süddeutsche zeitung

IOC-Ehrenpräsident Samaranch und der KGB

JAS, Guatemala 2007

IOC-Ehrenpräsident Juan Antonio Samaranch hat einst dem Diktator Franco im Range eines Sport-Staatssekretärs gedient. Erst jüngst wurde in Spanien wieder über Fotos debattiert, die den 89-Jährigen mit erhobenem Arm zeigen – beim Faschistengruß. Nun behaupten russische Autoren, Samaranch sei Agent des sowjetischen Geheimdienstes KGB gewesen.

„Der KGB spielt Schach“ heißt ein auf Russisch frisch erschienenes Buch. Darin geht es vor allem um den Einfluss des Geheimdienstes auf die Schach-Elite der Sowjetunion, um atemraubende Machenschaften bis hin zu Mordkomplotten. Neben dem Historiker Juri Felschtinski zählen die Schach-Großmeister Wiktor Kortschnoi und Boris Gulko zu den Autoren – sowie Wladimir Popow, ehemals ranghoher KGB-Führungsoffizier. Popow hat einst hunderte Quellen und Agenten im Sportbusiness geführt und bearbeitet. Er behauptet: KGB-Sportagent war nicht nur der langjährige Schach-Weltmeister Anatoli Karpow (Deckname Raul), sondern auch Juan Antonio Samaranch, IOC-Präsident von 1980 bis 2001.

Was vom Tage übrig bleibt (41): „Dream Chasers“

„Samaranch must resign“ fordert die Initiative Democracy and Dignity in Sport – wer mag, kann die Initiative mit seiner Stimme unterstützen.

[caption id="attachment_29105" align="aligncenter" width="556"]The olympic movement cannot honour Falangists - Samaranch must resign Juan Antonio in bester Gesellschaft beim halbseitigen ‚Armkrafttraining‘ — Screenshot ‚Democracy and Dignity in Sport‘[/caption]

Reckt er nicht vorbildlich seinen rechten Arm zum Gruß, der Falangist Juan Antonio Samaranch? Der Senior ist inzwischen stolze 88 Jahre alt, war kürzlich bei der Leichtathletik-WM Stammgast im Berliner Olympiastadion und werkelt munter für die Olympiabewerbung Madrids, auch wenn sein Filius anderes erzählt.

Lasse sich nur niemand von gelegentlichen Äußerungen täuschen, das Foto sei „gerade aufgetaucht“. Andrew Jennings, der Anfang der 1990er Jahre gemeinsam mit katalanischen Gefährten in Barcelonas Archiven schon andere Fotos ausgegraben hat, veröffentlichte das Bild vor einem Jahr kurz vor den Olympischen Spielen in Peking – verbunden mit der rhetorischen Frage:

Johanna Sperling: „Bitte weist es zurück, seid stolz darauf!“

Dies ist die (extrem verkürzte) Geschichte eines der bewegendsten Dokumente von Zivilcourage, das ich zum Themenkomplex Doping je gesehen habe. Dieser Brief stammt aus dem Jahr 1963. Johanna Sperling hat damals in ihre „Sperlinge“, wie sie die von ihr betreuten Rudererinnen nannte, ins Trainingslager der DDR-Nationalmannschaft für die EM in Moskau geschrieben. Es ist das „erste Dokument eines individuellen Widerstands“, sagt Werner Franke. Ich habe mit einigen Dopingaufklärern darüber gesprochen. Niemand kennt etwas Vergleichbares.

