeitalter von Twitter

von René Martens

Man darf ihn durchaus als wegweisend bezeichnen, den Vortrag, den David Schlesinger, Chefredakteur von Reuters News, im Juni dieses Jahres vor der Pressekommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hielt. „Rethinking rights, accreditation, and journalism itself in the age of twitter“, lautete der Titel. Übertragungsrechte, Akkreditierungsregelungen und der Journalismus selbst müssten also im Zeitalter von Twitter komplett überdacht werden. Bemerkenswert ist die Forderung nicht zuletzt deshalb, weil sie ein renommierter Vertreter der alten Medienwelt formuliert hat. Neben dem in seiner Überschrift erwähnten Mikroblogging-Service Twitter, der Nutzern auf 140 Zeichen beschränkte Mitteilungen ermöglicht, ging Schlesinger auch auf das soziale Netzwerk Facebook ein. Beide Dienste spielen in dieser Diskussion eine zentrale Rolle, weil sie es jedem Journalisten und jedem Stadionbesucher erlauben, zwar nicht live, aber nur geringfügig zeitversetzt von einem Sportereignis zu berichten, ohne dafür einen nennenswerten Aufwand betreiben zu müssen.

Vancouver 2010: die ersten Olympischen Social-Media-Spiele

VANCOUVER. Wie versprochen, noch einige Zeilen zu den IOC-Blogger-Richtlinien für Olympia-Akkreditierte. Je länger ich darüber nachdenke, desto skandalöser finde ich es. Glaube auch nicht, dass diese Restriktionen aufrechtzuerhalten sind im digitalen Zeitalter, wo alle Grenzen verschwimmen und jeder zum Publisher wird. Werde sicher in den kommenden Tagen einige Male drauf eingehen und zumindest einige Aspekte der hochkomplexen Thematik anreißen. In der Vorbereitung auf diesen Beitrag habe ich einen langen Artikel von René Martens in der Funkkorrespondenz vom Dezember 2009 gelesen („Wem gehört der Sport?“). Der Artikel ist nicht frei verfügbar. Würde das liebend gern als Gastbeitrag veröffentlichen und/oder mindestens auf das Original verlinken, just in case, René Martens liest mit …

Nun aber mein aktuelles Geschichtlein:

Die Dienstmeldung von Lindsey Vonn kam überraschend. Die weltbeste alpine Skirennfahrerin teilte auf Twitter und Facebook mit:

Hey Everyone, because of the Olympic rules (blackout period) I will not be able to post any updates from now until march 3rd. Sorry, it bums me out too! Even though I won’t be able to write to you I can still get your messages so keep them coming! :) xoxo Lv

Es wird hier jetzt eine Weile ruhig. Gemäß den olympischen Richtlinien darf ich mich bis Anfang März nicht melden. Die Nachricht verbreitete sich Ende vergangener Woche in Windeseile. 25.000 bestätigte Fans hat Vonn auf Facebook, dem mit bald 400 Millionen Nutzern größten Online-Netzwerk der Welt. 35.000 Menschen folgen ihren Kurznachrichten auf Twitter. Vonn ist bei den Winterspielen in Vancouver eine Hauptrolle zugedacht. Gerade posierte sie auf dem Olympia-Cover von Sports Illustrated. Und nun das.

Das IOC verbietet Lindsey Vonn zu bloggen? Im Nu war das Thema ganz groß in den herkömmlichen Medien. Kaum eine amerikanische Zeitung, kaum ein Internetportal, kaum eine TV-Station, die nicht berichtete.

Das Problem war nur: Lindsey Vonn hatte die „IOC Blogging Guidelines“ nicht gelesen und sich aufs Hörensagen verlassen. Vom amerikanischen Olympiakomitee USOC und vom IOC wurde sie umgehend aufgeklärt. Standesgemäß via Twitter.

„Lindsey Vonn dachte, sie dürfe während der Spiele nichts posten“, sagte mir IOC-Kommunikationsdirektor Mark Adams. „Das stimmt nicht. Wir haben sofort getwittert und ihr die Regeln geschickt. Ich räume ein, dass die Regeln vielleicht etwas schwer zu verstehen sind. Es ist nun mal eine neue Ära. Es ist schwer, die Regeln den rasanten Entwicklungen im Bereich Social Media anzupassen.“

Das IOC hat die 13 Regeln für Vancouver im September 2009 veröffentlicht. Die „Blogging Guidelines“ (englische Version, deutsche Version) gelten für alle Olympia-Akkreditierte – mit Ausnahme von Journalisten. Deren Arbeit ist durch Artikel 49 der Olympischen Charta geschützt, sagt das IOC.

49  Media Coverage of the Olympic Games

1. The IOC takes all necessary steps in order to ensure the fullest coverage by the different media and the widest possible audience in the world for the Olympic Games.

2. All decisions concerning the coverage of the Olympic Games by the media rest within the competence of the IOC.

Bye-law to Rule 49

1. It is an objective of the Olympic Movement that, through its contents, the media coverage of the Olympic Games should spread and promote the principles and values of Olympism.

2. The IOC Executive Board establishes all technical regulations and requirements regarding media coverage of the Olympic Games in an IOC Media Guide, which forms an integral part of the Host City Contract. The contents of the IOC Media Guide, and all other instructions of the IOC Executive Board, are binding for any and all persons involved in media coverage of the Olympic Games.

3. Only those persons accredited as media may act as journalists, reporters or in any other media capacity. Under no circumstances, throughout the duration of the Olympic Games, may any athlete, coach, official, press attaché or any other accredited participant act as a journalist or in any other media capacity.

