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live aus PyeongChang (26): Russland, Gold und Dopingfall Nummer zwei


ALPENSIA. Die russische Olympiamannschaft hat ihren zweiten Dopingfall. Diesmal hat es die Bobpilotin Nadeschda Sergejewa erwischt, die Zwölfte geworden war und auch schon 2014 in Sotschi teilgenommen hatte. Wieder soll es sich um ein Herzmittel handeln. Beim zuvor zweimal positiv getesteten Curlingspieler Alexander Kruschelnizkij war es Meldonium, bei Sergejewa ist es Trimetazidin. Den Fall bestätigte am Freitagabend der Präsident des russischen Bobverbandes, Alexander Subkow. Diesem wiederum wurden wegen Dopings seine beiden Goldmedaillen von Sotschi aberkannt. Subkow ist lebenslang von den Olympischen Spielen ausgeschlossen, Wladimir Putins Vorzeigesportler darf aber problemlos seine Funktionärsposten ausüben. Man sei sich „der Auswirkungen des Vorfalls auf das Schicksal des gesamten Teams bewusst“, hieß es.

In der Zeitung „Sport Express“, quasi Verlautbarungsorgan des russischen Olympiakomitees (ROK) und der Delegationsleitung der „Olympiasportler aus Russland“ (OAR), wurde OAR-Chef Stanislaw Posdnjakow zitiert, der durch die „Fahrlässigkeit der Sportlerin“, die „alle enttäuscht“ habe, negative Auswirkungen befürchtet. Im Grunde ist Sergejewa Wiederholungstäterin. Sie war im März 2016 positiv auf Meldonium getestet worden, wurde allerdings wegen geringfügiger Konzentration dieses Mittels nicht gesperrt. Die IOC-Kommissionen, die angeblich die russischen Olympiasportler auf Herz und Nieren überprüft haben, hielten Sergejewa dennoch für olympiawürdig.

Das Institut Nationaler Anti-Doping-Agenturen (iNADO) fordert IOC-Mitglieder in einem OffenenBrief auf, sich mehr für jene sauberen Sportler einzusetzen, die bei mehreren Olympischen Spielen (Peking, London, Sotschi) nachweislich auf breiter Front von den Russen betrogen worden sind. Die Suspendierung der russischen NOK müsse aufrechterhalten werden. Alles andere widerspräche der behaupteten Null-Toleranz-Haltung des IOC.

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live aus PyeongChang (24): … und es sprach Schamil Tarpischtschew

Der aktuelle Stand zur möglichen Aufhebung der elfeinhalb-Wochen-Suspendierung des russischen NOK, live aus dem IOC-Hotel in Alpensia, wo Putins Vertrauter Igor Levitin, der gestern Thomas Bach traf, gerade mit Schamil Tarpischtschew speist und ihn einweist. Mit Stimmen von OARIG-Chefin Nicole Hoevertsz, Baron Pierre-Olivier Beckers-Vieujant, Gian Franco Kasper, Schamil Tarpischtschew, John Coates und Ausflüchten von Levitin – ach, und Dick Pound natürlich.

Der alte Herr ist gestrandet. Gian Franco Kasper saß zu lange in einem Meeting mit den Organisatoren der kommenden Olympischen Winterspiele 2022 in Peking. Nun schafft er es nicht mehr rechtzeitig zur Entscheidung im Männer-Slalom im Yongpyong Alpine Centre. Also studiert Kasper, Präsident des Ski-Weltverbandes FIS und Exekutivmitglied des IOC, in der Lobby des Hotels Intercontinental seine nächsten Termine und sondiert die Meldungen des Tages. Die Russen. Natürlich, die Russen.

„Bei uns haben sind sie gut aufgetreten, viele junge Leute“, sagt Kasper, „das muss nun endlich ein Ende haben.“

Soll das Nationale Olympische Komitee Russlands (ROK), erst seit 5. Dezember 2017 von der IOC-Führung wegen des Staatsdopingsystems suspendiert, zur Schlussfeier am Sonntag schon wieder zugelassen werden?

Kaper sagt: „Das ist Sache dieser Kommission von, wie heißt sie nochmal: Nicole Hoevertsz? Ein Dopingfall allein sollte das nicht verhindern.“

Es sei ja nur Curling. Doping im Curling, irgendwie komisch.

So hört man es dieser Tage von vielen im IOC-Umfeld. Und es klang stets danach, als sollte nichts, aber auch gar nichts die Vorgabe des IOC-Präsidenten Thomas Bach verhindern, der im Dezember in Lausanne von einem Schlussstrich unter die Russland-Diskussion gesprochen hatte.