[caption id="attachment_4933" align="aligncenter" width="816"]Eilsendung: An die Sperlinge, Berlin-Grünau, Regattastraße 211 Der Umschlag… Eilsendung an die „Sperlinge“ im Trainingslager[/caption]

Was diesen Brief so besonders macht, ist diese Passage:

Leichtathletik-WM, Tag 4: Robert Harting, das Adrenalin und die Dopingopfer

7.58 Uhr: Ich glaube, ich bin schon wach. Weiß es aber nicht genau. Während ich noch recherchiere, ob ich tatsächlich wach bin und, sollte ich herausgefunden habe, dass ich wach bin, dann sicherlich den kürzesten Weg ins Olympiastadion ins Parkverbot ansteuere, spreche ich mal flink einen Lesebefehl aus:

  • Die Journalisten-Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung bastelt während der WM vom Hotel Sylter Hof aus am Blog: Mehr als Laufen

Ich war vergangenen Freitag zu einer Diskussion dort zu Gast und schwer beeindruckt von Engagement und Technik. Dumm nur, dass die Verhanldungen mit dem BOC, um den Kollegen für das Projekt Akkreditierungen ausstellen wollte, nach rund einem Jahr traurig endeten: Es gibt keine Akkreditierungen. Dabei ist doch so viel Platz im Stadion.

9.51 Uhr: Was ich gestern vergessen hatte. Am Nachmittag bekam ich einen Anruf von der Berliner Polizei. Dachte zunächst, irgendein Anwalt habe mich verklagt oder es sei bereits ein Haftbefehl ausgesprochen worden. Mein zweiter Gedanke war: die haben dein Auto abgeschleppt. Der Mann erkundigte sich aber nur freundlich nach der Demonstration, die ich vor dem Olympiastadion plane, ob ich denn die Verteilung von 20.000 Doping-Schutzmasken angemeldet habe. Er hatte davon in diesem Internetdingens gelesen. Ooops.

Wie die Leichtathletik-WM nach Berlin kam

[caption id="attachment_4652" align="aligncenter" width="544"]Jubel bei Schily, Wowi & Co. Happy End in Helsinki, Dezember 2004 — WM-Sieg für Berlin![/caption]

So war das damals, am 4. Dezember 2004, als das IAAF-Council die Leichtathletik-WM 2009 an Berlin vergab. Da freuten sich Otto Schily, Clemens Prokop, Klaus Wowereit, Klaus Böger, Dagmar Freitag und einige andere der üblichen Verdächtigen.

Der Weg zur WM war steinig und lang. Er war, nicht nur gelegentlich, kurios. Und oft genug auch aufregend. Ich habe mal eine kleine Chronik zusammengestellt, wie Berlin an diese WM kam. Es ist wirklich nur eine Andeutung der vielen Geschichten. Aus Zeitgründen kann ich kaum etwas verlinken. Ich habe selbst viel dazu in der Berliner Zeitung geschrieben, etliche Textpassagen finden sich in der Chronik.

Robert Harting macht sich Gedanken …

Komme gerade vom Workshop der NADA, sitze noch in Köln auf dem Flughafen, da lese ich, dass Robert „Shaggy“ Harting, Diskuswerfer und Kampfrichter aus dem WM-Werbe-Video, in einem Interview mit Christian Rotter vom Mannheimer Morgen laut nachgedacht hat. Die Passage, die derzeit Schlagzeilen macht:

Sie haben Ihre eigene Homepage zur „dopingfreien“ Zone erklärt – wie wichtig ist Ihnen der offene Umgang mit diesem heiklen Thema?

Harting: Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen. Sport und Doping gehören leider so zusammen wie Henne und Ei. Wenn gedopt wird, stellt das den Sport in den Hintergrund – und zwar zurecht. Man darf zwar keinen Generalverdacht aussprechen. Aber das Problem ist, dass Sportler wie ich, die einen Riesenverschleiß am eigenen Körper erzeugen, weil sie nicht dopen, um den Lohn für ihre ehrliche Arbeit gebracht werden.

Verzweifeln Sie manchmal?

Harting: Wo Geld ist, wird gedopt. Eigentlich ist es sinnlos, gegen diese Tatsache anzukämpfen. In der Formel 1 wird auch getunt, um die Boliden weiterzuentwickeln und die Zeiten zu verbessern – und dort ist das erlaubt. Manchmal frage ich mich, ob es nicht besser wäre, Doping in irgendeiner Form zu erlauben, so knallhart sich das auch anhören mag. Dann würde sich zumindest niemand mehr darüber aufregen.

