tokio 2020

Tokio, was vom Tage übrig bleibt (23. Juli 21): Naomi Ōsaka

TDLR: In einem so konservativen, nationalistischen Land wie Japan ist es alles andere als selbstverständlich, die Tochter einer Japanerin (aus Hokkaido, die Leute von dort sind so etwas wie die Aborigines Japans) und eines Haitianers, die in den USA aufgewachsen ist, mit dieser symbolträchtigen, historischen Aufgabe zu betrauen, das olympische Feuer zu entzünden. Eine junge Frau, die sich politisch engagiert. Eine Schwarze. Für ein Land wie Japan ist das schon fast eine Revolution. Das ist mehr als nur Marketing für Olympia, das hat eine politische Dimension.

Beidhändig: Naomi Ōsaka in fremdem Terrain. (Foto: IMAGO / GEPA pictures)

live-Blog von der Friedensnobelpreisgala der Corona Games

TOKYO. Moin, moin. Ich bin dann mal los. In guter alter Olympia-Tradition soll es auch heute ein live-Blog von der Eröffnungsfeier geben, die um 13.00 Uhr MESZ beginnt (20.00 Ortszeit) und wohl rund vier Stunden dauert. Seit 2008 gibt es zu Eröffnungsfeiern immer ein live-Blog in diesem Theater, wenn ich mich nicht täusche: Peking, Vancouver, London, Sotschi, Rio de Janeiro, PyeongChang – und nun Tokio. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich nicht alleine bleibe und wir diese Tradition angemessen fortsetzen, als virtuelle Eröffnungsfeiergemeinde.

Tatsächlich, habe mich nicht getäuscht:

  1. Peking, die Eröffnungsfeier
  2. Vancouver, die Eröffnungsfeier
  3. #London2012 (IX): live-Blog Eröffnungsfeier, „Isles of Wonder“ (der Hit schlechthin)
  4. live-Blog zu Wladimir Wladimirowitschs Olympia-Eröffnungsfeier #Sochi2014
  5. live aus Rio (7): Eröffnungsfeier im Mario-Götze-Mausoleum
  6. live aus PyeongChang (10): Thomas Bachs IOC-Friedensnobelpreiswunschgala™

Also, hereinspaziert in dieses Theater. Wir müssen gemeinsam sehr sehr tapfer sein, wenn die olympische Fackel der Welt heute das Ende des dunklen Corona-Tunnels erleuchtet (oder so ähnlich, ist jetzt egal, ich werde das heute noch hundertmal durchdeklinieren in allen Varianten) und dabei dem Weltfrieden unschätzbare Dienste leistet.

Danke, Thomas, Du Friedensengel und The Greatest IOC Leader of All Time (TGIOCLOAT).

Vor dem Olympiamuseum gleich gegenüber des Nationalstadions steht übrigens auch eine Coubertin-Plastik. Das wird der Thomas vor der Eröffnungsfeier wohl nochmal mit dem Pierre ein Plausch halten, so wie er es im olympischen Garten am Olympic House in Vidy gern macht und davon erzählt.

Viel Vergnügen!

Tokio, was vom Tage übrig bleibt (22. Juli 21)

Medal and medal case. (Foto: TOCOG)

URAYASU/TOKYO. In wenigen Stunden beginnen die Corona Games, doch ich habe bereits die Übersicht verloren. Wie um Himmels soll ich Sie vernünftig durch diese Olympischen Sommerspiele lotsen und Ihnen täglich vernünftige Ansätze und damit minimalen Mehrwert liefern? Welche Flasche schreibt da einen Tokio Newsletter?

Die Geschichte heute klingt leicht depressiv, hat allerdings einen informativen Charakter, letzteres will ich Ihnen nahe bringen.

Passt nicht zusammen, sagen Sie? Mal schauen.

Tokio, was vom Tage übrig bleibt (21. Juli 21)

Für diesen Newsletter, der aus Tokio bis 10. August täglich erscheint, können Sie sich hier anmelden, dann erhalten Sie den kompletten Newsletter aktuell. Im Blog veröffentliche ich tags darauf jeweils eine eingedampfte Variante. Nach den Spielen erscheint der Newsletter wöchentlich. Nach diesen Spielen ist schon vor den Olympischen Winterspielen in Peking und der Fußball-WM in Katar – machen Sie sich aus etwas gefasst!