Der Dopingfall ist nun amtlich.

live aus PyeongChang (23): alkoholfreies Bier und Freifahrt für Russland

ALPENSIA. Während ich gerade mit Elena Anikina die bezaubernden Vorträge der Eisköniginnen Jewgenija Medwedewa und Alina Zagitowa verfolge und in Erinnerungen an Marina Klimowa/Sergej Ponomarenko schwelge, vorab eine wichtige Richtigstellung:

Fehler schleichen sich manchmal ein und halten sich hartnäckig über mehrere Tage. Dann fragt Mann sich, OMG, wie konnte das passieren? Zum russischen Dopingfall ist mir diese dumme Ungenauigkeit unterlaufen:

Ich habe den ersten von mittlerweile offenbar zwei positiven Tests von Alexander Kruschnelnizki immer auf den 22. Januar und das vorolympische Trainingslager datiert.

Stimmt nicht.

Was offenbar stimmt, irgendwann werden wir es ja wohl offiziell wissen dürfen, heute oder morgen, nach dem Schiedsspruch der Ad-hoc-Division des CAS: Es gab positive Tests nach dem Halbfinale und nach der Entscheidung im Mixed Curling. Beide werden quasi zu einem Fall zusammengefasst. Und was es mit dem 22. Januar auf sich hat: An diesem Tag wurde die achte Trainingskontrolle von Alexander Kruschnelnizki seit Oktober 2015 genommen. Alle acht sollen negativ gewesen sein.

Ich werde mal schauen, wie ich das in die Beiträge der vergangenen Tage korrigierend einbringe. Grundsätzlich ändert das ja nichts an den Sachverhalten und Abläufen und Äußerungen und Tendenzen, die ich darüber hinaus geschildert und skizziert habe. Hatte ja etliche Beiträge anderer Medien verlinkt und hoffe, die Kollegen haben das stets klar und korrekt wieder gegeben.

So, und jetzt weiter mit IOC-Schelte.

live aus PyeongChang (22): ein bisschen Anerkennung

ALPENSIA/GANGNEUNG. Ich bin enttäuscht. Bad. So bad. Olympia ist unter Thomas Bach auch nicht mehr das, was es einmal war.

Die Urkunden, in denen IOC und Organisationskomitee (POCOG) Journalisten wie mir für den Beitrag zum Erfolg Olympischer Spiele danken, sind recht unpersönlich gehalten. Unter Samaranch und Rogge gab es diese Zertifikate noch mit vollem Namen des Gewürdigten.

Sad. So sad.

16.16 Uhr: Trinke meinen Kaffee in der Alibaba Lounge im Gangneung Olympic Park. Kommt doch plötzlich der Mann hinein, der den 800-Millionen-Dollar-Deal von Alibaba und IOC eingefädelt hat. Kenne ihn seit vielen Jahren. „Versteckst Du Dich hier?“ … will er wissen. Eigentlich nicht. Und schon entspann sich eine interessante Unterhaltung. Mehr dazu Anfang März im Magazin Sport & Politics.

live aus PyeongChang (21): wenn Curler dopen und das IOC sein System zu erklären versucht

ALPENSIA. Viel wird nicht passieren auf der täglichen IOC-Pressekonferenz. Natürlich wird IOC-Propagandachef Mark Adams auf ein laufendes Doping-Verfahren verweisen, mit dem das IOC formal nichts zu tun habe. Weil ja alles total unabhängig und transparent und quasi TÜV-geprüft ablaufe.

Im Grunde also Zeitverlust. Folklore. Mann kennt derlei Ausflüchte.

Dennoch habe ich das Gefühl, manchmal Zeit verlieren zu müssen in solchen Terminen und mich dort reinzusetzen. Ein bisschen mitzuschreiben, live in diesem Theater, hilft mitunter.

11.03 Uhr: Was bis gestern Nacht zu sagen war zur Meldonium-Probe des Bronzemedaillengewinners Alexander Kruschnelnizki, habe ich hier zusammengefasst. Mal schauen, wie es weiter geht. Heute also B-Probe. Dann ad hoc Kommission des CAS, Entscheidung binnen 24 Stunden.

Ds POCOG berichtet noch über das Wetter und grandiose Zuschauerzahlen.