Renaissance der Gänsefüsschen: „DDR-Doping“, „Bock“, „Ullrich“, „Stasi“, „Verbotenes“ und eine „Opferdebatte“

Eine „Sonderermittlungskommission“ des „Deutschen Skiverbandes“ hat sich zu den „Doping-Ver­dachts­momenten“ und zur „sonstigen Belastung“ der ehemaligen „DDR“- und heutigen „Bundestrainern“ „Frank Ullrich“ und „Wilfried Bock“ nun ja: „geäußert“.

Ich empfehle vor oder nach der Lektüre der DSV-Pressemitteilung (hier oder hier) folgende Beiträge:

Die Pressemitteilung in voller Länge:

„DDR-Doping“ – Kommission legt Abschlussbericht vor

DSV-Pressestelle am 27.07.2009 – 11:58 Uhr

Die fünfköpfige Kommission „DDR-Doping“, die vom Präsidium des Deutschen Skiverbandes beauftragt worden war, die Doping-Ver­dachts­momente gegen die ehemaligen DDR-Trainer Frank Ullrich und Wilfried Bock zu untersuchen, hat ihre Arbeit beendet und ihren Abschlussbericht vorgelegt.

Was vom Tage übrig bleibt (38): Möchtegern-Dopingjäger jagt „Claudias Boyfriend“

Während die wegen dringenden Blutdopingverdachts gesperrte deutsche Rekord-Winterolympionikin Claudia Pechstein auf ihrer Webseite weiter – Achtung, Kommentar – Unsinn verbreitet und über „Möchtegern-Dopingjäger“ unter den Journalisten schimpft, wird der Fall spannender.

Mit den Elaboraten der Dame, die wohl eher von ihren Beratern fabriziert werden (die gern auch bei den vielen Interviews dabei sind und korrigierend eingreifen), will ich mich gar nicht weiter befassen. Kann jeder nachlesen. Viel interessanter ist, was einer dieser „Möchtegern-Dopingjäger“ gestern in der Süddeutschen Zeitung schreibt.

Lesebefehl:

Der „Möchtegern-Dopingjäger“ Thomas Kistner, der mir nicht ganz unbekannt ist, erzählt eine spannende Geschichte, die sich am 17. Juli 2009 in Hamar zugetragen hat, dort wo Claudia Pechstein 1994 Olympiasiegerin geworden war und im Februar 2009 nach wiederholt extrem erhöhten Retikulozytenwerten ihren vorerst letzten Wettkampf absolvierte:

Bundestag zu München 2018: “demokratiewidriger Striptease”?

Hoppala, eine neue Website taucht auf. Die der Olympiabewerbung von München und Satelliten für die Winterspiele 2018. Na ja, noch nicht ganz, aber ganz bestimmt bald wird das eine richtige Anlaufstelle für alle Informationshungrigen. Bestimmt finden sich dann dort auch sämtliche Finanzpläne, Hochrechnungen und etliche andere Dokumente. Gewiss.

[caption id="attachment_4075" align="aligncenter" width="299"]Screenshot muenchen2018.org www.muenchen2018.org[/caption]

Kurz vor dem Ende der Legislaturperiode soll übrigens im Bundestag noch flink ein Antrag zur Unterstützung der Münchner Olympiabewerbung durchgebracht werden. Die Drucksache 16/13481, eingebracht von den Fraktionen SPD, CDU/CSU und FDP, wird am Mittwoch vom Sportausschuss abgesegnet und gelangt einen Tag später ins Parlament. Im ersten von acht Unterpunkten des Antrages heißt es: Die Olympiabewerbung sei eine nationale Aufgabe. Im zweiten Punkt kommt es zum Kern: „Der Bundestag fordert die Bundesregierung auf, die Olympiabewerbung weiterhin zu fördern und zu unterstützen.“