Wer zuletzt lacht: Rheinländer Mronz, Rücker, Laschet – Profi Bach. (Foto: IOC/Greg Martin)

Tokio Newsletter 3

URAYASU/TOKYO. Ich hatte eigentlich vor, mit einem anderen Bild aufzumachen. Aber herrje, Ehre wem Ehre gebührt – konzentrieren wir uns zunächst auf die deutsche Tragödie, die sich hinter der heutigen Vergabe der Spiele der XXXV. Olympiade an Brisbane versteckt. Hat ja genug Schlagzeilen über die sportpolitischen Narrenspiele gegeben in den vergangenen Monaten. Drei der vier Deutschen da oben waren noch vor wenigen Wochen absolut davon überzeugt, das IOC würde frühestens im Sommer 2022 die Olympischen Spiele 2032 vergeben. Oder eben später. Irgendwann.

Jetzt stellen Sie sich vor, eine Person von den vieren dort oben würde demnächst Bundeskanzler, eine andere Person schaffte es tatsächlich, den Friedensnobelpreis zu akquirieren, eine dritte Person nähme für Olympia 2036 neuen Anlauf, wahrscheinlich sogar mit Bundesmitteln unterstützt, und eine vierte Person bliebe im Amt an der Spitze der DOSB-Administration, obwohl sie Unfähigkeit hinreichend unter Beweis gestellt hat und mitverantwortlich ist für ein Klima der Angst in der Belegschaft.

Sie möchten sich das nicht vorstellen? 

Sie wollen lieber auswandern?

Es ist Ihre Entscheidung. Handeln Sie bitte nicht übereilt!

live von der 138. IOC-Session (Tag 2): Pandemiebewältigungs-Onanie

TOKYO/URAYASU. Da sammer wieder. Viel Vergnügen!

It is a very very special day, sagt der TGIOCLOAT. Sehe ich auch so. Jeder Tag, an dem man durcharbeiten kann, ist etwas Besonderes. Aber ich bin nur ein einzelnes Menschenkind. Die Herrschaften auf der IOC-Session bekämpfen die weltweite Pandemie und sichern den Weltfrieden. Gerade sprach der UN-Generalsekretär schon wieder eine Video-Grußwort, Thomas Bach (FDP) und Jochen Färber, sein Zeremonienmeister, haben die Videoschnipsel fein aufgeteilt, das reicht für ein paar Tage. Hach, und überhaupt, wie der Größte IOC-Präsident aller Zeiten gerade ausführt, auch die Beziehungen des IOC zur Weltgesundheitsorganisation WHO wachsen und wachsen und wachsen und werden besser und besser und besser. Nun die Keynote von Tedros Adhanom Ghebreyesus.

„Thank you so much, my friend Thomas“, sagt der Äthiopier.

Ich höre die Glöckchen der Friedensnobelpreisengelchen klingeln.

Nun aber kümmere ich mich um mein Frühstücks-Süppchen.

Tokio, was vom Tage übrig bleibt (20. Juli 21)

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Tokio Newsletter 3

11th-hour cancellation of the Olympic Games?

Klar kenne ich die alte Regel, wonach Fragezeichen besser nicht in Überschriften gehören. Aber jede Regel ist dazu da, um sie zu brechen. Und diese Frage, wie das TOCOG-Chef Toshiro Muto vor wenigen Stunden gemeint haben könnte, ob er eine Absage der Corona Games in letzter Minute tatsächlich nicht ausgeschlossen haben sollte, diese Frage beschäftigt seither Tokio. Die Meldung wurde von der Nachrichtenagentur Reuters verbreitet. Wenn ich es richtig sehe, dann ist die Konkurrenz von AP nicht darauf eingestiegen, noch nicht vielleicht. Ein Kollege schrieb mir, Reuters hatte mehrere Reporter bei der Pressekonferenz mit Muto, auch native speaker. Insofern ist ein Übersetzungsfehler ausgeschlossen.