11.05 Uhr: Mark Adams sagt, es sei vielleicht eine sehr gute Idee, das Statement des IOC von gestern vorzulesen. Denn mehr könne man ja nicht sagen, weil alles so transparent und unabhängig ablaufe. Damit die elektronischen Medien Audio und Video bekommen, liest er also jetzt alles vor. Habe das gestern ebenfalls veröffentlicht. Hier nochmal :

We are certainly not able to identify certain people or sports.

Ich glaube, ESPN fragt nach den Behauptungen aus Russland, Meldonium sei dem Curler von einem Rivalen untergejubelt worden.

live aus PyeongChang (20): „The IOC is nothing“ und Russen dopen sogar beim Curling

ALPENSIA. Mensch, kaum lasse ich mich mal vom Sport treiben, verpasse ich das Beste:

21.18 Uhr: Nichts als Häme. Diese Journalisten. Unmöglich.

live aus PyeongChang (14): Niemand hat die Absicht, den Friedensnobelpreis zu erhalten!

[caption id="attachment_31045" align="aligncenter" width="600"] IOC President Thomas Bach visits the women’s Ice Hockey. (Photography by Greg Martin/IOC)[/caption]

ALPENSIA. Wie hat Angela Ruggiero gerade gesagt? Die Idee vom Friedensnobelpreis sei ihr einfach so gekommen. Da stecke kein Plan dahinter.

Das war ich, Angela, Eishockeyspielerin.

Aber sie habe sehr viel Zustimmung erhalten von anderen IOC-Mitgliedern.

Mark Adams, Kommunikationsdirektor des IOC, der mir auf Twitter mal die Produktion von Fake News vorgeworfen hat (wäre es so, würden sie mich täglich verklagen, sie haben schließlich alles Geld der Welt für bissige Drohanwälte aus Berlin und anderswo), sprang der Amerikanerin eben auf der Pressekonferenz geschwind und resolut beiseite. Ist ja sein Job. Seitens des IOC gebe es keinerlei Überlegungen in Sachen Friedensnobelpreis, erklärte er. „Ich bitte darum, das zu akzeptieren.“ Mitglieder dürften ihre Meinung äußern (wenn sie nicht gerade Dick Pound heißen), man sei schließlich eine demokratische Institution – oder so ähnlich.

Hach, zur Feier des Tages und um diese überzeugenden Ausführungen zu unterlegen, ergänze und und verfeinere ich meine kleine Friedensnobelpreisgeschichte, die auf SPON veröffentlicht wurde – in guter Blog-Tradition.

Gestern gab es einige Diskussionen auf Twitter, an denen sich lustiger Weise die Spindoktoren Mike Lee (Katar 2022, Doha 2020, PyeongChang 2018, London 2012, Rio 2016 u.v.a.m.), Job Tibbs (Sotschi 2014, Peking 2008, München 2018, FINA, ANOC, Ashgabat 2017, Baku 2015 u.v.a.m.) beteiligten. Auch der langjährige IOC-Marketingdirektor und Bach-Freund Michael Payne diskutierte mit. Payne ist Berater von Bernie Ecclestone und anderen und war für etliche Olympiabewerbungen tätig. Sie alle sind teuer, bekommen pro Tag, was 90 Prozent aller Menschen nicht im Monat erhalten. Dafür werkelt man dann eben auch im Auftrage diverser Alleinherrscher, Despoten, Prinzen, Emire, Monarchen, Diktatoren auf allen Kontinenten. Vielleicht lässt sich demnächst einer von denen in Nordkorea anheuern, who knows.

Diese Leute, die im Grunde immer im Auftrag von irgendjemandem agieren, meinen allen Ernstes (oder müssen das schreiben, weil sie dafür bezahlt werden), dass Journalisten, die versuchen, beim Korea-Friedensnobelpreis-Thema nicht nur hundertprozentig die IOC-Propaganda zu verbreiten, „zynisch“ agieren.

Dazu stelle ich fest: Habe selten größere Zyniker erlebt als diese Herrschaften. Kann mich sehr gut an ein Gespräch mit einem der Drei im Olympic Family Hotel in der vergangenen Woche erinnern, der die Nase rümpfte über Thomas Bach und die Friedensnobelpreisambitionen, die aus jeder Pore des IOC-Präsidentenkörpers dringen, der mir zudem zuraunte, er könne Dinge erzählen … wie es sich wirklich verhielt in der IOC-Korea-Frage.

Aber ich bin nicht gemein und verzichte darauf, das auszuplaudern.