Mario Goijman und die Nachwehen des Volleygates

Ich habe Mario Goijman, den tapferen Argentinier, schon oft gewürdigt, hier und anderswo. Ich hatte Tränen in den Augen, als der wunderbare Mario 2005 bei der vierten Play-the-Game-Konferenz in Kopenhagen den Ehrenpreis erhielt. Die Bekanntschaft mit Goijman, sein unglaublicher Kampf, sein fulminanter Vortrag damals und seine einzigartige Webseite, auf der er das VOLLEYGATE dokumentiert, haben mich schwer beeindruckt – und mir wohl auch einen Energieschub verschafft. Denn nach dieser Erfahrung habe ich damals, unmittelbar nach Play the Game 2005, die sportnetzwerk-Diskussion eröffnet.

Ich sehe gerade, dass Goijmans Webseite zum Volleygate nicht erreichbar ist und weiß gar nicht, ob er sie wegen juristischer Probleme aus dem Netz nehmen musste. Deshalb die Empfehlung zu Play the Game, wo zahlreiche Artikel, Links, Dokumente etc. zum Volleygate zusammen gestellt sind. Außerdem empfehle ich die Beiträge von Javier Cáceres (Süddeutsche) und Christian Putsch (Die Welt). Mario Goijman hat (s)ein Kapitel zum Buch „Korruption im Sport“ geschrieben: „the breathtaking story of King Rubén and Queen Malú“.

Lange Vorrede, nun zum Thema: Goijman hat einen verzehrenden Kampf gegen den Sonnenkönig Acosta, die Schweizer Justiz und die Ignoranz des IOC ausgefochten. Er hat diesen ungleichen Kampf mit seinem Vermögen bezahlt, mit seiner Gesundheit, mit seiner Ehe, mit seinen Ehrenämtern. Nun wird er sogar von der argentinischen Justiz belangt, weil er damals, als Organisationschef der Volleyball-WM 2002, für die Vergehen seines Vertragspartners (FIVB/Acosta) gerade stehen musste. Gerade hat Mario Goijman in einer traurigen Email seine Teilnahme an der sechsten Auflage von Play the Game in Coventry absagen müssen.

So trifft es einen, der die Probleme nicht in der Sportfamilie lösen will, sondern Transparenz herstellt, Korruption aufdeckt und Gerechtigkeit vor Gericht einfordert. So trifft es einen, der sich selbst als Whistleblower und Sport Justice Fighter bezeichnet. Bitte unbedingt lesen!

Von: mario goijman
Gesendet: Dienstag, 9. Juni 2009 17:12
An: Jens Sejer Andersen; Ezequiel Fernández Moores, Pablo Vignone, Andrew Jennings, Henrik Brandt, Jens Weinreich
Betreff: RE: Last information for Play the Game speakers

Buenos Aires, Jun 9  2009 

Dear Play the Games friends. 

I have sad tears in my eyes and a great depression in my chest. Also when I sat in front of my Computer I can not hold my strong sensation of injustice and my loneliness.

Most of the people I know had forgotten what happened in Argentina and Switzerland with my fight inside my sport: Volleyball; they seem to remember that something unfair and not clear occurred since 2002, and the World Championship held in my country, and a following fight in Lausanne, but they don’t remember details about it, and the names of Ruben Acosta, Mario Goijman, Jean Pierre Seppey and the FIVB (International Volleyball Federation) are confused in their minds.

Thanks to Play the Games I had now the opportunity to remind them the facts, that made that organization to give me the PLAY THE GAME AWARD 2005, for my fight against corruption in Sport, and to know from first hand what happened after that, inside the FIVB, and mainly in the Lausanne Courts. 

But the Mario Goijman you knew in 2002 or 2005 is different now.

Damaged by the fight, being ignored by many of the silent (accomplices for omission) participants in the Volleyball World, damaged by their disloyalty to principles and justice, and dominated by dirty interest, or scared to intervene while and innocent, proactive and honest leader from a country very far away from the main world was lynched.