thomas kistner

Erklärung des sportnetzwerks zur Affäre Theo Zwanziger

Der DFB-Präsident tauscht Pressefreiheit gegen Diffamierung: Das sportnetzwerk fordert Widerruf von Theo Zwanziger

Die im und dem sportnetzwerk, der Qualitätsoffensive im Sportjournalismus, verbundenen Journalisten und Freunde des Sports fordern den Deutschen Fußball-Bund (DFB) auf, unverzüglich mit einer öffentlich wahrnehmbaren und eindeutigen Geste die Diffamierung des sportnetzwerk-Mitgründers Jens Weinreich zu beenden.

Jens Weinreich – Wächterpreisträger, Buch- und Filmautor, international anerkannter Experte für Sportpolitik, langjähriger Sportchef der Berliner Zeitung – wurde vom DFB am 14. November in einer bislang beispiellosen Art und Weise verleumdet. Nachdem der DFB in der rechtlichen Auseinandersetzung um einen Blog-Kommentar von Weinreich zu Zwanzigers Äußerungen gegen Pläne des Bundeskartellamtes und die Formulierung, Zwanziger sei ein „unglaublicher Demagoge“, vor dem Landgericht und dem Kammergericht Berlin unterlegen war, verbreitete der DFB eine Pressemitteilung, in der diese Gerichtsbeschlüsse verschwiegen wurden. Statt dessen wurde Jens Weinreich vom DFB-Präsidium, vom DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach und vom DFB-Pressesprecher Harald Stenger mit Unwahrheiten und diffamierenden Behauptungen überzogen. Generalsekretär Niersbach hat mehr als 100 Exponenten der Sportpolitik – unter ihnen DOSB-Präsident Thomas Bach, die Mitglieder des Bundestags-Sportausschusses sowie die Spitzen von DFB und Deutscher Fußball-Liga (DFL) – aufgefordert, die Diffamierungen „argumentativ zu verwerten“.

Dieses gezielte Einwirken auf Weinreichs Berufsumfeld ist ein Versuch, das in diesem Fall zweifach juristisch bestätigte Grundrecht auf Meinungsfreiheit auszuhebeln. Es ist eine Handlungsanweisung zur Aushöhlung der Pressefreiheit.

Was vom Tage übrig bleibt (10)

Zackzack, einige Lesebefehle:

  • Das Heidelberger Zentrum für Dopingprävention um den Spiritus Rector Gerhard Treutlein hat einen neuen Internet-Auftritt: www.contra-doping.de
  • Schon ein paar Tage alt, dennoch gut und amüsant und passend für diese Rubrik: Johannes Kopp spricht in der taz mit Berend Breitenstein, Präsident von German Natural Bodybuilder, über den Einsatz von Lügendetektoren bei der, nun ja, Dopingbekämpfung: „Urintests reichen nicht mehr“.
  • In der Frankfurter Rundschau erörtert Frank Hellmann einige interessante Fragen nach dem Marathon-Sieg des angeblich 20 Jahre alten Kenianers Kiprono Cheruiyot: „Wenn der Zweifel mitläuft“.

Neues vom UDIOCM: In der Siemens-Affäre hat es hier bereits die eine oder andere Meldung gegeben. Ein Autoren-Trio (Klaus Ott, Thomas Kistner und Uwe Ritzer) berichtet in der Süddeutschen Zeitung (Ausgabe vom 25. Oktober, nicht online verfügbar) über ein gewisses „Desinteresse“ der Staatsanwaltschaft im Rahmen des Schelsky-Prozesses:

„Schumacher aussi positif!“

screenshot lequipe: "Schumacher aussi positif!"

Das ist aber eine Überraschung! Damit hätte doch wohl niemand gerechnet! Radfahrer gedopt! Na so was! Die Meldung stammt von der L’Equipe: „Schumacher aussi positif!“ In Deutschland hat Thomas Kistner in der SZ am schnellsten reagiert. Schade nur, dass dadurch die Geschichte von Ralf Meutgens und Anno Hecker in der FAZ ein bisschen untergeht: „Heute keine Dopingkontrollen“. Aber man kann das ja im Zusammenhang sehen. (Kleine Gemeinheit am Rande: Der FAZ-Radsportredakteur muss nur mal Kollegen schreiben lassen, schon liest man dort exklusive Geschichten!)

Von Stefan Schumacher, dem Rad-Schumi, der nun im vierten Anlauf nach 2005, 2007 und 2008 überführt wurde, wird dieser Satz übermittelt:

Ich kann nur sagen, dass ich nicht gedopt habe, das ist völliger Schwachsinn.