Denn sind wir nicht alle ein bisschen Frieden? Und ein bisschen Friedenstaube?

live aus PyeongChang (13): Im russischen Haus, das nicht russisches Haus heißen darf

GANGNEUNG. Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat mal wieder Schwachsinn erzählt. Die Dopingvorwürfe gegen das große saubere Russland seien von den USA inszeniert worden, weil die Russland sonst nicht schlagen könnten. Undsoweiterundsofort. Eine Lüge nach der anderen. Aber für derlei Äußerungen der ranghöchsten russischen Politiker wird sich das IOC vielleicht gar nicht interessieren, wenn es darum geht, die Witz-Sperre des Russian Olympic Committee (ROC) schon für die Schlussfeier in PyeongChang aufzuheben. Sport und Politik werden im IOC schließlich sauber voneinander getrennt.

Sieht man am Beispiel Russland.

Sieht man auch am Beispiel Nordkorea/Südkorea (dazu gleich mal zwei Lesebefehle für Holger Gertz in der Süddeutschen Zeitung und Christoph Becker in der FAZ).

Wie war das nochmal am 5. Dezember 2017?

Was hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) angeordnet, als es das ROC für ein paar Tage, nun ja, suspendierte?

Es sollte keine russische Flagge wehen bei diesen Winterspielen, die Hymne der Staatsdopingnation sollte auch nicht gespielt werden. Das ging an den ersten beiden Wettkampftagen gut. Auf der offiziellen Webseite aber, wo die Wettkampfresultate vom IOC-Sponsor Atos Origin bestückt werden, tauchten am Sonntag für die Buckelpistenfahrerinnen Regina und Marika Rachimowa kurzzeitig die russische Fahne und das Kürzel RUS auf. Und nicht etwa: „Olympic Athlete from Russia“ (OAR).

Das Malheur wurde bald behoben.

Die russische Hymne kann man dennoch hören in Südkorea, unweit der olympischen Sportstätten, in Gangneung, Gangmun 303-4, nahe am Strand. In der so genannten Aqua Wedding Hall, nahe des Gyeongpo Beach Tourist Hotels.

Dort haben die Russen ein Sports House eingerichtet. Russisches Haus darf es nicht heißen. Nicht mal OAR House.

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Meine kleine Geschichte dazu.

„Russland in meinem Herzen.“

live aus PyeongChang (9): CAS stützt das IOC – und ein Wiedersehen im Intercontinental

ALPENSIA. Moin, moin. Habe mich für einen Besuch beim CAS gegen das Deutsche Haus und den DOSB-Hörmann entschieden. Zu den Deutschen trage ich einen Beitrag nach, vorerst aber – in fünf Minuten – die Entscheidung der Ad hoc Division des Welt-Sportgerichtshofes CAS zu gedopten Russen. Huch, darf ich das so sagen?

Raum für Verschwörungstheorien: Während das Schildchen für CAS-Generalsekretär Matthieu Reeb schon auf dem Podium steht, ist der Saal noch voller amerikanischer Sportler und Journalisten, weil das USOC gerade eine Pressekonferenz hatte.

Währenddessen, am Sonntag wird es gesendet: Ein maskierter Grigori Rodschenkow in 60 minutes.

live aus PyeongChang (6): Der Fall Pound – wer kritisiert wird attackiert

[caption id="attachment_30737" align="aligncenter" width="1024"] Wohltäter, Friedensstifter: Inszenierung mit IOC-Präsident Thomas Bach und Südkoreas Staatschef Moon Jae-In (Foto: Greg Martin/IOC)[/caption]

ALPENSIA. Im gestrigen Live-Blog von der IOC-Session habe ich die mehrstündige Diskussion zu den Auswirkungen des russischen Dopingsystems ausführlich skizziert. Zur Ergänzung empfehle ich die Berichterstattung im Live-Blog auf Insidethegames und einige andere Texte dort. Für SPIEGEL ONLINE habe ich, nach einigen Gesprächen im IOC-Hotel, eine Summary gedichtet. Hier eine überarbeitete und erweiterte Version dieses Textes, weil es mir wichtig ist und weil die Geschichte die Usancen im IOC unter Thomas Bach imho recht überzeugend beschreibt.

* * *
Im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) legt man Wert auf Etikette. So hat das dienstälteste Mitglied, Doyen genannt, auf Vollversammlungen stets das letzte Wort. Wenn der Doyen spricht, sich auch nur räuspert, wird ihm Respekt entgegengebracht. Dann lauscht das Völkchen der Weisheit des Alters. Normalerweise.

Beim korrupten brasilianischen IOC-Doyen João Havelange, der im vergangenen Jahr im biblischen Alter von 100 Jahren verstarb, war das so.