Es ging um die mittlerweile 67 Fälle von Corona-Infizierten unter für die Sommerspiele akkreditierten Personen seit dem 1. Juli 2021. Das ist die Reuters-Passage im englischen Original:

Asked at a news conference if the global sporting showpiece might still be cancelled, Toshiro Muto said he would keep an eye on infection numbers and liase with other organisers if necessary. „We can’t predict what will happen with the number of coronavirus cases. So we will continue discussions if there is a spike in cases,“ said Muto.

live von der 138. IOC-Session (Tag 1)

TOKYO. Ich bleibe in meiner Herberge an der Tokyo Bay in Urayasu, obwohl ich erstmals ins MPC könnte. Denn die IOC-Herrschaften tagen in Tokio im Okura Hotel. Dort darf kein Journalist rein, nicht einmal in die Nähe, verbotene Zone. Das heißt, vielleicht lassen sie einige rein, die ihnen genehm sind, who knows. Mit bedeutungsschwerer Stimme hat Jochen Färber als Zeremonienmeister die Session eingeleitet. Japans Premier Yoshihide Suga und TGIOCLOAT Thomas Bach (FDP) kamen selbstverständlich gemeinsam – und das gesamte IOC erhob sich.

So mag es der Thomas.

Leaders of the World in einem Leading Hotel of the World. (Screenshot IOC/Youtube)

Wer es noch nicht mitbekommen haben sollte:

  • TGIOCLOAT steht für The Greatest IOC Leader Of All Time.

Es kann nur einen geben.

Auf geht’s, viel Spaß heute in diesem Theater!

Und noch das: Es ist die 138. IOC-Session. Davon habe ich 31 vor Ort erlebt – und zehn weitere vom Schreibtisch aus betreut. 41 von 138. Ich bin ein Fossil.

Tokio, was vom Tage übrig bleibt (19. Juli 21) – weitere Einschränkungen für Pressevertreter

URAYASU. Einige Anmerkungen zur Nachtruhe. Doch zunächst: einen täglichen Olympia-Newsletter gibt es jetzt auch: Hier zu buchen.

Da ich noch mit anderen Themen beschäftigt bin, bin ich noch nicht im Nachrichtenflow. Aber dafür gibt es ja Twitter – und weltumspannende Agenturen. Bei Olympia ist es unmöglich, alles zu überblicken. Kein Genie schafft das. Jeder, der sich auf dem Raumschiff Olympia herumtreibt, muss aufpassen, dass er nicht nur mitgetrieben wird, sondern etwas mehr als nur das mitbekommt, was ihm im Mikrokosmos zwischen Hotel, Medienzentrum, Venue widerfährt. Mag sein, dass in der Corona-Blase von Tokio die Ablenkung viel geringer ist als sonst, wenn man sich halbwegs frei bewegen kann. Dafür geht viel Zeit mit anderen Dingen drauf.

Dass einige Arbeitswochen für die Vorbereitung verloren gingen, habe ich mehrfach skizziert. Bei gewöhnlichen Olympischen Spielen akkreditiert man sich mit einem Einzeiler beim DOSB, als Firma (ob großes Medienunternehmen oder Freelancer), irgendwann kommt die Bestätigung oder die Ablehnung, danach sind im Grunde nur noch zwei oder drei Termine wichtig: Unterkunft buchen, meist geht das nur über die Organisationskomitees, dann die namentliche Meldung der Akkreditierten – manchmal gibt es Nachfragen. Das war’s dann schon. Normalerweise kostet das vielleicht 1-2 Arbeitstage über einen Zeitraum von 1,5 Jahren gestreckt. Diesmal waren es viele Tage bis mehrere Wochen in der heißen Phase seit Ende Mai. Verlorene Zeit. Aber an diesem Punkt war ich bereits.

Es zeichnet sich ab, auch das hatte ich bereits angedeutet, dass so wenige Pressevertreter in Tokio sein werden, wie seit Jahrzehnten nicht. Das Gros derjenigen, die unter dem Label „Medien“ akkreditiert sind, gehört ja zum Fernsehen, inklusive der IOC-Firmen unter dem Dach OBS.

Die Quote, also die Obergrenze, für die E-Akkreditierungen (Press) liegt bei 6.000 für Tokio. Die Zahl der TV-Akkreditierungen (größtenteils Techniker, Produktion) beträgt ein Mehrfaches. Die Fotografen will ich nicht unterschlagen, kommen auch dazu. Bin gern bereit das zu korrigieren und mir an dieser Stelle wirklich nicht sicher, ich glaube aber, insgesamt lag die Zahl der „Medien“-Akkreditierungen schon mal bei mehr als 30.000. Ich hole diese Angaben nach.

Ich hatte vergangene Woche bereits geschrieben, dass über den DOSB 260 Presse-Akkreditierungen verteilt wurden – bis Ende Juni gab es fast ein Viertel Rückläufer, so viel wie nie. Inzwischen sollte sich die Zahl der Absagen weiter erhöht haben. Auch das wird aktualisiert.