Achja.

Peking, Tag 6

09.15: Das RSS-Problem: Die Feeds funktionieren nicht mehr. Ich bin überfragt und habe auch keine Zeit, das zu lösen. Habe gestern schon am Feedburner geschraubt. Vergeblich. Tut mir leid. Wer lesen will, muss also direkt aufs Blog gehen.

[caption id="attachment_445" align="aligncenter" width="471"]Schwank, Nowitzki, Vesper PK mit dem Fahnenträger in spe[/caption]

11.13: Die Herren links und rechts heißen Bernhard Schwank und Michael Vesper. Schwank war mal NOK-Generalsekretär und ist heute DOSB-Leis­tungs­sport­direktor. Vesper war mal Politiker, ist es eigentlich immer noch, hat nur offenbar ein paar Grundsätzen abgeschworen, und fungiert jetzt als Ausputzer für das jüngste deutsche IOC-Mitglied als DOSB-Generaldirektor.

Habe ich jemanden vergessen? Den Herrn in der Mitte, klar: Dirk Nowitzki, Multimillionär und deutscher Fahnenträger am Freitag bei der Eröffnungsfeier. Ganz überraschend kam das nicht. Macht auch nichts, dass Vesper den Fahnenträger als „Gerd Nowitzki, äh Dirk Nowitzki“ vorstellte. Kann passieren in der Aufregung.

Wiener Blut

Die ARD, zwangsgebührenfinanzierter Kuschelsender, zeigte gestern Abend ausnahmsweise nicht Rummelboxen, sondern: Star-Biathlon mit Jörg Pilawa und Axel Schulz (screenshot). Gewitzelt wurde auch über Doping, natürlich: Etwa, als sich Pilawa – begleitet von Klängen der Tatort-Musik – auf die Spur seiner Promis machte und Johann Lafer dabei ertappte, wie er sich „unangekündigt, ohne sich abzumelden“ aus dem Trainingscamp entfernte. Skandal! Lustig! Öffentlich-rechtlich! Star-Biathlon: dämlicher, armseliger und entlarvender hätte die ARD-Woche wirklich nicht enden können.

Screenshot ARD

Investigativjournalismus a la ARD

Das primäre Thema der Woche, das leider etwas in Vergessenheit geriet, hieß ja eigentlich: Eigenblutdoping. Ich lasse mal außer Acht, welche prominenten Sportler, welche deutschen Olympiasieger womöglich, sich an Wiener und anderen Blutbanken bedient haben könnten. Man hört so einiges, aber man darf es nicht schreiben und auch nicht senden. Schon sind wir mitten im sekundären Thema, das in dieser Woche zum primären Thema wurde:

Wenn Journalisten, die Fragen stellen und versuchen zu recherchieren – es soll ja solche Journalisten geben -, immer gleich alles schreiben oder senden würden, was sie so hören, dann hätten wir viele Skandale mehr. Kurzzeit-Skandälchen allerdings, denn diese Journalisten würden fast alle Gerichtsgänge verlieren.

[Disclosure: Ich habe schon Gegendarstellungen kassiert und Unterlassungs­erklärungen abgeben müssen. Für dumme Fehler und für lächerliche Kleinigkeiten, deren Wertung im Ermessen der Presse-Richter liegt. Ich habe erlebt, dass Richter mir nicht einmal Fragen stellen, weil sie nicht interessiert sind an den wirklichen Sachverhalten, sondern weil sie tendenziell doch eher auf der Seite der Ange­grif­fenen stehen. Ich weiß wie es ist, wenn man eigentlich vieles weiß, wenn einem Betroffene auch im vertraulichen Gespräch dieses und jenes bestätigen, aber gleichzeitig sagen, dass sie öffentlich alles abstreiten würden. Es bringt allerdings nichts, dagegen anzujammern, man muss die Niederlage einstecken und sich bemühen, genau das dokumentieren zu können, was strittig war oder was man vor Gericht noch nicht hundertprozentig dokumentieren konnte.]

Nach dieser langen Vorrede werde ich konkreter: Wer nicht dokumentieren kann, dass angeblich Dutzende deutsche Wintersportler zu den Kunden einer Wiener Blutbank zählen, der sollte daraus keine Exklusivmeldung basteln, sondern einfach mal schweigen – und weiter recherchieren. Das wäre die journalistisch saubere Lösung gewesen. Dann hätte es die Irrungen und Wirrungen dieser Woche nicht gegeben, die künftige investigative Arbeit im Sport und erst recht die Aufklärung der Wiener Blutbank-Affäre erschweren.