Auch bei Witali Smirnow: Der Russe, ehemals KGB-Agent und Architekt des sowjetischen Sportsystems, genoss diese Sonderstellung bis Vollendung seines 80. Lebensjahres. Seither gehört Smirnow, treuer Gefolgsmann des IOC-Präsidenten Thomas Bach, zu den Ehrenmitgliedern. Staatspräsident Wladimir Putin hat ihn mit der Führung einer Kommission beauftragt, die herausbekommen sollte, dass es in Russland doch kein Staatsdopingsystem gab. Derzeit schreitet er entspannt durch die Lobby des IOC-Hotels im Alpensia-Resort und schaut, was das Leben noch zu bieten hat für einen wie ihn.

live aus PyeongChang (3): IOC-Session, Diskussion zum Russland-Doping, Attacken auf Richard Pound

ALPENSIA. Moin, moin. Die 132. IOC-Vollversammlung (26 davon verfolgte ich bisher live vor Ort, etliche mehr online) hat im Kensington Flora Hotel begonnen. Im Tagungshotel gibt es keinen Arbeitsraum für Medienvertreter, so ist das im Reich des Thomas Bach, nur eine kleine Mixed Zone. Ich sitze deshalb im MPC und verfolge die Session online. Abends gehe ich wieder ins IOC-Hotel hier in Alpensia.

Bei der Eröffnung gestern im Gangneung Art Center hat Bach Harmonie ausrufen und den Weltfrieden beschwören lassen, wenn ich das richtig nachvollziehe. Heute lässt er mit dem Top-Thema beginnen: der Russland-Causa, Staatsdoping.

Zunächst tragen Denis Oswald und Generaldirektor Christophe de Kepper vor.

Nun ist die ehemalige französische Sportministerin Valérie Fourneyron an der Reihe und berichtet über eine der vielen extra eingerichteten Bach’schen Arbeitsgruppen, das Olympic Athletes from Russia Invitation Panel (OARIP), später wird sie zudem über die neue Independent Testing Authority (ITA) reden.

Mein erster Lacher heute: Der korrupte langjährige FIFA-Fürst, ISL-Schmiergeldempfänger und Langzeit-Supremo des afrikanischen Fußballs, Issa Hayatou in seiner Funktion als IOC-Mitgflied und Ethikhüter des olympischen Weltsports.

9.54 Uhr (alle Zeitangaben Orstzeit): Nun der Bericht von Nicole Hoevertsz (Aruba), großer Bach-Fan und mittlerweile im Exekutivkomitee angekommen, in ihrer Eigenschaft als Chefin der Olympic Athletes of Russia Implementation Group (OARIG).

live aus PyeongChang (2): Olympische Systemfragen. Die Nähe zum organisierten Verbrechen

ALPENSIA. Habe gerade Ching-Kuo Wu begrüßt, kurz bevor er zur Eröffnung der IOC-Session chauffiert wurde. Herr Wu, war da nicht was? Klar, er wollte mal IOC-Präsident werden, führte von 2006 bis 2017 den Box-Weltverband AIBA und musste kürzlich wegen Misswirtschaft (mindestens) als AIBA-Boss zurücktreten, womit er auch seine Position als Vertreter der olympischen Sommersportverbände im IOC-Exekutivkomitee verlor. IOC-Mitglied ist und bleibt der Taiwanese natürlich. Vorerst? Oder solange, wie es die Regeln hergeben?

Einst schrieb mir Wu auf, warum er IOC-Präsident werden wolle …

… weil er die olympische Bewegung entwickeln könne.

Herr Wu war tatsächlich mal als Erneuerer angetreten, in der AIBA, als Nachfolger des schwer korrupten Pakistani Anwar Chowdhry † (hier finden sich einige zusammenfassende Beiträge von mir dazu, durchaus wichtig, wenn man die Zeitläufte verstehen möchte). Chowdhry wiederum diente einst in der sogenannten sportpolitischen Abteilung von Adidas unter Horst Dassler † und wurde 19086 auch von Dassler auch an der AIBA-Spitze installiert. Chowdhry werkelte für Dassler damals also an der Seite des IOC-Schmiergeldboten Jean-Marie Weber und des damaligen Adlatus von Horst Dassler, ein gewisser Thomas Bach war das. Heute ist er ein Mann, der nicht Freund von Wladimir Putin sein möchte, der unter Dassler ohnehin nie etwas mitbekommen hat von unsauberen Machenschaften (und selbstverständlich nie daran mitgewirkt hat), und der ganz ganz schlimm findet, wie sich das in der AIBA so entwickelt.