Nun mal der internationale Aspekt, und hier wird es richtig spannend:

IOC und TOCOG rechneten noch mit 5.000 Pressevertretern in Tokio (von ursprünglich 6.000).

Am Montagmorgen waren lediglich 1.700-1.800 Pressevertreter eingereist.

Ich hatte es beschrieben: Die Abschreckungstaktik wirkt.

Wenn die Kraft nicht mehr zum Weinen reicht: über Zahnspangen, Ruinen, Drogen und Caipirinha in Eimern

URAYASU. So, Freunde der Nacht: Es folgt der nächste lange Riemen. Es ist Sonntag, die Corona Games stehen vor der Tür, was gibt es da Schöneres, als eine Lektüre, um anschließend einen der Olympia-Pässe zu buchen?

Heute jammere ich nicht über langsames Internet und den ersten verpassten Corona-Test, sondern bleibe gut gelaunt optimistisch: Ich serviere olympische Geschichte, relativ nah erlebt und erlitten. Viele Themen, die uns bis Mitte August in diesem Theater beschäftigen werden, töne ich an. Über allem stehen die immer wieder jungen Fragen, ein Leitmotiv dieser Webseite:

  • Was darf man glauben?
  • Dürfen wir überhaupt etwas glauben von der Bilderflut, die uns das IOC-Fernsehen serviert?

Es ist vor Olympischen Spielen Tradition, dass ich ein bisschen von jenen Spielen erzähle, die ich vor Ort erlebt habe. Mein Sohn sagt in derlei Momenten gern: „Papa erzählt vom Krieg.“ Doch was wissen Pubertierende schon. Ich habe das vor Peking gemacht, denke ich, vor London und vor Rio de Janeiro – und jetzt wieder. Das mache ich sehr gern. Ich habe mir deshalb aber nicht angeschaut, was ich vor fünf, vor neun und vor dreizehn Jahren dazu geschrieben habe. Mit den Jahren verblasst so manche Erinnerung, anderes erscheint einem plötzlich wichtiger. Gut so.

Man nennt das auch: Leben.

Ich habe mich nicht bei allen Olympischen Spielen nur um das IOC, Doping und wirtschaftliche und sportpolitische Hintergründe gekümmert. Lange Zeit habe ich bei Sommerspielen sehr umfangreich über Sport berichtet, mit all seinen Auswüchsen: Ich habe meistens durchweg die olympischen Kernsportarten betreut, jene beiden Sportarten, die schon 1896 im Programm standen und bis heute die meisten Olympia-Entscheidungen aufweisen: Schwimmen und Leichtathletik. Immer in dieser Reihenfolge: Eine Woche Schwimmen, dann überschneidet es sich ein paar Tage, dann Leichtathletik bis zur Schlussfeier.

Es war, trotz allem, ziemlich großartig, selbst wenn sich der eine oder die andere vielleicht an Rio de Janeiro erinnern, als ich den Weltrekord von Wayde van Niekerk über die Stadionrunde erlebte und sofort das MacBook zuklappte und das Weite suchte. Dazu gleich mehr. Ich glaube, damals hatte ich versprochen, nicht wieder in einem olympisches Leichtathletikstadion zu sitzen. In Tokio gehe ich dennoch wieder. Warum? Das will ich erklären.

Beginnen wir aber, damit das erledigt ist, mit der traditionellen Kammer des Schreckens:

Falls wieder ein witziger Schlaumeier fragen sollte: Nein, die Angaben zum Körpergewicht werde ich nicht nachtragen.

Und schon beginnt die olympische Weltreise:

Live aus Tokio: „Vakzine gegen virale IOC-Narrative“

URAYASU. Eingeweihte werden bei dieser Ortsmarke aufhorchen. Von wegen Tokyo, was erzählt der Typ? Urayasu, ist das nicht fast Chiba?

Korrekt. Aber das ist mir im Moment so was von egal.

Adrenalin ist alles nach 32 Stunden Reise.

Und für mich ist der Großraum Tokio mit seinen mehr als 37 Millionen Einwohnern, vielleicht gar schon 40 Millionen, who knows, ohnehin meist: Tokio. Obwohl ich die Unterschiede zwischen Yokohama, Kawasaki, Saitama, Tokyo, Shinjuku oder eben Chiba schon ein bisschen kenne, von vielen Besuchen gerade in den letzten Jahren. Das erste Mal war ich 1998 in Japan, bei den Winterspielen in Nagano. Damals sind wir mit dem Bus von Narita nach Nagano kutschiert wurden, wie eine Reisegruppe, mit Pinkel-Aufenthalten auf Raststätten. Weißt Du noch, Barbara? Sechs Stunden müssten das gewesen sein. Nagano liegt ein paar Hundert Kilometer entfernt in den Bergen.