Die IOC-Blogger-Richtlinien für Olympiateilnehmer

VANCOUVER. Die Frage, wie Sportler sich während der Olympischen Winterspiele im Bereich Social Media äußern dürfen, ob es ihnen vielleicht gar verboten ist, Blogs zu betreiben etc. pp., hat nun doch für einige Verwirrung gesorgt. Nicht in Deutschland, aber in den USA, nachdem ausgerechnet Lindsey Vonn der Meinung war, nicht bloggen zu dürfen. (Cover: SI.com)

Ich habe die Geschichte aufgeschrieben, Hintergründe umrissen und den Beitrag einigen Medien angeboten. Mehr dazu später, wenn ich den Text bloggemäß mit Quellen und weiterführenden Infos aufbereite. Über die „IOC Blogging Guidelines“ (für Sportler, Betreuer u.a.) und die „IOC Internet Guidelines“ (für Journalisten) haben wir ja bereits ein wenig diskutiert. Auch dieses Thema ist etwas größer, als ich zunächst angenommen hatte. Es ist hochkomplex, zentral für das IOC und sehr interessant. Ich denke, dazu werde ich in den kommenden drei Wochen etliche Mosaikstückchen anbieten.

Hier zunächst mal die deutsche Übersetzung der „IOC Blogging Guidelines„, die der DOSB seinen Sportlern mit auf den Weg gibt:

IOC Blogging-Richtlinien für akkreditierte Personen zu den XXI. Olympischen Winterspielen, Vancouver 2010

Die vorliegenden Richtlinien wurden für Personen mit Akkreditierung („akkreditierte Personen“) zu den XXI. Olympischen Winterspielen, Vancouver 2010 (die „Spiele“) entwickelt, die persönliche Blogs führen, welche der Allgemeinheit zugänglich sind und beliebige Inhalte im Zusammenhang mit ihren persönlichen Erfahrungen und ihrer Teilnahme an den Spielen enthalten („olympische Inhalte“), und zwar von der Öffnung des Olympischen Dorfes am 4. Februar 2010 bis zur Schließung des Olympischen Dorfes am 3. März 2010. Sie gelten auch für akkreditierte Personen, die olympische Inhalte auf den Internetseiten von anderen Personen einstellen.

Das IOC sieht das Bloggen in Übereinstimmung mit den vorliegenden Richtlinien als eine rechtmäßige Form des persönlichen Ausdrucks und nicht als eine Form des Journalismus. Deswegen ist das IOC nicht der Ansicht, dass Blogs von akkreditierten Personen, die den vorliegenden Richtlinien entsprechen, dem Absatz 3 der Vorschriften zur Regel 49 der Olympischen Charta entgegenstehen, wo es heißt: „Nur Personen, die als Medienvertreter akkreditiert sind, können als Journalisten, Reporter oder in einer anderen Medien-Eigenschaft tätig werden.“

Außerdem müssen Personen, die eine Akkreditierung für die Spiele besitzen, die Olympische Charta beachten.

1. Definition von „Blog“

Zum Zwecke dieser Richtlinien, ist ein Blog eine spezielle Internetseite, wo Einträge gemacht werden (wie in einem Journal oder Tagebuch), die normalerweise in umgekehrter chronologischer Reihenfolge angezeigt werden, und der breiten Öffentlichkeit zugänglich ist.

2. Persönliche Informationen

Wenn Personen mit einer Akkreditierung für die Spiele olympische Inhalte veröffentlichen, müssen diese ausschließlich auf die eigene Olympia-Erfahrung begrenzt sein. Unbeschadet der Allgemeingültigkeit des zuvor Gesagten, sollen Blogs von akkreditieren Personen die Form eines Tagebuchs oder Journals haben und keinesfalls Interviews mit anderen akkreditierten Personen oder Geschichten über diese enthalten.

Akkreditierte Personen sollen keine Informationen vertraulicher oder privater Art über Dritte preisgeben, wie zum Beispiel Informationen, die die Sicherheit, Durchführung und Organisation der Spiele und, gegebenenfalls, die jeweiligen Olympiateams der akkreditierten Personen oder die Privatsphäre einer anderen akkreditierten Person gefährden können.

Auf jeden Fall müssen Olympia-Blogs akkreditierter Personen jederzeit dem Olympischen Geist und den Grundsätzen der Olympischen Idee entsprechen, wie sie in der Olympischen Charta enthalten sind; sie müssen würdig sein und dem guten Geschmack entsprechen.

3. Kein Ton und keine bewegten Bilder von den Spielen

Die Verbreitung von bewegten Bildern der Spiele durch gleich welches Medium, einschließlich Darstellung per Internet, ist Bestandteil des Rechts am geistigen Eigentum, das das IOC besitzt. Es dürfen keine vertonten oder bewegten Bilder (einschließlich Sequenzen von Standfotos, die bewegte Bilder simulieren) von olympischen Veranstaltungen jeder Art zur Verfügung gestellt werden, egal ob direkt oder zeitverzögert und unabhängig von der Quelle, einschließlich sportliches Geschehen, Eröffnungsfeier, Schlusszeremonie und Medaillenvergabe oder sonstige Tätigkeiten, die in einem Bereich stattfinden, für dessen Betreten ein olympischer Identitätsnachweis und eine Akkreditierungskarte (oder eine Eintrittskarte) erforderlich sind – z.B. Wettkampf- und Trainingsorte, Olympisches Dorf, Hauptpressezentrum („Akkreditierungsbereiche“).