Eben habe ich vom Touchdown von QR806 in Narita bis zum Einchecken im Hotel knapp acht Stunden gebraucht. So ist das mit den COVID-19-Countermeasures.

Vom Wert des Journalismus bei den Propagandaspielen in Tokio

Ich bin dann mal weg. Der nächste große Text, ähnlich lang wie dieser Riemen hier, kommt am Freitag aus Tokio. Und darauf freue ich mich sehr – auf den nächsten Text, weniger auf das Abenteuer in Nippon. Ich bin zwar gern in Tokio, doch diesmal ist alles anders, aber es muss dennoch sein, das versuche ich, Ihnen an dieser Stelle in 23.000 Zeichen und etwa 17 Minuten Lesezeit zu begründen. Hoffe, dass Sie so lange durchhalten.

Olympische Spiele in der Pandemie sind ein unkalkulierbares Risiko. Dennoch ziehen das Internationale Olympische Komitee (IOC), Japans Regierung und das Tokyo Organising Committee of the Olympic and Paralympic Games (TOCOG) das Projekt Corona Games durch – gegen den Willen der Mehrheit der japanischen Bevölkerung (dazu frische Zahlen). Doch in bestimmten Medien und von gewissen Journalisten wird der Supreme Leader des IOC, der den Personenkult pflegt, schon wieder in eine Art Heldenstatus versetzt. Er tut und macht nun wirklich alles für die Athleten, der Thomas Bach (FDP), der unermüdliche Diener am Weltfrieden. Am Freitag, zum Beispiel, macht er in Hiroshima alles für die Sportler, und ja, ein klitzekleines bisschen für den Friedensnobelpreis.

Und am Tag vor Hiroshima dies:

Kurzum: Sie tragen weiter dick auf. Sie kennen keine Grenzen. Sie sind schamlos. Sie briefen Reporter in ungezählten sogenannten Hintergrundgesprächen. Alles folgt einem großen Skript.

Licht am Ende des Tunnels. Sichere Spiele. Weltfrieden.

So Sachen.

Mir graut schon vor der Eröffnungsfeier. Es wird immer schlimmer. Das lässt sich eigentlich nur an der Seite von Holger Gertz ertragen, wie so oft bei Eröffnungsfeiern. Weiß gar nicht, ob er sich das antut. Würde mir aber gefallen.

Und dabei sind die Corona Games nur die Overtüre für die nächsten Propagandaspiele in einem halben Jahr in China, die Winterspiele 2022 bei Bachs Sportkameraden in Peking. Deren Büttel, als Reporter getarnte Geheimdienstler, dürfen seit Jahren sogar ungestraft in Lausanne im Palace Hotel des IOC Journalisten angreifen:

Lausanne 2015: Chinesischer Stasimann mit Medien-Akkreditierung schlägt Tibet-Protest nieder – und schlägt mir auf die Kamera.

Corona Games – globale Skepsis

Jörg Mebus hat auf Twitter auf eine interessante Untersuchung des Marktforschungsinstituts Ipsos aufmerksam gemacht, die gestern veröffentlicht wurde:

Attitudes to the Tokyo 2020 Summer Olympics.

Hier das komplette Papier:

Ipsos-Global-Advisor-Toyko-Summer-Olympics-report-1

Ich habe im Dokument bislang vergeblich nach einem Auftraggeber gesucht, vielleicht habe ich etwas übersehen. Wäre top, wenn es jemand in die Kommentare schreiben könnte.

Jedenfalls, wenig überraschend: Die Skepsis gegenüber den Corona Games ist weltweit groß – am größten im Gastgeberland Japan. Das ist nicht neu, bleibt aber absurd.

Andererseits: Unter 28 Nationen ist demnach das Olympia-Interesse in Indien, Südafrika und China am größten – das geringste Interesse besteht in Deutschland, Frankreich, Japan, Südkorea und Belgien. Zwei Länder mit IOC-Präsidenten dabei, Deutschland hat den aktuellen (Thomas Bach/FDP), Belgien den Vorgänger und jetzigen Ehrenpräsidenten (Jacques Rogge).